Zu einem dramatischen Unfall ist es am Freitagvormittag in einem Skigebiet in Schwendau im Tiroler Zillertal gekommen: Ein Sessel eines Sessellifts löste sich plötzlich und krachte gegen eine zweite Garnitur. Eine Mutter und ihr elfjähriges Kind stürzten daraufhin rund zehn Meter in die Tiefe. Die Frau wurde schwer am Rücken verletzt, das Kind kam mit leichten Verletzungen davon.
Ja ist Lärchwald. Krass. Bin unzählige male mit dem gefahren. Am Sonntag war ich noch dort, als er aber noch nicht lief. Vielleicht zum Glück in dem Fall. Da bin ich mal auf die Ursachenanalyse gespannt.
Offiziell ist es halt Gemeindegebiet Schwendau, auch wenn Mayrhofen mehr Leute kennen.
Bin kein Experte, aber die Klemmkraft sollte ja eigentlich bei Stationsausfahrt automatisch geprüft werden. Kann es sein dass eine schmierige Stelle auf dem Seil eine Rolle spielt? Die Bahn ist ja noch nicht lange in Betrieb diese Saison.
Werna76 hat geschrieben: 08.12.2023 - 18:42
Jemand eine Idee was da technisch schief gelaufen sein könnte?
Dass die Klemme nicht korrekt geschlossen hat ist ja klar. Normalerweise die Schliessung mit Sensoren abgefragt. Wenn das Ergebnis nicht korrekt ist gibt es einen automatischen Nothalt. Es sind hier entweder 2 Fehler gleichzeitig aufgetreten oder (wahrscheinlicher) ein Problem innerhalb der Klemme, z.B. ein Bruch einer Feder oder eines Bolzens.
Aber das ist alles Spekulation. Man wird es bei der Untersuchung sicherlich herausfinden.
Jedenfalls werden ganz viele schon mit dieser Bahn gefahren sein, ich auch. Sie liegt zentral in einem der bedeutendsten Skigebiete. So etwas beeindruckt doch immer mehr als ein Unfall "weit weg".
Edit:
David93 hat geschrieben: 08.12.2023 - 19:20
Bin kein Experte, aber die Klemmkraft sollte ja eigentlich bei Stationsausfahrt automatisch geprüft werden. Kann es sein dass eine schmierige Stelle auf dem Seil eine Rolle spielt? Die Bahn ist ja noch nicht lange in Betrieb diese Saison.
In dem Ausmass kann ich mir das nicht vorstellen, vielleicht ein kleines Rutschen, aber nicht sowas. Dazu war der Sessel mit 2 Erwachsenen und 1 Kind nur zu knapp 50% belastet.
Ich war heute vor Ort, die Bahn hatte den ersten Betriebstag der Saison und der Unfall ist früh morgens bei einer der ersten Fahrten passiert. Als ich um ca 9h in Mayrhofen von Lanersbach aus ankam stand die Bahn schon.
Hatte das mit dem Rutschen der Klemme gar nicht mitbekommen, die beiden Sessel waren schon in die Bergstation gefahren.
Ich hatte den Unfall nicht mitbekommen, dachte der Heli schaut wie viel Leute in der Bahn sitzen und ob man eine Bergung einleitet oder die Bahn leer fahren kann. Nach ca 2 Stunden Stillstand fuhr die Bahn dann ganz langsam leer und die beiden Sessel wurden direkt in den Bahnhof geschoben.
Also ist der Unfall vermutlich bei der ersten Fahrt passiert.
Der obere Sessel ist auf dem Seil ins Rutschen geraten und gegen den darunter geprallt. Dabei sind 2 Fahrgäste herausgestürzt. Die Sessel selbst sind am Seil verblieben und später in die Bergstation gefahren worden.
Schneefuchs hat geschrieben: 08.12.2023 - 19:27
Dass die Klemme nicht korrekt geschlossen hat ist ja klar. Normalerweise die Schliessung mit Sensoren abgefragt. Wenn das Ergebnis nicht korrekt ist gibt es einen automatischen Nothalt. Es sind hier entweder 2 Fehler gleichzeitig aufgetreten oder (wahrscheinlicher) ein Problem innerhalb der Klemme, z.B. ein Bruch einer Feder oder eines Bolzens.
