franio99 hat geschrieben: 02.05.2025 - 14:00
Jemand hat zu diesem Thema mal den Link eines Bremstests hier reingestellt.
Kann mir einer beantworten wie dieses Seil gekappt wurde?
Pyrotechnisch.
Spezielle Seiltrennvorrichtungen werden ebenfalls für Helikoptertransporte eingesetzt, inkl. REGA Windenseile. Auslösung ist elektrisch über einen gesicherten Schalter.
Edit:
Für Versuche werden ebenfalls Sprengbolzen eingesetzt, alles COTS jedoch sind ggf. Bewilligungen erforderlich, da sprengtechnische Produkte. Kenn mich da zuwenig aus, habe jedoch Tonnen Munition sowie Sprengstoff transportiert. Wo is wohl kein Geheimnis.
Scheinbar ist das Zugseil nach Berichten nicht gerissen (und der Verguss auch intakt). Es soll sich am Befestigungssystem am Gehänge etwas gelöst/gebrochen haben. Es wird nach einem (wichtigen) Teil gesucht, das auch nach intensiver Suche nicht gefunden werden konnte.
Mehr Infos gibt es nicht.
Nichts offizielles, auch die Medien scheint es nicht mehr zu interessieren.
Vögel zwitschern, dass sich die bergseitige Zugseilbeilbefestigung am Laufwerk gelöst habe, womit das Seilende mitsamt Verguss und Hülse durch die Bergstation gezogen worden wäre, wo der Verguss sich dann verkantete habe, und das Seil ebendort gerissen sei. Das Seilende sauste dann weiter zurück, und verhängte sich mit einem gekonnten Lassowurf am Masten 3.
Nachdem im Mottarone Topic wichtige Infos verschwunden sind, ist mir die Zeit zu schade hier und im Karrenseilbahntopic zu posten.
Aufgrund der Befestigungsart der beiden Seilköpfe (Berg/Tal), ist davon auszugehen, dass gem. obiger Theorie die Hülse sich entweder löste (Gewinde unzureichend gesichert), oder, was jedoch weniger wahrscheinlich erscheint, katastrophal versagte (Teil ist ziemlich massiv, so dass ein Durchrosten hätte auffallen müssen). Die entsprechenden Schnittzeichnungen im Mottarone Topic wurden heimlich wegmoderiert, obwohl leicht unterschiedlich ausgeführt, wäre dort die Befestigung des Vergusskegels ersichtlich gewesen.
Als Ergänzung zu meinem Post oben eine Aufnahme, in der der gebrochene Befestigungsbolzen deutlich erkennbar ist: Das Teil ist nach oben gedreht, die Bruchstelle erscheint hell.
Sonderbarerweise ist am zweiten Befestigungsbolzen im Bild der Fortsatz der Seilbefestigung nicht zu sehen. Mag dieser erst in weiterer Folge bei Kollision mit Teilen der zwei überfahrenen Masten weggebrochen sein?
Ein Zugseil ist auf anderen Bildern im Bereich der zerstörten Kabine eindeutig und vernudelt zu erkennen.
Das Ganze wurde auch um die Querachse gedreht, denn der gebrochene bergseitige Befestigungsbolzen müsste ohne Drehung im Bild nach recht oben zeigen, der talseitige nach links unten (Es könnte freilich auch umgekehrt sein...).
Kris hat geschrieben: 29.07.2025 - 14:06
... der gebrochene bergseitige Befestigungsbolzen müsste ohne Drehung im Bild nach recht oben zeigen, der talseitige nach links unten
... so wie sich das hier "von der anderen Seite und auf den Kopf gedreht" zeigt, müßte dem so sein ...
(Es könnte freilich auch umgekehrt sein...).
... dürfte nicht: die Bolzen sind doch zu lange, um "hinten durch" zu passen; somit sind sie von der Reihenfolge her noch so, wie sie ursprünglich waren – und wenn man die heilgebliebene Kabine anschaut, war jene die von unten gesehen links – somit hier andersrum ... und dann müßte das stimmen ...
Ist aber eigentlich sekundär – wichtiger ist vielmehr: wieso haben die Bolzen versagt resp. ist die Hülse abgerutscht? ... der Vergußkopf selbst hängt ja an einer Art Hülse – so die Größenverhältnisse in etwa den beiden Bildern entsprechen.
