Anzère ist ein Walliser Retorten-Skiort oberhalb von Sion, der in den 1960er Jahren gegründet wurde. Es gilt als kleiner Bruder von Crans-Montana, da es nur wenige Kilometer westlich vom bekannten Ski- und Kurort auf einer ähnlichen Sonnenterrasse liegt. Dort verbrachte ich eine relativ spontane Woche Skiferien mit Kollegen. Auf Anzère gestossen sind wir aus dem einfachen Grund, dass es dort noch freie Betten hatte. Wie so viele Walliser Orte hat es hier nämlich unzählige riesige Chalets, belegt war aber schätzungsweise nur ein Viertel davon.
Das Skigebiet, welches zeitgleich mit dem Ort erschlossen wurde, beginnt am westlichen Ortsrand mit der Gondelbahn auf den Pas de Maimbré auf gut 2300m. 4 Sesselbahnen sowie einige kurze Schlepplifte erschliessen die 58 Pistenkilometer. Die Pisten sind fast ausschliesslich an südseitigen, baumfreien Hängen anzufinden und überwiegend rot oder schwarz. Eine Ausnahme bildet dabei die Sesselbahn Les Rousses, welche in zwei Sektionen einen schattigeren Osthang im Lärchenwald erschliesst.
Pistenplan: https://www.infosnow.ch/~apgmontagne/?l ... tab=map-wi
Die Bedingungen waren die gesamte Woche lang herausragend. Abgesehen von einigen kurzen Hängen (Pisten 12, 17 und 18) waren alle Pisten die ganze Woche geöffnet. Pisten 17 und 18 waren anfangs Woche auch geöffnet, mussten aber schliessen weil sie stark abgefahren waren. Auch abseits der Pisten war die Schneelage gut. Das Wetter war ebenfalls perfekt. Keine Wolke die ganze Woche und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, sodass die Pisten den ganzen Tag hart blieben.
Die Highlights:
- Preis-Leistung: Die 5-Tages-Karte kostete nur 168 CHF für U25
- Die Pisten: Es gab nur eine Piste, die mir nicht gefiel, nämlich Les Masques 2. Am besten gefielen mir die Pisten 13 Audey, 15, 19 La Chaux und 21 Les Rousses.
- Es gab im ganzen Gebiet immer wieder Pick-Nick-Plätze, einige davon sogar mit Feuerstelle. Ein sehr willkommenes Angebot für den preisbewussten Gast. Die Preise in den Restaurants waren ebenfalls fair.
- Wetter- und Schneeverhältnisse waren perfekt und die Pisten waren, abgesehen von einigen "Hotspots" vor den Sesselbahnen selten abgefahren.
- Die Aussicht im Gebiet ist, (wie fast immer im Wallis) einfach wunderbar.
Der erste Blick auf die Piste Les Masques 1 aus der 8er Gondelbahn auf den Pas de Maimbré (Garaventa) sieht vielversprechend aus. Die erste Gondel fährt leider erst um 08:45, deswegen sind die Rillen sehr schnell weggefahren.
Von der Bergstation, wie auch vom gesamten Skigebiet, sieht man zahlreiche andere Skigebiete. Gegenüber liegt Nax, wo intermezzo am selben Tag in meine Richtung fotografierte:https://cdn.alpinforum.com/imageproxy/? ... 14e5361d04 (auf seinem Foto liegt Anzère ganz links, die Schneisen der Talabfahrt und der Gondelbahn sind gut erkennbar).
Auch Nendaz, Piste de l'Ours und Thyon sind zu sehen.
Einfahren an der Piste 9 Les Luys, im Hintergrund auch Piste 8 und die 4KSB Les Luys. Auf dem Rücken gegenüber liegt Crans.
Anfängerbereich auf dem Pas de Maimbré, der von der KSB Les Luys überspannt wird. Es hatte relativ viele Anfänger im Skigebiet, obwohl viele Pisten immer wieder steile Abschnitte haben.
Steile Piste La Combe und gleichnamiger Lift, der nur in der Hauptsaison fährt. (Komisch dass am 8. 2. noch immer nicht Hauptsaison ist). Dahinter 4KSB Conches und 2SB Le Bâté. Die Piste ist im Pistenplan rot eingezeichnet, vor Ort jedoch zurecht schwarz markiert. Am Ende der Woche schauten hier einige Steine hervor.
Um zur nächsten 4KSB zu gelangen, nimmt man die Piste 11 Les Grillesses, die über Nacht stark beschneit wurde, jedoch danach nicht frisch präpariert.
Piste 11.
Die Ratrac Spur im Hintergrund wäre die sehr kurze Piste 12, die einzige, die die ganze Woche geschlossen blieb.
Lärchenwald bei der 4KSB Conches. Dahinter erkennt man schemenhaft die Piste 19 La Chaux.
Ischgl oder Anzère?
Le Bâté und La Combe.
Die 2SB Le Bâté führt auf den gleichnamigen Rücken, wo auch die 3KSB Les Rousses endet, die in einer eigenen Geländekammer am östlichen Skigebietsrand liegt.
