Funifor Arabba kracht in Talstation

... alle Berichte aus Fernsehen, Rundfunk, Presse und anderen Medien hinein.
Forumsregeln
Antworten
Online
Seilbahnfreund
Nebelhorn (2224m)
Beiträge: 2292
Registriert: 20.07.2002 - 03:15
Skitage 25/26: 0
Ski: ja
Snowboard: nein
Ort: Leingarten
Hat sich bedankt: 62 Mal
Danksagung erhalten: 164 Mal
Kontaktdaten:

Funifor Arabba kracht in Talstation

Beitrag von Seilbahnfreund »

Schon wieder kracht eine PB in die Station, da es sich hierbei um ein Funifor handelt, ist zum Glück nur eine Spur betroffen. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist allerdings ein Seil gerissen, da momentan mehrere Pisten darunter gesperrt sind.
https://www.rainews.it/tgr/veneto/artic ... ad.html

Online
Seilbahnfreund
Nebelhorn (2224m)
Beiträge: 2292
Registriert: 20.07.2002 - 03:15
Skitage 25/26: 0
Ski: ja
Snowboard: nein
Ort: Leingarten
Hat sich bedankt: 62 Mal
Danksagung erhalten: 164 Mal
Kontaktdaten:

Re: Funifor Arabba kracht in Talstation

Beitrag von Seilbahnfreund »

FredericLeu
Massada (5m)
Beiträge: 5
Registriert: 21.09.2018 - 10:42
Skitage 25/26: 0
Ski: nein
Snowboard: nein
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 12 Mal

Re: Funifor Arabba kracht in Talstation

Beitrag von FredericLeu »

Ich war heute dort, ca. 2/3 des Porta Vescovo Gebiets sind gesperrt derzeit. Nur die beiden westlichen Pisten sind geöffnet (Fodona und die rote über Alpenrose Bergstation). Zur Marmolada kann man fahren, aber der Rückweg geht über die Bergstation Porta Vescovo. Die Nachrichtenlage ist sehr dünn.
Benutzeravatar
Kris
Nebelhorn (2224m)
Beiträge: 2405
Registriert: 23.02.2004 - 13:50
Skitage 25/26: 0
Ski: ja
Snowboard: nein
Ort: Innsbruck
Hat sich bedankt: 654 Mal
Danksagung erhalten: 1042 Mal
Kontaktdaten:

Re: Funifor Arabba kracht in Talstation

Beitrag von Kris »

1. Fehlinterpretation durch das Kopierwerk: Während der Fahrt registrierte das Kopierwerk falsche Positionsdaten – entweder glaubte es, die Bahn befände sich an einer anderen Stelle, oder die beiden Kanäle waren nicht synchron. Die Bahn fuhr danach jedenfalls nicht im Automatikmodus, sondern mit verminderter Geschwindigkeit, etwa 5m/s.

2. Fehlende radioaktive Markierung: Da heutzutage keine Radioisotope mehr in Zugseile integriert werden, konnte das Kopierwerk vor der Verzögerungsstrecke bei der Stationseinfahrt keine Kontrolle des Zählwerkstandes anhand einer solchen Markierung durchführen.

3. Einfahrt in die Talstation: Das Funifor fährt in die Talstation ein. Der Wagenbegleiter macht irgendetwas anderes, jedenfalls nicht aufpassen.

4. Aufprall auf den Endpuffer: Das Fahrzeug trifft auf die Endpuffer, überfährt diese, wodurch sich das Laufwerk hebt. Der talseitige Zugseilschuh am Laufwerk wird dabei zerstört bzw. erfüllt seine Funktion nicht.

5. Fehlposition der talseitigen Zugseilabschnitte: Durch das Anheben des Laufwerks geraten die beiden talseitigen Zugseilabschnitte aus ihrem normalen Seilverlauf: Statt korrekt in der Ebene der Seilscheiben einzulaufen, üben diese an den Außenborden eine Kraft nach unten aus - da das Laufwerk ja angehoben wurde, vgl. Punkt 4.

6. Bruch der Seilborde und Seilscheiben: Durch diese Zugkraft brechen die Seilborde, teilweise verbiegen sich auch die Seilscheiben selbst [vgl. Bild, siehe Link].

7. Seilverlust: Das Seil fällt nach unten aus der Führung, zumal an den gelben Seilscheiben kein Seilfänger [vgl. Bild, siehe Link] vorhanden ist (jeder 08/15 Sessellift hat einen solchen unter aufgehängten Umlenkschieben).

