Prolog 2018-2024
Sechs Jahre ist es jetzt her, dass kurz vor dem Umzug ins "Ländle" mein letztes Auto einen kapitalen Motorschaden erlitten hat. Seitdem war ich ob der guten Verkehrsanbindung großteils im ÖPNV unterwegs und habe mir nur für einzelne Reisen oder auch einmal so zeitweise die "Familienkutsche" geliehen.
Spätestens seit Corona hatte ich aber schon daran gedacht mir mal wieder etwas neues zuzulegen wusste aber noch nicht so recht was es sein sollte ... Was ich wusste war, dass ich gerne mal die Möglichkeit hätte in dem Auto zu schlafen, so, dass die Vorgänger Golf und A3 für mich mit meinen 1,85 Höhe und nicht zu geringer Breite eindeutig ausfallen würden. Ein Caddy war dann mal die Option aber auch da wäre nur der Caddy Max geeignet eine lange Matratze aufzutreiben und außerdem waren die Preise für mich für Autos mit wenig KM astronomisch hoch.
Als Dacia dann 2022 den Jogger herausbrachte schien das Ziel näher zu rücken allerdings wollte ich doch noch einige Erfahrungen abwarten, ob das Auto allgemein tauglich ist und ob es sich für einen "Minicamping"-Ausbau eignet ... die Tage zogen ins Land und ich konnte mich nie so richtig entscheiden und schon war es April 2024 ... dann entschied ich mich endgültig jawoll es soll der Jogger werden. Eine letzte Hürde war, dass ich leider den von mir gewünschten Gas / Benzin - Hybrid nicht in unsere Tiefgarage stellen darf.
Da ich ein paar Sonderwünsche hatte (noch nicht das neue Sicherheitspaket da ich Spurhalteassistenten verabscheue, und manuelle Handbremse da ich die elektrische am Berg absolut nicht mag) musste ich noch ein wenig suchen bis ich bei einem sehr netten Autohaus (Kontakt gerne auf Anfrage) einige Lagerfahrzeuge fand die genau meinen Ansprüchen entsprechen. Flugs wurde das Auto nochmal mit dem Zimmermann meines Vertrauens angeschaut und von diesem für einen Innenraumausbau als tauglich angesehen.
Bevor nun die Frage kommt - Ja Dacia bietet ein eigenes Sleeppack an - dieses finde ich allerdings von der Platzausnutzung suboptimal und außerdem baut es so hoch, dass man im Fahrzeug nicht mehr aufrecht sitzen kann - Daher wird Ende des Jahres ein eigenes gebaut, auch darüber werde ich euch ein wenig berichten. Solange möchte ich den Wagen als normales Reiseauto nutzen, evtl. kommt auch ein Provisorium aus Schaltafeln o.ä. für eine ebene Liegefläche hinein.
Nun und schlussendlich war es dann am 14.06. soweit, ich durfte meinen "Karpartenmercedes" wie Dacia auch wahlweise liebevoll oder abschätzig manchmal genannt werden in Empfang nehmen und bin nun stolzer Besitzer eines Dacia Jogger TCE110 in der Extreme-Ausstattung.
16.06.2024 - Bewährungsprobe - Balcone d' Italia
Man verzeihe mir übrigens wenn ich hier auch so einiges über den Wagen an sich einbringe - Es ist mir einfach auch wichtig hier nach und nach so ein paar eigene Erfahrungen einzubringen, was ich so mit dem Auto und das Auto so mit mir mitmacht
Nur 2 Tage später sollte es losgehen ... und man soll ein Auto ja auf der Langstrecke einfahren und das nicht zu hochtourig aber durchaus nicht nur auf der Autobahn ... also was würde sich da besser anbieten als endlich mal den "Balcone d' Italia" zu besuchen ... und so ging es gegen 9.30 (eigentlich wollte ich ja um 8 los aber die Augen wollten nicht so recht
Ein erster Test was in dem Motörchen (110PS, 3-Zylinder, 999cm³) steckt war dann die Nordrampe des Bernardino - noch auf der A13 war ich einerseits überrascht vom hohen Fahrkomfort der sicher auch dank des langen Radstandes zum entspannten Cruisen einlädt. Aber wie es bei jedem Auto so ist fielen mir auch ein paar Kleinigkeiten auf die ich nicht so besonders toll gelöst finde
1.) Einstellen des Radios. Wenn man Sender aus den Favoriten auswählen will ist das mit dem Display alles kein Problem ... aber die Senderliste aktualisieren kann man nur auf der allerersten Seite im Menü ... und das sind wenn man z.B. von der Rockantenne zurück will bei DAB mal eben über 60 Seiten - Ist der Aufmerksamkeit nicht zuträglich ... ich bin halt dann 10km ohne Radio bis zum nächsten Parkplatz gefahren und hab dann den SRF eingestellt ... in Italien nochmal das gleiche Spiel.
