Den Vormittag hatte ich auf meiner langen Anreise noch auf der Wurzeralm verbracht – am Nachmittag setzte ich meine Reise Richtung Osten weiter fort und gelangt übers hässliche Liezen nach Dietmannsdorf.
Hier im hinteren Ennstal kannte ich mich bislang nur rudimentär aus. Im Februar 2022 war ich zuletzt in der Nähe gewesen, als es kurz nach Beginn des Ukrainekriegs zur Planneralm hinauf ging. In den Uraltpanoramen der 70er-Jahre Ski-Atlanten sind „hinter Gröbming“ noch etliche Einzellifte eingezeichnet – fast alle dürften längst LSAP sein...
Die Innenstadt von Liezen ist vielleicht schön (?) – aber außen herum eher was für Tristesse-Fotografie á la DSLR-Forum... wenigstens erwischte mich ein obligatorischer Blitzer nicht, obwohl ich es kaum erwarten konnte, die Kaiserau zu erreichen
Von den Liften hatte ich bis zu meinem Besuch noch keine Fotos im Internet gesehen – ich war also gespannt wie in der alten Zeit, als jeder Erstbesuch in einem Skigebiet eine vollkommene Neuentdeckung war.
Auf den Weg nach oben in den Himmel von Kaiserau musste ich anfangs noch eine enge Ortsdurchfahrt passieren - mit eingeklapptem Spiegel, um den Gegenverkehr nicht zu touchieren. Die anschließende Auffahrt war wenigstens ein Kinderspiel im Vergleich zum Tonnerhüttenlift oder Ebnit.
Hier musste ich erst einmal einen Stopp einlegen und knipsen – da hinten rechts verläuft der lange Schlepper – das Hauptziel bzw. Schmankerl des kleinen Minigebiets.
Zoom
Ein Stück noch über eine etwas holprige, aber fast ebene Straße durch den Wald, dann erreichte ich den Parkplatz bei den drei Schleppliften dort hinten, oben.
Die Sonne schien – sollte aber bald hinter Wolkenfelder geraten. Die Frau an Kasse war sehr freundlich und es herrschte nur gemächlicher Betrieb - wenige Jugendliche an den Übungsliften und Leere am langen Lift.
Der Sportalmlift ist ein erst 2004 erbauter Tellerlift, der den rechts gelegenen Schlosslift 153 m lang begleitet.
Zoom in die Trasse des Schlosslifts
Blick zurück aus dem Sportalmlift
Seitenblick nach links ins nach Norden ins Gebirge. Dort oben gab es früher noch irgendwo an der Oberst-Klinke-Hütte einen Schlepplift, der aber meinen Nachforschungen nach schon abgebaut wurde. „Oberst Klinke“ löst gleich immer Assoziationen alter Kriegsfilme aus den 60ern und 70ern aus...
https://www.bergfex.at/sommer/steiermar ... n.587707-2
https://lh5.googleusercontent.com/p/AF1 ... dcTc=h1440
https://www.hansjuergens-bergfotoseiten ... %C3%A4use/
Der Schlosslift rechts geht noch ein bisserl weiter hinauf.
Richtung Norden – mit dem einsamen Forsthaus sehr idyllisch.
Talstation des Brunntallifts – lief früher wohl mit Diesel.
Der Lift war kaum besucht und bedient total gute Abfahrt.
Am Ausstieg – irgendwie ähnlich wie am Dorfberglift, den ich Ende 2023 aufsuchte. Aber der ist doppelt so lang und führt zur Hälfte mitten durch ein Waldgebiet.
Kein Vergleich zu jenen Pistenbildern aus Ischgl mit hunderten Besoffenen etc.
Hier die Trasse – da gibt es sicherlich aufregendere Lifte, aber hier in dieser schönen, abgelegenen Gegend und zusammen mit der guten Piste ganz für sich... der Besuch hat sich wirklich gelohnt.
Hier saß eine junge Frau im Liftlerhäusl, die mein Fotografiere beobachtete. Aber wenigstens keine dumme Ansprache wie einst am Spitzingsee, wo der Liftler eine Warnhupe ertönen ließ und mich gleich mal blöd nachfragte, warum ich den Nachbarschlepper fotografiert hätte.
Einmal musste ich hier die Bilder gleich wieder löschen, da zwei Rentner wie auf Knopfdruck aus dem Nichts vor den Sucher huschten.
Den Schlosslift auch mal aufgesucht...
Die Sonne verschwand bald nach meiner Ankunft hinter einem westlichen Wolkenfeld, aber wenigstens zog es nicht völlig zu. Im Osten blieb der freie Blick gen Himmel und der Mond kam zum Vorschein.
