Seit ich hier im Forum bin, ist der Ort Alagna für mich ein Begriff. Alagna steht für Freiheit, Schroffheit, Alpinismus und eigentlich auch POWDER. Irgendwie ein sagenumwobenes Skigebiet, das nur in Fachkreisen bei deutschsprachigen Skifahrern wirklich bekannt ist. Um es vorne weg zu nehmen: Für Powder ist ein Zweitbesuch notwendig. Aber alles der Reihe nach. Ich freue mich, die Tour 2024 hiermit zum Abschluss zu bringen.
Hinter dem klanghaften Name Monterosa Ski verbirgt sich eigentlich ein Skiverbund von 3 Talschaften: Champoluc - Frachey / Gressoney - Staffal / Alagna-Valesia
Das Bergmassiv Monterosa ist vom Skigebiet allgegenwärtig, viel mehr als von der Zermatter Seite. Von daher macht der Name schon Sinn. Wir befinden uns also auf der "anderen" Seite vom Wallis - sozusagen hinter Zermatt und Saas-Fee - mit allen bekannten Berggipfeln im Hintergrund. Das Gebiet erstreckt sich von Alagna mit 1.212m bis zum Punta Indren auf 3.275m - der letzten Erschließung dort. Ein Vorgipfel, der in anderen Gebieten immer der höchste Berg im Gebiet wäre - hier natürlich nicht. Die zahlreichen 4.000er sind allgegenwärtig und lassen das wunderschöne Skigebiet wie eine Miniturwelt erscheinen. Diverse Verbindungspläne mit Sass-Fee und Zermatt bestehen. Angesichts der schier unfassbaren Weite, die auf dem Pistenplan überhaupt nicht rüberkommt, scheint das aber eine Utopie. Es ist tatsächlich nicht ohne, das ganze Gebiet an einem Tag zu erfahren.
Die Fakten:
180 Pistenkilometer
26 Anlagen
Skiplan: Monterosa Ski
Zielgruppe: Freerider
Von daher ist die Freeride Karte auch noch interessant. Es gibt ausgewiesene Routen. Abfahrten mit fast 2.000 Höhenmetern sind möglich.
Der Schnee, der tagszuvor in La Thuile gefallen ist, ist bei unserem Besuch dort leider nicht niedergekommen. So wird es eine reine Skigebietserkundung - mit fast durchgängig akzeptablen Wetter. Viel Spaß!
Als Einstiegsort wählten wir Champoluc, das von Aosta mit etwas über 1 Stunde Anfahrt am schnellsten zu erreichen ist. Als Vergleich sei Alagna genannt: Unglaubliche 2:30h bräuchte man von Aosta bis dorthin. Die Täler ragen also weit in die Hochgebirgslandschaft hinein. Ein Hängenbleiben im "falschen" Tal, wäre fatal.
^^ Wir fahren also ins Tal von Champoluc und merken sofort die Abgeschiedenheit aber auch die Länge des Tals. Wäre da hinten kein Skigebiet, wäre es hier wohl komplett ausgestorben...
^^ Angekommen in Champoluc. Durchaus nettes Ortszentrum.
^^ Die Biglietteria an der Champoluc Crest EUB wirkt sehr modern.
^^ Es müssen doch einige Hotelbetten vorhanden sein - der Andrang am Morgen ist nicht zu wenig.
^^ Nach der 2. Sektion der EUB muss man noch die fixe 4er Sesselbahn Alpe Ostafa-Colle Sarezza nehmen. Die Bergstation befindet sich immerhin schon auf 2.700mund ist die einzige Möglichkeit, um Richtung Frachey zu kommen.
^^ Gegenüber dan schon imposante Bergeindrücke, die aber noch gar nicht das zeigen, wie hoch es hinausgeht.
^^ Schwarze Verbindungsabfahrt C6 Sarezza-Contenery Richtung Frachey. Im Hintergrund das Tal von Champoluc. Wirkt gemütlicher als es ist.
^^ Da müssen alle runter. Zeigt auch schon die Besonderheit des Gebiets. Monterosa Ski ist nichts für Anfänger!
^^ Dann diese Verbindungs-Doppelsesselbahn Lago Ciarcerio-Belvedere als Berg-Tal-Bergbahn. Diese muss man nehmen. Im Hintergrund sieht man aber auch die dürftige Naturschneelage.
^^ Dahinter Richtung Alpe Forca gehts einigermaßen auf. Mehr Platz als hier hat es in dem Skigebiet nirgends.
^^ Es war mal wieder arschkalt und deswegen mussten wir kurz einen Stopp einlegen. So eine Käse-Forcaccia schadet nie.
^^ Den Platz sieht man auch hier unter der 4KSB Alpe Mandria. Wirkt auf dem Pistenplan recht kurz, macht aber auch 477 Höhenmeter.
^^ Von dort geht es weiter Richtung wichtiger Verbindungsbahn Bettaforca. Man kann hier das recht felsige Gelände erkennen. Es ist halt einfach hochalpin, auch wenn es manchmal nicht so wirkt.
