Tünektepe Gondelbahn (Antalya, Türkei): Tödlicher Zwischenfall

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ATV
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Re: Tünektepe Gondelbahn (Antalya, Türkei): Tödlicher Zwischenfall

Beitrag von ATV »

Lagorce hat geschrieben: 23.04.2024 - 12:31 Deutet zweifelsohne auf Unregelmässiggkeiten bei Wartung und Betrieb. Sowas ist grundsätzlich nicht zulässig, falls ein Problem festgestellt wird, kann die Bahn nicht mit solchem Notbehelf weiter betrieben werden.

Irgendwie komme ich immer mehr zu Schluss, dass gar niemand mit den erforderlichen Kompetenzen diese Seilbahn wartete.
Traurig ist dabei, dass diverse Missstände eigentlich jedem der was vernünftige Grundlagen in Mechanik hat, auffallen sollten, auch jemandem, der nicht auf Seilbahnen spezialisiert ist.
Eine mechanisch schwer beschädigte Rollenbaterie sowie durchgerostete oder fehlende Flanschschrauben sollten jedem auffallen.

Vielleicht findet man in den unzähligen Videos ein Standbild, auf dem zu erkennen ist, ob Schrauben fehlen. Leider sind die meisten Vides schlecht gefilmt und nervig ist, dass oft genau vor der Stütze dann die Landschaft oder das Meer gefilmt wird.
Das da?
Abgespannre Rollenbatterie.JPG
Abgespannre Rollenbatterie.JPG (63.52 KiB) 1541 mal betrachtet
Das ist doch der Klassiker. Spannset, Kettenzug, Spindelspanner, Grick, Wantenspanner, oder einfach nur ein Pistenbegrenzungspfosten, usw. sieht man ab und zu. Vor allem in Italien. ;-) Ich bezweifle, dass man mit den einfachen Seilen genug Kraft aufbringt um irgend etwas zu fluchten. :lach:

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Staunies2.JPG
-> meine Fotos könnt ihr weiterhin auf meiner Webseite --> www.stahlseil.ch ansehen.

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Ram-Brand
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Re: Tünektepe Gondelbahn (Antalya, Türkei): Tödlicher Zwischenfall

Beitrag von Ram-Brand »

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Lagorce
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Re: Tünektepe Gondelbahn (Antalya, Türkei): Tödlicher Zwischenfall

Beitrag von Lagorce »

Sehe ich wie ATV, solche Seile kann man onehin nicht ausreichend spannen, ausser man spannt wesentlich stärker, z.B. mit einem Kettenzug mit Handhebelbetätigung, da sich so ein Kunststoffseil sofort wieder etwas entspannt, insbes. auch im Bereich des Knotens.
Für mich hier lediglich ein Anzeichen von unseriöser Betriebsführung, Fehler sind fachgerecht zu beheben und dies setzt entsprechende Reparaturfristen voraus. Gewisse sekundäre nicht unmittelbar sicherheitsrelevante Mängel muss man nicht unbedingt sofort beheben. Allerdings muss hier oft der technische Leiter, ggf. mit Absprache mit dem Hersteller und/oder den Aufsichtsbehörden Einzelheiten abklären. Da gibt es keine Formale Minimal Equipment Lists wie in der Aviatik (die man übrigens auch als mehr oder weniger akeptabel einstufen kann, gewisse Redundanzen sind in der Aviatik wie auch bei Hochseeschiffen, inkl. 299.92 m lange neopanamax Containerschiffe, was erstaunlich).


Hier noch ein CCTV Video der Antriebsstation (Bergstation):

Direktlink
https://www.youtube.com/watch?v=TRCSR9omWbQ

Artikel:
https://www.antalyahabergundemi.com/168 ... aya-cikti/

Soweit ich die Google Übersetzung interpretieren kann, wurde die Bahn nach mündlicher Meldung eines Problems angehalten (von Hand, roter Pilztaster). Nach ca. 25 Sekunden wurde der Betrieb wieder aufgenommen. Ca. 50 Sekunden später konnte die Kabine die Rollenbatterie der Stütze Nr. nicht passieren, was zum Versagen der Stütze führte, hier sinngemäss, nicht wörtlich übersetzt, habe mir die Timings sowie das Ereignisjournal am Bildschirm (mit Timestamps ohne Aufführung der Sekundenbruchteile) nicht näher angesehen.


Dass sich die Klemme in der bereits beschädigten Rollenbatterie verfing ist durchaus plausibel, die dabei auf die Stütze wirkenden zusätzlichen Kräfte hätten jedoch nicht ausgereicht, um die Schrauben der Flanschverbindungen zu überlasten, falls sämtliche Schrauben die von der Normen vorgeschriebenen Eigenschaften aufgewiesen hätten und fachgerecht eingesetzt worden wären (auch gewöhnliche M22 8.8 anstelle M22 10.9 HV Garnituren).

