Das vergessene Seilbahnunglück von Vaujany

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Mt. Cervino
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Das vergessene Seilbahnunglück von Vaujany

Beitrag von Mt. Cervino »

Das französische Dorf Vaujany hatte Ende der 1980er Jahre große Ambitionen. Der Ort mit etwas mehr als 400 Einwohnern wollte von der Skiindustrie profitieren. Der einfachste Weg war die Verbindung zum großen Nachbarn Alpe d’Huez. Die schnellste und längste Kabinenbahn der Welt würde den Weg zum weißen Gold eröffnen. Doch der Lifthersteller Poma, der sich den lukrativen Bau des der Seilbahn gesichert hatte, war in Verzug geraten. Die geplante Eröffnung zu Weihnachten 1988 war bereits verschoben worden, und nun wurde Tag und Nacht gearbeitet, um am 20. Januar 1989 eröffnen zu können. Pünktlich zu den Frühjahrsferien, aber eine Woche vor der Eröffnung, kam es zur Katastrophe.
...
https://www.skiportal.de/blog/14/02/202 ... on-vaujany

Interessanter Bericht zum o. g. Unglück von dem ich bisher nur mal am Rande etwas gehört habe.
Interessante vor allem auch die Ausführungen zum "Loi Montagne", und welche Goldgräberstimmung, aber auch welcher Druck in diesem Zusammenhang damals in vielen französischen Skiorten entstanden ist. In dieser Zeit sind wohl noch mal viele Projekte in FR realisiert worden, die die damals schon tollen und sehr ausgedehnten Skigebiete letztlich zu dem gemacht haben was sie heute sind.
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Skimarkus
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Re: Das vergessene Seilbahnunglück von Vaujany

Beitrag von Skimarkus »

Interessante Geschichte. Was wurde denn aus der Bahn?
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Mt. Cervino
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Re: Das vergessene Seilbahnunglück von Vaujany

Beitrag von Mt. Cervino »

Ich denke mal die wurde repariert oder neu gebaut. Müsste doch die PB Vaujany-Alpette sein.
Ich kenne das Gebiet aber nicht wirklich. War noch nie dort.
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Jay
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Re: Das vergessene Seilbahnunglück von Vaujany

Beitrag von Jay »

Fiese Geschichte. Aber ob der Unfall wirklich eine Auswirkung auf das Dorfleben und den Wegzug hatte?
biofleisch
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Re: Das vergessene Seilbahnunglück von Vaujany

Beitrag von biofleisch »

Es gibt für diese Strecke zwei Pendelbahnen. Ursprünglich war da vermutlich eine für die Gesamtstrecke vorgesehen, denn in der Bildunterschrift heißt es Vaujany bis Petit Rosses...
drowning in fakenews?
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Mt. Cervino
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Re: Das vergessene Seilbahnunglück von Vaujany

Beitrag von Mt. Cervino »

biofleisch hat geschrieben: 26.02.2024 - 15:10 Es gibt für diese Strecke zwei Pendelbahnen. Ursprünglich war da vermutlich eine für die Gesamtstrecke vorgesehen, denn in der Bildunterschrift heißt es Vaujany bis Petit Rosses...
So wie ich das verstehe waren da immer 2 Sektionen geplant und so auch von Anfang an gebaut: Steht ja auch so im Text:
Kurz bevor der Lift die Bergstation Alpette erreichte, löste sich die Kabine vom Seil und stürzte zweihundert Meter in die Tiefe.
Bergstation Alpette ist ja die Mittelstation. Das Unglück muss also an der 1. Sektion passiert sein.
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Re: Das vergessene Seilbahnunglück von Vaujany

Beitrag von Mt. Cervino »

