Also schaute ich mich um, was noch auf der Bucketlist lag. Ich stiess dann schnell auf Métabief im Jura, kurz hinter der schweizer Grenze bei Vallorbe gelegen - oder eine Stunde südlich von Besancon, je nach Sichtweise. Denn: Métabief hat viele grüne Pisten, die auch alle als offen gekennzeichnet waren am Vortag. Die Wahl würde sich als gut herausstellen, soviel vorweg.
Über die schweizer Autobahnen via Biel - Neuchâtel erreichten wir in gut 2 Stunden den Parkplatz am Skigebiet. Und dort ganz hinter zu fahren erwies sich als gute Idee: ein Parkeinweiser liess uns schräg hinter einer anderen Parkreihe einparken, was dann wiederum nur wenige Meter von der Piste entfernt war. Zum dritten Mal in der Saison Glück gehabt
Der Skipass kostete für uns beide 59,50 Euro. Uns erwarteten 3 Doppel-KSSL, 1 6KSB und 2 bzw. 3 3SB. Der Rest des ursprünglichen Gebietes war wegen finanzieller Schwierigkeiten - oder wie der Betreiber sagt: zur Rettung des Restgebietes - nicht in Betrieb.
Wir fuhren als erstes gleich rauf mit der 6KSB "Morond" auf den gleichnamigen Gipfel (1420 m) - hier kann man mit einer waschechten LEITNER-Anlage fahren - eine Seltenheit in Frankreich. Ein eisiger Wind zog nicht stark, aber lästig - was waren wir froh über unsere Sturmmasken bzw. ins Gesicht gezogene Skitücher. Im Tal hatte es -11 Grad und oben schien es auch nicht wirklich wärmer zu sein.
Oben auf dem Morond erschlägt einen förmlich das Panorama - in unserem Fall eine fette Hochnebelschicht über dem Waadtland und Genfer See:
Blick zur Bergstation der recht langen 6KSB "Morond" - auch der Einstieg zur Talfahrt ist möglich. Ebenso kann man relativ preiswert mit ihr als Fussgänger rauf und runter, die Berg- und Talfahrt und den Schneeschuhverleih zusammen gab's bspw. für 11,80 EUR. Links daneben befindet sich (nicht im Bild) noch der Seilscheibenausstieg des KSSL "Citerne", dieser war nicht in Betrieb, die zu ihm führenden Pisten aus Schneemangel geschlossen:
Eine erste Abfahrt führte uns dann über die sehr schön trassierte und leicht zufahrende grüne Abfahrt "Renard" (ist die "Fuchs" eigentlich überall die insgesamt schönste Genusspiste???) etwas näher an den Mont d'Or mit den Sektoren Bellevue und Super Longevilles.
Schöne grüne "Renard":
Unten angekommen, verblieben wir einen Moment zum standardmäßigen Sohnemann-Skistiefel-Richten. Geradeaus im Bild die 3SB "Paradis" und rechts der Doppel-KSSL "Bellevue 1+2", es waren tatsächlich trotz Nullandrang beide in Betrieb:
Es wäre noch ein Stück weitergegangen zu den Longeville-KSSL, da stand aber deutlich sichtbar der Hinweis "téléski difficile" und "nicht für kindliche Anfänger". Also ließen wir das lieber bleiben.
Wir fuhren aber natürlich mit jenem KSSL "Bellevue". Dieser startet sofort in einen Steilhang, entsprechend gibt es natürlich einen wunderbaren Katapultstart mit Abheben und 1 m Flug. Danach fährt er aber sehr angenehm bis rauf. Das Gelände wird etwas lichter, ehe man sich im "Gipfel"bereich dann ganz knapp in baumfreiem Gelände befindet.
Natürlich hat diese Liftanlage, ebenso wie jene am Mont d'or (Super Longevilles) fliegende Umlenkscheiben:
Ausstiegsbereich Doppel-KSSL "Bellevue I+II":
Hier oben ist es zwar nicht üppig weiß, aber dennoch irgendwie tief winterlich, weiter unten an der Westflanke des Jura jedoch grün:
Blick hinüber zum Morond mit den Bergstationen (von links nach rechts) der 3SB "Paradis", KSSL "Citerne", 6KSB "Morond" und 3SB "Troupezy":
Blick zum Mont d'or (1463 m) mit den KSSL "Super Longevilles I+II", welche gefühlt kurz vor dem Gipfel des Berges, aber defintiv ebenso wie die "Bellevue I+II" direkt an der Felskante des selbigen Massivs enden:
Wir fuhren nun die blaue Abfahrt "chevreuil" hinab, welche sich oben doch als relativ steil (und besch... eisig) herausstellte. Für mich ging's trotzdem ganz gut, mein Sohn fluchte, kam aber dennoch sturzfrei da durch. Nach dem ca. 200 m langen Steilstück wird's dann jedoch schön und es zweigt die grüne "fraisier" ab, welche wir zurück zur 3SB "Paradis" nahmen.
