Segelboot gekentert Bayesian 19.08.2024 Sizilien
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Segelboot gekentert Bayesian 19.08.2024 Sizilien
Was stimmt nun?
https://www.nzz.ch/meinung/segelboot-ba ... ld.1845174
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NeusserGletscher
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Re: Segelboot gekentert Bayesian 19.08.2024 Sizilien
Anderen Meldungen zufolge soll die Heckklappe, durch die das Beiboot aufgenommen werden konnte, ebenso wie andere Luken offen gewesen sein. Aus meiner Sicht waren wohl mehrere Luken offen, so dass in kurzer Zeit viel Wasser eindringen konnte.
Ich würde aus meiner laienhaften Sichtweise so eine Yacht auch nicht als seetüchtig bezeichnen. Wegen der großen Panoramafenster und des wegen der Aufbauten erhöhten Schwerpunkts halte ich so was eher für eine Schönwetterjacht. Typischerweise versuchen die Konstukteuere von Segeljachten, den Schwerpunkt der Aufbauten möglichst niedrig zu halten. Hier hat man das Cockpit dort hin gesetzt, wo sich bei konventionell konstruierten Booten der Großbaum befindet. Auf mich wirkt die Konstruktion wie eine Motorjacht, der man einen Mast aufgesetzt hat. Der ganze Technikkrempel für die vollautomatisierte Segelführung treibt zusätzlich den Schwerpunkt nach oben. Und dann will eine Augenzeugin auch noch gesehen haben, dass die Segel gesetzt waren [20min.ch].
Das sieht für mich mehr nach Fehlkonstruktion und schlechter Seemanschaft aus. Der Ankerplatz war offenbar auch eher suboptimal gewählt.
Ich würde aus meiner laienhaften Sichtweise so eine Yacht auch nicht als seetüchtig bezeichnen. Wegen der großen Panoramafenster und des wegen der Aufbauten erhöhten Schwerpunkts halte ich so was eher für eine Schönwetterjacht. Typischerweise versuchen die Konstukteuere von Segeljachten, den Schwerpunkt der Aufbauten möglichst niedrig zu halten. Hier hat man das Cockpit dort hin gesetzt, wo sich bei konventionell konstruierten Booten der Großbaum befindet. Auf mich wirkt die Konstruktion wie eine Motorjacht, der man einen Mast aufgesetzt hat. Der ganze Technikkrempel für die vollautomatisierte Segelführung treibt zusätzlich den Schwerpunkt nach oben. Und dann will eine Augenzeugin auch noch gesehen haben, dass die Segel gesetzt waren [20min.ch].
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Re: Segelboot gekentert Bayesian 19.08.2024 Sizilien
Das war ja keine popelige Segelyacht wie sie Hinz und Kunz segelt, das war ein relativ großes Schiff. Da verändern sich einfach die Verhältnisse und dann passt halt auch eine Brücke auf den Aufbau. Das Ding wird im Gegenzug auch eine ziemlich große und vor allem schwere Maschienenanlage unter Deck gehabt haben, die gleicht das dann wieder aus. Ein Segelschiff dieser Größe kann man nicht einfach vom Oberdeck am Heck segeln, da sieht man ja nichts.
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Re: Segelboot gekentert Bayesian 19.08.2024 Sizilien
Naja, bei 200 Tonnen Bleibalast plus 30 Tonnen im Kielkasten plus 60 Tonnen für den absenkbaren Kiel spielt die Maschine nicht eine so große Rolle. [yacht.de]
Interessant finde ich die Aussage, dass sämtliche Schwesterschiffe als Ketsch gebaut wurden, also mit zwei Masten und damit einem niedrigeren Segeldruckpunkt. Die gesunkene Bayesian war dagegen Slup getakelt, also nur ein Mast mit Vor- und Großsegel. Alleine die Windlast des 73 Meter hohen Mastes soll einer Segelfläche von 70 m^2 entsprechen [VDI Nachrichten]. Und der in dem ersten Artikel genannte Flutungswinkel von ca. 45° ist IMHO relativ klein, die VDI Nachrichten schreiben sogar von nur 30°.
Nein, das war in der Tat keine normale Segeljacht. Die wäre bei korrekter Seemanschaft vermutlich auch nicht wie ein Stein gesunken.
Interessant finde ich die Aussage, dass sämtliche Schwesterschiffe als Ketsch gebaut wurden, also mit zwei Masten und damit einem niedrigeren Segeldruckpunkt. Die gesunkene Bayesian war dagegen Slup getakelt, also nur ein Mast mit Vor- und Großsegel. Alleine die Windlast des 73 Meter hohen Mastes soll einer Segelfläche von 70 m^2 entsprechen [VDI Nachrichten]. Und der in dem ersten Artikel genannte Flutungswinkel von ca. 45° ist IMHO relativ klein, die VDI Nachrichten schreiben sogar von nur 30°.
