Morgendlicher Blick aus dem Gasthauszimmer in einem Nebengebäude – bis auf ein paar Schimmelflecken an einer Wand war dort alles in Ordnung.
Die Schneise am Steilhang weiter oberhalb hatte schon am Vorabend bei der Anreise meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen, doch um ein LSAP handelt es sich sicherlich nicht. Der Hang ist viel zu ungeeignet und eine mögliche Piste fehlt. Außerdem kann man sich ja nun mehr alte Karten von Österreich im Internet ansehen (Siehe Austrianmaps - mit Stand 1980!) – demnach gab es auf Triebener Seite keine Skilifte.
Wohl aber existierte einst eine Materialseilbahn vom Ort aus zum Bergwerk weiter oben in Richung Passhöhe hinauf. Die ist in der alten Karte noch enthalten. Von der Existenz der MSB habe ich aber erst wieder daheim in München erfahren. Aber der trübe Wintermorgen hätte sich für eine Trassenbegehung oder sonstige Spurensuchen eh nicht geeignet. Das ist was für den Sommer oder Herbst und ich wollte nach dem Frühstück viel lieber zu den Schleppliften.
So frühstückte ich in Vorfreude auf das kleine Skiparadies weiter oben – lediglich ein anderer Tisch im Gasthof war noch besetzt. Dort saß ein Pärchen, das offenbar auch auf die Piste wollte, denn beide trugen sie ihre Skiunterwäsche zur Schau, was sich bei einer der beiden Personen wenigstens nicht negativ auf meinen Appetit auswirkte
Die Titel der ausliegenden Zeitungen berichteten vom Mordfall in der Polizeistation gegenüber des Gasthauses wenige Tage zuvor. Ein Polizist hat dort wohl seinen Chef füsiliert - mittlerweile wurde der Täter verurteilt. Irgendwie eine komische Begebenheit, die man nicht vergisst – genau wie dann Ende 2023 in Kärnten, als die Wirtin mir vom Tod ihres Sohnes berichtete.
Nach dem Frühstück holte meine Ski aus dem Heizungskeller und bei leichtem Schneefall fuhr ich auf der vor wenigen Jahren völlig neu trassierten Passstrasse von Trieben nach Hohentauern hinauf. Nach dem Ort war es bis in die 2000er auf der linken Seite der Schlucht die alte Strecke hinauf gegangen. Im August 1991 ist dort ein ungarischer Reisebus verunglückt und 13 Menschen verloren ihr Leben. Nun fährt man über eine Brücke auf der rechten Schluchtseite nach oben.
Ankunft in Hohentauern bei leichtem Schneefall und dunklen Wolken. Es war nichts los und nicht einmal der sonst bei solchen Fahrten obligatorische SUV-Stresser war hinter mir aufgetaucht, der ob seiner Mannhaftigkeit von Trieben nach Hohentauern natürlich nur 2,3 Sekunden benötigt hätte bei 2,6 Promille
Der Edeltrautelift, ein Tellerlift, lief leider nicht, aber wenigstens die drei Hauptbügellifte. Außerdem noch eher uninteressanter Tellerlift parallel zum Wirtsalmlift 1.
Einstieg am Tauernlift – der wurde erst 1990 neu errichtet, so dass man bereits hier ins Gebiet einsteigen kann und nicht erst weiter „hinter“ fahren muss zu den Wirtsalmliften. Früher hat es hier am Gegenhang auf der Südseite noch einen Schlepper gegeben, dessen Liftlerhäusl unten noch steht. (Bild folgt...)
Forumskollege NIC und ein weiterer Bekannter sollten dann noch im Laufe des Vormittags dazukommen. Ich erkundete erst einmal allein das Gebiet...
