normalerweise fahren wir mit der Family immer in Österreich, aber irgendwie reizt es mich (als Saarländer) immer mal wieder Richtung Frankreich aufzubrechen.
Leider gibt es dazu immer recht wenig Berichte. Gerade die Ecke Skigebiet Châtel und das übergeordnete Gebiet Portes du Soleil würden mich interessieren.
War jemand hier vor nicht allzu langer Zeit mal in Châtel und kann etwas aus der Gegend Berichten?
Man hört immer mal wieder von "alten Anlagen", "Überlastung" und mit der Pistenpflege nimmt man es in F wohl grundsätzlich nicht soooo ganz genau .
Servus, ich glaube, dass ich dir weiter helfen kann, aber erst einmal willkommen im Forum an der Stelle!
Ich war vor nicht einmal zwei Wochen in Châtel mit Unterkunft am Lac de Vonnes. Das Skifahren rund um Châtel teilt sich grundsätzlich in zwei Gebiete auf: Einmal hat es Super Châtel mit Verbindungen nach Morgins und Torgon (beides CH) sowie darüber hinaus gen Chapelle-d’Abondance d‘Abdonance. Das andere Teilgebiet heisst Linga - Pré La Joux, von wo aus man weiter Richtung Avoriaz und darüber hinaus nach Les Crosets (CH) und Super Morzine fahren kann. Die beiden Teilgebiete sind mit den Sesselbahnen Portes du Soleil und Gabelou verbunden, die allerdings selber keine eigenen Pisten (mehr) erschliessen. Châtel selber ist ein wirklich charmanter Ort mit vielen kleinen Chalets, womit der Ort in Kontrast zu den Skiorten wie Avoriaz 1800 oder Flaine steht, die ich sonst eher mit Skifahren in Frankreich verbunden habe. Die meisten Unterkünfte sind Ferienwohnungen, wobei es auch ein einige Hotels hat.
Wir persönlich hatten bei unserem Besuch den Bereich Super Châtel recht schnell abgehakt: Abgesehen von den Zubringerbahnen hat es hier zwei nette, moderne Sechsersesselbahnen; darüber hinaus ist der Gebietsteil allerdings tatsächlich eher veraltet; vor allem die Lifte im Gebiet Morgins, wozu ein fliessender Übergang herrscht, sind ausschliesslich Tellerlifte. Zudem ist die Verbindung über Torgon, wo es die dritte und letzte kuppelbare Sesselbahn im kompletten Sektor gibt, oft geschlossen bzw. kann nur mit einer Talfahrt gemacht werden. Darüber hinaus ist der Gebietsteil recht niedrig gelegen, was bei unserem Besuch zu echt schlechtem Schnee geführt hat. Für Anfänger und Skischulen ist der Bereich aufgrund seiner Ruhe und Übersichtlichkeit allerdings gut geeignet.
Das Gebiet Linga - Pré La Joux ist dagegen deutlich grösser, moderner und höher. Ab nächster Saison ist jede Anlage bis auf eine Ausnahme eine 6KSB, wobei selbst die Ausnahme namens „Cornebois“, welche selber schon ein kuppelbarer Vierer ist, auch in den nächsten Jahren ersetzt werden wird. Das Gebiet hat eine gute Grösse und bietet neben der angesprochen Höhenlage eine nette Vielfalt an Abfahrten, für Anfänger ist es allerdings weniger geeignet. Die Auswahl an Hütten ist hier auch grösser wie in Super Châtel. Darüber hinaus gibt es einen nahtlosen Übergang nach Avoriaz, welches selber mindestens genau so gut ausgebaut ist, was man genau so über Super Morzine und zum Grossteil auch über Les Crosets sagen kann. Dementsprechend haben wir fast unseren kompletten Aufenthalt in Linga - Pré La Joux bzw. Avoriaz sowie anderen Anliegenden Gebieten verbracht.
