Vom Neuhütten-Bereich ins Vordere Zillertal
Den vermutlichen Saisonabschluss haben K2 und ich jüngst im vorderen Zillertal verbracht und zwar aufgrund der Wettervorhersage bzw. vorhandener anderweitiger Termine für Sonntag untypischerweise an einem Samstag, an dem es sehr schönes, aber auch sehr warmes Wetter gab (Nachmittags im Tal bis 22°C!).
Für Kaltenbach hatte ich mich entschieden, weil näher gelegene und skitechnisch im Schnitt leichtere Gebiete wie die Steinplatte nicht mehr offen waren (die Steinplatte ist auch nicht zwingend schneller erreichbar) und mir Alpbach/Wildschönau einerseits im Mittel für K2 zu steil gewesen wäre (ich kenne es auch gar nicht in eigener Anschauung), andererseits die niedrigere Höhenlage zu schnelleren Sulzbildungsbefürchtungen Anlass bot.
Bis zur Mittelstation war alles komplett schneefrei, bis dorthin gab es aber ein durchgehendes (Kunst)Schneeband auf der Talabfahrt, das vielleicht mit etwas Goodwill und geringer Frequentierung eine Abfahrt zur Mittelstation ermöglicht hätte. Da aber nur die direkte Zubringergondel in Betrieb war, stellte sich diese Frage gar nicht.
Morgendliche Bergfahrt, oberhalb der Mittelstation. Man sieht, um wie viel größer die Stützen der neueren 8-EUB sind. Stammen die der 1997er-Bahn noch von der Ersterschließung 1978?
Nicht in Betrieb waren die 6-KSB Mizun, die DSB Öfeler, ein Teil der Übungslifte an der Zentralstation, der Parallellift Zirben. Die schwarzen Abfahrten 7 und 8 waren bereits geschlossen bzw. trotz aus meiner Sicht ausreichender Schneelage nicht mehr präpariert. Klar, ist aufwändig, es wird aber der volle Preis verlangt…
6-KSB Mizun. Wohl dem Skigebiet, das solche Anlagen als Zusatz vorzuhalten sich leisten vermag
Die Anfahrt war unproblematisch, 1h 18 min; erst im Zillertal mehr Verkehr (Kolonne). Parkplatz bereits nicht schlecht gefüllt, aber im Vergleich zur ansonsten üblichen Frequentierung (die ich nicht mehr kenne, s.u.) nicht viel los. Weder an der Kassa noch bei der Bergfahrt warten. Dies setzte sich im Lauf des Skitages fort.
Mein letzter Besuch in Kaltenbach/Hochfügen datiert sage und schreibe 17 Jahre (!) zurück, in den schneereichen und kalten November 2007. Dies war der letzte Winter, bevor ich für acht Jahre aus dem Münchner Raum fortzog und daher deutlich weniger Skitagesausflüge in Folge unternahm (wobei wir Ende Dezember 2010 einen Tag in der Zillertalarena waren, im März 2010 waren wir am Spieljoch und zwei-drei Male bin ich seither auch in Hintertux gewesen). Kurioserweise war ich also in diesem Skigebiet deutlich seltener, seitdem 2004 der Zusammenschluss mit Hochfügen erfolgte. So spät in der Saison bin ich auch noch nie in Kaltenbach gewesen, aber mehrfach bereits in Hochfügen (Erstbesuch dort Mitte April 1996!).
Von der blauen 5 in Richtung 10-EUB Wimbach – einer der vielen für mich neuen Bahnen
Ergo gab es also eine Reihe von Liften und Abfahrten, die ich in dieser Form noch nie gefahren war oder in Augenschein genommen hatte, allen voran die zentrale 10-EUB Wimbach, die beiden 8-KSBs Schneeexpress (wieso konnte man nicht bei „Krössbichl“ bleiben?) und Kristallexpress sowie die kleine Neuerschließung des SL Hirschbichl. Auch die „alpine Gentrifzierung“ durch die drei Nobelhütten Kristall, Wedel und Albergo hatte ich noch nicht in eigenen Augenschein genommen.