^^ Rückblick von der Bergstation am Colle Bettaforca ins Champoluc Tal. Die andere Seite ist meines Wissen nicht erschlossen.
^^ Jetzt geht es hinüber nach Stafal. Auch hier ist wenig Platz für mehr Pisten - zuviel Felsen "liegen" rum. Links die Verbindungs 4KSB Sant Anna-Colle Betta.
^^ Talstation. Dieser Lift mach auch über 550 Höhenmeter. Dahinter die andere Seite von Stafal. Ich hoffe, man erkennt die Entfernungen.
^^ Hier wird uns das erste Mal bewusst, in welcher hochalpinen Region wir uns befinden. Die Gletscher vom Monta Rosa Massiv reichen (noch) weit bis ins Tal.
^^ Zoom Richtung Gletscherende. Das muss vor 20 Jahren noch viel imposanter gewirkt haben.
^^ Wir versuchen es kurz neben der Piste. Es hat leider einfach zu wenig Schnee. Unten gegenüber erkennt man bereits die Liftschneise Richtung Alagna. Gressoney ist unten rechts.
^^ Die wilde Berglandschaft am Talende von Gressoney.
^^ Schwarze Talabfahrt "Nera". Eigentlich ist das Gelände gegenüber ja auch nicht wirklich pistentauglich.
^^ Fast unten angekommen. Gegenüber erkennt man auch die erneut schwarze Talabfahrt von Gabiet nach Stafal.
^^ Pendelbahn Stafal-Sant Anna und links die Verbindungsbahn Stafal Gabiet.
^^ Für Instagram.
^^ Die Werbung für Dubai wirkt hier komplett deplaziert. Was hat der Skigast von Monterosa Ski mit Dubai zu tun. Welcher Gast, der sich in einem derartig hochalpinen Skigebiet aufhält, mag die Imobilien-Bubble von Dubai? Verstehe ich nicht.
^^ Destinationswerbung. Jede Farbe steht für ein anderes Angebot. Kann man ja mal mitnehmen...
^^ Leider unscharf, aber wichtig, für die Skigebietserkundung. Wir befinden uns in der 2. Sektion Richtung Passo Salati auf 2.971m - der Übergang nach Alagna und auch der höchste Bereich des Skigebiets.
^^ Hier nochmal der Blick zurück auf die Bahn. Man sieht mal wieder, wie weit man vom Tal entfernt ist.
^^ Kommen wir zu dem Highlight im Skigebiet: Die im Jahr 2008 gebaute Funifor Punta Indren, die bis auf 3.275m führt und den "Freeride" Sektor erschließt.
^^ Wie es sich für Freerider gehört, muss man zur Talstation der Funifor schieben.
^^ Da kommt sie endlich. Diese Bahn wurde tatsächlich ausschließlich für Freerider gebaut. Es gibt von der Bergstation keine normale Piste. Ich kenne sonst kein derartiges Investment für die reine Zielgruppe Freerider.
^^ Formschön auch noch. Unglaublich.
^^ Das ist die "Hauptabfahrt" von Punta Indren. Wer die Freeride-Map Monterosa Ski anklickt, erkennt, dass es da aber durchaus mehrere Optionen gibt. Mit etwas Auftstieg geht einiges, mit mehr Aufstieg, sowieso!
^^ Blick zur Bergstation. Es wirkt nie so hoch, wie es eigentlich ist. Ich betone nochmals: In den meisten Skigebieten der Alpen, wäre das ein Gipfel!
^^ Oben angekommen sieht man bereits die geringe Schneelage. Die vielen Felsen sollten eigentlich gar nicht sichtbar sein.
^^ So müssen wir uns durch die Steinwüste "durchwurschteln".
^^ Die Bergstation wirkt nicht so mondän wie die Talstation, ist aber halt aufgrund der Höhenlage äußerst stabil gebaut. Überall anders, wäre hier oben ein Panoramarestaurant - nicht so in Alagna.
^^ Instagram Part II
^^ In diese Geländekammer fährt man auf der Hauptvariante. Es wäre wirklich viel Platz - hätte es Schnee.
^^ Diesen Hang versuchen wir zu genießen. Die Betonung liegt auf "versuchen". Die Angst vor Sharks, fährt immer mit.
^^ Punta Indren Funifor mit dem Tal von Gressoney im Hintergrund. Alle Hänge (wären) fahrbar.
^^ Hier sieht man die "Talstation" der Punta Indren Funifor. Eine ganz besondere Seilbahn.
^^ Monterosa Freeride Punta Indren.
^^ Untenraus quert man in eine Hochfläche und kommt letztlich wieder bei Gabiet raus. Wir konnten den Zauber nicht vollends spüren, aber wenn es hier 2 Meter mehr hat, ist es wahrscheinlich einfach nur grandios. Welches Gebiet hat schon eine alleinige Bahn für Freerider?
