Skilehrer- Klischee oder Wahrheit?

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seiiim
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Re: Skilehrer- Klischee oder Wahrheit?

Beitrag von seiiim »

Danke @Kreon100, es gibt noch Leute mit Humor :mrgreen:
Betreffend Sommerjob siehe PN, das ist nichts für die Öffentlichkeit.

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Kreon100
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Re: Skilehrer- Klischee oder Wahrheit?

Beitrag von Kreon100 »

Und tatsächlich habe ich heute beim Plausch doch noch ein paar Infos bekommen, nach denen ich meine bisherigen Posts etwas relativieren muss. Der Sohn von Freunden von uns arbeitet diese Saison in Tirol als Skilehrer und da ist es wohl so, dass man als Anwärter schon ziemlich ausgebeutet wird. Da gibt es auch so viele Skilehrer auf Wartezeit, das nicht jeder immer arbeitet und dann auch nicht bezahlt wird. Das erscheint mir arbeitsrechtlich mehr als fraglich. Zusätzlich ist aber Unterkunft teuer, Parkplatz extra Kosten hier, Spesen dort, am Ende bleibt eigentlich vom Verdienst nix übrig.

Das war in Warth bei meiner Tochter deutlich anders. Unterkunft war zwar nur JuHe-Standard und Mehrbett aber sehr günstig. Es gab auch ein Grundgehalt und die Anzahl der Skilehrer war immer so bemessen, das es für niemand einen echten erwerbslosen Leerlauf gab.

Dem Sohnemann in Tirol hingegen wurde nun tatsächlich geraten, er möge doch den Landeslehrer machen, dann würden im nächsten Jahr bestimmte Kosten wie Parkplatz oder Leerläufe wegfallen. Dadurch würde er also erstmals in die Gewinnzone fallen. Dann sieht das natürlich anders aus und dann würde sich die Zusatzausbildung viel eher lohnen. Und dennoch: das finde ich ehrlich gesagt ziemlich schäbig von der Skischule.
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seiiim
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Re: Skilehrer- Klischee oder Wahrheit?

Beitrag von seiiim »

Halte ich auch für ein absolutes No-Go von Skischule, ist aber ein gutes Beispiel wie es eben auch zugehen kann. Wie bei jedem anderen Arbeitgeber auch, sagt es etwas über die Firma aus, wenn man mit den Mitarbeitern so umgeht. Wobei ich persönlich den Fall, dass eine Skischule zu viele Skilehrer hat noch sehr selten gehört habe (Ausnahme extreme Nebensaison).
Inwieweit der Landeslehrer hier weiterhelfen soll, erschließt sich mir nicht ganz, würde mich aber in diesem konkreten Fall dennoch interessieren. Meine Bedenken hierzu gehen in viele verschieden Richtungen, aber das wäre gefährliches Halbwissen.
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Re: Skilehrer- Klischee oder Wahrheit?

Beitrag von haderer »

Moin zusammen,

kann das eigentlich sein, dass das mit den Aushilfsskilehrern (ob nun Anwärter, Landeslehrer oder was auch immer), egal nun ob aus den Niederlanden, Deutschland oder woanders her, eine speziell Österreichische Frage darstellt? Zumindest in Altabadia gibt es so etwas nicht, zumindest ist es mir nicht bekannt. Und ich kann mich ganz dunkel an Frankreich erinnern (Rainbow Tours), wo uns damals offiziell gesagt wurde, das wir keinen Skiunterricht geben durften, ob nun mit Schein oder ohne. Auch habe ich ein paar Dokumentationen gesehen, die waren alle in Österreich, teils unter Umständen wie sie @Kreon100 bei seinem Sohn beschrieben hat.
seiiim
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Re: Skilehrer- Klischee oder Wahrheit?

Beitrag von seiiim »

Ohne hier päpstlicher sein zu wollen als der Papst denke ich, dass es wichtig wäre zu definieren was mit dem Begriff "Aushilfslehrer" gemeint ist: In meinem persönlichen Sprachgebrauch (und ziemlich sicher auch in den meisten Skischulen in AUT) ist eine "Aushilfe" ein qualifizierter Skilehrer egal welcher Ausbildungsstufe (qualifiziert heißt Anwärter oder aufwärts) der nicht die ganze Saison sondern nur zu bestimmten Zeiträumen, z.B. Weihnachtsferien, in der Skischule arbeitet, also sozusagen zu Spitzenzeiten "aushilft". Diejenigen die die ganze Saison da sind wären dann die "Saison-" oder "Stammlehrer".

@haderer Dass das ein rein österreichisches Phänomen ist würde mich wundern, möchte es aber nicht ausschließen. Was ich jedoch für möglich halte, ist, dass je stabiler die Nachfrage bekannt ist, desto weniger "Aushilfen" braucht es, denn man hat ja den "Stamm". Zumindest in AUT und ITA, würde ich meinen, geht das oft mit Exklusivität einher- Skischule Zürs hat viel weniger "Aushilfen" als Skischule Serfaus oder Skischule(n) Maria Alm. Ob das in SUI und FRA auch so ist kann ich nicht beurteilen, vielleicht hat es aber mit dem vorhergehenden Satz zu tun (?). Und die Zustände in AUT wären dann eher dem Faktor Massentourismus zuzuordnen.