Dass eine derart unzureichende Festigkeitsreserve letztendlich noch vorhanden war, deutet auf extrem geschwächte Schraubverbindungen mit (vermutlich?) ebenfalls ganz fehlenden Schrauben.
Dass eine gewöhnliche M22 8.8 (und nicht einmal eine M22 10.9 HV Garnitur) bei derart tiefen Belastungen versagt, kann nur auf massive Probleme zurückzuführen sein, ob diese ausschliesslich korrosionsbedingt ist, kann man nur mittels Untersuchung der aufgefundenen Schraubenresten ermitteln. Auch nicht korrosionsbezogene Qualitätsprobleme sowie Fehler bei der Montage können ebenfalls zu einem frühzeitigem Versagen der Schrauben (oder auch Muttern) geführt haben.

Habe mir kürzlich noch 8.8 Schraubverbindungen bei feuerverzinkten Stahlteilen angesehen und dort waren die Teile noch in einwandfreiem Zustand, die einen ursprünglich verzinkten Schrauben waren jedoch allesamt schwer korrodiert, während etwas weiter identische Schrauben eines anderen Herstellers nicht korrodiert waren, und vermutlich wurden die gleichzeitig montiert (Witterungsspuren und keine Montagespuren, die auf einen Ersatz von Schrauben deuten könnten, das Ganze übrigens vom Steuerzahler finanziert.

Bei verrosteten Schrauben kann man sich die Herstellerprägung merken (falls vorhanden) und diese Hersteller meiden. Bei hohen Festigkeitsanforderungen ist jedoch weder die galvanische Verzinkung noch die Feuerverzinkung zulässig, demnach werden Verfahren wie z.B. Dacromet (Markenname) eingesetzt. Eine Seilbahnbetreiber setzte übrigens direkt eingekaufte nicht korrosionsgeschützte Schwerspannstifte anstelle der korrosionsgeschützen Ausführung ein, was zum Absturz eines (leeren) Sessels führte.

Extrem schlechte Schraubenqualitäten findet man oft in Bau- und Hobbymärkten, wie bereits erwähnt sind gewisse davon betrügerisch etikettiert, da Normen aufgeführt sind, die vorgeschriebenen Prägungen jedoch nicht vorhanden waren.

Auch die Korrosionsbeständigkeit kann z.B. bei blau verzinkten 8.8 Schrauben extrem stark variieren. Die Korrosionsbeständigkeit ist abhängig vom jeweiligen Verzinkungsverfahren und dessen Ausführungsqualität. Eine billige Chinapfuschfeuerverzinkung ist oft schlimmer als eine gute galvanische "blaue" oder "gelbe" Verzinkung, problematisch ist oft die Vorbehandlung der Teile sowie die Sauberkeit der Zinkbäder.


Im Fall Tünektepe bleibt im Wesentlichen die Frage offen, wie genau die Flanschverbindungen zusammengeschraubt waren und ob eventuell die Festigkeit der Befestigung der Kabinenbodengruppe zu schwach ausgeführt war.

Das Problem mit der Rollenbatterie bezeugt in erster Linie massive Missstände im Bereiche der Betriebsführung sowie Wartung, bei fachgerecht ausgeführter Stütze (inkl. Auslegung und ausreichender Ermüdungsfestigkeit der Teile, u.a. auch die der Schraubverbindungen der Rohrflansche) hätte ein hangengebliebenes Fahrzeug die Stütze nicht zum Versagen bringen können.
Weshalb genau die Rohrflanschanschschraubverbindungen versagten, ist mangels Informationen und Bildmaterial nicht näher beurteilbar.

Absolut klar ist jedoch, dass mehrfaches krasses menschliches Versagen als Hauptursache für den Zwischenfall festzuhalten ist.
Dateianhänge
Vorbeschädigte Rollenbatterie von Stütze Nr. 5. Medienfoto, ursprünglich von Agenturvideo (auf YouTube).
Vorbeschädigte Rollenbatterie von Stütze Nr. 5. Medienfoto, ursprünglich von Agenturvideo (auf YouTube).
Tunektepe_Rollenbatterie_0001.jpg (70.76 KiB) 970 mal betrachtet
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Mr400Liter
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Re: Tünektepe Gondelbahn (Antalya, Türkei): Tödlicher Zwischenfall

Beitrag von Mr400Liter »

Schade, dass es kein unkommentiertes und unbearbeitetes CCTV-Video aus der Antriebsstation auf YouTube gibt. Ohne Zoom auf die diversen Bedienpanels und ohne Schnitte/Unterbrechungen. Einfach der zeitliche Ablauf der Ereignisse....
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Mr400Liter
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Re: Tünektepe Gondelbahn (Antalya, Türkei): Tödlicher Zwischenfall

Beitrag von Mr400Liter »

Lagorce hat geschrieben: 02.05.2024 - 00:04 ...und ob eventuell die Festigkeit der Befestigung der Kabinenbodengruppe zu schwach ausgeführt war...
Insbesondere diese Frage ist von großem Interesse, da die Kabinen doch aus Österreich stammen und unzählige Anlagen damit ausgestattet sind....
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