Evakuation Glacier 3000

Medienberichte rund um den Wintersport: Aktuelle TV-Tipps, Presseartikel, Unfallmeldungen und Diskussionen zu Nachrichten aus der Alpinwelt.
Bergfan
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Evakuation Glacier 3000

Beitrag von Bergfan »

https://www.t-online.de/nachrichten/pan ... ttung.html

Wo gibt es eine Seilbahn mit einer Gondel für 270 Leute?
Zuletzt geändert von TPD am 25.07.2023 - 09:25, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Titel angepasst

Schneefuchs
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Re: 270er Gondel?

Beitrag von Schneefuchs »

Wohl nirgends.

Und sie steckten wohl auch nicht wirklich in der Gondel fest: "Die Gondel sei mit dem Notmotor in eine Station gezogen worden." Na gut, es waren sicherlich beide. :wink:

Dann ist die "Sandalen-Armada" natürlich an der Bergstation festgesetzt, deshalb "rund 270 Touristen per Helikopter zur Mittelstation geflogen".

Der hoch qualifizierte Journalist war halt nicht in der Lage einen Artikel zu schreiben bei dem die Überschrift zum Inhalt passt. Oder die Dramatik sollte die Klickzahlen steigern...
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GIFWilli59
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Re: 270er Gondel?

Beitrag von GIFWilli59 »

Wobei die sonst clickbaitige Überschrift sogar korrekt ist.

In Vietnam gibt es eine PB mit 230er Kabinen, wenn die vielleicht mal voller ist, könnten 270 Personen gerettet werden müssen.
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Re: 270er Gondel?

Beitrag von Nocki »

In Nachrichten wird bei Seilbahnen bzw. Skigebieten leider quasi nie eine Fachsprache bzw. fachlich korrekte Sprache verwendet.
Beispiele: Gondel statt Kabine, Gondel statt Seilbahn (wie hier), Pfeiler statt Stützen etc.
Hier war mit "Gondel" die komplette Pendelbahn gemeint. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass insgesamt 270 Leute oben waren, die dann geborgen mussten. Sie saßen dann aber an der bzw. durch die Seilbahn fest.
Viele Grüße vom DM-und Girak-fan :ja: :wink:
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sheridan
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Re: 270er Gondel?

Beitrag von sheridan »

Den Red Run müsste man eigentlich auch zu Fuss machen können, zumindest ist auf der Landeskarte ein Weg eingezeichnet. Allerdings eher nicht geeignet für Touristen in Flip Flops ..
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TPD
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Re: 270er Gondel?

Beitrag von TPD »

In Nachrichten wird bei Seilbahnen bzw. Skigebieten leider quasi nie eine Fachsprache bzw. fachlich korrekte Sprache verwendet.
Und es wird auch noch ein falsches Bild in den Artikel rein gepflastert.
https://www.skichablais.net, seit 20 Jahren über Bergbahnen der Region Chablais und Umgebung.
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Theo
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Re: 270er Gondel?

Beitrag von Theo »

Auch wenn mit dem Dieselantrieb wo dort vorhanden ist laut Reglement nur die Bahn zurück in die Station gefahren werden darf wären von der Aufsichtsbehörde in diedem Fall drei Fahrten um die Leute runter zu bringen ganz sicher nicht kritisiert worden.
Die Flugaktion ist eher mehr als PR-Aktion anzusehen.
Zahlt ja die Versicherung, sollte man aber nicht zu oft nachen, sonst steigt die Prämie.
Lagorce
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Re: 270er Gondel?

Beitrag von Lagorce »

Bei der 2. Sektion von Glacier 3000 (PB125+1 Cabane - Scex Rouge) fiel der FU (Frequenzumrichter) des Hauptantriebs am Donnerstag 20. Juli 2023 um ca. 11 h (UTC+0200) aus. Danach wurden Kabinen 3 und 4 ohne Zwischenfall mit dem dieselhydrostatischen Notantrieb in die jeweilige Station zurückgefahren.
Ca. 270 Personen die sich in der Bergstation Scex Rouge befanden wurden in etwa anderthalb Stunden mittels zwei Hubschraubern in 54 Flügen von der Bergstation Scex Rouge in die Mittelstation Cabane geflogen.
Sektion 1 (PB125+1 Col du Pillon - Cabane) konnte technisch betrachtet stets normal betrieben werden.