^^ Und wie es der Petrus so will, kommt plötzlich die Schlechtwetterfront rein. Wir sind rechtzeitig wieder im Gebiet unterwegs und fahren Richtung Alagna.
^^ Dort steht eine weitere Funifor namens Pinalunga - Cimalegna - Salati.
^^ Talstation der Funifor. Habe ich schon erwähnt, dass die Zielgruppe Freerider angestrebt wird?
^^ Auf der Talabfahrt Richtung Alagne kommen wir bei dieser Hütte "Der Schopff" vorbei. Deutsches Bier. Da muss was gutes dahinter stecken...
^^ Bevor wir einkehren, wollen wir aber die lange Talabfahrt nach Alagne durchziehen.
^^ Angekommen im hintersten Talende von Alagna. Es wirkt iwie ausgestorben und ein sichtbares Ortszentrum ist nichtz zu erkennen.
^^ Talstationsbereich Alagna Pinalunga. Die Zielgruppe wird mal wieder beworben...
^^ Anschließend die Einkehr im Schopf mit Bier aus Franken. Hmmm...iwie fühle ich mich hier wohl. Die Pasta war natürlich auch ausgezeichnet.
^^ Unten im Ort gibt es auch anzeichen fränkischer Vorfahren. Mönchshof Bier - aus Kulmbach - meiner Heimatstadt. Faszinierend. Iwas, muss es da haben...
^^ Bei der Mittelsation gibt es noch den "interessanten" Lift Bocchetta della Pisse. Nicht gefahren.
^^ Mittlerweile hat sich das Wetter extrem verschlechtert. Wir bewegen uns zurück Richtung Gressoney - hier in der Mittelsations-4KSB Cimalegna Salati.
^^ So muss es hier wohl aussehen, wenn wir das Freeride Paradise aufladen wollen. Neuschnee!
^^ Ich entschuldige mich, für das unscharfe Bild, der einzigen neuen Bahn im Skigebiet. Man hat es für alle erleichtert, und muss seit 2023/24 nicht mehr über die Straße laufen. Die 2SB Moos.
^^ Jetzt machen wir einen Sprung und befinden uns bereits bei der Berg-Tal-Berg Doppelsesselbahn Lago Ciarcerio-Belvedere.
^^ Dort oben haben wir plötzlich alle Zeit der Welt - sogar noch für eine Einkehr. Und siehe da: Die Sonne will noch mal rauskommen.
^^ Und zeigt mir das hier: Das Matterhorn. Ein kleiner magischer Moment.
^^ Letztes Bild von Champoluc. Im Hintergrund erkennt man (doch) einen weiteren Tallift namens Antagnod.
Fazit:
Das Skigebiet Montarosa Ski / Alagna ist so einzigartig, wie es beschrieben wird. Bei Neuschnee bzw. entsprechender Schneelage sind hier traumhafte Abfahrten möglich. Als Pistenskigebiet ist es natürlich nicht hervorragend, aber das ist ja auch nicht wirklich das Ziel der Destination. Ich war erstaunt über die Ausbreitung der Region - es braucht wirklich seine Zeit um von Champoluc nach Alagna zu kommen. Weiters wurde mir auch klar, dass hier wenig Platz für "normale" Pisten vorhanden ist. Es ist einfach hochalpin und so muss man das einzigartige Skigebiet auch einordnen. Dort wurde wirklch eine 60 Personen Funifor allein für Freerider gebaut. Wo gibt es das denn?
Dabei wird klar: Mein Bericht aus dem Februar 2024 zeigt nicht die wahre Größe und Möglichkeiten von Monterosa Ski. Ein weiterer Besuch bei entsprechender Schneelage ist Pflicht. Ich denke, Ende März wäre ein guter Zeitpunkt.
Am letzten Abend gönnten wir uns dann noch das letzte italienische Abendbrot: ^^ bevor es am nächsten Tag über den großen St. Bernhard Richtung Schweiz/Österreich ging.
^^ Natürlich nicht, ohne dem obligatorischen Stopp in der "Prosciutteria Sous Le Pont de Bosses". Was für ein geiles Passlokal mit den besten Prosciutto-Semmeln überhaupt!
^^ Letztes Bild vom Pass. Auf ganz bald - Au Revoir - Bienvenue a la Dauphine et Aosta!
Fazit über unsere Tour:
Es war mal wieder extrem abwechslungsreich. Der Start in Grenoble mit den verfügbaren Stadtskibieten, dazu die Nähe dann zu Alpe D`Huez und Les2Alpes - dann weiter nach Serre Chevalier. Ein französischer Traum. Diesen Traum kann man ohne Probleme weiter in Richtung Italien führen. Das Aostatal bietet die richtige Mischung. Dort ist noch viel mehr möglich und ich glaube, eine Woche Aosta würde sich definitiv lohnen.
Alle, die mal Lust auf diese Ecke haben, können mich gerne anschreiben.
Ich komme definitiv wieder! Vive la France - In Italia si vive alla grande!