Zwar ein moderner Schlepper, aber ich war froh, es endlich mal nach Hohentauern geschafft zu haben. Es liegt für einen Tagestrip einfach zu weit von München entfernt und ich hatte seit Jahren immer befürchtet, dass das LSAP-Virus schneller sein würde. Nur Schlepplifte und dazu die abgelegene Lage irgendwo Richtung Sarajevo
Schöner Schlepper mit noch besserer Heiz-Abfahrt daneben. Dazu nix los und auch kein Liftler, der wegen meiner Spiegelreflexkamera ein Aufsehen machte.
Hier der Blick zurück nach Hohentauern. Am Gegenhang rechts der Ferienhaussiedlung ging früher ein SL hoch. Oberhalb der Hütten müsste man noch die alte Abfahrt sehen. Vor Ort hatte ich gedacht, der Lift hätte nur bis zum Beginn des Waldbewuchses gereicht, doch die 1980er Landkarte im Internet (austrianmaps) zeigt an, dass er weiter hinauf führte.
Die Bergstation sieht man nur, wenn man einen Skiweg zurück von den anderen Liften nimmt.
Tauernlift mit Raserstrecke daneben.
Am Wirtsalmlift 1
Der zieht fast schon kaltenbrunnliftmäßig rauf! Leider sieht man es auf den Fotos immer nicht so gut, aber hier hat man noch einen Schlepper der klassischen Art. Sausteil und saugut
Deswegen gibt es für die Kinder und Anfänger im flachen Bereich den parallelen Tellerlift.
Die Talstation vom Wirtsalm 1
Es beginnt harmlos flach...
Doch dann zieht der Lift rauf wie nix
Eines DER Schleppererlebnisse der Saison 2022/23...
Blick zurück in den Steilhang
Drüben schepperte ein Dieselmotor und der nächste SL – der Wirtsalmlift 2 zieht von dort steil durch den Wald hinauf. Ich hoffe, ich habe jenen Tag nicht nur geträumt
Ein Prachtschlepper!
Durch den verschneiten Winterwald ging es dann hinauf.
Weiter oben hatte es über Nach eine dünne Schicht Neuschnee gegeben.
Noch ein paar Zooms vom verschneiten Ausstieg des Wirtsalmlifts 2.
Dieser Tellerlift – der Edelrautelift – war leider außer Betrieb. Irgendwo habe ich gelesen, dass der Lift früher in der Nähe bei der gleichnamigen Almhütte gestanden haben soll.
Später nochmals bei Sonnenschein...
Gegenüber des Wirtsalmlifts 2 war mir eine Schneise aufgefallen. Ich dachte an ein LSAP, doch es handelte sich um einen Pendellift! Ich habe im Internet nichts dazu finden können. Ggf. ein Privatlift? In Gaissau-Hintersee gibt oder gab es doch im Ort unten auch so einen Pendellift?
Bügelzoom
Talstationszoom
Die Abfahrt von oben aus gesehen links des Wirtsalmlifts 1 – NIEMAND da...
Gab es da rechts vom Wirtsalmlift 1 noch weinen weiteren (Übungs-)lift?
Hinter den Bäumen verlaufen der Wirtsalm 1 und der Tellerlift.
Links steht auch noch so ein mutmaßliches Liftlerhäusl?
Trasse? Ich glaube, eher nicht. Ggf. vielleicht mal ein Seillift?
Ehe NIC und der weitere Begleiter eintreffen sollten, noch eine Fahrt mit dem Tellerlift.
Später noch ein paar Pistenbilder – die Sonne hatte sich mittlerweile durchgesetzt und ich versuchte, als Ü40er den beiden Begleitern hinterher zu kommen
Wir hatten uns am Tauernlift unten getroffen. Die anderen kannten das Gebiet bereits, aber ein Wiederholungsbesuch wurde in Anbetracht der steilen Schlepper gerne vorgenommen.
Ich hatte am Vormittag bei einem Einzellift angerufen, um diesen evtl. auf der Rückfahrt noch zu besuchen. Aber ich war unschlüssig, mir den Stress zu geben und wollte andererseits mit den anderen beiden bis 16 Uhr Hohentauern genießen.