Vaujany
Cable car accident
During a test run of a new cable car (which was to be the largest and fastest in the world[5]), one week before its expected opening date on 13 January 1989, the cable car fell 250 m (820 ft) into the valley below while the cabin was passing a point 200 m (660 ft) from the arrival station.[6] There were eight technicians on board the lift, all of whom died.[7] They had all worked for SATA (the lift operator) or Poma (the lift builder).[8] An expert witness at the trial claimed that the design was a poor-quality copy of a Swiss system, leading to design problems which rendered the operation of the cable car unsafe. Poma did not have much experience building this style of lift at the time[8] and had agreed to complete the construction in ten months, compared to the two years proposed by some of its rivals,[8] leading to claims that corners had been cut in the construction of the lift. The consulting engineer (Denis Creissels) also suggested that there was a lack of communication between the companies.[8] On 9 September 1996 five people were charged with manslaughter at the criminal court of Grenoble; these were Jean-Pierre Cathiard (CEO of Poma), Serge Tarassof (technical director), Reylans Michel (engineer), Denis Creissels (supervisor) and Jacques Lombard (chief engineer). As part of the trial, four experts highlighted many mistakes made by Poma,[6] most of which were based on the stabilizer,[5] which had been copied from another company before having further issues added to its design.[6]
https://en.wikipedia.org/wiki/Vaujany

Interessant, dass da auch Denis Creissels wieder mit dabei war und sogar neben anderen Personen wegen des Unglücks verurteilt wurde. Er hatte ja auch die Télésorres Bahn in Les Orres geplant, die in dem Vaujan Artikel angesprochen wurde und ebenfalls abgestürzt ist. Da die Bahn auf parkende Autos gefallen war, und die Seilhöhe eher niedrig war, ist das Unglück damals weniger schwer verlaufen.

Dennis Creissels hat ja viele faszinierende PBs und viele andere Unikate im Seilbahnbau entworfen. Aber das ein oder andere Projekt davon scheint doch ein bisschen mit den heißen Nadel gestrickt gewesen zu sein.
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Mt. Cervino
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Re: Das vergessene Seilbahnunglück von Vaujany

Beitrag von Mt. Cervino »

Unter dem folgenden Link findet man übrigens die Doku "Les Morts De L’or Blanc" zum Vaujan Unglück auf die in dem Artikel am Anfang Bezug genommen wird:
https://youtu.be/ssIqKmJJYkQ
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Re: Das vergessene Seilbahnunglück von Vaujany

Beitrag von phifue »

Mt. Cervino hat geschrieben: 26.02.2024 - 16:01 Unter dem folgenden Link findet man übrigens die Doku "Les Morts De L’or Blanc" zum Vaujan Unglück auf die in dem Artikel am Anfang Bezug genommen wird:
https://youtu.be/ssIqKmJJYkQ
Interessant das die Lünerseebahn zum Teil als Vorschaubild genommen wurde, hat ja gar nichts mit der Bahn oder dem Unglück zu tun.

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Kris
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Re: Das vergessene Seilbahnunglück von Vaujany

Beitrag von Kris »

Bei der Bahn versagten/lösten sich einige Splinte Schrauben, wonach die Aufhängung der Kabine ganz banal von der Achse am Laufwerk rutschte.
Neu war mir, lt. Dokumentarfilm, dass Poma offenbar diese Befestigung der Kabine am Laufwerk (und wohl das Laufwerk als Ganzes auch) von einem "Schweizer Hersteller" kopiert hätte.
Diese Technologiekopie sei stümperhaft erfolgt, ohne eigene Reflexion. Dies auch, weil Poma damals über keine Erfahrung im Bau von Pendelbahnen verfügte. Das Schweizer Original hätte eine fatale Schwachstelle in der Befestigung gehabt, als sich Poma (der Pläne) des Systems aneignete. Tatsächlich wurde die Schwachstelle jedoch an Anlagen in der Schweiz bereits zuvor ausgemerzt, was Poma nicht mitbekam,

In 8 Monaten eine 160er Seilbahn, mit 12m/s und großem Höhenunterschied hinstellen zu wollen, ohne zuvor je eine (signifikante) PB gebaut zu haben, erwies sich dann fatalerweise als zu ambitioniert...
>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<
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Christoph Lütz
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Re: Das vergessene Seilbahnunglück von Vaujany

Beitrag von Christoph Lütz »

