Klar gibt es Fälle, in denen grössere Solaranlagen nicht ans Netz gehen können. Dann wird der Netzbetreiber schauen, dass er sein Netz möglichst bald ausbaut.
Detlef Fischer, Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft
Vorstellung Netzstrom ManagementGerade um die Mittagszeit kann es aber auch vorkommen, dass nicht zu wenig, sondern zu viel Strom in die Netze fliesst. Beispiel Bayern, das Bundesland mit der meisten installierten PV-Leistung:
Aktuell sind dort mehr als 19 Gigawatt (GW) Photovoltaikanlagenleistung (ca. 800.000 Anlagen) an die Stromnetze angeschlossen. Bis 2040 sollen es über 80 GW PV-Leistung sein. Zu Spitzenlastzeiten werden laut dem Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft aber nur rund 13 GW benötigt, an schönen Ferienwochenenden nur fünf bis sechs GW. Damit erzeugen alleine die Photovoltaikanlagen an sonnigen Mittagsstunden insbesondere im Sommerhalbjahr mehr Strom als in Bayern verbraucht wird. An den Strombörsen wird Strom dann zu Negativpreisen gehandelt, die Anlagen produzieren den Strom also teilweise am Bedarf vorbei.
Um dem entgegenzuwirken, wird derzeit der grösste Batteriespeicher Europas in Bayern geplant. Der Speicher in Förderstedt soll nach seiner Fertigstellung im Jahr 2025 rund 600 Megawattstunden Strom speichern können. Theoretisch könnten damit 31.250 Haushalte für 24 Stunden mit Strom versorgt werden.
Neben Batteriespeichern wird aber auch an anderen Wegen geforscht, Strom besser zu speichern, etwa durch Elektrolyse-Geräte: Sie sollen in Häusern mit PV-Anlagen überschüssigen Strom in Wasserstoff umwandeln, um die Energie zu einem späteren Zeitpunkt zu nutzen.
Der Vorschlag E-Autos am Arbeitsort oder PR beim Bahnhof zu laden ist das eine. Aber auch dort braucht es die entsprechende Ladeinfrastruktur. Die Arbeit für diesen Transformationsprozess geht nicht zu schnell aus, sofern man genügend Arbeiter und Material davon hat.In grosser Not müssen Geräte gedrosselt werden
Die Bundesnetzagentur arbeitet aktuell an einer Reform des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG). Darin soll verankert werden, dass Energieversorger "steuerbare Versuchseinrichtungen", also zum Beispiel Wallboxen oder Wärmepumpen, drosseln dürfen, um die Stabilität der Verteilnetze zu gewährleisten. Sollte also akut zu wenig Strom im Netz vorhanden sein, könnte ein Elektroauto nur noch mit gedrosselter Leistung geladen werden. Laut Bundesnetzagentur sollen aber immer mindestens 4,2 KW Strom fliessen.
Sowohl die Bundesnetzagentur als auch die Energieversorger sehen die Drosselungen als letztes Mittel, was möglichst selten eingesetzt werden soll:
Unser Ziel ist es immer, steuernde Eingriffe von Seiten der Netzbetreiber auf das Mindeste zu begrenzen.
Marvin Macke, Sprecher von E.on
Flexible Stromtarife und Netzentgelte
Für Energieexperte Maurer ist ein Schlüssel zur Entlastung der Stromnetze eine Veränderung beim Stromverbrauch. Das könnte zum Beispiel über flexible Stromtarife und Netzentgelte erreicht werden. In einem Beispielszenario sähe das ungefähr so aus:
Elektroautos werden häufig am Abend geladen. Wenn aber immer mehr Elektroautos zur gleichen Zeit am Abend geladen werden sollen, kann das die Verteilnetze überfordern. Die Energieversorger können gegensteuern, indem Sie flexible Tarife anbieten: Wenn der Strom etwa ab 21 Uhr günstiger wird, können Autobesitzer überlegen, ihr E-Auto etwas später erst zu laden - oder idealer Weise um die Mittagszeit, wenn sehr viel Strom eingespeist wird. Damit wird der Strombedarf über eine grössere Zeitspanne gestreckt.
Quellen: https://www.zdf.de/nachrichten/wirtscha ... t-100.htmlDamit müsste ein regionaler Netzbetreiber - wie beispielsweise unsere Tochter Bayernwerk - die gleiche Menge der aktuell im Netzgebiet befindlichen Umspannwerke bis 2030 noch einmal neu bauen (70 Anlagen).
Marvin Macke, Pressesprecher E.on
https://www.zdf.de/nachrichten/wirtscha ... t-100.html
https://youtu.be/eIKlIsSGiA8 Zeitbedarf: 6:29 Minuten
abgerufen 06.08.2023