SL Hirschbichl – kleine Neuerschließung einer südseitigen, hochgelegenen Geländekammer. Leider heute nicht ausprobiert. Oberes Bild mit Blick zum Rastkogel, wohl ganz rechts außen. Bis Mayrhofen/Hochschwendberg ist es schon weit und ich denke gut und sinnvoll, wenn hier nichts mehr verbunden wird
Die Intention dieses Skitages zusammen mit K2 war, die großen Fortschritte des Faschingsurlaubs in Südtirol zu befestigen und das schöne Wetter und die ruhige Nachsaison zu einem April-Skitag zu nutzen. Interessanterweise habe ich seit vielleicht einem Jahrzehnt oder mehr nicht mehr im April auf Skier geschafft – trotz meiner Vorliebe für Firnschnee und die entspannte Stimmung rund um den Saisonschluss.
Der Skipass kostet sage und schreibe 77 Euro in der Nachsaison für einen Erwachsenen – wenn nicht mehr alles offen ist, fände ich schon, dass man hier auch einen gewissen Nachlass gewähren könnte…
1. 8-EUB Hochzillertal III:
Bergfahrt erste Sektion. Sehr steil und schneefrei
Schlichte Bergstation der 8-EUB Hochzillertal III, der „Zentralstation“ etwas vorgelagert (das wusste ich z.B. nicht mehr nach all den Jahren)
Danach erst mal technische Pause im für mich komplett neuen Bergstationskomplex Mountain View – definitiv ein mächtiges Gebäude, aber aus meiner Sicht eine klare Verbesserung im Vergleich zum arg schlichten „Schuppen“ der ersten Jahrzehnte. Im Haus gibt es an der Decke nostalgische Liftanlagen zu bestaunen: Schlepplift und Einersessellift, wie es ihn in Kaltenbach aber nie gegeben hatte…
Blaue Abfahrt 14 zu den Hauptanlagen
2. 6-KSB Sonnenjet (517 Hm): Abfahrt 5 rot und blau.
Standardbild Kaltenbach aus der Hauptanlage 6-KSB Sonnenjet. Die Vorgängeranlage, die 2 km lange Doppelsesselbahn Gedrechter habe ich noch im Sturmwind „durchlitten“
Rote 5 auf Höhe Bergstation 6-KSB Mizun. Hinten die Reichenspitzgruppe
Blick hinauf zu den Bergstationen der beiden KSBs. Ob die Piste auch so schön ist, wenn beide Bahnen hier mit Volllast laufen?
Flacher Genuss-Mittelteil der roten 5 unterhalb der Mizun-Bahn
Blick hinauf zur schwarzen 6. Was für ein Hang!
6-KSB Sonnenjet/Gedrechter, daneben die SLte Zirben I+II. Hießen die früher nicht „Mizun“, wie heute die Entlastungs-KSB?
3. 6-KSB Sonnenjet (517 Hm): Abfahrt 4 rot zum Mountain View und Frühstückspause.
Firnträume auf der roten 4 (nach der Abzweigung zur Neuhütten), wo sie sich wie ein kleiner Canyon durchs Gelände schlängelt
Ausblick von der „Zentralstation“ hinüber zum Kreuzjoch und zur Rosenalm. Oben: „Sanft passt sich die neue Kapauns-Piste dem Gelände an“. Unten: Seit 1998 gibt es dort die Schlepplifte Törljoch (Bildmitte) und Karspitze (rechte Bildhälfte) nicht mehr, dennoch sind ihre Trassen nach wie vor gut erkennbar.
