Teil II: Peking
Teil III: Huashan
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Teil II: Peking
Von Qingdao aus ging es weiter gen Norden – Ziel war Peking, der nördlichste Punkt unserer Reise. Abfahrt war am historischen Kopfbahnhof von Qingdao, einem Relikt aus der deutschen Kolonialzeit. Der Bahnhof wurde 1901 eröffnet und im Zuge der Olympischen Spiele 2008 umfassend renoviert. Bemerkenswert: Anstatt alte Baustrukturen abzureißen, entfernte man die nachträglichen Erweiterungen aus den 1990er Jahren und ersetzte sie durch Neubauten im Stil der ursprünglichen Jahrhundertwende-Architektur.
↑ Im Inneren verbindet eine moderne Glas-Stahl-Konstruktion Vergangenheit und Gegenwart.
↑ Nach 660 Kilometern und etwas über zweieinhalb Stunden Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug erreichten wir das Zentrum von Peking. Im Hintergrund der 405m hohe Fernsehturm von Peking.
Am nächsten Morgen ging es dann - wie sollte es auch anders sein - in Richtung chinesische Mauer. Vom Zentrum Pekings aus werden zahlreiche Bustouren zu verschiedenen Abschnitten der Mauer angeboten. Aufgrund von Problemen mit unserem ursprünglich gebuchten Anbieter mussten wir kurzfristig umdisponieren und fuhren statt wie geplant zu einem anderen Abschnitt schließlich nach Mutianyu. Aus dem Zentrum Pekings sind das knappe 80km, nach einer knappen Stunde ist man dann vor Ort. Allerdings noch nicht an der Mauer. Stattdessen heißt es umsteigen, in den nächsten Bus. Die Busse aus Peking und Umgebung fahren nämlich nicht direkt an die chinesische Mauer bzw. zur dorthin führende Seilbahn. Stattdessen endet die Fahrt in einem künstlichen "Dorf" am Taleingang, wobei es sich hierbei eher um eine Ansammlung verschiedener Souvenir- und Imbissstände handelt. Von dort geht es dann per Shuttlebus weiter. In China eine absolut übliche Masche. Leider zahlt man für die Shuttlebusse, welche oftmals nur einige wenige Kilometer zurücklegen, meist noch extra. Im Falle der chinesischen Mauer fahren die Busse dann nochmal knapp 2,5km ins Tal hinein. Warum man dafür keine direkte Seilbahnverbindung geschaffen hat, bleibt unklar. Vielleicht spiele hier wirtschaftliche oder politische Gründe eine Rolle (Stärkung der heimischen Busindustrie, Schaffung von Arbeitsplätzen, ...)? Je nach Attraktion und Strecke sind das schnell mal hunderte Busse (keine Übertreibung, aufgrund der Nummerierung der Busse und der Größe der Busparkplätze nachvollziehbare Zahlen), die da im Pendelverkehr unterwegs sind.
↑ Ankunft am Umsteigeplatz in Mutianyu. Morgens noch recht leer.
↑ Danach heißt es: Warten auf den Shuttlebus. In unserem Fall etwa 15 Minuten, in der Hauptsaison kann es deutlich länger dauern.
↑ Nach der Shuttlefahrt hat man zwei Optionen, um zur Mauer zu gelangen: entweder mit der Kabinenbahn geradeaus oder rechts mit einem kleinen Zweiersessellift. Wir entschieden uns für die Gondelbahn – und wurden überrascht: Eine neue 8er-Gondel aus dem Hause Doppelmayr wartete auf uns. Noch vor sechs Jahren fuhr hier eine ältere Anlage des japanischen Herstellers Nippon Cable.
↑ Überreste der Vorgängerbahn in Form der alten Kabinen waren überall sichtbar.
↑ Ticketkontrolle auf dem Weg zur Talstation. Der Anstehbereich befindet sich an der Außenseite des Talstationsgebäudes. Aufgrund der gut sommerlichen Temperaturen (>30°C) nur bedingt angenehm. Die Wartezeit betrug hier ebenfalls nur knapp 10-15 Minuten.
