Bei meinem Spontantrip durch die Steiermark und Niederösterreich Mitte August hängte ich noch einen vierten Tag dran, denn ich wollte noch eines jener LSAP-Ziele besuchen, die (von Italien mal außen vor gelassen) nicht gerade sehr häufig vorkommen. Dabei handelte es sich um die beiden stillgelegten Schlepplifte am Hohenberger Gschwendt, auf die ich durch einem total interessanten Bericht aus dem Sommerschi-Forum aufmerksam geworden bin. Schon seit Jahren wollte ich jenes Areal besuchen, wo eben nicht nur „olle“ Fundamentreste und Trassenvermutungen auf einen warteten, sondern waschechte Ruinen in ablätternder roter, Rostschutzlackierung. Die weite Entfernung von München war der Grund, warum ich bislang nie dorthin aufgestiegen bin und zwischenzeitlich hatte ich es auch wieder fast vergessen. Aber im August 2012 kam ich sowieso in die Gegend, da ich in Lilienfeld noch den kultigen ESL Muckenkogel fahren wollte und da bot es sich ja an, dieses LSAP-Kleinod in unmittelbarer Nachbarschaft zu besuchen.
Morgens in Hohenberg – vom Pensionswirt ließ ich mir nochmal genau den Weg zu den Liften erklären. Zwar meinte er, man könne auch mit dem Auto fast ganz hinauf fahren und müsse nur 20 min laufen, doch ich wollte die Erkundung mit einer ordentlichen Wanderung verbinden und das Fahrzeug im Tal parken. (Schlank durch LSAP
Ich war übrigens der einzige Gast und saß mit dem Pensionsbesitzerehepaar allein im Frühstücksraum. Zunächst aß ich schweigend das sehr gute, üppige Frühstück, während der Wirt am Nachbartisch eine Zeitung oder seiner Frau die Leviten las. Plötzlich begann er zu lachen und meinte „Die Deitschn san alle deppert!“. Ging ja gut los! Aber er hatte das nur ironisch wegen irgendeiner „Grüß Dich-Patentierung“ gemeint und bei dem folgenden deutsch-österreichischen Gesprächsgeplänkel lernte ich wenigstens was dazu – nun weiß ich endlich was „Heurigen“ bedeutet, was bisher irgendwie vollkommen an mir vorüber gegangen ist. Irgendwie erinnerte mich der Wirt an eine jüngere Ausgabe des Hauptdarstellers von „Ein echter Wiener geht nicht unter“ und die Szene im Frühstücksraum allein wäre einen Kurzfilm wert gewesen. Eigentlich muss man gar nicht auf die Galapagos-Inseln fahren oder durch Algerien trampen, um berichtenswerte Erlebnisse zu erfahren – Niederösterreich reicht da auch schon
Ein Wanderweg war als gesperrt ausgewiesen, doch dank meiner Kompasskarte wusste ich, dass ich einfach nur die Forststrasse hinauflaufen musste. Andere Leute begegneten mir beim Aufstieg keine – zwei, drei mal kam ein Auto angekrochen und mühte sich den Berg mit lauffaulen Insassen hinauf.
Liftlerhäusl auf Halde?
In der Umgebung fanden sich überall diese vollständig von Wald bedeckten Hügel und ich genoss die noch einigermaßen kühle Sommerluft, wie ich da schwitzend an Höhe gewann.
Was mich wohl erwarten würde? Immerhin wusste ich von den Einheimischen, dass die Ruinen noch standen.
Ich erreichte den Parkplatz oben, der den einheimischen Wanderen offenbar als Ausgangsbasis für die umliegenden Touren diente. Früher stellte man hier sein Auto ab, kaufte offenbar an der Hütte rechts die Liftkarte und fuhr zur Talstation des unteren Schleppers, die aus dem Wald rechts unter mir rot erleuchtete
Solche Details alter Liftlerhäusl gefallen mir immer sehr.
Endlich geschafft!
Dann ging es zum unteren Lift – hier die Talstation. Zu ihr selbst lief ich erst beim meiner mittaglichen Rückkehr.
Blick auf die zugewachsene Lifttrasse und verwilderte Piste. Seit wann ist hier oben eigentlich LSAP angesagt? Ich überlegte mir, dass es im Winter sicher kein Vergnügen war, mit dem Auto hier hinauf und vor allem auch wieder herunter zu fahren, denn es gab ja keinen Zubringer von Hohenberg herauf. („Da steht doch noch eine ESL-Ruine mit Holzstützen! Hast die nicht gesehen?“
Ich war wieder voll in meinem Element. Allerdings brannte die Sonne immer mehr und man geriet bei der Trassenwanderung ordentlich ins Schwitzen. Aber ganz oben sollte ich mit einem angenehmen, leichten Wind belohnt werden.