Sonst muss man noch beachten, dass die Hüttenkultur sich deutlich von dem, was man im deutschsprachigen Raum kennt, unterscheidet. Alle Hütten, die wir besucht haben, waren trotz ordentlich hoher Preise Self Service und hatten von innen manchmal irgendwas zwischen Raststätten- und Schullager-Vibes. Die Pisten sind im Französischen Teil nicht klassisch numeriert wir im deutschsprachigen Teil der Alpen, sondern tragen Namen. Es gibt zwar Nummern an den Pisten, die allerdings nur die Distanz bis zum Ende der Piste (meistens dem Start einer Sesselbahn) angezeigt (14 bedeutet, dass die Piste noch etwa 1,4 Kilometer lang ist). Die Pistenpräperierung ist in der Tat nicht auf dem Level, wie man es aus Österreich oder sonst wo her kennt. Es hat zumindest nach unserem Empfinde deutlich schneller Buckel gegeben, die im verlauf des Tages natürlich immer grösser wurden, was aber auch an den warmen Temperaturen gelegen haben könnte, die es während unseres Besuches dort hatte. Sber auch früh morgens habe ich die perfekten Rillen auf den Pisten oft vermisst, obwohl wir teilweise mit als eine der ersten am Berg waren. Schwarze Pisten sind gefühlt grundsätzlich unpräpariert (im französischen Teil zumindest), aber auch auf den ersten Blick normale Pisten auf dem Pistenplan stellen sich manchmal als nicht präpariert heraus. Man müsste den Franzosen also wirklich mal das Konzept einer Skiroute nahebringen. Zudem sind die Schwierigkeiten der Pisten anders, wie man es sonst kennt: Blaue Pisten werden in Österreich oder der Deutschschweiz gerne mal als rot deklariert; eine rote Piste, die wir gefahren sind, wäre bei uns ohne Frage schwarz gewesen. Daneben hat es auch keine „Pistenautobahnen“ wie in Österreich oder Südtirol, sondern mehr kupiertes Gelände, was aber auch für den Grossteil der Skigebiete in der Schweiz gilt. Allgemein lässt sich sagen, dass weniger Carvingski wie in Österreich, Deutschland, der Schweiz oder Südtirol gefahren werden; die meisten Skiern in den Geschäften und auf den Pisten waren breiter wie gewohnt, was ja irgendwie mit den anderen Pistenbedingungen Hand in Hand geht.
Ich würde Châtel als Skiort unter dem Strich durchaus empfehlen. Die beiden Skigebietsteile unterscheiden sich vom Charakter sehr stark, was aber keinen Nachteil darstellt. Man muss aber beachten, dass die umliegenden Skigebiete keine sonderlich gute Höhenlage für die Alpen haben und das Skifahren grundsätzlich etwas anders wie in Österreich oder sonst wo ist, angefangen bei fehlenden Hauben bei den Sesselbahnen bis zu den durchaus anderen Pistenbedingungen.
Ich hoffe, ich konnte dir einen guten Eindruck vom Ort und den Skigebieten rund um Châtel samt der PdS geben!
Wow! 1000 Dank für den ausführlichen Bericht. Mit so viel Input hab ich jetzt gar nicht gerechnet. Ich muss mir jetzt mal die Karte schnappen und das alles zuordnen .
Vielen vielen Dank nochmal!
Hallo, als grosser Frankreichfan lege ich Dir Frankreich grundsätzlich sehr ans Herz. Wichtig wäre die Info, wann Ihr fahren wollt. Eher vor den frz. Ferien, währenddessen oder danach? Aufgrund der Höhenlage wäre Chatel und PdS me eher was für anfang Februar. Wenn Ihr im März fahren könnt, würde ich Euch eher zur Tarentaise und Maurienne raten. Das ist alles 500 m höher und es gibt idr sehr viele nordhänge.
Wenn es nicht die erste Liga (3 vallees, espace killy, alpe d‘huez oder paradiski) sein muss, ist das auch relativ preiswert. Galibier Thabor oder espace san bernardo zb gibts hier einige sehr positive berichte - wobei letzteres auch schon wieder etwas exklusiver ist.
Der Bundesgesundheitsminister warnt:
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