Im Juli verschlug es mich endlich einmal für längere Zeit nach Osttirol. Von meinem Startpunkt in den Chiemgauer Alpen kann man da entweder über den Felbertauernpass, die A10 oder die Großglockner Hochalpenstraße fahren. Ich entschied mich für die letztgenannte Variante (die Bahnfahrt durch den Tauerntunnel war keine Option). So wurde der Weg zum Ziel und die 45 Euro Mautgebühr zur Investition in eine empfehlenswerte Erlebnisfahrt.
Angegeben ist die Fahrzeit für die knapp 50 Kilometer lange Straße mit rund 60 Minuten. Wenn es aber - wie in meinem Fall - nicht nur um eine einfache Passage von Nord nach Süd geht, dauert es auch schon mal mehr als doppelt so lang. Wie viele Stopps unterwegs eingelegt wurden, habe ich nicht mitgezählt. Es gibt unzählige kleine oder auch größere Haltebuchten, die alle einen tollen Panoramablick zu bieten haben.
https://www.grossglockner.at/de
Erster Halt noch auf dem untersten Teil der Rampe von Ferleiten kommend. Kaiserwetter war es nicht, aber im Gebirge ist es ja bei jedem Wetter schön.
Schon wenige Meter abseits des Touriparkplatzes ist man in einer Idylle.
Anderer beeindruckender Blick bei einem späteren Halt.
36 Kehren sind insgesamt zu bewältigen.
Und jetzt kommt die eine Sache, die mich sehr genervt hat: Die vielen Poser-Tuner-Raser-Spackos in ihren PS-Monstern.
Wenn man es nicht regelmäßig macht, ist die Pass-Überfahrt schon herausfordernd genug. Die Straße ist zwar in sehr gutem Zustand, aber natürlich keine ausgebaute vierspurige Rennbahn. Es ist mitunter eng, steil und unübersichtlich. Die Kehren sind scharf, es gibt unzählige Fahrradfaher in beiden Richtungen, langsame Busse und nicht zuletzt lenkt das Panorama ab. Und wenn dir hier dann noch so ein Spacken dicht auffährt oder einer im Gegenverkehr meint, noch schnell überholen zu müssen, macht das keinen Spaß mehr. Ich musste einige gefährliche Situationen beobachten. Und jedes Mal war mindestens ein hochmotorisiertes Angeberauto involviert, manchmal fuhren sie auch in Kolonne. Übrigens viele mit deutschem Kennzeichen, z.B. aus München mit ähnlicher Nummernfolge. Diese Spacko-Touren scheinen also auch organisiert und die PS-Monster entsprechend vermietet zu werden.
Das ist auf der Hochalpenstraße jetzt kein neues Thema. Gut eine Woche zuvor hatte es wohl eine größere Kontrollaktion gegeben. Aber langfristig zeigt sowas ja leider nie Wirkung.
https://www.grossglockner.at/de/artikel ... tikel_a569
Hier sind die letzten Meter Salzburg zu sehen, dahinter kommt dann schon Kärnten.
Ist das sogenannte Hochtor überwunden - bzw. im Tunnel durchfahren -, kommen allmählich auch Lifte und Seilbahnen in Sicht. Hier die Panoramabahn im Skigebiet Heiligenblut und evtl. auch die Bergstation der Schareckbahn.
In diesem äußersten Zipfel des Skigebiets dreht sich im Winter der Viehbühellift. Ein Teil der Abfahrt führt glaube ich auch über die Hochalpenstraße, die im Winter gesperrt ist.
Kurze, aber knackige Anlage aus der Kategorie 'Hier hinten noch ein Lift, das wärs'.
Nach ein paar weiteren Kehren ist die Talstation der beiden Anlagen erreicht. Die Panoramabahn hatte sogar einmal Sommerbetrieb - wäre jetzt auch eine willkommene Abwechslung gewesen. Aber leider ist hier derzeit im Sommer nix mehr los. Das ebenso wenig an der EUB-Kette Schareck, die man am Ende der Passstraße erreicht, denn die sind sommers nur an wenigen Tagen in der Woche in Betrieb. Fahren die Anlagen nicht oder selten, weil zu wenig Touristen kommen? Oder kommen wenig Touristen, weil das Sommerangebot so dünn ist?..
Die Zeiten sind leider vorbei.
Ich bin natürlich trotzdem ausgestiegen. Denn wer sich auskennt, sieht sofort, dass die Talstation der Vorgängeranlage (ESL Fallbichl) noch da ist.
Streckenbauwerke scheint es keine mehr zu geben.
Auch der Blick ins Innere ist leider nicht möglich. Das war übrigens ein Girak-ESL, der hier von 1965 bis 2006 in Betrieb war.
Einmal umgedreht, sieht man praktisch die ganze Trasse des Viehbühellifts.
Letzter Blick auf die EUB, dann ging es weiter. Denn eine Seilbahnfahrt sollte sich hier oben noch ausgehen.
Kurz vor dem Ziel kommt der nächste schöne Wasserfall.
Am Ziel angekommen: Die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Aber wo ist sie denn, die Gletscherbahn?
Die SSB ist auf den ersten Blick unscheinbar, aber dann spektakulär. Da gehts seit 1963 irre steil nach unten (144 Höhenmeter auf 212 Streckenmetern!)
Vor der Talfahrt noch ein kurzer Blick auf den Pasterzen-Gletscher.
Im Winter ist die Hochalpenstraße gesperrt, die SSB dadurch nicht erreichbar und daher auch nicht in Betrieb. Der untere Wagen wird dann hoch in die Bergstation gezogen, wo beide Wagen hintereinander überwintern. Dafür wird die Stationseinfahrt verrammelt.
Bis zum Gletschersee reicht die Bahn nicht mehr, dafür müsste sie jetzt etwa dreimal so lang sein. Ab der Talstation ist es noch ein Fußmarsch mit einigen Höhenmetern.
Ist schon ein paar Jährchen her.
Die minimalistische Talstation
Und die irre steile Trasse
Leider war dann keine Zeit mehr für eine ausgedehnte Wanderung. Aber für ein paar Zooms hat die Zeit gereicht. Na, wer entdeckt das Murmele?
Dann hat es laut gekracht und ein Steinschlag ging etwas abseits des Touri-Centers ab. Leider zu spät rangezoomt.
Noch einige Motive der SSB
Der Gletscher. Trotz des enormen Schwundes der letzten Jahrzehnte immer noch imposant.
Dann wurde es langsam Zeit für die Bergfahrt.
Das Bedienpult des Wagenführers
Die offenen Wagen erlauben auch während der Fahrt einen tollen Ausblick.
Zu guter Letzt habe ich links auch den namensgebenden Großglockner (oder nur einen Teil davon?) abgelichtet.
Wieder auf der Touristenebene angekommen. Nach dem obligatorischen Rundgang durch den Shop ging die Reise weiter nach Osttirol.
Am Ende der Hochalpenstraße kreuzt man die Schareckbahn im Gebiet Heiligenblut und sieht auch kurz einige der Lifte an der Mittelstation. Mangels passender Haltebucht sind dort leider keine Fotos mehr entstanden. Hoffentlich kann ich das einmal im Winter nachholen.