Darüber hinaus gibt es sicher noch zig andere Verwendungsformen des Terminus "Aushilfe", sei es in der Skischule aber unqualifiziert oder zu jung (dann meist "Praktikant") über im Zuge eines Vereins (z.B. NF Skikurs - "Vereinsskilehrer" bzw. bei denen intern glaub ich "Instruktor") bis hin zu Schul-Lehrern oder Begleitpersonen bei Schulskikursen oder Skiferien ("Begleitlehrer").
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Re: Skilehrer- Klischee oder Wahrheit?

Beitrag von easyrider »

Ich finde das ein spannendes und amüsantes Thema. Ich war selber während vier Wintern in einem grossen Schweizer Gebiet als Snowboardlehrer tätig, wobei ich nie eine ganze Saison gemacht habe. Und nun, ich würde aus eigener Erfahrung sagen, dass viele der klassischen Klischees und Vorurteile doch auf wahren Begebenheiten beruhen ("S e x, Drugs & Rock'n'Roll"). Wobei auch hier gilt: Es betrifft nicht alles alle!

Im Verlaufe der Zeit habe ich drei Typen von Skilehrern und Skilehrerinnen eruiert:
  • Die Jungen: In Ausbildung, sehr oft im Studium oder Zwischenjahr; den Bars und dem Feiern nicht abgeneigt; lassen beim anderen Geschlecht wenig anbrennen; Ausbildungsstufen sehr unterschiedlich, meistens aber mindestens "Basiskurs Jugend&Sport" oder "Kids Instructor Swiss SnowSports" bzw. etwas Ähnliches aus einem anderen Land
  • Die Einheimischen: Im Winter in der Schneesportschule tätig; im Sommer auf dem Bau, Bauernhof oder als Sohn oder Tochter angestellt; sehr gute Fahrer, meistens die höchste Ausbildungsstufe; eher zurückhaltend im sozialen Austausch
  • Die Lebenskünstler: die, die den Absprung nicht ganz geschafft haben (bewusst oder unbewusst); im Winter in irgendeinem Skigebiet, im Sommer irgendetwas anderes (Gelegenheitsjobs, Arbeitslosigkeit...); geben sich mit einem einfachen Lebensstil zufrieden
Es gibt eine gewisse Überschneidung der oben beschriebenen Typen und diese drei Typen sind vereinfachend, schubladisierend und mit einem Augenzwinkern aber irgendwie doch auch ernst gemeint.

Zum Thema Lohn: Reich wird man definitiv nicht. Mein Ziel war stets, mit dem Unterricht mein Leben vor Ort zu finanzieren (hauptsächlich Essen und Getränke allerlei Art). Unsere Rahmenbedingungen waren sehr gut: organisierte und günstige Unterkunft direkt im Ort, Skiticket bezahlt, Ausrüstung quasi kostenfrei etc.
Mit der höchsten Ausbildungsstufe und einigen Jahren Berufserfahrung erreichte man durchaus einen akzeptablen Stundenlohn von knapp CHF 50. Jedoch kommt nur Geld rein, wenn man effektiv auf dem Schnee steht und unterrichtet, was maximal sechs Stunden pro Tag sind. Und das auch nur während weniger Wochen pro Saison. In der Summe ergibt auch das kein Wahnsinnseinkommen.

Es war eine wirklich tolle Zeit. Aber ich bin froh, dass ich es jetzt nicht mehr mache und ein geregelteres Leben und Einkommen habe.
Zuletzt geändert von easyrider am 02.03.2024 - 09:56, insgesamt 1-mal geändert.
haderer
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Re: Skilehrer- Klischee oder Wahrheit?

Beitrag von haderer »

@seiiim

Aushilfsskilehrer sollte nicht despektierlich klingen. Würde mich da Deiner Definition anschließen. Hab auch schon Ex-Skiweltmeisterinnen als "Aushilfe" kennengelernt.
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Kreon100
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Re: Skilehrer- Klischee oder Wahrheit?

Beitrag von Kreon100 »

haderer hat geschrieben: 29.02.2024 - 10:12 Moin zusammen,

kann das eigentlich sein, dass das mit den Aushilfsskilehrern (ob nun Anwärter, Landeslehrer oder was auch immer), egal nun ob aus den Niederlanden, Deutschland oder woanders her, eine speziell Österreichische Frage darstellt? Zumindest in Altabadia gibt es so etwas nicht, zumindest ist es mir nicht bekannt. Und ich kann mich ganz dunkel an Frankreich erinnern (Rainbow Tours), wo uns damals offiziell gesagt wurde, das wir keinen Skiunterricht geben durften, ob nun mit Schein oder ohne. Auch habe ich ein paar Dokumentationen gesehen, die waren alle in Österreich, teils unter Umständen wie sie @Kreon100 bei seinem Sohn beschrieben hat.
Hier im Forum gibt es einen thread darüber, ob man als Skilehrer einfach so auf einem Berg gehen und anderen Leuten was beibringen darf. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, war das früher strikt verboten, über EU Recht ist es aber erlaubt und jetzt wird das über Haftungsregeln irgendwie gesteuert. Kriege es nicht mehr zusammen, würde mich auch noch mal interessieren.
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Re: Skilehrer- Klischee oder Wahrheit?

Beitrag von seiiim »

@Kreon100 und @haderer Thema Haftung/ Befugnisse/ Aufsteigen- Abfahren siehe auch die Beiträge in diesem Thread. Ist vielleicht etwas zerstückelt aber in Summe alles da (zumindest was die Sachlage in AUT betrifft).

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