8. Aufprall auf das Gehänge: Das herabfallende Seil peitscht gegen das Gehänge der Kabine, und bricht an dessen Kanten [vgl. Bild, siehe Link]

Thesengrundlage: Bild: Link: https://cdn.wintersporters.com/public/2 ... 0x2000.jpg

Kommentar: Gelingt eine derartige Übung mit einem fangbremslosen Funifor neuerer Bauart bei Einfahrt in dessen Bergstation, so ergibt sich ein Mottarrone II

(Generiert durch chatGPT)
>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<
Benutzeravatar
ATV
Mt. Vinson (6100m)
Beiträge: 6152
Registriert: 01.02.2009 - 22:12
Skitage 25/26: 0
Ski: nein
Snowboard: nein
Hat sich bedankt: 22 Mal
Danksagung erhalten: 984 Mal

Re: Funifor Arabba kracht in Talstation

Beitrag von ATV »

Deine These hat ein paar Denkfehler.
1.) Das Seil wird am Fahrzeug über die beiden Rollen geführt. Kann sich auch frei darauf verschieben. Ein Fixpunkt an so einem Seil wäre zwecklos.

2.) Das betroffene Rad ist das untere. Dieses ist für die untere Seilschlaufe nicht die Obere. Man sieht auch am Gehängearm den Abdruck des Seiles nachdem es auf den Rollen gerissen wurde. Dieser ist Talseitig.

3.) Die obere Zugseilschlaufe ist noch da wo sie soll, sie ist bei den Fenstern des Kommandoraumes zu sehen.

Heisst für mich, die talseitige Förderseilschlaufe muss mit viel Gewalt Talwärts gezogen worden sein.
Das der Antrieb so viel Kraft aufbringen kann habe ich ein paar Fragezeichen.

Was ich mir aber vorstellen kann, die hydraulische Abspannung befindet sich in der Talstation. Wenn man diese mit stillstehendem Antrieb veschiebt wirkt das wie ein Flaschenzug auf die untere Förderseilschleife.
Siehe:
https://rodoaf.remontees-mecaniques.net ... %20(3).jpg

Ich könnte mir daher vorstellen, dass man zu Wartungszwecken den Antrieb hyraulisch verschoben hat und dadurch das Förderseil talseitig schlichtweg mit Gewalt vom Laufwerk abgerissen hat.
https://www.funivie.org/pagine/speciali ... G_1925.jpg

https://www.funivie.org/web/arabba-funi ... rif-gorza/
-> meine Fotos könnt ihr weiterhin auf meiner Webseite --> www.stahlseil.ch ansehen.
Benutzeravatar
mayrhofner
Großer Müggelberg (115m)
Beiträge: 236
Registriert: 18.10.2006 - 22:28
Skitage 25/26: 0
Ski: ja
Snowboard: nein
Ort: Mayrhofen
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 29 Mal

Re: Funifor Arabba kracht in Talstation

Beitrag von mayrhofner »

ATV hat geschrieben: 08.03.2025 - 08:01
Ich könnte mir daher vorstellen, dass man zu Wartungszwecken den Antrieb hyraulisch verschoben hat und dadurch das Förderseil talseitig schlichtweg mit Gewalt vom Laufwerk abgerissen hat.
https://www.funivie.org/pagine/speciali ... G_1925.jpg

https://www.funivie.org/web/arabba-funi ... rif-gorza/
Dann hat man das Seil komplett abgerissen, ansonsten wäre es noch da, weil sich die Gehängearme zwischen den Seilschlaufen befinden.
https://www.funivie.org/pagine/speciali ... G_1918.jpg
And now for something completely different...
Benutzeravatar
Kris
Nebelhorn (2224m)
Beiträge: 2405
Registriert: 23.02.2004 - 13:50
Skitage 25/26: 0
Ski: ja
Snowboard: nein
Ort: Innsbruck
Hat sich bedankt: 654 Mal
Danksagung erhalten: 1042 Mal
Kontaktdaten:

Re: Funifor Arabba kracht in Talstation

Beitrag von Kris »

Skizze zum möglichen Verlauf, der zum Bruch des Bordes der horizontalen Seilscheiben
am Gehänge geführt haben könnte.
Dargestellt sind diese Seilscheiben mitsamt Seilführung der talseitigen Seilschleife

1. in normaler Endposition (Seilführung in Grün)


2. im Moment des maximalen Aufpralls (Seilführung in Rot). Das Gehänge läuft auf etwas auf, hebt sich oder schwenkt sich dynamisch, wodurch das Zugseil nicht mehr planar in Ebene der Seilscheibe einläuft, sonndern an dessen Bord nach unten drückt. Der Bord bricht, das Seil rutscht nach unten weg. Wird vom Gehänge aufgefangen, wo es aber an den harten Kanten bricht.


