Es gibt so Gebiete und Einzellifte, die hat man auf der Bucketlist. Mit jeder Forums-Reportage aus neuen Gegenden wird meine Liste immer länger und die Ziele weiter entfernter. Aber auch die hiesigen Mittelgebirge habe ich nach wie vor auf dem Zettel. Nach meinem Traumtag in der Eifel 2024 war mal wieder das Sauerland an der Reihe.
Eschenberglifte, Niedersfeld
Das Skigebiet Eschenberg liegt vom Ruhrgebiet kommend wenige Kilometer vor der Hochburg Winterberg. Aber es sind entscheidende Kilometer, die einem Stau, ewige Parkplatzsuche und Wartezeiten im zweistelligen Minutenbereich an den Liften ersparen können. Klar, das Angebot ist nicht vergleichbar. Aber mit drei Skiliften und drei Pistenkilometern sind die Eschenberglifte ein feines Sauerländer Kleinod.
Pistenplan
Preisliste
2015 war mir ein Kurzbesuch in Niedersfeld vergönnt, bei dem aber nur der Hauptlift Eschenberglift 1 lief. Für den Dreier fehlte das Personal und für den Zweier der Schnee. Seitdem galt es zu warten auf ein Wochenende, an dem alle nötigen Faktoren zusammenpassen würden. Anfang Januar, dem ersten Skibetriebstag im Gebiet, war es dann so weit.
Der Wecker klingelte früher als in der Woche. Aber das lohnte sich. Ich erreichte das tief verschneite Sauerland vor der großen Stauwelle und pünktlich zur Liftöffnung um 9 Uhr. Keine Parkplatzgebühren und die Halbtageskarte für 20 Euro - das macht doch gleich Spaß.
Die ersten Abfahrtsmeter vom Parkplatz zur Kasse. Eine Schneekanone mit Ennepetaler Kennzeichen sieht man nicht allzu oft. Manch einer hierzulande dichtet EN übrigens um in "Europas Nieten", was eine Anspielung auf die Fahrkünste sein soll *duckundweg
Talstation des Einsers von DM. Die schräge Antriebsbrücke ist etwas für Freunde klassischer Skilifttechnik
Das erste Stück nach dem Einstieg ist für Sauerländer Verhältnisse arg steil. Mit den Langbügeln ist es aber gut zu bewältigen.
Gleich nach dem Steilstück zeigt sich: Das wird ein Top-Tag. Gleich links zu sehen ist der Idealhang, der um kurz nach 9 Uhr noch mit einer zentimeterhohen Neuschneeschicht bedeckt war. Da steigt die Vorfreude.
Linkerhand startet der Eschenberglift 3, der hier sowas wie der Gipfellift ist.
Doch zunächst gehts im Einser noch durch das kurze Waldstück, ehe die Bergstation erreicht ist. Dort läuft auf einem alten Radio WDR4 - herrlich.
Nach dem Abbügeln liegt dieser seichte Paradehang vor einem.
Der Dreier führt noch ein Stück weiter hinauf. Doch zunächst fuhr ich einige Male am Einser.
Ideales Gelände für den Saisoneinstieg sowie für Anfänger und Familien.
Knapp über den beiden Skifahrern im Lift war anfangs noch der Rückstau von Winterberg zu sehen. Eigentlich hätte ich davon einen Telezoom machen wollen. Aber mir war dann die Anfangszeit auf der frischen Piste zu wertvoll, um Zeit für den Objekttivwechsel zu verschwenden. Dennoch: Während Bernd und Wouter auf dem Weg nach Winterberg im Stau stehen, kann man bei den Eschenbergliften bereits die Abfahrten genießen. Da hierfür Naturschnee von Nöten ist, klappt das leider nicht allzu oft in der Saison.
Auch Offpiste ging was an diesem Tag
Seitenblicke zum Dreier
Hier mal wieder im Einser
Nach ein paar Abfahrten stand meine Premierenfahrt am sogenannten Gipfellift an.
Das dürfte die neueste Anlage im Gebiet sein, gebaut von LST. Zunächst geht es über die freie Fläche.
Dann ein kleines Stück durch den Wald.
