am Samstag den 16. März, war es soweit. Früh verluden wir im Spiss unsere Ski ins Auto und fuhren gleich los. Auch zu erwähnen ist, dass im vorderen Wochenende, im Süden der Alpen erhebliche Schneemengen vom Himmel fielen. In Flocken natürlich.... Der Simplonpass hatte gerade erst zwei Tage wieder geöffnet. Die Schneemengen links und rechts der Strasse waren teils enorm.
doch vom winterlichen Simplonpass, ging es schnell wieder hinunter ins Val d'Ossola. Auf der "Autobahn" fahren wir weiter Richtung Süden bis zu der kleinen Ortschaft Piedimulera.
hier beginnt das eigentliche Abenteuer. Von der Autobahn Ausfahrt queren wir den flachen Talboden und durchfahren Piedimulera. Hinter dem Dorf beginnt der enge Taleinschnitt des Anzascatals. Die schmale Strasse die teilweise einspurig ist gewinnt bereits rasch an Höhenmeter und führt entlang von Felswänden zu den ersten Ortschaften. Die erste Gemeinde ist Castiglione welche eine grosse Kirche besitzt und dessen Häuser sich nur so an den Hang kleben. Weiter geht's vorbei an Vigino und Antrogna und wir erreichen Pontegrande. Pontegrande ist einer der grösseren Ortschaften, hier trennt sich das Tal erstmals und wer sich dazu entscheidet geradeaus weiter zu fahren, passiert den historischen Ortskern, welcher einen Einblick ins hiesige Bergleben ermöglicht.
die nächste grössere Ortschaft ist Vanzone. Sowas wie Hauptort des Tales. Wieder fährt man mitten durch den Ortskern
nach weiteren Kilometern und dem passieren kleiner schöner Weiler, erreichen wir Staffa. Staffa ist der Hauptort der Gemeinde Macugnaga, welche aus vier Ortsteilen besteht. Borca, Isella, Staffa und zuhinterst Pecetto. wir durchfahren Staffa und halten beim grossen Parkplatz der kleinen Bergbahn auf den Monte Moro Pass. Die Landschaft ist prächtig, links und rechts gehen die Seitenwände des Tales hoch bis auf die 3000 m am Ende des Tales, liegt das mächtige Massiv des Monte Rosa. Den Berg kennen wir eigentlich, nun halt von der anderen Seite. Wir stellen unseren Wagen hin und suchen den Parkautomat. Der ist auch schnell gefunden, doch daneben steht auch ein Carabinieri. Grund dafür ist der Automat hat wohl einige Störungen, und der Carabinieri zeigt einem wie genau dieser zu bedienen ist. Tatsächlich war das Ticket lösen ziemlich Zeitintensiv und man konnte nur in bar bezahlen. Tja wir sind halt hier nicht mehr in der Schweiz, und dann muss man auch noch gerade die Euros dabeihaben. Zum Glück hatten wir die auch, da wir ja relativ oft über die Grenze wandern.
wir machen uns ready und marschieren vom Parkplatz über die kleine Brücke rüber zum Gebäude der Luftseilbahn. Der volle Parkplatz überrascht nicht dass sich vor den Kassen eine mittelgrosse Schlange gebildet hat. Wir stehen geduldig an, währenddessen die kleinen 15-plätzigen Kabinen der ersten Sektion Staffa-Alpe Bill ein und ausfahren. Als wir dann dran sind, lösen wir einzeln unsere Tageskarten. Sie kosten siebenundzwanzig Euro, und dann liessen wir uns noch eine Versicherung für drei Euro aufschwatzen. So günstig bin ich glaub in meinem ganzen Leben noch nie Skigefahren. Und dann geht das Gebiet noch auf knapp 3000 m. Wir laufen zur Treppe die hoch ins Obergeschoss führt, wo die Kabinen ein und ausfahren.