Kris hat geschrieben: 26.02.2024 - 19:26 Bei der Bahn versagten/lösten sich einige Splinte Schrauben, wonach die Aufhängung der Kabine ganz banal von der Achse am Laufwerk rutschte.
Neu war mir, lt. Dokumentarfilm, dass Poma offenbar diese Befestigung der Kabine am Laufwerk (und wohl das Laufwerk als Ganzes auch) von einem "Schweizer Hersteller" kopiert hätte.
Diese Technologiekopie sei stümperhaft erfolgt, ohne eigene Reflexion. Dies auch, weil Poma damals über keine Erfahrung im Bau von Pendelbahnen verfügte. Das Schweizer Original hätte eine fatale Schwachstelle in der Befestigung gehabt, als sich Poma (der Pläne) des Systems aneignete. Tatsächlich wurde die Schwachstelle jedoch an Anlagen in der Schweiz bereits zuvor ausgemerzt, was Poma nicht mitbekam,

In 8 Monaten eine 160er Seilbahn, mit 12m/s und großem Höhenunterschied hinstellen zu wollen, ohne zuvor je eine (signifikante) PB gebaut zu haben, erwies sich dann fatalerweise als zu ambitioniert...
Poma war beim Bau der 150er-Pendelbahn Caron im Jahr 1981/82 in Val Thorens Generalunternehmer und hatte sich mangels Erfahrung mit diesem Seilbahnsystem die Maschinenfabrik Habegger/Thun als Nachunternehmer ins Boot geholt. Die Bahn wurde für 150 Personen zugelassen, war aber nach Schweizer Richtlinien mit einer Nutzlast 10500 kg (bei 80 kg je Person) nur eine 130er-Pendelbahn und wurde auch so später bei Von Roll-Habegger in der Referenzliste geführt. Die Bahn ist bis heute mit Laufwerken mit Bremswagen sowie Gehängen von Habegger ausgerüstet.

1985 ging dann im benachbarten Courchevel die erste große Poma-Anlage mit 160er-Kabinen "Saulire" ohne Tragseilbremsen und ohne Beteiligung von Habegger (war inzwischen in Von Roll-Habegger aufgegangen) in Betrieb. In Vaujany entstanden dann 1989/90 die zwei weitgehend baugleiche Anlagen ebenfalls mit 160er-Kabinen von Poma.

Die Karosserien der Pendelbahnkabinen für die Poma-Anlagen in den 1980ern wurde übrigens alle bei Gangloff in der Schweiz gebaut.
Poma-Prospekt von 1985
Poma-Prospekt von 1985
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Re: Das vergessene Seilbahnunglück von Vaujany

Beitrag von GIFWilli59 »

Hm, nur was hatte man dann in Vaujany gegenüber Saulire geändert?
Übersicht über meine Berichte
2020/21: 101 Tage
Skitouren (75): 18x Willingen, 15x Steinach, 12x Winterberg, 7x Gr. Inselsberg, 6x Ilmenau, 6x Ernstthal, 5x Schneekopf, je 1x Elkeringhausen, Döllberg/Suhl, Goldlauter, Jena, Kassel, Oberhof
Ski Alpin (14): 8x Willingen, 5x Winterberg, 1x Winterberg+Willingen
Resteski (12): 8x Winterberg, 2x Schneekopf, 2x Steinach
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Re: Das vergessene Seilbahnunglück von Vaujany

Beitrag von Christoph Lütz »

Die Bahn in Val Thorens hatte wie bei Habegger üblich den langen Längspendeldämpfer als Hydraulikzylinder zwischen Laufwerk und Gehänge. Bei den späteren Eigenkonstruktionen ist Poma dann scheinbar auf ein System ähnlich Von Roll und Garaventa mit Pendeldämpfer am Gehängetragrohr übergegangen.
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Re: Das vergessene Seilbahnunglück von Vaujany

Beitrag von Arlbergfan »

Schwerst interessante Geschichte. Als Tourist fällt einem dort nichts auf. Die Seilbahn wirkt aber auch heute noch brutal und großkotzig.
Auf dem dort verlinkten Bild ist die in Fels gehauene schwarze Talabfahrt noch nicht zu sehen.