2.) Tempomat: Er funktioniert grundsätzlich sehr gut, aaaaaaaber ... ich finde er reagiert extrem träge ... gerade wenn es hügelig ist muss man ein paar km/h über die gewünschte Geschwindigkeit beschleunigen damit er sanft übergeht sonst wird man erstmal ein wenig langsamer um dann wieder aufs Wunschtempo zu beschleunigen
3.) Begrenzer: Auch der funktioniert super aber ich finde es nervig, dass dann im Display erstmal ca. 20 Sekunden "Begrenzer ein" statt der gefahrenen Geschwindigkeit anzeigt und man mit dem Blick aufs Analoginstrument wechseln muss um die aktuelle Geschwindigkeit zu sehen...
Aber ja das sind alles Kleinigkeiten und nichts weltbewegendes ich wollte es nur erwähnen bevor es in die Berge geht ... da am Bernardino hat man dem Motörchen übrigens das einzige mal die recht geringe Leistung angemerkt ... im 6. hat man am Bernardino bergauf mangels Turbounterstützung einfach keine Meter
Nachdem es nach der vielen Schreiberei aber natürlich auch ein paar Bilder geben soll bin ich vor dem Nordportal des Bernardino-Tunnels mal ganz frech rechts abgebogen und über die verbliebenen Kehren auf die Passhöhe gefahren ... am Ospizio war mir zuviel los also ein Stück weiter den See entlang.
^ Gut hat er sich gemacht auf dem Weg hinauf ... am Anfang war ich natürlich noch recht vorsichtig ist er mit seinen 4,55 doch ein ganzes Stück länger als seine Vorgänger ^
^ Ein Blick über den schönen See ^
Nachdem ich aber recht spät dran war und es außerdem da oben um kurz vor 12 für kurze Hose und T-Shirt doch noch recht frisch war ging es nach einem schnellen Zigarettchen gleich weiter und über die Südrampe hinunter wo ich südlich des Tunnels wieder auf die Autostraße fuhr.
^ Aber natürlich nicht ohne kurz am zum Glück wiedereröffneten Skigebiet anzuhalten, dem ich im nächsten Winter sicher mal einen Besuch abstatten werde ^
Die Südrampe hinunter ging es gemütlich dahin und an Lugano vorbei bis nach Melide wo es wieder hieß die Autobahn zu verlassen und zum Balcone d' Italia zu fahren. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich übrigens noch vor je nach Wetter am Nachmittag entweder das Swissminiatur oder die Seilbahn zum Monte Tamaro zu besuchen ... Aber erstens kommt es anders und zweitens verfährt man sich auch mal ...
Ich hatte noch nicht das Navi aufs Handy gespiegelt und das Kabel vergessen daher nochmal in Maps geschaut ... Arogno - Lanzo d' Intelvi dann links ... na das sollte doch so schwer nicht sein ... in Arogno hielt ich sogar nach einer kurvigen aber nett zu fahrenden Bergstraße noch mal um in Maps nachzuschauen ... ja bin richtig - spätestens als es dann steil und eng bergab gehen hätte ich mir was denken sollen ... nö aber stur weiter ... dass ich falsch bin kam mir erst als auf einmal wieder der Lago Lugano vor mir auftauchte und es keine Wendemöglichkeit mehr gab bis ich wieder unten am See war ... also nochmal den gleichen Spass (allerdings über die Strecke die ich schonmal bergauf gefahren war denn ich war keine 500m vom Ausgangspunkt rausgekommen ...)
In Arogno hat es mir dann gedämmert ... das Schild nach Lanzo folgte nicht der Hauptstraße sondern einem Gässchen wo der Abzweig erstmal so eng war, dass ich einige Autos die aus ebenjenem kamen passieren lassen musste und dann auch noch den Motor abwürgte weil ich vor lauter Faszination wie langsam der BMW vor mir über die Kuppe fährt vergaß zurückzuschalten ... naja die Italiener die wegen mir dann kurz warten mussten hatten das wohl schon öfter an dieser Stelle gesehen.
Und dann wurde es erstmal ziemlich krass ... Einspurig durch die Walachei kaum schneller als 30 ... einige tiefe Schlaglöcher denen man kaum ausweichen konnte und 3 Spitzkehren die derart eng waren, dass ich selbst mit von außen anfahren gerade so rumkam ... ich dachte mir schon oh man wenn das so weitergeht verstehe ich warum manche auf Google die Straße als mies bewerten (1 Stern würde ich aber trotzdem nicht geben ... die Straße kann schließlich nichts dafür, dass wir Flachlandtiroler nicht autofahren können
Hier hatte ich mich dann aber getäuscht ... schlecht bewertet wurde ja die eigentliche in Lanzo d'Intelvi beginnende Stichstraße zum Balcone ... und die fand ich wiederum ziemlich harmlos, sogar teils neu geteert, keine Spitzkehren ausreichend breit ... daher schonmal hier der Spoiler ... wer dorthin möchte kommt sicherlich stressfreier wenn auch mit etwas Umweg hin wenn er von der "italienischen" Seite rauffährt. Damit und meiner Verspätung dürfte auch klar sein, dass ich den ursprünglichen Plan nicht weiterverfolgte.