Da keine betriebsmässig einsetzbare Hilfsantriebe vorhanden sind (bei denen u.a. sowohl die Sicherheitsbremse (SB) wie auch die geregelte Betriebsbremse (BB) betriebstüchtig sein müssen), darf aus reglementärischen Gründen der Notantrieb bzgl. Drittpersonenbeförderung ausschliesslich zur Bergungsfahrt der Fahrbetriebsmitteln (Fahrzeuge, hier umgangssprachlich "Kabinen") eingesetzt werden, weitere "öffentliche" Fahrten sind nicht zulässig.

(Probabilistisch betrachte ich allerdings bei reinem Hauptantriebs-FU-Ausfall das Risiko grösser 270 Personen per Heli zu transportieren als 3 Fahrten mit dem Notantrieb durchzuführen, dies sofern während der ganzen Fahrt ein Maschinist direkt beim Bremsaggregat bleibt (bei Glacier 3000 wirken BB und SB übrigens direkt auf jeweils getrennte Seilscheiben mit jeweils ausreichender Seilreibung), aber eben, die jeweiligen Betriebsvorschriften sind einzuhalten.)

Da der Fehler noch nicht definitiv behoben werden konnte, wurde die 2. Sektion bislang noch nicht freigegeben. Der FU konnte zwar zwischenzeitlich wieder in Betrieb genommen werden, die Störung trat jedoch gestern morgen vor der Öffnungszeit wieder auf.

Heute Samstag bleiben beide Sektionen bis auf Weiteres geschlossen.

Die Hauptantriebe beider Sektionen befinden sich in der Mittelstation Cabane, diese sind getrennt ausgeführt (inkl. sektionseigene MS/NS Netztrafos, allgemeine Hilfsbetriebe werden über einen 3. Netztrafo mit 0.4 kV unterspanungsseitig gespiesen). Die Notantriebe inkl. 3x400 V, 50 Hz Notstrombereitstellung für bahnspezifische sektionsbezogene Hilfsbetriebe sind ebenfalls weitgehendst getrennt ausgeführt, dies bis auf die hydraulische Umschaltvorrichtung, die es erlaubt bei einem defekten Dieselmotor-Hydraulikaggregat den Notantrieb mit dem defaultmässig der anderen Sektion zugeordnetem Dieselmotor-Hydraulikaggregat zu betreiben. Falls erforderlich, z.B. bei Ausfall des MS (Mittelspannung) Netzes, können ggf. beide Notantriebe gleichzeitig betrieben werden.

Unabhängig von den Notantrieben verfügt jede Sektion noch über ein Bergefahrzeug mit einer in der entsprechenden Bergstation untergebrachten autarken vollständig von den anderen Anlangenteilen getrennten dieselhydrostatischen Trommelwinde mit Wickelapparat.

M.E. verfügt das Personal von Gstaad 3000 SA (Betreiberin von Glacier 3000) über ein weit überdurschnittliches seilbahntechnisches Kompetenzniveau, dies bezeugt auch der absolut einwandfreie Zustand einer vor der Jahrtausendwende erstellten Anlage.

Sofern FU richtig geplant (inkl. Dimensionierung), installiert und parametriert sind, bleiben FU-Ausfälle bei fachgerechter Wartung (onehin minimal) selten und sind dann weitgehendst zufallsbedingt.
Problem ist eher, dass landesweit nur extrem wenige FU Top-Experten vorhanden sind. Seilbahnbetreiber verfügen kaum über FU Spezialisten und zudem sind i.d.R FU-Parametriereingriffe Sache des Steuerungsherstellers. Zu Diagnosezwecken wird bei heiklen Pannen u.a. zu Dataloggingzwecken umparametriert, ferner kann man falls wirklich erforderlich im FU selbst kleine Programmteile schreiben, um gewisse Fehler zu orten, das Ganze erfordert jedoch viel Praxiserfahrung damit weder Seilbahn noch FU im worstcase Fall gefährdet werden (dies sofern die ISU bzw. INU BCU-Regelungseinheiten noch korrekt funktionieren).

In gewissen Fällen können auch bahnexterne Ursachen wie z.B. sporadisch ungünstige MS-Netzverhälntnisse zu Störungen beim netzseitigen Umrichter (ISU) führen, dabei spielt ggf. u.a. die optimale Parametrierung gewisser Alarmschwellen eine bedeutende Rolle, zudem kann die optionale getrennte Spannungserfassung vorteilhaft sein.

Fehlersuche, Fehlerbehebung sowie die erforderlichen Testfahrten bedürfem u.U. etwas Zeit. Vorteilhaft ist bei Glacier 3000, dass man bei jeweils einer Spur mittels Wassertankbefüllung problemlos die Last von 0 bis 100 % (10080 kg inkl. Begleitperson) stufenlos anpassen kann.