Hier wollte sich einer mal aufhängen, weil die Lift stillgelegt wurden....
Hier geht es steil durch den Wald hinauf.
Das war einmal eine Stützenpolsterung.
Blick zurück.
Uff – trotz Schatten strengte der Steilhang an. Am Rückweg lief ich über den benachbarten Wanderweg und vernahm plötzlich die Stimmen einer Rentner-Wandergruppe. Sie stiegen die Lifttrasse hinab und einmal fiel auch das Wort „Schilift“. Tja, war ich nicht der einzige Trassenspinner an jenem Tag...
Blick zurück – schon alles sehr zugewachsen.
Seil und Kletterhaken hatte ich umsonst fürs Hohenberger Gschwerl eingepackt
Das Motiv des Tages – darum zeige ich es öfters.
Da fuhr man einst rauf und musste den Bügel nach der Stütze abwerfen.
Die Bergstation, wo auch der Antrieb beheimatet ist.
Zoom zum 2er Lift, der eine schöne Almwiese erschließt. Nebenan ist das Berghaus Geschwend (oder so?), wo später einige Leute einkehrten. Ich überlegte es mir kurz, entschied mich dann aber wegen der bevorstehenden Heimreise dagegen.
So eine Liftstation kenne ich bisher nicht. Interessant, was man immer so vorfindet.
Um das Berghaus geschlichen, ging es zur Trasse des oberen Schleppers.
Verläuft nicht spektakulär, aber der Blick von hier oben ist nicht schlecht. Und ein alter Schlepper gefällt mir auch dann, wenn er flach über die Wiese geht.
Was mich wohl an der Bergstation erwarten würde? Ich war gespannt...
Fast so gut wie leitnerblau.
LSAP wie ich es am liebsten habe...
Schließlich die Umlenkung, auf deren Fundamenten ich erst mal eine Pause einlegte, T-Shirt und Unterhemd wechselte und die restlichen Kekse vertilgte. Später hörte ich Wanderer von weiter oben, so war ich doch nicht ganz allein, wie es zunächst schien. Schon verrückt – irgendwo in unbekannter Fremde so herumzustapfen...
Wie man es in der Schule gelernt hat...
Muss sein....
So lässt sich die schlechte Kindheit gleich wieder besser vergessen
An St. Pölten kam ich dann später auf dem Rückweg vorbei. Es war das erste Mal, dass ich in Österreich durch eine Gegend fuhr, wo es keine Berge hatte.
Eins noch für Onkel Hansi...
Blick ins Tal – ich hatte wieder eine recht lange Strecke zurückgelegt und nun sollte es wieder nach unten gehen.
Also in den 90ern muss das Gebiet noch gelebt haben...
Die Talstation des oberen Lifts – lsapmäßiger geht es nicht... Wenn man denkt, wie gründlich die manche Lifte abbauen und dann findet man zum teil noch solche Ruinen.
Der Weg zur Station lag genau so, dass man ihn von der Berggaststätte unbeobachtet gehen konnte. Sehr schön - das ist leider meistens nicht so und als Liftefotograf wird man manchmal angeschaut, als wäre die Nikon eine Uzi.
Bei einem Gebäude unterhalb der Berggaststätte konnte man noch durch die Fenster blicken, doch leider war es wegen der Spiegelung schwierig...
Vorbei an der Bergstation des 1er Lifts ging es wieder nach unten.
Die Talstation sah ich mir nun aus der Nähe an. Zwar parkte oberhalb ein Geländewagen, doch niemand schien sich in der Nähe aufzuhalten.
Hab ich hängen lassen...
Es hatte sich für meine Zwecke gelohnt, noch einen weiteren Tag dranzuhängen (5 mal Nudelholz gab es dafür bei der Heimkehr von der Ehefrau
Nun hatte sich meine erste Mehrtagestour dem Ende zugeneigt und mit vollen Speicherkarten beladen, trottete ich den Forstweg wieder nach Hohenberg hinunter. Über die endlose Westautobahn ging es dann wieder der Heimat entgegen, unterbrochen von einem Abstecher nach Haag am Hausruck, wo ja leider der ESL abgerissen worden ist. Zwar gab es auch dort dann noch einige Ruinenrelikte zu knipsen, aber die Tränen ob des erneuten ESL-Verpassens flossen trotzdem literweise zu Boden...
(Lermoos, 2 x Berwang, Werfenweng, St. Ulrich, Innerwald/ Sölden...man bräuchte jetzt endlich mal einen aus dem Forum, der eine Zeitmaschine zusammenbaut. Dem würde ich auch sofort ein Weißbier spendieren