Reine Spekulation und ich will keinen beschuldigen solange man nichts weiß, aber bei einer über 30 Jahre alten Anlage am ersten Betriebstag der Saison...das klingt sehr nach Ermüdung, ergo schlampiger oder gar nicht durchgeführter Kontrolle/Wartung. Ansonsten kann sowas fast nicht passieren. Ein Konstruktionsfehler ist nach dieser Betriebsdauer sehr unwahrscheinlich, der wäre ja früher schonmal aufgetreten. Schlimmstenfalls könnte es ein Fehler in einem Ersatzteil sein. Aber wird sich zeigen.
Schneefuchs hat geschrieben: 08.12.2023 - 19:27
Dass die Klemme nicht korrekt geschlossen hat ist ja klar. Normalerweise die Schliessung mit Sensoren abgefragt. Wenn das Ergebnis nicht korrekt ist gibt es einen automatischen Nothalt. Es sind hier entweder 2 Fehler gleichzeitig aufgetreten oder (wahrscheinlicher) ein Problem innerhalb der Klemme, z.B. ein Bruch einer Feder oder eines Bolzens.
Reine Spekulation und ich will keinen beschuldigen solange man nichts weiß, aber bei einer über 30 Jahre alten Anlage am ersten Betriebstag der Saison...das klingt sehr nach Ermüdung, ergo schlampiger oder gar nicht durchgeführter Kontrolle/Wartung. Ansonsten kann sowas fast nicht passieren. Ein Konstruktionsfehler ist nach dieser Betriebsdauer sehr unwahrscheinlich, der wäre ja früher schonmal aufgetreten. Schlimmstenfalls könnte es ein Fehler in einem Ersatzteil sein. Aber wird sich zeigen.
Die Klemmen müssen in Österreich soweit ich weiß alle 5 Jahre revisioniert werden, das heißt komplett zerlegt, geprüft und neu zusammengebaut werden. Das muss auch entsprechend dokumentiert werden. Da diese Kontrolle aber auch nur durch visuelle Kontrollen durchgeführt werden kann, könnte durchaus auch ein Ermüdungsbruch vorliegen. Eine nicht durchgeführte Wartung würde ich hier aber niemandem unterstellen.
Ebenso würde ich eine schmierige Stelle auf dem Seil ausschließen. Geschmiert werden in der Regel wenn überhaupt nur die Spleißknoten, und sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass eine Klemme auf dem Spleißknoten ins Rutschen kommt, dann müsste diese danach auch wieder festen Halt finden.
Meines Erachtens kann der Fehler nur bei der Klemme zu finden sein.
david02 hat geschrieben: 08.12.2023 - 23:36
Die Klemmen müssen in Österreich soweit ich weiß alle 5 Jahre revisioniert werden, das heißt komplett zerlegt, geprüft und neu zusammengebaut werden. Das muss auch entsprechend dokumentiert werden.
Richtig das ist so. Kann aber auch durchaus sein, dass dabei ein Fehler gemacht wurde.
Der Lärchwald Express verfügt über die Doppelmayr ,,DS 104'' Klemme welche mit Tellerfedern im inneren der Klemme Arbeitet. Diese sind sehr Revisionsintensiv, da die einzelnen Tellerfedern öfters brechen. In Österreich müssen die meisten Klemmen alle 2 Jahre komplett zerlegt und revisioniert werden. Meines Wissens ist dieser Revisionsinterwall auch bei der DS 104 der Fall, allerdings revisionieren viele Bergbahnen diese Klemme jährlich, wegen dem zuvor bekanntgegebenen Grund. Sind zu viele der Tellerfedern Defekt müsste dies die Klemmkraftprüfung allerdings merken und die Anlage abstellen. Auch bei den Abziehversuchen bemerkt man wenn eine Klemme nicht richtig arbeitet, allerdings werden bei diesen Versuchen nur ein paar Klemmen jährlich überprüft.