3. Mit Wegfall des talseitigen Seilzuges zieht sich das Laufwerk nach dem Aufprall wieder etwas zurück, so wie es in kursierenden Fotos zu sehen ist.
tt1.jpg
(( Alternativ zum oben geschilderten könnten ebenso Stahlteile bzw. Stahlträger beidseits die beiden Seilscheiben links und rechts "in die Zange genommen haben" bei der vertieften Einfahrt in die Station, wodurch der Bord der Seilscheiben weggeknickt wurde. Aber eher unwahrscheinlich. Jedenfalls erscheint in der Station der Raum zwischen Zugseil und Tragseilschuhen bzw. der Unterkonstruktionen eher knapp ))

Bild
>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<
Benutzeravatar
Kris
Nebelhorn (2224m)
Beiträge: 2405
Registriert: 23.02.2004 - 13:50
Skitage 25/26: 0
Ski: ja
Snowboard: nein
Ort: Innsbruck
Hat sich bedankt: 654 Mal
Danksagung erhalten: 1042 Mal
Kontaktdaten:

Re: Funifor Arabba kracht in Talstation

Beitrag von Kris »

Im Bild der talseitige Zugseilschuh bzw. Führung liegt am Boden der Talstation. Ein solches ist Berg- und Talseitig an beiden (Teil-)Laufwägen angebracht. Es sorgt dafür, dass das Zugseil schön tangential planar in die Seilscheibe am FUF- Gehänge einläuft. Der Zugseilschuh im Bild wurde beim Aufprall offenbar abgerissen. Womit alle Seilkräfte mit vertikaler Komponente voll auf den Bord der Seilscheibe übertragen werden, bis diese eventuell bricht...
Vgl. Sikizze.

Bild
>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<
Benutzeravatar
Mr400Liter
Fichtelberg (1214,6m)
Beiträge: 1300
Registriert: 27.10.2011 - 20:49
Skitage 25/26: 0
Ski: ja
Snowboard: nein
Ort: Pongau
Hat sich bedankt: 77 Mal
Danksagung erhalten: 129 Mal

Re: Funifor Arabba kracht in Talstation

Beitrag von Mr400Liter »

Hat die Bahn Tragseilbremsen? Oder für was sind die Zylinder, welche auf dem Foto ersichtlich sind?

Benutzeravatar
Mountaineer
Großer Müggelberg (115m)
Beiträge: 155
Registriert: 22.06.2013 - 19:21
Skitage 25/26: 0
Ski: nein
Snowboard: nein
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 89 Mal

Re: Funifor Arabba kracht in Talstation

Beitrag von Mountaineer »

Die Bahn hat vier Tragseilbremsen.
Benutzeravatar
Kris
Nebelhorn (2224m)
Beiträge: 2405
Registriert: 23.02.2004 - 13:50
Skitage 25/26: 0
Ski: ja
Snowboard: nein
Ort: Innsbruck
Hat sich bedankt: 654 Mal
Danksagung erhalten: 1042 Mal
Kontaktdaten:

Re: Funifor Arabba kracht in Talstation

Beitrag von Kris »

Bei neueren Funifors, wie auch Pendelbahnen, wird gerne auf Fangbremsen verzichtet.

Man könnte sich durchaus vorstellen, dass damit ein gleiches Szenario wie in Arabba, jedoch an der Bergstation, zu einem Mottarone II führen könnte.

Hier muss angemerkt werden, dass der Seilriss in Arabba wohl insbesondere auf die hohe kinetische Energie im Zugseilsystem zurückzuführen ist, die im Moment des Aufpralls wirkte. Es gab praktisch keine dämpfenden Elemente, wie lange (durchhängende) Seilstrecken zwischen Gehänge und Antrieb - denn letzterer befindet sich unmittelbar im Stationsgebäude, in die das FUF hineingefahren ist. Der hydraulische Spannschlitten wird im Moment eher als statisch anzusehen sein, d.h. bevor dieser substantiell nachgibt, ist der Aufprallimpuls bereits anderswo weitgehend in plastischer Verformung gewandelt worden.
Oder anders: Wäre Antrieb und Abspannung in der Gegenstation gewesen, wäre das Zugseil möglicherweise nicht gerissen, der Schaden insgesamt geringer.

Stationsendpuffer/-melder etc. dürften für zerstörungsfreien Aufprall mit maximal 2 m/s ausgelegt sein. Dies sollte somit auch jene steuerungstechnisch vorgegebene v-max sein, mit der nach bspw. Kopierwerksstörung "manuell" weiter gefahren werden darf.

Die Unglücksfahrt war eine Betriebsfahrt zu Betriebsschluss.
>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<
Benutzeravatar
Mr400Liter
Fichtelberg (1214,6m)
Beiträge: 1300
Registriert: 27.10.2011 - 20:49
Skitage 25/26: 0
Ski: ja
Snowboard: nein
Ort: Pongau
Hat sich bedankt: 77 Mal
Danksagung erhalten: 129 Mal

Re: Funifor Arabba kracht in Talstation

Beitrag von Mr400Liter »

Kris hat geschrieben: 11.03.2025 - 10:26 Bei neueren Funifors, wie auch Pendelbahnen, wird gerne auf Fangbremsen verzichtet.
Ich bin generell im „Team Fabgbremse“ :wink:

Mir ist nur bisher an Funifors noch nie eine Fangbremse aufgefallen. Hab mir gedacht, dass dort aufgrund der Endlos-Zugseilschleife generell darauf verzichtet wird (bzw das „Funifor“ nur ohne Fangbremse angeboten wird).
Antworten

Zurück zu „Medienberichte“