Mehr kann ich zum Zwischenfall nicht sagen.
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Re: 270er Gondel?

Beitrag von gfm49 »

Schneefuchs hat geschrieben: 21.07.2023 - 09:22Der hoch qualifizierte Journalist war halt nicht in der Lage einen Artikel zu schreiben bei dem die Überschrift zum Inhalt passt.
Bei vielen Presseorganen gibt es Leute, die ausschließlich die Überschriften (und auch Zwischentitel) produzieren, um Leser anzulocken. Die zugrundeliegenden Artikel schreiben andere. Da gehen dann schon manche Nuancen verloren.

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sheridan
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Re: 270er Gondel?

Beitrag von sheridan »

Scheint eine grössere Sache zu sein, den Info-Termin von 17h heute haben sie auf Montag 8h verschoben. Aus der Ferne habe ich gesehen, dass eine Kabine der oberen Sektion in der Mitte hängt.
Lagorce
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Re: Evakuation Glacier 3000

Beitrag von Lagorce »

Abfalljournalismus pur:

DRAMATISCHE RETTUNGSAKTION: 270 Touristen per Helikopter aus Schweizer Gletscher-Skigebiet evakuiert

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Da war absolut nichts dramatisch. Die Fahrgäste wurden in den Kabinen mittels Notantrieb in die Stationen zurückgebracht, eine banale Seilbahnfahrt mit reduzierter Fahrgeschwindigkeit. Ca. 270 Personen wurden danach mit zwei Helikoptern von der Bergstation Scex Rouge in die Mittelstation Cabane geflogen da keine Strassenverbindung vorhanden ist. Ein ganz normaler Flug, niemand wurde aus den Seilbahnkabinen evakuiert.

Typisches Beispiel wie blödsinning und tendenziell Journalierende arbeiten. (Und wie man 125+1 Personen in die abgebildete Gondel mit TCS Werbung reinbringt ist mir rätselhaft!!!! :) )

Glacier 3000 bleibt heute noch geschlossen.
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Re: Evakuation Glacier 3000

Beitrag von schneesucher »

Dafür ist die Sprecherin zum Anbeissen.
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Re: Evakuation Glacier 3000

Beitrag von ski-chrigel »

„Alter weisser Mann“ wirst Du gleich hören… ;-)
Meine Berichte findet man seit 23.11.23 in einem anderen Forum
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sheridan
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Re: Evakuation Glacier 3000

Beitrag von sheridan »

Hier eine Stellungnahme mit etwas mehr Details:
https://www.glacier3000.ch/sys/download ... gnahme.pdf
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Re: Evakuation Glacier 3000

Beitrag von TPD »

Sind denn in der 1. Sektion andere Teile verbaut?
Sonst ist es schon ein wenig komisch, dass der Fehler nur bei einer Bahn auftritt.
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Lagorce
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Re: Evakuation Glacier 3000

Beitrag von Lagorce »

Nicht alles ist identisch, hier mal eine kurze Erläuterung.

Die beiden 21.5/0.69 kV 2000 kVA MS/NS-Verteiltransformatoren (MS: Mittelspannung 20 kV, NS: Niederspannung, hier 690 V ohne Nullleiteranschluss anstelle der üblichen 400 V) weisen unterschiedliche Schaltgruppen auf. Die aufgeführten 21.5 kV beziehen sich auf die mittlere Stellung des 5-stufigen oberspannungsseitigen handbetätigten Umstellers. Grundtyp ist sonst identisch, Bauart hermetisch, luftlos ölgefüllt, übliche rein passive ONAN Kühlart über Kühlrippen.

Jeder der beiden Verteiltransformatoren speist ausschliesslich den dazugeordneten Hauptantriebs-Frequenzumrichter (FU) mit 690 V 50 Hz 3-phasigem Drehstrom ohne Nullleiter (übliche 6-pulsige Speisung).

Die Schaltgruppenkombination wurde ursprünglich so gewählt, dass unterspannungsseitig eine Phasenverschiebung vorhanden ist, was eine Minderung der Netzrückwirkungen der ursprünglich installierten 6-pulsig versorgten ABB DCS 500B Stromrichtern ermöglicht. Zu beachten ist, dass nur einer der beiden Trafos einen unterspannungsseitigen internen Wicklungssternpunkt aufweist, dieser wird jedoch nicht abgegriffen. Oberspannungsseitig wird wie üblich ausschliesslich mit den drei Aussenleitern (MS-Phasen) gespiesen.

