Das Videomaterial vom 2. August 1994 zeigt den baulichen und betrieblichen Zustand der Seilbahninfrastruktur am Glacier des Diablerets vor deren grundlegender Erneuerung Ende der 1990er-Jahre. Zum damaligen Zeitpunkt bestand der Zugang zum Gletscher aus zwei voneinander unabhängigen Seilbahnachsen.
Die erste Achse führte vom Reusch im Kanton Bern über Oldenegg und Cabane bis zur Bergstation auf dem Scex Rouge auf 2'971 m ü. M. Sie wurde zwischen 1964 und 1968 abschnittsweise erstellt und bestand vollständig aus klassischen Pendelbahnen mit zwei Kabinen pro Strecke. Die erste Sektion von Reusch nach Oldenegg wurde 1964 eröffnet und kam ohne Zwischenstützen aus. Der folgende Abschnitt von Oldenegg nach Cabane ging 1965 in Betrieb und verfügte über drei markante Stahlstützen zur Überwindung eines Geländeversprungs. Die letzte Sektion von Cabane zur Gipfelstation auf dem Scex Rouge wurde 1968 in Betrieb genommen und war ebenfalls stützenfrei ausgeführt. Die gesamte Linie war über Jahrzehnte hinweg die Hauptverbindung für den Gletscherzugang sowie den Winter- und Sommersportbetrieb.
Parallel dazu bestand seit 1977 eine zweite Erschließungsachse von der waadtländischen Seite. Vom Col du Pillon führte eine 4er-Einseilumlaufbahn (4EUB) mit Zwischenstation auf Pierre Pointes zur oberen Talstation einer kurzen, aber sehr steilen Pendelbahn, die weiter zur Station Cabane verlief. Diese Pendelbahn verband die Umlaufbahn mit der bestehenden Pendelbahnstrecke hinauf zum Scex Rouge. Auch diese zweite Achse erlaubte somit einen vollständigen Zugang zum Gletscher, allerdings mit Umstieg in Pierre Pointes.
Im Bereich des Gletschers war 1994 noch regulärer Sommerskibetrieb möglich. Im Videomaterial ist der fix geklemmte Zweiersessellift WSO zu erkennen, der mit kurzer Linienführung das Gletscherplateau erschloss. Ebenfalls sichtbar ist der Einersessellift Oldenalp, der als Verbindungslift unterhalb von Oldenegg diente. Diese Anlage wurde in den darauffolgenden Jahren demontiert.
Auf dem Gletscher selber hatte es 2 Bügellifte. Damals ganz neu der Tsanfleuron Skilift.
Zwischen 1997 und 1999 wurden sämtliche Altanlagen beider Achsen außer Betrieb genommen. Seit 1999 erfolgt der Zugang zum Glacier des Diablerets ausschließlich über eine moderne, zweiteilige Pendelbahnlinie ab Col du Pillon mit Umstieg in einer Mittelstation. Die frühere Linienführung ab Reusch wurde mittlerweile leider vollständig aufgegeben.
Interessante Dokumentationen! Die ersten beiden Pendelbahnen waren wohl Habegger. Die dritte scheint aber Von Roll zu sein nicht? Gab es einen Grund? Vermutlich war die dritte Sektion noch eine Nummer zu Gross (nicht wegen dem Spannfeder sondern wegen der verlangten Kapazität und damit grösseren Kabinen. Habegger hat ja in den 60er Jahren erst nur kleinere Pendelbahnen realisiert (Reusch, Pfingstegg...).
Cervin hat geschrieben: 16.04.2025 - 09:03
Interessante Dokumentationen! Die ersten beiden Pendelbahnen waren wohl Habegger. Die dritte scheint aber Von Roll zu sein nicht? Gab es einen Grund? Vermutlich war die dritte Sektion noch eine Nummer zu Gross (nicht wegen dem Spannfeder sondern wegen der verlangten Kapazität und damit grösseren Kabinen. Habegger hat ja in den 60er Jahren erst nur kleinere Pendelbahnen realisiert (Reusch, Pfingstegg...).
Habegger hatte zu der Zeit schon weitaus grössere und schwerer Bahnen gebaut, nicht für Touristen aber die Technik ist die Gleiche.
Das war eher ein organisatorisches als ein technisches Thema.
Wenn du auf der Karte schaust, siehst du wo die Sprach und die Kantonsgrenze verläuft.