Querung zum
4. 6-KSB Neuhütten (466 Hm):
6-KSB Neuhütten. Mit Baujahr 2004 kannte ich diese bereits
Piste 3 rot aus der Neuhüttenbahn. Schön abwechslungsreiches Gelände hier
Tiefblick ins Vordere Zillertal. Variantengelände hier sieht vielversprechend aus
Blick von der Neuhütten-Bergstation zum bereits seit 30.03. geschlossenen Skigebiet Spieljoch mit der Geolsbahn und der schwarzen Piste 3
Ausblick vom Treffpunkt der Pisten 3 und 4. Diese Variabilität und Flexibilität der Routenwahl gefällt mir hier sehr gut
Abfahrt 3 rot und blau zur Bergstation (erneute Toilettenpause); über die flache 14 zur
5. 8-KSB Schneeexpress (527 Hm):
Talstation und Trasse 8-KSB Schneeexpress. Premiere für mich. Die Vorgänger-4-KSB Krössbichl stand bereits bei meinem Erstbesuch 2001
Trasse 8-KSB Schneeexpress im oberen, flacheren Bereich
Ausblicke: Zoom zum Tuxer Gletscher mit Gefrorene Wand, Olperer und Großem Kaserer. Davor die Wanglspitz mit der Luftseilbahn 150er Tux
Blaue 9 und…
Rückblick zur Bergstation 8-KSB Kristallexpress
Pistenteppich am Öfeler-Plateau. Leider hier bereits sehr weich/bremsig
Auf der roten 10 im oberen, flacheren Abschnitt
…rote 10 zur
Rote 10 und 8-KSB Kristallexpress. Eigentlich nicht steiler als was wir vorher gefahren sind, durch Aufsulzung für K2 aber schwieriger zu fahren
6. 8-KSB Kristallexpress (397 Hm):
8-KSB Kristallexpress, auch hier Premiere für uns
Rote 10, unterer, steilerer Abschnitt aus dem Kristall-8er
Pistenteppich Öfeler-Plateau aus dem Kristall-8er
Diese weiten, sanften, aussichtsreichen Genusshänge haben mir immer schon gut gefallen
Links die rote 11, SL Panorama (gab früher noch einen Parallellift), dann rote 10 und direkt daneben die blaue 9.
Rote 11 (noch toll unzerfahren am Rand) zum
Rote 11 unterhalb des Kristall-8ers, parallel zum SL Panorama. Hier noch weniger aufgefahren und frische „Spitzgebäck“-Rillen
7. SL Panorama (210 Hm): Wie oft bin ich diesen schon gefahren früher! Toll, dass er heute lief. Allerdings mit K2 wegen des Größenunterschieds kein Genuss. Immerhin sind wir nicht herausgefallen…
Mittagspause in der Kristallhütte. Tolle Qualität, sehr freundliche Bedienung.
Kristallhütte. Normale Pommes Frites stehen zwar nicht auf der Karte, gibt es aber, sehr gut, sehr frisch und in großer Menge
Blick von der Kristallhütte hinüber ins Nachbarskigebiet von Zell am Ziller unterhalb von Kreuzjoch und Karspitze. Man sieht auch die schonend in den Hang eingebauten Pisten am Kapauns und im Bereich Kreuzjochbahn
Zoom in die Zillertalarena zur „Sportabfahrt“ an der Karspitze. So wenig andere Gäste und trotzdem jemand „vor dem Rohr“…
Starthang der roten 10, Querung zur roten 7 und erst auf Höhe der Pistenbrücke (so etwas auch noch nicht gesehen) auf die blaue Z. Sind also zu hoch gequert… Über die „Z“ zum Mountain View und Entscheidung noch eine Runde zu fahren. Also wieder die pappige 14, diesmal zur
8. 10-EUB Wimbach (701 Hm): Einzige Fahrgäste nun, fährt sehr gemächlich, beeindruckende Trasse bis quasi auf den Gipfel des Wetterkreuzes. Wie bekommt man so etwas genehmigt? Wie gut wird die Bahn in Hochsaison angenommen?