Eine meiner Vermutungen ist, dass möglicherweise der MS/NS-Transformator der die problembehaftete ISU (IGBT Supply Unit, bidirektionaler netzseitiger Inverter) vom Hauptantrieb von Sektion 2 (Cabane - Scex Rouge) speist, gewisse oberspannungsseitige (20 kV Romande Energie Netz bei regulärer Einspeisung der Trafostation in der Talstation Col du Pillon) Netzfehler etwas anders unterspannungsseitig (690 V) überträgt als der Trafo, der die problemlose ISU von Sektion 1 (Col du Pillon - Cabane) speist.

Jedenfalls betrachte ich Versorgungsnetzstörungen als durchaus plausible Grundursache für den ISU-Fehler bei regenerativem Betrieb, da Netzverhältnisse eine absolut wesentliche Rolle für eine reibungslose Rückspeisung bei generatorischem Betrieb (Rückspeisung bei elektrischer Bremsung) spielt.

Möglicherweise spielen insbes. Potentialausgleich sowie ggf. Kabelführung ebenfalls eine Rolle, zudem sind gebäudebedingt Aufstellungsanordnungen und Kabeltrassierungen anders als beim Hauptantrieb von Sektion 1.

Würde jedenfalls mal versuchsweise die (problembehaftete) ISU von Sektion 2 vorübergehend ab Trafo für Sektion 1 speisen und dabei die ISU von Sektion 1 stromlos lassen, dies ist recht einfach provisorisch für Testzwecke auszuführen, Sektion 1 kann notfalls mit dem Notantrieb fahren da es sich onehin nur um Dienstfahrten handeln würde. Ob dies gemacht wurde, kann ich nicht sagen.

Zudem kann man mit leistungsfähigen Power Analyzern überprüfen, ob Netzstörungen unterspannungsseitig (690 V) bei beiden Trafos in etwa vergleichbar sind oder eben doch nicht.

Dies bleibt jedoch meine rein persönliche Vermutung, kann auch völlig daneben liegen.

Da gewisse Hardwarekomponenten ausgetauscht wurden, gehe ich davon aus, dass sofern keine Board- sowie Firmware-Revisionsstandprobleme vorhanden sind, die komponentenbedingten Streuugen zu gering sein sollten um ein ausreichend abweichendes Betriebsverhalten der ISU zu bedingen, vorausgesetzt dass nicht entsprechend massgebend umparametriert wurde.

Da ein INU-seitiger (motorseitiger bidirektionaler Inverter) Fehler kaum die ISU, ausser über den Gleichstromzwischenkreis (ZK), beeinflussen kann, gehe ich davon aus, dass die INU nicht die Ursache des Problems ist. Durch Poweranalyse des Gleichstrom-Zwischenkreises würde man sowas onehin sofort herausfinden und zudem tritt dann bei ISU und INU irgendwann ein ZK-Fehler einmodulationsblockierender Fehler auf, den man aus aufgrund von Fehlermeldungen und diversen Logs eindeutig auswerten kann.
Eine direkte EMV-bedingte Beinflussung der ISU scheint mir nicht sehr wahrscheinlich, da FUs punkto EMV eine recht hohe "Autoimmunität" aufweisen müssen (Unempfindlichkeit gegenüber selbst generierte elektromagnetische Störeinflüsse), zudem sind die Steuerverbindungen u.a. zwischen den BCU Regelungseiheiten (Steuermodule zur Ansteuerung der R8i Invertern) als steckbare LWL- (Lichtwellenleiter) Verbindungen ausgeführt. Das hoffentlich vorhandene optionale BAMU Messmodul wird ebenfalls mittels LWL and die BCU der ISU angeschlossen.

LCL-Filtermodule sind eher unproblematisch, hauptstromseitig sind lediglich Wickelgut sowie Kondensatoren vorhanden. Ansonsten sind glaub standardmässig lediglich Stillstandsheizung, Zwangsbelüftung und Temperaturüberwachungen vorhanden. Einzelheiten müsste ich nachschlagen.

Hardwaremässig sind bei grossen Seilbahnhauptantrieben i.d.R. sinnvollerweise sämtliche R8i Invertermodule identisch und untereinander austauschbar. Je nach Netzspannung (meist ganz übliche 3x400 V 50 Hz) und erforderlichem Strom sind i.d.R. ingesamt 4 oder 6 R8i Invertermodule vorhanden (2 bzw. 3 parallelbetrieben ISU-seitig (netzseitig) und 2 bzw. 3 parallelbetrieben INU-seitig (motorseitig), je nach Netzspannung und Leistung sind 1 oder 2 (bei 2: parallelbetrieb) LCL-Filtermodule vorhanden. Bei Doppelantrieben sind diese Mengenangaben zu verdoppeln.
ISU sowie INU werden von der jeweiligen BCU Regelungseiheit angesteuert, diese ist hardwaremässig identisch und wird lediglich mit ISU bzw. INU Firmware betrieben. Bei den verschiedenen BCU-Varianten ist nur die Anzahl LWL-Ports unterschiedlich, solange die Anzahl LWL-Ports für den jeweiligen Einsatzfall ausreichend ist, sind BCU untereinander austauschbar (sofern keine Revisionsstandseinschränkungen vorliegen).