Bis man schließlich am höchsten Punkt des Gebiets ankommt. Von dort erreicht man alle Pisten.
Doch der heimliche Favorit ist hier der Eschenberglift 2, ebenfalls ein alter DM, der aber noch Kurzbügel hat und gefühlt nicht sehr oft in Betrieb ist. An dessen fliegender Bergstation kommt man über eine der Gipfelvarianten des Dreiers vorbei. Und: Hurra! Der Lift ging ebenfalls in Betrieb.
Das ist die rote Diretissima am Zweier, ebenfalls traumhaft zu fahren. Zumal vor mir noch kaum jemand sich dorthin verirrt hatte.
Kurz vor der Talstation kommt der Lift in Sicht. Der Rest der Trasse liegt im dichten Wald.
Traumhafte Bedingungen. Leider sind diese Tage in den Mittelgebirgen so verdammt selten.
Blick auf die Trasse. Man könnte meinen, die Entscheidung für den Betrieb sei kurzfristig gefallen.
Die Trasse war nämlich stellenweise als Slalom zu fahren. Kein Wunder, dass sie nicht präpariert war. Hier passt bei dem ganzen Gemüse kein Bully durch.
Ein Traum in Weiß
Uralt-Kurzbügler mit verwachsener Trasse. Hier ist Skifahren noch Abenteuer
Nach drei Stützen ist bereits der Ausstieg erreicht. Ist aber eine schöne Beschäftigungsanlage. Eigentlich sollte es hier auch Sommerbetrieb mit Mountainkarts geben. Auf meine Rückfrage vor Ort hieß es, dem stehe aktuell noch der Naturschutz entgegen. Bitter: Denn seinerzeit hatte man schon einen Eröffnungstermin veröffentlicht und war scheinbar bereit für den Betrieb (https://www.facebook.com/MountaincartsE ... cale=de_DE). Ob das jetzt noch was gibt?
Nach einigen Genussfahrten der Wechsel zurück zur Sonnenseite. Wie man sieht, sind die Pisten hier schön kupiert und ansprechend.
Vorne der Gipfellift (Eschenberglift 3), hinten der Einser vom Tal herauf.
Gleich bei der Talstation des Dreiers sind die Skischulen unterwegs. Da wir hier im Sauerland sind, wird dort niederländisch gesprochen
Nach knapp 2,5 Stunden wahrer Skifreude am Eschenberg zeigte der Blick auf die Webcam, dass auch am nahegelegenen Sternrodt Vollbetrieb herrschte - mein nächstes Ziel. Aber vorab unternahm ich noch eine Abschiedsfahrt am Zweier. Wer weiß, ob ich den nochmal fahren kann. Seinem umgangssprachlichen Zweitnamen "Campingplatzlift" wird er übrigens nicht mehr gerecht, seitdem man dort den "Uplandpark" errichtet hat.
Das ist der Schlusshang am Lift. Macht Spaß und kann hoffentlich auch künftig befahren werden.
Der Antrieb hat etwas zu laut und unrund geklappert, dürfte aber auch schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Ist das eine leichte Ausführung? Kenne ich sonst z.B. vom Pass Thurn. Der Antriebspilz von DM ist deutlich häufiger anzutreffen.
Das zweite Standbein des Gebiets: Der beschneite Rodelhang, der kostenpflichtig ist und ein kleines Förderband besitzt. Dort dürfte die Kasse ordentlich geklingelt haben. Auf der Piste hingegen hätten sich die Betreiber noch mehr Gäste gewünscht, wie man mir an der Kasse verriet. Ich hoffe, die darauffolgenden Betriebstage waren zufriedenstellend.
Exkurs auf vier Rädern:
Bereits am vorangegangenen Wochenende herrschte im Sauerland stellenweise Verkehrschaos. Davon blieb ich dank früher An- und früher Abreise zwar verschont. Aber um vom Eschenbergparkplatz runter zu kommen, brauchte ich gute 15 Minuten. Der Grund: Als alle regulären Stellplätze belegt waren, meinte ein Depp im Elektro-SUV, in der zweiten Reihe warten zu müssen. Die Folge: Nix ging mehr. Uneinsichtig war er natürlich auch. Ich kann diese überbreiten Batmobil-Verschnitte mit ihren unfähigen Schnösel-Fahrern nicht leiden.