Als wir dann im Gebäude inneren stehen, passieren wir das Drehkreuz. Gerade über unseren Köpfen rauscht das Zugseil der Anlage vorbei. Jeder könnte einfach mit seinen Hand das Seil selber berühren. Doch zum Glück ist dieses Skigebiet noch weit entfernt von Massentourismus mit vielen Touristen die ohne Gehirn. Die letzte Kabine vor uns hebt ab und wir gehen vor zum Mittelperron. Viel Platz ist nicht, die Kabinen selber fassen gerade mal 15 Personen, doch die wurden wahrscheinlich ohne Rucksäcke, Ski und dergleichen gemessen. Nach wenigen Minuten fährt bereits die Gegenkabine wieder ein und öffnet ihre Türen und wir steigen ein. Die Fahrt hoch nach Alpe Bill dauert nur kurze 743m. Die Strecke führt stützenlos vom Talboden auf eine Felsklippe an der Waldgrenze. oben angekommen werden uns die Türen geöffnet und wir steigen aus. Von hier geht es über eine Treppe durch das Gebäude, an dessen anderen Ende die nächste Anlage folgt. Und hier ist das wahre Schmuckstück. Es ist eine Pendelbahn die von Ceretti e Tanfani 1962 gebaut wurde. Sie führt von der Mittelstation auf 1711 m hoch bis unter den Pass des Monte Moro auf 2814 m. Für diese 2700 m lange Strecke werden nur vier Stützen benötigt und insgesamt über 1100 Höhenmeter zurückgelegt. Dazu kommt dass diese süsse Anlage in einer einzigartigen Umgebung steht.
Der Antrieb wird leiser und die Kabine fuhr über die letzte Stütze talwärts. Und schon beschleunigt der Antrieb wieder und wenige Minuten später fährt die Kabine in der Talstation ein. Gerade erst wurden sie generalsaniert und erhielten einen roten Anstrich. Die Türen öffnen sich vollautomatisch und wir steigen ein. Sowas hat nicht mal Saas-Fee. Und so schnell sie eingefahren ist fährt sie auch wieder ab. Laufruhig gleitet die Kabine über der Waldgrenze empor. Schnell ist die erste Stütze passiert und wir erreichen hochalpines Gelände.
Während des in Italien sonnig war, drückte von Norden her eine Nebelbank über den Pass Richtung Süden. Die sorgte dafür dass der Bereich um die Bergstation in Nebel eingehüllt war. Doch man musste nur wenige Meter abfahren und dann war man auch schon wieder an der Sonne. Nichts desto trotz, fährt die Kabine in die Nebelsuppe hinein. Und nach der letzten Stütze erscheint die 60 Jahre alte Bergstation mit ihrem alten Gemäuer auf. Fast ein wenig Gespenstig fährt die Kabine durch die Öffnungsschlitze ins Innere des Gebäude. Wir steigen aus.
Draussen angekommen war es frisch. Man sieht kaum was und wir schnallen uns unsere Ski an. Das Skigebiet besteht aus einem Sessellift der aller wichtigen Pisten erschliesst, sowie ein Tellerlift der von der Bergstation der Pendelbahn aus, den höchsten Punkt des Skigebiet erschliesst. Er ist aber nur kurz, dafür kommt man mit ihm zu einer schönen hintenrum Abfahrt die leider oft geschlossen ist. Wir entschieden uns für die Hauptpiste am Sessellift da die eigentlich in der Sonne liegen müsste. Und tatsächlich, nach wenigen schwüngen waren wir wieder in der Sonne. Der Schnee war noch glatt gefroren die Pisten hart. Neben aus ging es ein wenig besser. Das Panorama ist aber allgegenwärtig. Wir kommen fast nicht aus dem Staunen, uns gefällt's Die Piste führt direkt zur Talstation des Sessellift Ruppenstein. Der Lift ist die modernste, beziehungsweise neueste Anlage im Skigebiet. Sie wurde 1999 von MEB gebaut. Gemütlich lassen wir uns hochschaukeln. Teilweise musste echt viel Schnee vom Lifttrasse weggeschaufelt werden. Während der Liftfahrt kann man gut die Pendelbahn beobachten, welche gleich nebenan hoch und runter fährt. Oben angekommen fahren wir mit dem Tellerlift gleich weiter zum höchsten Punkt. Durch sehen tut man nicht viel, da hier immer noch der Nebel drückt. Als der Magen knurrt, statten wir den kleinen Berg Restaurant dass sich ein paar Höhenmeter unter der Bergstation befindet einen Besuch ab. für wenig Geld kriegt man hier Kaffee und Panini. Insgesamt haben wir etwas um die 30 € gezahlt. Kaum zu glauben. Das Restaurant befindet sich in einer Berghütte, und ist in zwei Bereiche unterteilt. Einem Self Service so ein bedienter Bereich. Dieser war aber noch geschlossen so dass wir uns im Bistro-ähnlichem Self Service niederlassen. Da wir die einzigen waren die nicht italienisch gesprochen haben, fielen mir sofort auf und kamen mit den Menschen ins Gespräch. Die meisten kommen aus der Umgebung und sind vor allem wegen dem vielen Schnee und dem gut gemeldeten Wetter da. Wir freuten uns über die Gespräche und machten uns dann wieder auf die Piste. Nach einer Wiederholung mit dem Sessellift, wollten wir dann einmal zur Mittelstation der Luftseilbahn hinunter fahren. Die Piste war zwar offiziell geschlossen, warum wissen wir nicht, doch das hat uns weniger interessiert. Während die Piste östlich der Bahn runter führt, wollten wir westlich die einladenden Tiefschneehänge runterfahren. Wir schätzen das Gelände als weitläufig ein und dachten dass es unten sicher wieder eine Möglichkeit gibt Richtung Westen zur Mittelstation zu kommen. Also stürzen wir uns rein in die Hänge und hatten eine Riesenfreude.