Nein, das war in der Tat keine normale Segeljacht. Die wäre bei korrekter Seemanschaft vermutlich auch nicht wie ein Stein gesunken.
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Re: Segelboot gekentert Bayesian 19.08.2024 Sizilien
Stimmt natürlich, aber dann kann man auch locker die Brücke ein Deck höher setzen, da kommt's nicht mehr drauf an.
Sind denn die zwei Masten so viel kleiner dimensioniert, dass sie weniger Angriffsfläche bieten als der eine Mast?
Die 70 m² kommen mir aber auch etwas viel vor. Das würde ja einem fast 1 m breiten Mast entsprechen. Natürlich kommt da noch was zum eigentlichen Mast hinzu, ist aber trotzdem viel. Und dann kommt ja noch dazu, dass der Wind am Mast nicht gleich angreift wie am Segel.
Sind denn die zwei Masten so viel kleiner dimensioniert, dass sie weniger Angriffsfläche bieten als der eine Mast?
Die 70 m² kommen mir aber auch etwas viel vor. Das würde ja einem fast 1 m breiten Mast entsprechen. Natürlich kommt da noch was zum eigentlichen Mast hinzu, ist aber trotzdem viel. Und dann kommt ja noch dazu, dass der Wind am Mast nicht gleich angreift wie am Segel.
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Re: Segelboot gekentert Bayesian 19.08.2024 Sizilien
Offensichtlich war der hohe Mast ein Problem, denn sie mussten wegen der Slup Takelung 30 Tonnen Gewicht zusätzlich im Kielkasten unterbringen. Das entspricht einer Wassermenge von 30 Kubikmetern, die weniger einströmen musste, um das Schiff zum Sinken zu bringen. Zeit, die vielleicht am Ende für die Evakuierung gefehlt oder überhaupt erst das Faß zum Überlaufen gebracht hat. Der Mast selbst ist zwar kein Segel, aber seine Windlast bewirkt ein Drehmoment auf den Rumpf, welches auch bei nicht gesetzten Segeln eine Krängung zur Folge hat.
Auch die Platzierung der 30 Tonnen im Kielkasten sehe ich als problematisch an. Besser wäre es gewesen, weniger Gewicht in einer dafür vergrößerten Bleibombe am Ende des Kiels anzubringen. Aber das wäre fast schon auf eine Neukonstruktion des Rumpfes oder zumindest des Kiels hinaus gelaufen.
Die 60 Tonnen des absenkbaren Kiels bewegt auch niemand mehr von Hand und es dauert sicherlich auch eine Weile, diese Masse über 5 Meter vollständig auszufahren. Vielleicht zu lange, um auf das plötzlich aufziehende Unwetter zu reagieren.
Zwischen den Zeilen lese ich bei einigen Berichten heraus, dass man die Grenzen des technisch machbaren ausgereizt hat. Der Eigner wollte ein schnelles Boot, aber nicht darauf verzichten, damit auch Häfen oder Buchten mit wenig Wassertiefe anzufahren. Deswegen der Hubkiel. Man wollte Stehhöhe in der Kajüte und Panoramafenster und hat dabei in Kauf genommen, dass das gesamte Rigg höher aufbaut. Aber die Gesetze der Physik gelten halt auch für Superjachten.
Auch die Platzierung der 30 Tonnen im Kielkasten sehe ich als problematisch an. Besser wäre es gewesen, weniger Gewicht in einer dafür vergrößerten Bleibombe am Ende des Kiels anzubringen. Aber das wäre fast schon auf eine Neukonstruktion des Rumpfes oder zumindest des Kiels hinaus gelaufen.
Die 60 Tonnen des absenkbaren Kiels bewegt auch niemand mehr von Hand und es dauert sicherlich auch eine Weile, diese Masse über 5 Meter vollständig auszufahren. Vielleicht zu lange, um auf das plötzlich aufziehende Unwetter zu reagieren.
Zwischen den Zeilen lese ich bei einigen Berichten heraus, dass man die Grenzen des technisch machbaren ausgereizt hat. Der Eigner wollte ein schnelles Boot, aber nicht darauf verzichten, damit auch Häfen oder Buchten mit wenig Wassertiefe anzufahren. Deswegen der Hubkiel. Man wollte Stehhöhe in der Kajüte und Panoramafenster und hat dabei in Kauf genommen, dass das gesamte Rigg höher aufbaut. Aber die Gesetze der Physik gelten halt auch für Superjachten.
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