Durch den modularen Aufbau dieser grossen FU ist die Störungsbehebung eigentlich einfacher als bei kleinen FUs, da die wesentlichen Funktionsgruppen hardwaremässig getrennt sind und Boards auch besser zugänglich sind als bei kompakten FUs. Zudem stehen flexiblere und erweiterte Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung, dies u.a. aufgrund der Aufteilung der CPU Last auf zwei getrennte Steuerteile (ISU und INU) und dem vorhandenen Power Stage Link 2 Logger, der auf in der BCU gesteckte SD oder SDHC Speicherkarte Daten abspeichert.
Solange ausreichend BCU CPU-Leisungsreserve vorhanden ist, hat man eine gewisse Freiheit, gewisse Dataloggers spezifisch für eine Fehlerdiagnose gezielt zu parametrien, zudem kann man auch kleine Programmteile codieren die danach wieder gelöscht oder inaktiviert werden, dies wird übrigens auch bei komplexeren Inbetriebnahmen gemacht, u.a. um nicht dokumentierte Bugs der FU-Firmware und der PC-Software aufzudcken bzw. zu umgehen.

Allgemein betrachtet sollte der Fehler durchwegs aufdeckbar sein, insbes. da er reproduzierbar ist.
I.d.R. sind selten aufretende sporadische Fehler schwieriger zu orten und bedürfen ggf. den Einsatz von aufwendigen aufzeichnungsfähigen Geräten. Um bei kurz aufeinanderfolgenden Events die Zeitfolgerichtigkeit zu garantieren, ist je nach Anwendung eine GPS Zeitsychronisation mit Submillisekundengenauigkeit erforderlich.
Man kann zudem spezielle mehrkanalige Poweranalyzer einsetzen um heikle FU-Fehler aufzudecken, vermute dass die finnischen Experten vom ABB Herstellerwerk sowas routinenmässig intern einsetzen.

Wichtig ist, bei verdächtigen Netzfehlern zu bestimmen, ob sie eine Ursache für eine ISU-Störung darstellen oder ob sie auf eine Rückwirkung der ISU auf das Netz zurückzuführen sind.

Mittelspannungsseitige Netzqualitätsmessungen sind hingegen heikler, da u.a. gewisse Spannungswandler Messergebnisse nicht unwesentlich verfälschen können. Bei 690 V kann man je nach Gerät noch direkt messen.

Zusammenfassend bleibe ich der Meinung, dass man das breitere "Umfeld" der beiden FUs genau unter die Lupe nehmen muss und insbes. auch aklären, welche FU-externe Verhältnisse sich kürzlich verändert haben (u.a. auch, ob grössere Rückspeiseeinrichtungen oder industrielle Verbraucher die mittelspannungseitigen Netzbedingungen veränderten).
Dass ein FU-interner Fehler bislang nicht ausfindig gemacht werden konnte, ist mir rätselhaft, insbes. da ABB Schweiz über einen absoluten Top-Experten verfügt. Deshalb schliesse ich einen FU-externe Fehlergrundursache bewusst nicht aus.

Aber wie gesagt, dies bleibt meine rein subjektive Meinung, die involvierten Experten kenne sich da einiges besser aus, da sie sich täglich mit FU befassen.
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Re: Evakuation Glacier 3000

Beitrag von Lagorce »

@Moderatoren:
Bitte vorheriges Post nicht editieren oder fusionieren. Danke.

RTS1 (CH Staatsfernsehen), diverse Berichte in FR:
https://www.rts.ch/play/recherche?query=glacier+3000

Möglicherweise nur für CH IPs zugänglich.

Hier noch das Pressefoto von Gstaad 3000 AG.

Bild kommentiere aus praktischen Gründen im nächsten Post.

Keine Eröffnung für heute 2023-08-01. Meiner groben subjektiven Einschätzng nach übersteigen die Umsatzverluste bereits das doppelte der Nettoanschaffungskosten des gesamten FUs (OEM-Preis).
Dateianhänge
Pressefoto von Gstaad 3000 AG.
Pressefoto von Gstaad 3000 AG.