Der Einzellift sollte aber eh nicht mehr in Betrieb sein. Zumindest habe ich die Einheimische am Handy so verstanden
Ich: „Ist der Lift in Betrieb oder außer Betrieb?“
Liftfrau: „Ja eh!“
Ich: „Also in Betrieb?“
Liftfrau: „Naaa - aus!“
Sie hatten die Saison mit Ablauf des Februars beendet. Da denn tschüss...
Aber nun auch noch mit Sonnenschein und in Begleitung zweier weiterer Liftinteressenten war es eh besser, in Hohentauern zu bleiben.
Im Wirtsalmlift 2 ging sich dann noch eine Stuntaktion aus. Wir fuhren hinauf, als mitten im Steilhang ein weinender Junge neben der Trasse saß. Ihn hatte es offenbar hinausgeschmissen und nun hatte er wegen dem nicht gerade flachen Liftverlauf Angst.
Wir stiegen aus. Einer von uns rutschte mit dem Jungen den Hang neben der Trasse hinunter, die anderen kümmerten sich um den Abtransport der Skier. Der Bub sprach nur tschechisch, aber er verstand offenbar ein paar Brocken Englisch, so dass wir ihn beruhigen konnten. Unten trafen wir dann auf einen erwachsenen Tschechen aus seiner Reisegruppe, dem wir den Jungen übergeben konnten.
Mit einer 10 EUB wäre das natürlich nicht passiert
Wirtsalm 2 nun auch mit Sonnenschein...
Zoom – viel gibt es von oben ja nicht zu sehen. Nur Berge und Wälder
Am Schluss noch zum Tauernlift, wo unten unsere Autos standen.
Leider streikte der Lift zwischenzeitlich, aber die Sonne schien und eine Fahrt ging sich dann doch noch aus.
Links der Kirche sieht man hier noch im Zoom das Liftlerhäusl des LSAP-Schleppers gegenüber, der wohl nicht nur die Wiese, sondern auch noch weiter durch den Wald hinauf führte.
Hier sieht man den Hang nochmals, als wir nach dem Wechsel der Schuhe und dem Verstauen unserer Ski noch den Tauernwirt aufsuchten. Direkt am Tauernlift hätte es nämlich nur Kuchen gegeben.
Schönes Gebäude...
Der Tauernwirt sollte sich als total urige Gaststätte erweisen, wo wir ein richtig gutes Abendessen serviert bekamen. Bei Liftgesprächen ließen wir es uns schmecken.
Nach der Parkplatzverabschiedung ging es für mich auf die lange Heimfahrt in der Dämmerung. Im trüben Trieben und verfuhr ich mich – anstatt auf die Autobahn steuerte ich den Passat in ein bronxmäßiges Gewerbegebiet. Aber der befürchtete Piefkehinterhalt blieb aus und ich fand die Auffahrt doch noch
An Kirche in Stanzach (glaube ich) hatten sie warum auch immer ein rotes Licht an der Kirchturmspitze hängen und bei der Weiterfahrt durchs Ennstal hindurch leuchteten Venus und Jupiter dicht beieinander am Westhimmel. Der Grimming war im diffusen Dämmerlicht noch auszumachen und als Haus näherrückte, erschienen blinkende Pistenraupen am Berg. Gerne wäre ich in einer der Pensionen abgestiegen, um am nächsten Tag nochmals Skifahren zu gehen. Aber andererseits gibt es rund um Schladming keine interessanten Anlagen mehr – allenfalls noch die DSB Reiteralm 1 von 1971...
Bei Mandling dann doch noch der übliche Stresser, der vor einer Kurve überholte, um 30 Sekunden früher die Tauernautobahn zu erreichen. Die immer wieder erscheinende, magische Lichterscheinung am Westhimmel - Venus und Jupiter dicht nebeneinander – bemerkte der Heini bestimmt nicht, während ich noch überlegte, deswegen irgendwo rechts ran zu fahren. Doch das holte ich erst am Autobahnparkplatz direkt am Chiemsee nach...