Der Schlosslift ist recht kurz – wenn nur er und der Sportsfreund daneben hier oben laufen würden, wäre ich nicht extra hergefahren, glaube ich. Wobei die Lage da hinten schon einen Besuch wert ist, muss ich sagen.
Im Brunntallift kam dann wieder ein bisserl die abendliche Nachmittagssonne raus.
Der Blick zurück nach Westen – weit und breit keine Stadt zu sehen, nur Berge, Wald und Solarpanele
Nun wurde der Blick aufs Mare Crisium frei.
Oben gibt es auch eine „Hinterhofabfahrt“ durch den Wald mit schönem Ausblick in Richtung Süden.
Hier konnte man bis zum Tal hinunter sehen, wo irgendwo Trieben liegen muss.
Telezooms auf irgendwelche Nordhänge – ob es dort auch mal Schlepplifte gab? Muss ich mir mal noch genauer ansehen...
Wieder zurück auf der super Piste neben dem Brunntallift.
Ausblick mit Schönheitsfehler,,, aber besser, als irgendwelche Hotelbauten etc.
Blick zum Schlosslift und dem Sportalmlift rüber.
Da würde ich gerne mal eine Zeit lang wohnen.
Das Fotomotiv dort oben für normale Leute
Das Fotomotiv dort oben für Liftespinner
Anschließend fuhr ich wieder in die Zivilisation hinunter. Ich hatte mir in einem Gasthof in Trieben ein Zimmer gebucht und kaufte mir im örtlichen Spar noch eine Brotzeit und ein Feierabendbier ein. Mir war nach dem langen Tag – wie immer bei solchen Touren – nicht mehr nach Essen gehen im Lokal.Trieben vom Supermarktplatz aus wirkte eher trist mit den 70er-Jahren-Zweckbauten und einem Fabrikschlot, aber im Hintergrund erhoben sich wenigstens die Berge.
Nachdem ich meinen Wagen neben dem Gasthof geparkt hatte, vertrat ich mir noch kurz die Beine. Dieses Gebäude kam mir nur deswegen vor die Linse, weil es mir wegen seiner eklatanten Hässlichkeit auffiel. Wahrscheinlich eine Bausünde der 70er. Die schwarze Fahne fiel mir erst hinterher auf. Als ich dann später auf dem Zimmer noch ein wenig im Internet unterwegs war, wurde mir ein Artikel aus den Lokalnachrichten angezeigt, wonach wenige Tage zuvor dort ein Mord verübt worden sei.
In dem Betonbau ist wohl die örtliche Polizeiwache untergebracht und einer der Polizisten hat seinen Vorgesetzten erschossen, weil es wohl Streitereien im Dienst gegeben hat. Die Wirtin erzählte mir am nächsten Tag, sie hätte vom Tresen aus die Schüsse drüben gehört. 20 Jahre hat es nun dafür gegeben...
Endlich im Zimmer...das Auto noch umgeparkt und die nassen Ski und Stiefel im Heizungskeller hinterm Hinterhaus verstaut. Auch immer interessant, in welchen Kellergewölben man die Brettl schon hat nächtigen lassen, wenn man irgendwelche urigen Pensionen und Gasthöfe aufsucht. Letztens in Kärnten hat die Wirtin die Ski einfach in die Putzkammer gestellt.
Links oben am Berg eine markante Schneise im Wald – aber sehr steil und ohne potentielle Piste.
Einen Lift hat es in Trieben m.E. nicht gegeben – oben im Gebirge an der Edelrautehütte aber wohl ein Stemag:
https://img.oldthing.net/8867/33507039/ ... 1704711278
Von Trieben herauf gab es früher eine Materialseilbahn in ein Bergwerk. Auch sehr interessant – aber das hatte ich leider erst zuhause in München herausgefunden. Aber am Abend des 02.03.2023 war ich viel zu müde, um noch einmal hinauszugehen.
https://www.trieben.net/ueber-trieben/
Was ich noch vor Ort beim Feierabendbiersurfen herausfand – die am nächsten Tag zu befahrende Passstrasse nach Hohentauern war 2008 völlig neu trassiert worden. Früher muss es wohl eine recht steile Strecke gewesen sein. Die neue Straße sollte dann auch völlig schmerzfrei zu befahren sein.
https://www.quaeldich.de/paesse/triebener-tauern/
Die Vorfreude auf das kleine Paradies Hohentauern und das anberaumte Treffen dort mit Forumskollegen NIC und einem weiteren Bekannten am nächsten Tag stieg...
Der Mond war nicht mehr zu sehen und es sollte am nächsten Tag sogar ein klein wenig schneien. Aber egal – endlich hatten drei von vier Schleppern in Hohentauern offen und das urige Gebiet wollte ich schon seit vielen Jahren endlich besuchen, ehe KSB oder LSAP zuschlagen...