Ohne das System direkt zu kennen, dürfte die Befestigung der Hülse auf dem Bolzen "nicht ganz trivial" sein – sprich: der Bolzen muß irgend eine Einkerbung (Formschluß) oder Quetschung (Kraftschluß) aufweisen – und genau das könnte der Schachpunkt gewesen sein. Interessant ist m.E. auch, daß hier beide Hülsen nicht mehr dran sind ... Beim Unfall passiert? Später abgenommen? Wenn letzters: von wem?
Skipapi hat geschrieben: 29.07.2025 - 17:08
Warum hat die Fangbremse versagt, weiss man dazu etwas?
Das ist die eigentlich interessante Frage – denn so ein Zugseilbefestigungsversagen müßte per Fangbremse abgefangen werden (dazu ist die ja (auch) da) ...
... es kann sein, dass ich nicht alle eMail-Benachrichtigungen erhalte, die bei abonnierten Threads oder PN-Eingängen ausgelöst werden sollten; direkt an mich adressierte eMails müßten aber ankommen ...
(Hatte Serverprobleme, problematisch, da diese zum Verlust von frisch erstellten Beiträgen führen kännen.)
@Kris:
Danke für die Bilder.
Da der Seilkopf des unteren Zugseils wie derjenige des oberen Zugseils katastrophal versagte, würde ich dazu tendieren, dass sich das untere Zugseil irgendwo verfing und nachdem die Schlaufe "aufgebraucht" war, schlagartig eine sehr hohe Kraft auf den Seilkopf wirkte, was zu dessem mechanischem Versagen führte.
Eine plötzliche sehr massive Überbelastung des Zugseilschleife ist kaum realistisch, zudem dämpfen die Zugseildurchhänge sowie das Zugseilspanngewicht die Kräfte, die auf die Seilköpfe wirken.
Ob z.B. eine zuvor verkantetes Spanngewicht sich plötzlich löst und schlagartig das Zugseil spannt, scheint doch sehr unwahrscheinlich, und dabei müsste man berechnen, welche Kräfte somit erreicht würden.
Um genauer zu erkennen wie die Seilköpfe versagten, müsste man sich hochauflösende Fotos sowie Schnittzeichnugnen der Seilköpfe ansehen.
Ausser Sabotage versagte m.E. zuerst der bergseitige Seilkopf und erst später der talseitige Seilkopf. Dass beide Seilköpfe in ähnlich desolatem Zustand gewesen wären, dass eine Überlast zu derem gleichzeitigem Versagen geführt hätte, erscheint zuerst mal sehr unwahrschinlich.
Dass ein Teil des bergseitgen Seilkopfes durch die Bergstation gezogen wurde, ist eigentlich für die verunfallte Kabine irrelevant. Nach dem Versagen des bergseitigen Seikopfes entspannte sich das obere Zugseil sehr schnell, was zur Schlaffseilauslösung der Fangbremse der andere Kabine nahe bei der Talstation führte. Aufgrund der Lage dieser Kabine sowie des Bremswegs muss die verunfallte Kabine sich ziemlich Nahe bei der Bergstation befunden haben als dessen bergseitgen Seilkopf versagte.
Wurde eigentlich eine Kontrolle sämtlicher Seilköpfe dieser (sowie ähnlicher) Bauart verlangt?
Das dieser Unfall nach Mottarone überhaupt möglich war erstaunt mich, wobei ich die ganz genauen Ursachen nicht kenne. Bei vorschriftsgemässer Wartung (inkl. Kontrollen) ist ein solcher Unfall eigentlich nur bei Sabotage möglich.
Kann nicht beurteilen, was mit der Fangbremse geschah. Kann nicht einmal erkennen, ob die Brembsbeläge in axialer Richtung formschlüssig (ohne Scherbeanspruchung der Schrauben) montiert sind. Bei Auslegungsklemmkraft sind die Bremsbeläge nicht massiv überdimensioniert. Das abnutzbare Materialvolumen der Bremsbeläge reicht zwar aus, das Fahrzeug im worst-case Fall auf "kurze Distanz" (massgebend ist der Verzögerungswert) anzuhalten, die Bremsbeläge sind jedoch nicht für wesentlich längere Bremswege ausgelegt (Überhitzung sowie Verschleissgrenze)). Zudem nimmt die Klemmkraft der Fangbremsenzange mit der Abnutzung der Bremsbeläge während der Abbremsung ab, was bei der Dimensionierung berücksichtigt wird.
Wird aufsichtsmässig in Italien nicht unverzüglich strikte durchgegriffen, schliesse ich weitere schwere Unfälle bei ähnlich gebauten Pendelbahnen nicht aus.