Die vielerorts versuchten regionale Akteure den Berg von ihrer Seite aus zu Erschliessen. Einerseits von Bern die Reusch-Olden-Cabanne AG* und vom Waadt aus die Pillon-Glacier des Diablerets SA*. *Namen weis ich nicht mehr, daher erfunden aber etwa in der Art
Dazu frei übersetzt:
Entwicklung des Gletscher-Tourismus am Tsanfleuron-Gletscher (1950er–1960er Jahre)
Bereits in den frühen 1950er Jahren begannen speziell ausgerüstete Kleinflugzeuge, auf dem weitgehend spaltenfreien Tsanfleuron-Gletscher zu landen – eine Aktivität, die sich unter der Leitung des Walliser Piloten Hermann Geiger schnell etablierte. Parallel dazu wurden Pläne für einen offiziellen Gletscherflugplatz geschmiedet, dessen Eröffnung 1957 vorgesehen war.
Gleichzeitig verfolgten zwei Initiativkomitees aus den Kantonen Waadt und Bern eigene touristische Ausbauprojekte zum Diablerets-Massiv. Die Waadtländer planten eine Seilbahn vom Col du Pillon direkt zum Scex Rouge, um insbesondere den Gletscherflugplatz besser zugänglich zu machen und den Sommertourismus zu fördern. Das Berner Komitee hingegen fokussierte auf die Erschließung neuer Skipisten durch eine zweiteilige Seilbahn von Reusch über die Oldenalp zum Oldensattel.
Im April 1956 reichte das Waadtländer Komitee ein Konzessionsgesuch beim Bundesamt für Verkehr (BAV) ein. Kurz darauf folgte ein Antrag des Berner Komitees auf Aussetzung des Verfahrens, bis auch ihr eigenes Gesuch im August 1956 eingereicht wurde. In der Zwischenzeit bewarben Medien beider Kantone energisch ihr jeweiliges Projekt und kritisierten das Konkurrenzprojekt. Das Waadtländer Projekt wurde bald überarbeitet und sah nun eine zweistufige Seilbahnstrecke vor (Pillon – Tête aux Chamois – Scex Rouge).
Im September 1957 entschied das Bundesamt für Verkehr schließlich, aus ökologischen und militärischen Gründen keine der beiden Konzessionen zu erteilen. Es forderte stattdessen eine gemeinsame Lösung. Nach langen Verhandlungen wurde 1959 eine Einigung erzielt: Die Berner erhielten die Konzession für zwei Seilbahnen von Reusch über Oldenegg bis zur Tête aux Chamois, während die Waadtländer eine Seilbahn vom Col du Pillon bis Pierres Pointes errichteten und von dort eine steile Sektion zur Tête aux Chamois planten.
Am Tête aux Chamois, nahe der SAC-Hütte „Cabane“, sollte eine gemeinsame Seilbahn beider Unternehmen den Scex Rouge erschließen. Der offizielle Projektstart erfolgte 1960. Die Kabinenkapazitäten betrugen 25 (Reusch–Oldenegg), 40 (Oldenegg–Cabane) und 50 Personen (Cabane–Scex Rouge). Ende 1960 begannen erfolgreiche Aktienzeichnungen, der Baustart erfolgte Anfang 1961.
Die erste Seilbahn Reusch–Oldenegg wurde im Dezember 1962 in Betrieb genommen. Die nächsten beiden Abschnitte, Col du Pillon – Pierres Pointes und Oldenegg – Cabane, wurden im Februar 1963 eröffnet. Die Route du Pillon wurde erstmals im Winter offengehalten. Der Bau eines Sessellifts von der Oldenalp zur Oldenegg wurde rasch beschlossen, da Skifahrer sonst zu Fuß zurückkehren mussten.
Am 15. Juli 1964, zur Landesausstellung in Lausanne, wurden die Seilbahnen Cabane – Scex Rouge und Pierres Pointes – Cabane eröffnet. Ein technischer Defekt sorgte am ersten Tag für eine dreistündige Panne, die sportlicheren Gäste stiegen zu Fuß oder mit der Bauseilbahn ab. Der Sessellift Oldenalp – Oldenegg wurde am 25. Juli 1964 eingeweiht und war anfangs auch im Sommer in Betrieb.
Technisch lieferte Habegger die drei Berner Anlagen mit Kabinen für je 40 Personen. Die erste Seilbahn war pylonfrei. Der Sessellift verfügte über Einsitzersessel mit festen Klemmen und bot rund 100 Personen pro Stunde Kapazität. Die Seilbahn Cabane – Scex Rouge stammte von Von Roll und hatte 60-plätzige Kabinen.
Vor allem im Frühling erfreuten sich die Berner Skigebiete großer Beliebtheit. Zum Saisonabschluss wurde in der Combe d’Audon teils bis in den Juni ein Riesenslalom veranstaltet. Bereits 1965 wurden auf dem Gletscher kleine mobile Skilifte installiert. Für eine größere Anlage war jedoch die Zustimmung der Walliser Gemeinde Savièse nötig, der das Land gehörte. Diese war jedoch zunächst nur am Flugplatzprojekt interessiert und lehnte den Bau eines Skilifts ab.