Vaujany wirkt heutzutage wie ein gut gewachsener Tourismusort.
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EIN FRANKE IM LÄNDLE
Ihr könnt gerne auf Instagram vorbeischauen: https://www.instagram.com/powderhuntr
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Re: Das vergessene Seilbahnunglück von Vaujany

Beitrag von Toposlopos »

Bin ich neulich noch mit gefahren. Inklusive längerem Stillstand (ca. 10min) bei einer letzten Talfahrt des Tages keine fünf Tage vor dem Jahrestag, drücken aller möglichen Knöpfe, Öffnen des Kontrollkastens - ab da hatte das Lachen in der Kabine schlagartig ein Ende :twisted: - und allem drum und dran. Inklusive hektischem Telefonieren mit der Zentrale. Ich stand direkt neben den beiden überforderten, blutjungen Gondelführern und konnte daher alles mit anhören:

"Bof, un cas comme ca, c'est seulement Matthieu qui sait quoi faire..."
"Donc, je peut parler à Matthieu..!"
"Mais Matthieu n'est pas là!" 8O :ja:

Zum Glück war Matthieu dann doch noch irgendwann erreichbar...

Leider kommen sowohl die Doku als auch der Artikel nicht ohne den typisch französischen pseudo-kulturkritischen Dünnpfiff aus. Diese Vermengungen verstellen etwas den Blick auf die eigentlichen Ursachen. Die Bahn in einem Sommer dahinzustellen, war eine riesen Leistung und ist aller Ehren wert. Ursächlich für das Unglück war auch nicht primär der Zeitdruck für die Umsetzung - das würde sich bspw. in Versagen eines Pylons oder Arbeitsunfällen äußern -, sondern die Tatsache, dass man es für einen mega-schlauen Plan gehalten hat, das Von Roll-System auf Grundlage der eingereichten Patentschrift (sic! 8O ) nachzubauen, ohne eigene Berechnungen anstellen zu müssen. Das ist einfach extreme Schlitzohrigkeit und hätte als sehr kostendämpfende Maßnahme auch bei mehr Zeit Anwendung finden können. Auch das ganze Narrativ von "Gier" und "Größenwahn" im "Rausch des Weißen Goldes" ist vollkommen lächerlich. Vaujany war und ist ein kleiner Bergbauernweiler am absoluten Arßch der Welt mit einer großen Skistation nebenan, die erreichbar ist. Sich da dranzudrahten, hätte jeder befürwortet, der einigermaßen bei Trost ist. Auch von einem Bevölkerungsexodus kann man nicht wirklich sprechen. Laut Wikipedia wohnten da 1975 exakt 224 Menschen, 2020 waren 346 Personen gemeldet. Durch den Verkauf von Bauland dürften viele Menschen auch privat zu Geld gekommen sein und können nun ihren Hauptwohnsitz freier wählen. So erklären sich Schwankungen von einigen zig Leuten ganz leicht. Das mindert natürlich nicht die Tragik dieser kleinen Gemeinde, so viele junge Menschen auf einmal zu verlieren.
Was leider wohl nie aufgeklärt werden wird, ist die Frage, ob die in der Von Roll Patentschrift niedergelegten Unterdimensionierungen tatsächlich auf einen Fehler zurückgehen, den man noch rechtzeitig erkannt hat, wie im Zuge der Ermittlungen verlautbart, oder ob es sich von vornherein und absichtlich um eine inkorrekte, gewissermaßen nurmehr schematische Darstellung handelte, um sich vor allzu einfachem Diebstahl geistigen Eigentums zu schützen. Würde in der Beurteilung der Verantwortlichen keinen Unterschied machen, fände ich aber höchst interessant zu erfahren.

Auf jeden Fall sind die Verantwortlichen zu billig weggekommen. Geholfen hat ihnen wohl die mangelnde gesetzliche Aufsicht.
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