Picknick-Bereich Le Bâté und interaktive Wartezeitentafel. Die Wartezeiten an allen Anlagen waren die ganze Woche unter 5 Minuten.
Oberer Teil der Piste nach Les Rousses noch im alpinen Gelände. Diese Piste erinnert mich vom Gelände her an die Piste "Lingelen" in Leukerbad, eine meiner absoluten Lieblingspisten. Diese hier kommt nicht ganz ran.
Les Rousses ist meiner Meinung nach der landschaftlich schönste Teil des Gebiets. Die untere Piste(n) führt durch lichte Lärchenwälder, vorbei an Felsbrocken und Alpen. Sie ist nie zu steil und nie zu flach und somit richtig gemütlich zum Skifahren. Im unteren Teil verzweigt sie sich mehrmals.
Auffahrt im Lärchenwald.
Zurück im Hauptgebiet im Bereich der gelben Route "Kunz". Kurioserweise befand sie sich an einer völlig anderen Stelle als auf dem Pistenplan eingezeichnet. Sie verlief zwischen der KSB Conches und der Piste 11. Auch interessant: Auch wenn es seit 2-3 Wochen keine nennenswerten Schneefälle mehr gab, war der Schnee selbst an manchen Sonnenhängen dank der Kälte noch pulvrig.
Auf einer anderen gelben Route, Nr. 27 Tsalan, kommt man an der LSAP-Bergstation des gleichnamigen Bügellifts vorbei. Seit 2020 und dem Bau der 4KSB Les Luys hat man für diesen Lift keine Verwendung mehr. Von der Bergstation hat man ausserdem einen herrlichen Tiefblick ins Rhônetal.
Der kurze SL Turin mit Blick auf den Mont Blanc.
Diese Netzkonstruktion verhindert, dass die Bügel den vorbeifahrenden Skifahrern an den Kopf prallen. Im Hintergrund ist die Bergstation der Gondel sichtbar.
SL Turin mit (kurzer) Piste. Der Garaventa-Lift ersetzte 2012 auf neuer Trassee einen Tal-Berg-Tal-Lift von Poma.
Die 4KSB Les Luys ist mit Baujahr 2020 die neuste Anlage im Gebiet. Abgesehen von der interessanten Trassierung durch die Lawinenverbaungen relativ langweilige "Einheitsware vom Marktführer". Darunter zu sehen ist die Piste 7 Goulet des Pâtres. Ganz schön steil für ne Rote.
An einer der besagten Pick-Nick-Stellen, am Talstation der 2SB machten wir Mittagsrast, wie überall im Gebiet mit super Aussicht.
Nach dem Mittag gingen wir nochmals nach Les Rousses. Das Bild zeigt eine der Varianten im unteren Teil, die alle wieder zusammenführen. Auf dem Rücken gegenüber liegt die 4KSB Bellalui von CMA. Auch der Cry d'Er und Chetseron sind erkennbar. Der "grosse Bruder" CMA könnte sich mal eine Scheibe von der Preis- und Pistenöffnungspolitik von Anzère abschneiden.
Von der Mittelstation der Les Rousses-KSB führt ein Ziehweg über den Pass de la Chaux zur gleichnamigen Piste (Nr. 19). Sobald der Pass umkurvt ist, öffnet sich dieses herrliche Panorama und darunter eine Hammer Carving-Piste.
Dieser super Hang und die Aussicht machten die Piste zu meiner Lieblingspiste im Gebiet. Der Abzweiger im oberen Teil ist die schwarze Piste Col de la Chaux. Sie schloss im Laufe der Woche wegen Schneemangels.
LSAP Skilift Talstation Tsalan. Im gleichnamigen Restaurant kehrten wir am Nachmittag noch ein. Von dort aus konnte man bequem via Piste 13 Audey mit dem Ziehweg Route des Grillesses ins Dorf zurückkehren. Die eigentliche Talabfahrt Piste des Masques war nämlich bei unser einzigen Befahrung anfangs Woche extrem vereist und steil und machte am Ende eines strengen Skitages wirklich keinen Spass.
Die Route des Grillesses endet oberhalb des Dorflifts von Anzère. Von dort aus kann man nach rechts zur Gondelbahn-Talstation abzweigen oder direkt zum Dorfplatz, welcher sich zwischen den riesigen Chalets befindet, abfahren. Ob man diese schön findet, ist natürlich Geschmackssache. Das Dorf war übrigens, trotz Februar und normal viel Leuten auf den Pisten, ziemlich ausgestorben und die Restaurants gähnend leer.
Insgesamt konnten wir jedoch eine traumhafte Woche in diesem Skigebiet, das zu Unrecht aufgrund seiner grossen Nachbarn gerne Mal vergessen geht, verbringen. Die idealen Schnee- und Wetterbedingungen halfen dabei sicherlich, das Skigebiet von seiner besten Seite zu zeigen, aber da es für mich kaum eine schlechte Piste gab, kann ich es jedem weiterempfehlen.