Der untere Abschnitt der 10-EUB Wimbach verläuft noch durch Wald
10-EUB Wimbach – Zoom die Trasse hinauf
Oben: Kaltenbacher Pistenfestspiele: zwei Arme der schwarzen 7 und die rote 6? Unten: Rote 6 und blaue 6? Oder bereits die 5?
Hochalpines Gelände unterhalb der 10-EUB Wimbach
Trasse der 10-EUB Wimbach
Höchster Punkt des Skigebietes auf 2330 m.
Bergstation der 10-EUB Wimbach auf 2337 m – laut Pistenplan endet aber die 6-KSB Sonnenjet bereits auf 2360 m… Wieso kann/will man das dort nicht korrekt angeben?
Aussichten: Schwarzenstein, 3369 m
Aussichten: Großer Löffler, 3379 m
Kontraste und anderer wichtiger Wirtschaftszweig im Tal
Fahren die rote 5 Starthang zur Bergstation Sonnenjet. Hier wegen Höhe und Nordexposition deutlich weniger weich und aufgefahren, allerdings eher schmal und nicht flach. Keine massentaugliche Piste. Wie ist das hier in der Hochsaison? Über den Ziehweg der roten 4 auf die rote 3 und immer langsamer werdend zur Zentralstation.
9. 8-EUB Hochzillertal III: Talfahrt.
Fazit: 3335 Hm gefahren, das ist für K2 schon sehr ordentlich, zumal die meisten Abfahrten hier dann doch steiler sind als die Gipfelkuppe des Kronplatz und es dann doch ziemlich weich und mit kurzen Skiern und geringem Gewicht schwieriger zu fahren wurde. Ich habe jetzt keinen direkten Vergleich an der Hand wie viele Höhenmeter K2 am Kronplatz effektiv gefahren ist, aber die großen Sessellifte hier in Kaltenbach schaffen alle doppelt so viele Höhenmeter wie Plateau oder Olang 2 am Kronplatz. Nächste Saison mit wieder längeren Skiern (derzeit 95 cm), mehr Kraft und Kondition und vielleicht auch besserer Technik wird wieder „mehr“ gehen. Und darauf freue ich mich jetzt schon!
Das Skigebiet hat mir mal wieder gefallen. Ich denke, das liegt auch daran, dass ich offenbar noch nie einen richtig vollen Tag hier erwischt habe. Die balkonartige Lage hoch über dem vorderen Zillertal mit weiten Blicken hat mir immer schon getaugt; die Situierung leicht unter, an und oberhalb der Wald- und Baumgrenze finde ich gut; das Gelände ist abwechslungsreicher als man es oft hört, z.B. im Neuhütten-Bereich. Oben an der Wimbachgondel, in den oberen Bereichen Gedrechter und Neuhütten ist es bereits ziemlich alpin. Ich finde, man holt hier aus dem intensiv erschlossenen Bereich wirklich ein Maximum heraus. Ob es mir aber bei weniger schönem Wetter und voller Auslastung (Parallel-Bahnen in Betrieb etc) auch noch so gut gefallen würde, muss ich unbeantwortet lassen. Jedenfalls haben wir trotz der erfreulichen Bilanz noch genügend nicht gefahrene Abfahrten übriggelassen: die beiden Talabfahrten, die schwarzen Abfahrten an Neuhütten und Krössbichl, die zweite Abfahrt von der Wimbachgondel, das Hochtal in Richtung Hochfügen, Letzteres an und für sich… Ich denke also, dass wir bald wieder hier sein werden. K2 hat Kaltenbach sogar als Destination für den Faschingsurlaub 2026 ins Spiel gebracht.
Oben weiß, unten satt grün – fast sommerskiartige Kontraste
Unten nur mehr grün. Bei 550 m Talhöhe aber auch nicht verwunderlich