↑ Aus technischer Sicht ist die Bahn recht unspektakulär: Die im Jahr 2022 von Doppelmayr gebaute Bahn ersetzte auf gleicher Trasse eine 6er Kabinenbahn von Nippon Cable. Auf der etwa 670m langen Strecke werden etwas über 200 Höhenmeter überwunden. Antrieb der Bahn ist in der Bergstation, der Bahnhof als Stichgleisbahnhof jeweils in der Berg- und Talstation.
↑ So sah die alte Talstation aus.
↑ Bergstation von innen. Rechts eines der beiden Stichgleise.
Der Abschnitt bei Mutianyu zählt zu den meistbesuchten und bekanntesten der gesamten Mauer. Auf rund 2.300 Metern können 23 Wachtürme besichtigt werden. Turm 1 liegt im Osten, Turm 23 im Nordwesten. Die Gondelbahn endet auf Höhe der Türme 14/15, der Sessellift bei Turm 6. Es ergeben sich somit mehrere Möglichkeiten für individuelle Touren. Wir entschieden uns – wie bereits bei unserem letzten Besuch – für die Wanderung in Richtung Turm 23 und wieder zurück.. Auf dieser Karte hier ist das gut ersichtlich:
Route Map of the Mutianyu Great Wall
↑ Bis Turm 22 verläuft die Mauer vergleichsweise moderat. Doch spätestens ab hier wird es steil: Der letzte Abschnitt vor Turm 23 führt über eine schmale, beinahe senkrechte Treppe hinauf. Der Aufstieg ist machbar, der Abstieg dagegen – auch für geübte Wanderer – aufgrund der steilen, abgenutzten Steine eine Herausforderung. Dementsprechend kommt es hier nicht selten zu größeren Dramen.
↑ Blick zurück auf die Mauer. An Turm 23 ist dann Schluss, die weiteren Mauerabschnitte sind nicht mehr begehbar. Vor sechs Jahren konnte man hier noch auf eigene Gefahr weiter gehen, mittlerweile ist der Durchgang zugemauert und ein Sicherheitsposten davor postiert. Also umdrehen und wieder zurück in Richtung Bergstation.
↑ Blick von der Bergstation zurück auf die Mauer: Turm 23 befindet sich am steilen Abschnitt rechts im Bild. Dahinter führt die Mauer noch einige Meter weiter bergauf, biegt dann nach links ab. Während der Mauerzustand zunächst noch gut ist, nimmt er weiter hinten rasch ab – bis sie schließlich vollständig von Vegetation überwuchert ist. Ich bin froh, diesen Teil 2018 noch begangen zu haben.
↑ In die andere Richtung ist der Sessellift zu erkennen.
↑ Gondeln als Sitz- und Picknickmöglichkeiten. Für uns ging es dann mit dem Bus zurück nach Peking.
Am nächsten Tag stand bereits die Weiterreise an. Da unser Zug erst am Nachmittag fuhr, nutzten wir den Vormittag für einen Besuch des Sommerpalasts. Mit dem Bau wurde 1750 unter Kaiser Qianlong begonnen. Die weitläufige Anlage umfasst etwa 290 Hektar, davon entfallen knapp drei Viertel auf den künstlich angelegten Kunming-See. Ursprünglich als Rückzugsort der kaiserlichen Familie während der heißen Sommermonate konzipiert, wurde der Sommerpalast mehrfach zerstört und wiederaufgebaut. Seit 1998 gehört er zum UNESCO-Weltkulturerbe und zählt, neben der Verbotenen Stadt, zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Pekings.
Wir machten uns anschließend auf den Weg zum Bahnhof. Von Peking aus sollte es in Richtung Südwesten weitergehen. Dort erwartete uns ein absolutes Highlight. Ein Blick auf die Wetterprognose für die kommenden Tage ließ jedoch leider nichts gutes erahnen.
Fortsetzung folgt.
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Hier noch die Berg & Talfahrt der Bahn. Aus privaten Gründen ist der Ton in beiden Videos entfernt worden:
Direktlink
↑ Bergfahrt.
Direktlink
↑ Talfahrt.