^ Endlich oben angekommen ... Mensch und Maschine hatten es sich hart verdient aber der Ausblick bzw. Tiefblick auf den Lago Lugano ist auch wirklich eine Belohnung! ^
Mit ein Grund für die Auffahrt war natürlich auch, dass hier ein LSAP schlummert, es war nämlich in den 70er Jahren immer wieder geplant eine Seilbahn hier hinauf zu bauen und der Rohbau der Bergstation stand auch schon ... Leider wurden dessen Überreste inzwischen zu einer Aussichtsplattform umgewandelt ... und so
^ Ist dieser Motor neben einer Schautafel das einzige was noch daran erinnert, dass hier einmal eine Seilbahn zum Balkon (der diesen Namen wirklich verdient hat) führen sollte ^
^ Der wunderschöne Blick nach Lugano kann ein echten Seilbahner natürlich nur ein bisschen dafür entschädigen
Nunja und dann entschied ich mich eben über Italien zurückzufahren ... also hinab an das Nordostende des Lago Lugano (vieeel entspannter). Hier fragte ich mein liebes Auto dann ob es sich so frisch schon bereit fühlt für den Splügenpass und es nickte eifrig
^ Zwischendrin im Tal nochmal kurz am Lago Lugano stoppen ^
Der Splügenpass ist dann schon eine ganz eigene Nummer wenn von Süden angefahren ... 52 Kehren, 1800 Höhenmeter und einige einspurige Tunnels ... dazu wie immer ein paar irre die Kurven in die man nicht sieht schneiden oder rasende Motorradler. Aber hey wir lassen uns doch nicht stressen oder? Ausserdem verstand ich auf diesem Weg nach oben der ja doch so einiges an Kurven und Kehren zu bieten hat das Auto das erste mal so richtig und auf einmal war der Spassfaktor nochmal deutlich erhöht ... eine Familienkutsche die auch Berge kann? Na siehste da hab ich mir doch das richtige ausgesucht! (Davor war es zwar nett zu fahren aber irgendwie meinte ich ich müsste viel vorsichtiger fahren als mit den doch etwas sportlicheren Vorgängern)
^ Da oben am See ist es wirklich schön und es war inzwischen auch warm genug also eine Zigarette ^
Dabei stieg dann auch ein Italiener aus seinem Womo neben mir aus und wir kamen ein wenig ins Reden, dass er einen schönen Übernachtungsplatz gefunden hat und ich sicher auch mal hier oben nächtigen würde. Er bot mir dann auch noch einen Macchiato an und so rauchten wir zusammen noch eine weitere Zigarette und verabschiedeten uns ... von ihm noch der Hinweis, dass er oft da oben anzutreffen sei.
^ Noch ein kurzer Zwischenstopp auf der Nordrampe die ja deutlich weniger kurvig und kürzer ist (nur 2 Kehrengruppen) ^
Anschließend ging es ins Tal zurück und wieder über die Autobahn nach Hause wo ich nach 560km und ca 8,5 Stunden Fahrzeit um 19:30 eintraf.
Was ist also mein Fazit? Bis auf die Kleinigkeiten die ich vorab angemerkt habe kann ich nur sagen - Bewährungsprobe mit einer 1 mit Sternchen bestanden. Dieses kleine Motörchen ist gerade in den unteren Gängen dank kurzer Übersetzung erstaunlich spritzig unterwegs und nachdem er für seine Größe gut auf der Straße liegt und sich ziemlich präzise lenken lässt macht es richtig Spaß in den Bergen zu fahren ... gleichzeitig ist total entspanntes Cruisen auf der Autobahn möglich. Wie das dann bei 130 aussieht werde ich in Zukunft noch sehen ... ich will den kleinen großen Karpartenmercedes ja nicht von Anfang an zu sehr fordern (deswegen hab ich auch tatsächlich den Splügen rauf nachdem keiner unterwegs war einiges langsamer gemacht als sonst und hohe Touren ziemlich erfolgreich vermieden). Was mich übrigens auch noch positiv überrascht hat war ein Blick auf den Bordcomputer ... 5,3 Liter sollen es gewesen sein. Realistisch sind wohl eher 5,5 bis 5,6, wenn ich so auf die Restreichweite schaue, aber genau sehe ich das natürlich erst beim nächsten Tanken.
So das war nun viel Text ... beim nächsten Mal dann mehr Bilder ... Eisernes Ehrenwort!