Leider weiß ich nicht wie die Klemmkraftprüfung beim Lärchwald Express erfolgte (Mechanisch oder Kraftmessdose??).
Ich vermute jedoch das die Klemme defekt und die Klemmkraftprüfung fehlerhaft war, und dies zu dem schrecklichen Unfall führte.
Der belegte Sessel ist zurück gerutscht? Aber warum sind dann zwei Personen aus dem Sessel gefallen?
Die Vorstellung, dass mir ein vollbestzer Sessel entgegen kommt und mir dann meine Kniescheiben zertrümmert, ist sehr unangenehm. Passiert zum Glück wohl selten.
Zuletzt geändert von Skimarkus am 10.12.2023 - 01:04, insgesamt 1-mal geändert.
Warum Fahrgäste aus dem Sessel gefallen sind kann ich auch nicht nachvollziehen. Sie befanden sich wohl im vorderen Sessel. So lange es rutscht dürfte bei geschlossenem Bügel nichts passieren, und die Kollision drückt einen in die Lehne, wie beim Auto-Heckaufprall.
Oder sind sie vielleicht abgesprungen um der Kollision zu entgehen? Je nach Höhe, Rutschgeschwindigkeit und Untergrund könnte das auch die bessere der schlechten Optionen sein.
Ich denk schon dass die durch die Wucht des Aufpralls rausgeschleudert wurden.. allerdings muss dazu der Sicherheitsbügel bereits (oder noch) offen gewesen sein...
Ich kann jetzt nur spekulieren, aber ich vermute eher der Sessel ist ruckartig nach hinten gerutscht und aufgrund der Masseträgheit sind die Insassen dann ohne Zeit zum reagieren hinunter geschleudert worden.
Die Ds Klemme hat eine integrierte Klemmkraftprüfung. Der schwarze Plastikhebel „kommt bei zu geringer Klemmkraft heraus“ und sollte dann einen Bruchstab bei Stationsausfahrt abschlagen, bzw. eine Blende betätigen.
Also wird das dann im Fehlerspeicher der Steuerung stehen, sollte es so gewesen sein. Dann wäre es menschliches Versagen, weil die Anlage dann ja wohl wieder einfach so eingeschaltet wurde. Das ist auch damals bei der Eröffnung der Hochzeiger Eub passiert.
Ist die Blende nicht betätigt worden, war sie evtl. falsch eingestellt, oder es ist wirklich durch Eis etc. zum Rutschen gekommen. Oder es ist erst auf der Strecke etwas mit der Klemme passiert. Aber das wird die Untersuchung ja zeigen.
An der Stelle wo der Sessel gerutscht ist wird die Anlage steiler als vorher.
Zuletzt geändert von jojo2 am 09.12.2023 - 20:28, insgesamt 2-mal geändert.
In der Tiroler Tageszeitung steht, dass sich ein Sicherungsring verschoben habe.
Die Ursache dafür konnte scheinbar (noch?) nicht geklärt werden.
Interessant ist der Verweis auf einen ähnlichen Vorfall, der sich vor Jahren zutrug.
So oder so ist das menschliches Versagen. Geht auch nicht anders. Fehler in der Revision. Fehler in der Konstruktion, Fehler in den Revisionsvorgaben ...
So oder so ist das menschliches Versagen. Geht auch nicht anders. Fehler in der Revision. Fehler in der Konstruktion, Fehler in den Revisionsvorgaben ...
Nach dieser Logik wäre ja jeder Vorfall/Unfall menschliches Versagen. Ich persönlich würde nun erstmals abwarten was die Untersuchungen ergeben, wie sich das Teil lösen konnte, bevor man hier Schuldzuweisungen macht. Das ist ja nach wie vor Unbekannt, wie du schon selber geschrieben hast. Erst dann kann man seriös den Fall beurteilen und ggf. Maßnahmen setzen, damit sich das nicht wiederholt.