Sternrodtlifte, Olsberg
Eine dreiviertel Stunde später - und um einige graue Haare reicher - war dann endlich der Parkplatz am Sternrodt erreicht. Auch dort war einiges los, aber die Stimmung entspannt. Und auch die Parkplatzsuche war unkompliziert, da sich einige Anrainer zur Mittagszeit bereits auf den Heimweg begeben hatten.
Voll wars, aber nicht übervoll. Für die Betreiber freuts mich.
Hat man inzwischen die Preise angehoben? Trotz allem immer noch fair.
Endlich mal genug Andrang, dass auch der rechte Lift lief - der Grund für meinen heutigen Besuch. In den Vorjahren konnte ich bisher immer nur die linke Anlage fahren.
Ordentlich Schnee vor der Hütte
Die Doppelanlage ist einen guten Kilometer lang. Mehr zur Historie des Skigebiebts gibts hier: viewtopic.php?p=5423194#p5423194
Schöne Stimmung hier im tiefverschneiten Wald. Beim Wettrennen der Lifte zog ich im rechten übrigens immer den Kürzeren.
Ab auf die Piste. Kritisch voll war es nie.
Ein paar Mal fuhr ich noch auf und ab. Dann hieß es abermals die Schuhe wechseln. Denn eine weitere Schlepperfahrt mit Seltenheitswert hatte ich auf dem Zettel.
Ostenberglift, Grevenstein
Der letzte Halt war nicht nur eine Premiere, sondern in allen Belangen eine Überraschung für mich. Denn nach Grevenstein hatte es mich bei den vielen Sauerlandbesuchen noch nie verschlagen. Der Blick vom Parkplatz verhieß für meinen Geschmack aber Gutes.
Der mittellange Lift bedient eine Handvoll Abfahrtsvarianten. Einzig eine zweite Abfahrt rechts des Lifts fehlt leider. Wie heißt der Lift jetzt eigentlich? Über dem Pistenplan steht "Skilift Grevenstein", im Pistenplan "Ankerlift Homert" und ausgeschildert war er als "Skilift Ostenberg".
Homepage
Eine urige Hütte, die ich aus Zeitgründen leider ausließ, gibt es dort auch. Hier ein Auszug aus der Speisekarte - das Leben kann so schön einfach sein
Klassischer alter DM-Lift von 1971 mit Portalstützen. Nach der Kuppe oben folgt noch ein kurzes flacheres Stück, dann ist schon Schluss.Kartoffelsalat
Frikadelle
Currywurst
Bockwurst
Schnitzel
Suppe
*alles mit Toast
Die Durchgangskontrolle ist etwas eigenwillig und hat Hands-free nicht immer optimal funktioniert. Hat aber nicht weiter gestört.
Bonuspunkte gibts dafür, dass der Hands-free-Skipass an meinen Zipper passt.
Leider fehlt dem Antrieb eine Umhausung. Ansonsten eine urige Anlage.
Die Sonne hatte sich inzwischen ganz verabschiedet.
Oben angekommen
Das dürfte einer der wenigen Skilifte mit Brauerei-Blick sein. Dort hinten wird nämlich Veltins gebraut.
Der erste Teil der Piste ist blau, danach geht es vorwiegend rot ins Tal. Für Anfänger ist das leider eher nix. Und nach der Mittagszeit war die Piste auch für mich nicht mehr schön zu fahren.
Der Rodelhang nebenan war gut besucht.
Ich fuhr die Punktekarte dann nicht mehr aus. Darauf wurde ich bei der Rückgabe an der Kasse hingewiesen - sehr löblich. Aber ich ließ mir dann lieber die 5 Euro Pfand erstatten. Keine Ahnung, ob ich nochmal nach Grevenstein komme.
Nochmal der Blick auf die Veltins-Quelle.
Zurück am Parkplatz. Ein letzter Schuhwechsel, dann fuhr ich gegen 15 Uhr und damit vor der großen Blechlawine - dafür um einige schöne Erinnerungen an einen gelungen Skitag reicher - wieder heimwärts.