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sheridan
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Re: Evakuation Glacier 3000

Beitrag von sheridan »

Wieso ist das Problem eigentlich erst vor kurzem aufgetreten ? Wenn ich den RTS-Bericht richtig verstanden habe, wurde die Elektronik schon vor 4 Jahren erneuert.
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Theo
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Re: Evakuation Glacier 3000

Beitrag von Theo »

Gute Frage. Dass ein FU nach 4 Jahren kaputt gehen kann ist möglich, hat dann aber eher die Ursache in zuviel angesaugtem Dreck, also schlechter allgemeiner Wartung der ganzen Anlage. Das ist hier eher nicht der Fall und darum stellte Lagorce auch die berechtigte Frage nach kürzlichen Veränderungen im Stromnetz wo zwar nicht nur die Anlage alleine betreffen, derzeit jedoch nur dort negativfe Auswirkungen haben.
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Re: Evakuation Glacier 3000

Beitrag von Lagorce »

Die ca. 1999 eingebaute klassische Frey Steuerung wurde während dem jährlichen (allerdings planmässig auf 6 Wochen verlängerten) Revisionsbetriebsunterbruch im Herbst 2018 ersetzt und am 2018-11-03 wurde die Wintersaison gestartet. Zudem wurden die beiden (Sektion 1 und Sektion 2) bestehenden (3x690 V netzseitig) Gleichstromantriebe durch Asynchronmotoren mit ABB ACS880 FU (ebenfalls 3x690 V netzseitig) ersetzt.

Links im Bild ein "Oiseau rare" (https://fr.wiktionary.org/wiki/oiseau_rare), ein *SEHR* erfahrerer Seilbahnspezialist, der seit Jahren bei Gstaad 3000 AG tätig ist.
[ Edit: Bild zeigt FU von Sektion 1, nicht denjenigen von Sektion 2. ]

Sind bei Glacier 3000 R8i Invertermodule verbaut, sind diese allesamt jederzeit untereinander uneingeschränkt austauschbar.
Ein R8i Modul austauschen benötigt ca. 15 bis 30 Minuten je nach Einbaugegebenheiten, Werkzeug und Personal. Mit Ausnahme der obenliegenden Gleichstrom-Zwischenkreisanschlüsse (DC (Direct Current) ZK) die geschraubt sind, sind die restlichen Verbindungen steckbar.
Allerdings muss man darauf achten, dass keine LWL-Kabel und sonstige niederquerschnittige Kabel bzw. Leiter beschädigt werden. LWL-Kabellängen pro BCU nicht panaschieren um Signallaufzeitunterschiede zu vermeiden und auf richtige Vn(n)T/Vn(n)R-Paarung der LWL-Portanschlüsse achten.

Um dem Trauerspiel ein Ende zu setzen würde ich zuerst mal wie bereits erwänht die ISU von Sektion 2 ab Trafo von ISU von Sektion 1 speisen und dabei ISU von Sektion 1 spannungslos lassen und die BCU mittels linear geregeltem Netzteil speisen (redundanter zweiter 24 V DC Hilfsspannungseingag der ISU BCU dabei nicht anschliessen), oder gutes Labornetzeil einsetzen.

Falls ISU-Feher reproduzierbar ist, als nächster Schritt die ISU R8i vom FU von Sektion 1 inkl. BCU, Memorymodul, Piggybackmodule, LWL-Kabel, falls vorhanden BAMU Modul sowie die Sicherungen und den LCL Filter in den FU -chrank von Sektion 2 einbauen und dann ohne Anbindung an die übergeordnete Seilbahnsteuerung testen. Dabei ISU und INU ab Bedienpanel und PC lokal bedienen, Parameter entsprechend temporär anpassen und ggf. INU-STO sowie ISU-Modulationsfreigabe über provisorischen Not-Aus Pilztaster handhaben.

Mittels Hydrostat weit ins Feld herausfahren und FU ab Panels und PC testen. Dazu reicht die ungeregelte SB (Sicherheitsbremse) aus, da dann onehin jemand am Bremshydraulikaggregat bleibt.

So würde ich jedenfalls vorgehen um mal gewisse Fehlerursachen auschliessen zu können.

Wie von Anfang an erläutert, möchte ich zuerst einen FU-externen Fehler auschliessen können und diesbezüglich ganz gezielt FU-externe Unterschiede wie die Trafos (sind unterschiedlich!), Potentialausgleich, Kabelführung (stark unterschiedliche 690 V Speisekabellängen!), usw. genau untersuchen.

