Das Söllereck gehört zu den Skigebieten, in denen ich vor einigen Jahren das Skifahren lernte. Treffpunkt morgens an der Ersten Skischule Oberstdorf, dort ab in den Bus und hinauf Richtung Kornau. Der Erinnerung nach fuhren wir zuallererst an diesen Endloskreiseln, später meist am Wanneköpflelift, der noch einen eigenen Skipass hatte, und irgendwann auch an der Von Roll-KSB.
Noch Jahre später war ich in den Oberstdorf-Urlauben mindestens einmal am Söllereck, allein schon wegen dem Höllwieslift. Aber auch in diversen Sommerurlauben starteten wir von der Bergstation Wanderungen: Mal rüber zum Königssee, mal rüber nach Riezlern. Sogar die Jahrtausendwende 99/00 erlebte ich oben im Berghaus am Söller. Und so kann ich sagen, dass mich das Söllereck in meinem Skifahrer- und sonstigen Lifte-Hobbies ziemlich geprägt hat.
Inzwischen hat das Gebiet ein ganz neues Gesicht und irgendwie zog es mich dennoch im Herbst 2022 wieder dorthin. Zwei Jahre zuvor hatte man die Söllereckbahn ein zweites Mal neu gebaut. Die 6-EUB, die 1997 die gute alte VR-101 auf gleicher Trasse ersetzt hatte, ist nun eine 10-EUB. Und nicht nur das: Man hat die Anlage um ein paar hundert Meter nach unten verlängert. Sie ist nun von der Bushaltestelle direkt erreichbar.
Von der Straße aus guckt man der Anlage etwas unanständig direkt unter die Haube.
Früher musste man diese ersten hundert Meter erst noch zu Fuß bergauf meistern, über die leicht geschwungene Straße. Das war zu jeder Jahreszeit ein Graus: In den Winterferien bist du in den Skischuhen auf den Eisplatten gerutscht, in den Osterferien im Schneematsch - die Skier auf den Schultern. In den letzten Jahren gab es dann immerhin ein Förderband die Wiese hinauf zur damaligen Talstation und eine Piste hinunter zum Parkplatz.
Und so ist es jetzt: Mit dem Fahrstuhl gehts in die Station, nach 3 Stützen ist man schon an der Mittelstation, der ehemaligen Talstation angelangt.
An dem Tag dürfte ich den Altersschnitt der Fahrgäste in etwa halbiert haben.
Links nochmal die Aufwärmstrecke aus den Skischultagen. War man oben angelangt, hatte man sich das Skifahren verdient. Vorher hieß es aber erst noch an der Kasse anstehen und die steilen Steintreppen hinauf zum Einstieg bewältigen, so man denn schon mit der Von Roll fahren durfte.
Die Fahrt mit den Vorgängern war nicht nur spaßig. In den offenen Sesseln hat man im Winter gefroren, da konnten auch die Decken nichts helfen, die man mit Glück über die Beine gelegt bekam. Und in den Swoboda-Gondeln des Nachfolgers war es eng wie in einer Sardinenbüchse.
Rückblick auf die Knickstation. Beim Vorgänger hatte man noch die Gebäude von 1950 weiterverwendet.
Oben gibt es noch den kurzen Ochsenhöflelift. Erschließt eine spaßige kurze Piste.
Die oberen zwei Drittel der Hauptabfahrt sind ideales Anfängergelände. Ein Stück Winklmoosalm im Allgäu. Links der Ochsenhöflelift und rechts...
...der heimliche Champion im Gebiet: Der Höllwieslift. Mit 2 Kilometern Länge der längste Schlepper Deutschlands. Führt vom Talboden bis hier hinauf und bedient zwei der besten Pisten des Allgäus. Aber wie das immer ist: Die Besten sind entweder vergeben oder stillgelegt, so wie hier.
Eine Etage weiter oben hat man leider den kultigen Schrattenwang-Dreieckslift (Heuss, 1960: https://seilbahntechnik.net/de/lifts/5735/datas.htm) durch eine KSB ersetzt.
Die schmucklose Bergstation der 10-EUB.
Und die neue Schrattenwangbahn
Aber es gibt weiterhin eine urige Konstante hier oben: Die Alpe Schrattenwang. Die Schinkenplatte ist zu jeder Jahreszeit ein Genuss. Den alten Hüttenwirt Kalli (https://www.delcampe.net/de/sammlerobje ... 62859.html) gibts leider nicht mehr. Wer kennt ihn noch? Seine Tochter führt den Betrieb weiter. Bei einem Oberstdorf-Urlaub ist ein Besuch hier oben für mich seit Kindheitstagen ein Muss.
An der Alpe startet der schöne einfache Wanderweg rüber nach Riezlern. Schnell hat man die Grenze ins Kleinwalsertal erreicht.
Es folgt eine leichte Wanderung über einen Schotterweg, meist mit leichtem Gefälle (nein, für eine Pisten-Verbindung nach Riezlern ist es nicht geeignet). Unterwegs wird der Blick frei auf das schöne Umland.