Blaue "chevreuil", oben das Steilstück, da hier gar nicht so wild aussieht:
Links herum geht's zu den KSSL "Super Longevilles I+II", wir zweigen auf die grüne Abfahrt nach rechts ab, schönes Gelände:
Mit der 3SB "Paradis", ein rustikales POMA-Gefährt, ging es wieder auf den Morond. Oben angekommen, hatte sich die Nebeldecke etwas gesenkt und die ersten Spitzen der Alpen kamen zum Vorschein:
Zoom zum Mont d'or:
Zoom zum Montblanc:
Gipfelplateau des Morond, inzwischen hatten sich auch erste Fußgänger hier hinauf gewagt und genossen das Panorama, ganz hinten im Bild ist noch die Bergstation der 3SB "Troupezy" zu erkennen, welche wir nicht genutzt hatten:
Wir fuhren erstmal mit der 6KSB wieder runter. Die grüne Abfahrt "familiale" (welche so um die 3 km haben müsste) war mangels Schnee geschlossen, die blaue hatte zwei Steilstücke drin, vor denen mein Sohn Angst hatte. Also Ski ab und setzen!
Unten fuhren wir vor dem Mittagessen noch ne Runde Anfängerlift und -piste und nochmal mit der 3SB "Berche" herauf.
Bergstation 3SB "Berche", Schneekanone, das Schild weist darauf hin, dass das französische Wort dafür "canon a neige" lautet
Notabene war diese rote weniger Steil als oben vorher die blaue Abfahrt...
Wir kehrten nun im "Chez Zaza" ein, einer Chaletkneipe, wo abends scheinbar die Post so richtig abgeht. Es gab leckere "Burger Montagner" mit Pommes für 13 Euro, War echt lecker, auch wenn gar kein Hacksteak drauf war:
Es hätte übrigens noch andere Optionen zum Essen gegeben, alle im Talstationsbereich, aber von den anderen hätte man hinterher etwas aufsteigen müssen, hier nicht
Nach dem Essen fuhren wir natürlich nochmal mit der 3SB "Berche" (ebenso rustikal wie die "Paradis"), welche direkt neben der besuchten Kneipe startet. Die Sessel haben keine Fußraster (mehr?), aber für die 485 m geht das schonmal:
Nun ging es nochmal rauf auf den Morond. Oben angekommen riss es nun richtig auf, die Alpen waren fast komplett. Unten ist der Genfersee zu erahnen:
Alpenzoom. Der App "Peak finder" nach ist auch das Matterhorn zu erahnen. Wer findet es?
Nun konnte man auch schon bei Mond"schein" Skifahren (Piste "renard"):
Von Westen her zogen langsam einzelne Wolkenfelder heran, Bergstation KSSL "Citerne", dahinter kaum zu erkennen die 3SB Paradis - hier oben muss man etwas schieben, um zu den Pisten zu kommen (Ausnahme: "combe" und "printemps", waren aber beide mangels Schnee zu):
Wir fuhren noch ne Runde "Fuchs", ehe wir wieder "retour Métabief par télésiège" gingen:
Kunst am Berg, dahinter die Seile des KSSL "Citerne" und die Pisten "combe" und "printemps" verlaufen da auch irgendwo...
Nochmal ein Rückschuss übers Plateau:
Im Anschluss vergnügten wir uns noch auf ein paar Fahrten am Anfängerhang und an der 3SB "Berche". An den grünen Pisten "ch'neau" und "pré-midi" und der roten "canon a neige" konnte man sich gut austoben. Die blauen "petite bleue" und "berche" wären auch offen gewesen, haben wir aber nicht genutzt. Fährt man nur hier unten, gibt's übrigens einen noch günstigeren Anfängerbereichs-Skipass.
6KSB "Morond" und daneben KSSL "Berche", der nicht benötigt wurde und daher nicht lief, außerdem im Bild: die mit Schneilanzen und Schneekanonen ausgestattete Piste "canon de neige", welche etwa zur Hälfte präpariert war.
Blick zum Anfängerhang mit dem Doppel-KSSL "Prés-midi", der rechte davon ist etwas kürzer und für Anfänger adaptiert, er läuft seeeehr langsam und hat sogar noch einen Zwischenausstieg, bevor das Gefälle richtig anfängt, rechts der Bildmitte: unsere Mittagessen-Chalet mit darunter liegender Talstation der Sommerrodelbahn (7 EUR/Fahrt) und daneben der 3SB "Berche":
Nochmal im Zoom:
Auch wenn wir praktisch irgendwie nur auf 2 grünen Abfahrten fuhren, war es dennoch für uns beide ein schöner Skitag, der auch erst um 17 Uhr endete. Insgesamt hat mir Métabief gefallen, die Aussicht, die Lage der Pisten, die wenigen Menschen (oder die vielen, die sich super verteilten) - hat echt Spaß gemacht. Und Respekt, dass man bei wohl nur 10 cm Schneedecke so einen Skibetrieb noch aufrechterhalten kann. Es war kein Dreck auf den Pisten und fuhr sich insgesamt ganz gut. Ich komme gern mal wieder!