Da ich keine 100%-ige Garantie habe, dass sich neue Komponenten ausreichend gleich wie die bereits eingebauten Komponenten verhalten, würde ich dann eben irgendwann mal Teile des funktionierenden FUs von Sektion 1 bei Sektion 2 einbauen. Aufgrund des modularen Aufbaus ist dies "relativ" einfach.

Bzgl. Power Analyzer bin ich nicht sicher, ob die erforderlichen High-End Geräte verfügbar sind, da sie nicht verbreitet sind (z.B. von Yokogawa und HBK (vormals HBM)). Übliche Einstiegsgeräte so in der CHF/EUR 10'000.00 bis 20'000.00 Klasse reichen vermutlich nicht aus, solche setze ich selbst ein.
Und BTW, mit der Wärmebildkamera sollte man auch noch das Ganze kontrollieren, da stösst man da nicht selten auf Überraschungen.

Wollte eigentlich nicht auf Einzelheiten eingehen, nur finde ich den Fall doch kurios. Die Umsatzverluste sind vermutlich mittlerweils einiges höher als die doppelten FU-Anschaffungskosten. Habe jedoch keine Infos diesbezüglich und interessiert mich auch nicht weiter, da ich mich hier ausschliesslich mit technischen Fragen befasse.

Morgen Donnerstag 2023-08-03 bleibt die Anlage weiterhin geschlossen.

Zwei Wochen Stillstand aufgrund eines FU-Problems ist doch sehr eigenartig, insbes. da grosse ABB ACS880 FUs in zahlreichen kritischen Anwendungen im Einsatz sind und eigentlich ABB einen sehr guten Support leistet und zudem wurde in diesem High-Profile-Fall sehr schnell das Herstellerwerk in Finnland involviert.

Bin nach wie vor der Meinung, dass ABB ACS880 FUs sehr gut sind, aus diesem Einzelfall kann man keine allgemeingültige Schlüsse ziehen.

Edit:
Editiert da Bild in diesem Post den FU von Sektion 1 darstellt. Die Pressekonferenz fand im geräumigen Maschinenraum von Sektion 1 statt, das einzige Bild vom problematischen FU von Sektion 2 ist weiter oben (mit den zwei herausgefahrenen R8i Invertern auf dem Europalett).
Die Fernsehinterviews zeigen den FU von Sektion 1 sowie teilweise den Antrieb von Sektion 1. Maschinenraum von Sektion 2 ist viel enger da er sich im Altbauteil der Mittelstation Cabane befindet.
Die Trafostation befindet sich ebenfalls im Altbauteil, deshalb unterscheiden sich die 3x690 V Versorgungskabellängen stark, die Kabellänge zwischen Trafo und ISU von Sektion 1 ist einiges grösser als die zwischem dem Trafo und der ISU von Sektion 2. Zusammen mit den unterschiedlichen Trafoschaltgruppen könnte dies eine Rolle spielen. Konkret könnte man dies auch rechnerisch modelisieren sofern ausreichende Ausgangsdaten zur Verfügung stehen.
Dateianhänge
Glacier 3000: Sektion 2: Hauptantrieb: ABB ACS880 FU.
Glacier 3000: Sektion 2: Hauptantrieb: ABB ACS880 FU.
Zuletzt geändert von Lagorce am 03.08.2023 - 01:49, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Evakuation Glacier 3000

Beitrag von Meckelbörger »

Experten die Ferndiagnosen anhand von Bildern und Vermutungen anstellen sind mir suspekt. Bei deiner hier dargelegten Expertise, fahre bitte hin und unterstütze die Experten vor Ort, dann läuft die Bahn morgen wieder.
Lagorce
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Re: Evakuation Glacier 3000

Beitrag von Lagorce »

Glacier 3000 bleibt heute 2023-08-04 noch geschlossen.

Hier noch eine kleine Korrektur: Beim 20/0.69 kV 2000 kVA Speisetransformator mit unterspannungsseitigem Sternpunkt ist dieser herausgeführt.
Gem. Schaltgruppe weist der andere 20/0.69 kV 2000 kVA Speisetransformator, wie bereits richtigerweise erläutert, keinen Sternpunkt auf.
Beide Transformatoren stammen von einem mir unbekannten französischen Hersteller.

Vermute die Transformatoren verfügen nicht über eine statische Abschirmung.

Über die Einstellungen der früheren ABB DCS500B Stromrichtern, die von denselben Transformatoren jeweils getrennt 6-pulsig gespiesen wurden, kann ich mich nicht weiter äussern.