Der neue (weil modernisierte) Ifen kommt in Sicht
Im Allgäu war ganz schön Sauwetter angesagt. Zum Glück blieb es hier in den Bergen trocken.
Hier zu sehen der Parsenn-Sektor mit den Liften in der Heubergmulde, darüber das Walmendingerhorn.
Es folgt der Wechsel in einen weiteren Bereich dieser Region, der mich in frühen Tagen stark geprägt hat: Das ehemalige Skigebiet Westegg in Riezlern. Standesgemäß hat dieses Lsap hier im Forum sein eigenes Topic, das ich sehr empfehlen kann (viewtopic.php?p=57106#p57106). Stimmen die dort angegebenen Daten, müsste ich die Lifte bei mehreren Sommerwanderungen gerade noch so in den letzten Betriebsjahren erlebt haben. In meiner Erinnerung habe ich sie aber irgendwie seit jeher als geschlossene Lifte abgespeichert und sie dürften zu den ersten Lsaps gehören, die ich in den Folgejahren immer mal wieder begutachtete. Irgendwann fehlten die Seile, dann Stützen und dann alles. Oder gibt es nicht doch noch ein Überbleibsel?
Bevor man die ehemaligen Skihänge erreicht, passiert man diese klassische MSB. Ich kann nicht sagen, wie oft ich diese Station in den vergangenen Jahrzehnten von außen schon inspiziert habe.
Ist ja auch eine formschöne Anlage
Ohnehin hat es hier eine ganze Reihe solcher Bähnlis.
Dieses Konstrukt wird gleich noch relevant
Hier stehe ich an der Abbügelstelle des oberen Lifts. Dieser kam etwas rechts der Bildmitte zwischen den Gebäuden hinauf.
Die Anordnung der Lifte und Piste war denkbar schlecht: Sektion 1 irre steil mit schwarzen Pisten, Sektion 2 flach wie die Po-Ebene. Naja, nicht ganz, aber doch eher ein reiner Anfängerhang. Der war für Anfänger allerdings dank der Topographie am unteren Lift unerreichbar.
Chasseral hat die Anlagen 2005 noch eingefangen. Das war die Ausstiegsstütze:Chasseral hat geschrieben: 29.12.2003 - 22:25 SL Westegg 1: Länge ca. 350m, HD 150m!! (ja, war ziemlich steil)
SL Westegg 2: Länge ca. 450m, HD 120m
Westegg 1 ging ungefähr von 1080NN bis 1230NN und Westegg2 von 1220NN bis 1340NN.
Und das die Trasse:Chasseral hat geschrieben: 08.11.2005 - 20:52
^^ Stütze 10 – sie ist die letzte Stütze vor der Bergstation. Direkt dahinter befindet sich der Ausstieg.
Hier bin ich schon fast an der Talstation des oberen Lifts, dessen Abbügelstelle und Umlenkstation genau in Bildmitte standen (Geländeaufschüttung erkennbar).
Hier eine Zwischenstation einer der MSBen.
Als Teil einer MSB hat Stütze 5 der unteren Sektion überlebt. Ist jetzt keine Sensation, da dem Forum lange bekannt. Aber mich hat es irgendwie gefreut, da ich diese Doppelstütze noch aus Kindheitstagen in Erinnerung hatte.
Da hatte Sektion 1 den Ausstieg.
Und da Sektion 2 den Einstieg.
Sah seinerzeit so aus:
Nochmal der gesamte Trassenverlauf Sektion 2.
Die Wachmannschaft war mit Fressen beschäftigt und ließ mich gewähren.Chasseral hat geschrieben: 08.11.2005 - 20:52
^^ Talstation Westegg2 mit der 2. Stütze. Die Stütze ist als Stütze 7 bezeichnet, da die Nummerierung über beide Sektionen durchläuft.
Ziemlich wuchtig
Blick auf die selektive Trasse der ersten Sektion. Hatte man die überlebt, konnte man sich oben im flachen zweiten Lift erholen.
Auch nach gut 25 Jahren ist die Trasse einwandfrei erkennbar.
Dürfte ein krasser Wettkampfhang gewesen sein.
Hier mal im Seitenprofil
Den untersten Teil der Schleppertrasse hat man als Rampe aufgeschüttet, um da überhaupt den Hang hinaufzukommen.
Trasse in der Totalen. Von der Talstation ist bis auf den Stromkasten nichts mehr da.
Sah mal so aus:
Chasseral hat geschrieben: 08.11.2005 - 20:52
^^ Talstation Westegg1 im Januar 2004. Das Seil war noch aufgezogen; einer der letzten Tage im Leben dieses Skiliftes, an dem er sein Seil hatte. Ziemlich steil die Piste – ist schwarz.
Und wie in den 1990ern ging es dann mit dem Bus zurück nach Oberstdorf. Endhaltestelle Dampfbierbrauerei - so schließt sich der Kreis.