Das Gelände war weitläufig und das Panorama nach wie vor spektakulär. Immer wieder gab es zwar kleine Felsstufen über die oder um die man fahren konnte. Ab etwa der Streckenmitte der Bahn, wollten wir uns Richtung Osten machen um die offizielle Skipiste zu erwischen. Doch durch diese ganzen Felsstufen die plötzlich auftraten ging das irgendwie nicht so gut. So dass wir weiterhin westlich der Bahnstrecke blieben.
Irgendwann ging es dann plötzlich unter uns gar nicht mehr weiter. Eine Riesen Felswand lag wenige Meter vor uns und wir hielten erst mal an. Auf der Karte schauen wir dass es sich um drei Felswände handelt, zwischen denen sich jeweils Lawinengräben befinden. wir liefen also wieder ein Stück durch den Tiefschnee hoch um den Einschnitt des Lawinengrabens betreten zu können. Dieser war schmal und steil und wir fuhren runter mit dem Ski so gut es ging. Doch irgendwann war er zu steil und sonnenexponiert. So dass der Schnee dort bereits abgerutscht war und Gras zum Vorschein kam. Wir zog unsere Ski ab und kletterten ein Stück den Graben runter. Als wir tief genug waren, warfen wir unsere Ski in weiten Bogen runter in den Schnee und kletterten noch ein Stück weiter. Irgendwann kamen wir zu einer steilen Felsplatte und es gab keine Möglichkeit mehr sich an den Grashalmen und Ästen fest zu halten. So dass wir uns entschieden einfach die letzten 10 m über die Felsplatte runter zu rennen und an dessen Ende dann in den Schnee zu Springen.
Sind alle gesprungen sind lagen wir bis zu der Brust im Schnee. Nur mit Mühe und mit unseren Schaufeln konnten wir uns befreien. Wir befanden uns fast auf gleicher Höhe wie die Mittelstation und mussten nun traversieren. Teilweise war es kompliziert da wir uns mitten im Waldgebiet befanden und uns durchs Dickicht quälen mussten. Nach circa 20 Minuten haben wirs dann geschafft und standen vor der Mittelstation. wieder oben angekommen, fuhren wir noch einige Runden am Skilift da sich die Wolken nun komplett verzogen. Es hat einfach was hier oben zu sein, die Stimmung ist genial, die Leute sind zufrieden und die gemütlichen Anlagen geben den Rest. Zum Schluss fahren wir noch die offizielle Tal Abfahrt hinunter. Wie bereits gesagt war die Piste zu, aber sie wurde rege genutzt. Wir finden uns nun wieder unten auf dem Parkplatz völlig zufrieden und erschöpft. Es hat uns einen Riesenspass gemacht. ich finde es immer wieder toll in so einem kleinen unbekannten Skigebiet Ski zu fahren, es ist einfach entschleunigend. Andere gute Beispiele sind zum Beispiel: Arolla, San Domenico, Axalp oder die Engstligenalp.
Wir packen alles ins Auto und fahren los. 40 Minuten später sind wir in Domo und spazieren durch die Altstadt. Hier war ich davor sicher schon zwei Monate nicht mehr und hatte Freude dass hier bereits das Sommerfeeling Einzug gehalten hat. Wie sichs denn später herausstellte folgte die Wochen darauf nochmals eine kleine Eiszeit unter Frühling liess uns ein wenig im Stich. Später fuhren wir wieder über den Simplon nach Hause ins Wallis.
Dieser Bericht wurde Anfang Mai geschrieben.
Seither war ich schon drei Mal wieder in Macugnaga. Liegt daran das ich uetzt ein Auto hab. Am Freitag bin ich wieder Dort