Bevor die problembehaftete ISU von Sektion 2 ab Speisetrafo von Sektion 1 vorübergehend für Testzwecke gespeisen werden kann, ist selbstverständlich abzuklären, u.a. ob netzformbedingte Gegebenheiten entsprechende Anpassungen erfordern, z.B. bzgl. gewissen betriebsmässig geerdeten Filtern und Überspannungsschutzvorrichtungen. Würde onehin überprüfen, ob sich was bzgl. Erdung geändert hat (oder geändert wurde), sowie allgemeiner was den Potentialausgleich betrifft.

Bin nach wie vor der Meinung, dass eine FU-externe Ursache nicht auszuschliessen ist. Um Klarheit zu verschaffen kann man Hochleistungs-Power-Analyzer einsetzen, und zwar für mehrkanalige GPS-zeitbasis-sychronisierte Aufzeichnungen, sowohl Netzseitig wie FU-intern und beim Potentialausgleich und gewissen Hilfsspannungen.
Ohne verlässliche Messungen kann man gewisse Ursachen nicht mit ausreichender Wahrscheinlichkeit ausschliessen.

Nebenbei würde ich noch die beiden Transformatoren von Experten zum Vergleich ausmessen lassen und ebenfalls Vergleichsmessungen bei fahrender Seilbahn zwischen Sektion 1 und 2 durchführen, sowohl bei getrennter wie simultaner Fahrt.

Dass fabrikneue R8i und BCU (inkl. Memorymodule) sowie Optionsmodule defekt wären, ist eher unwahrscheinlich (ggf. bei FU von Sektion 1 testen).
Zudem verfügt die BCU über ein sehr gutes Diagnosesystem. Hard- und softwareseitige Revisionsstandkompatibilitäten können zwar zu Probleme führen, nur ist hier ja das Herstellerwerk direkt involviert und R8i Inverter sowie BCU und andere Hardwarekomponenten sind doch einige im Einsatz.
AC- und DC-seitige Sicherungen würde ich allesamt gegen fabrikneue austauschen, sind zwar teuer, nur zur genauen Ausmessung hat man keine Zeit.

Diese ABB ACS880 sind auf wenige Hauptbestandteile aufgebaut und die ABB ACS880 Baureihe ist seit einiger Zeit auf dem Markt auch wenn zuerst kleinere all-in-one Single Drives eingeführt wurden. Die Leistungsmodule (R8i Invertern) sind eine Weiterentwicklung der ABB ACS800 R8i Modulen, die R8/R8i Module der früheren ABB ACS 600 ACN ISUs waren jedoch anders. Viel ABB ACS 600 Grund-Know-How ist immer noch für ACS880 gültig.
Die ABB SAMI STAR und ABB ACV 700 habe ich zuwenig gekannt.

Bei sehr komplexen elektrischen Pannen ist oft der Zugriff auf die richtige Messgeräte-Suite entscheidend, dabei muss man die dann noch bedienen können und die Messresultate richtig interpretieren. Nur eine beschränkte Anzahl high-end Geräte sind in der Lage, direkt in der entsprechenden CAT bei 690 V AC und entsprechenden DC ZK-Spannungen auf ca. 2500 m ü.M. zu messen.

Dies ist lediglich mein Standpunkt, wie genau vorgegangen wird, ist Sache der Intervenierenden. Bin dennoch sehr überrascht, dass die Ausfalldauer so lange ist, ausser bei Ersatzteillieferproblem. Da Fehler reproduzierbar ist, sollte er entsprechend auch aufdeckbar sein. Ausser bei seltenen extremen Schäden, wie z.B. massiver Störlichbogen, kann ein grosser luftgekühlter single-drive FU mit R8i Invertern aufgrund der modularen Bauweise meist innert Stunden repariert und wieder in Betrieb genommen werden sofern Ersatzteile vorhanden sind. Ist sogar einfacher und schneller als für mittelgrosse FUs, die weniger modular aufgebaut sind und bei denen Einzelteile wie Inverter und LCL-Filter nicht herausfahrbar sind.
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Re: Evakuation Glacier 3000

Beitrag von Seilbahnfan 05 »

Das Problem konnte zum Glück gelöst werden, ab morgen ist der Glacier 3000 wieder geöffnet :D :
https://www.glacier3000.ch/de/informati ... cable-cars
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Meckelbörger
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Re: Evakuation Glacier 3000

Beitrag von Meckelbörger »

Gott sei Dank, dann haben diese Ferndiagnoseposts ja ein Ende.
markus
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Re: Evakuation Glacier 3000

Beitrag von markus »

ich finde das höchstinteressant was der lagorce da schreibt. Und es ist ein fundiertes Fachwissen, was der Großteil der User hier sicher nicht hat.

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