Ein Wochenende Mitte Januar mit Traumbedingungen in den Mittelgebirgen: Die hiesigen Massen fahren ins Sauerland, dort gibt es mit 83 geöffneten Anlagen ein riesiges Angebot. Bereits am Vormittag bitten einige Sauerländer Betreiber via Radio, die Gebiete wegen Überfüllung und Verkehrs-Chaos zu meiden. Der WDR berichtet von 60 Minuten Stau zwischen Brilon und Willingen (Entfernung rund 25 Kilometer).
Mich hingegen zieht es in die Eifel. Vom Angebot her die ganz kleine Schwester des Sauerlands – an diesem Tag mit drei geöffneten Skiliften. Landschaftlich steht die Eifel dem Sauerland aber in nichts nach. Urig sind die geöffneten Gebiete obendrein und stehen bei mir seit mehr als acht Jahren auf der Liste. Mal hat der Schnee gefehlt, mal die Zeit, mal beides und dann kam Corona. Und so wuchs die Vorfreude auf einen Skitag in den Gebieten Hohe Acht und Wolfsschlucht über die Jahre immer mehr.
Im Januar 2024 sollte es endlich klappen. Bereits die Anreise verheißt Gutes.
Rund 15 Kilometer vor dem Ziel, bei Ahrbrück, fällt die Temperatur auf -15 °C. Prompt springt die Reifendruck-Warnleuchte an. Also an der nächsten Tanke raus und den Reifendruck kontrolliert. War alles in Ordnung. Wohl nur die Temperatur? Auch Tage später hab ich keinen Platten. Was mir bei diesem kurzen Halt auffällt: Rund um Ahrbrück sind die Schäden des Jahrhundert-Hochwassers von Juli 2021 noch überall deutlich sichtbar. Das ist echt heftig.
Im langen Tal zwischen Ahrbrück und Jammelshofen zeigt das Thermometer -17,5 °C an. Hier will man nicht mit dem Auto liegen bleiben.
Ankunft am Liftparkplatz gegen Viertel vor 10. Seit 9 Uhr ist geöffnet und ich erwische schon nur noch den vorletzten Stellplatz. Aus dem Tal da hinten bin ich von Ahrbrück angefahren gekommen.
Um 180 Grad gedreht und einige Schritte gelaufen wird der Blick frei auf das Skigebiet. Zunächst läuft nur Lift Nr. 2. Sieht klein und übersichtlich aus, aber ich hab es dort mehr als zwei Stunden gut ausgehalten.
McMafs Pistenplan stellt das Gebiet sehr gut dar. Sein Bericht von 2014 ist übrigens auch lesenswert - ich hab es jetzt nach 10 Jahren auch endlich zum Skifahren nach Jammelshofen geschafft.
Auf der Homepage der Gemeinde ist der Anlagenstatus abrufbar: http://www.kaltenborn-eifel.de/index.php?id=46
Die Preise sind inzwischen um ein paar wenige Euros erhöht worden. 12 € für 20 Fahrten (vormals 9€) sind aber nach wie vor ein Schnapper. Da auch der Parkplatz kostenfrei ist, war das ein günstiger Vormittag für mich.
Die Lifte werden von der Gemeinde betrieben. Alle helfen mit. Von der jungen Kassiererin über den örtlichen Handwerker bis zum Feuerwehrmann, der am PHB-Lift die Kurzbügel anreicht. Und als zwischenzeitlich das Wechselgeld knapp wird, macht sich einer der Helfer mit dem Auto auf, um Nachschub zu holen. Das ist schon etwas ganz Besonderes hier.
Bei der ersten Auffahrt liegt die Lifttrasse noch voll im Schatten und es entstehen keine brauchbaren Fotos. Oben am Ausstieg tastet sich die Sonne langsam vom Stützenjoch hinab Richtung Talstation.
Die rote 2 ist eine sportliche Piste, der an diesem Tag etwas die Unterlage fehlt. Skifahrerisch dürfte sie bei besserer Schneelage richtig interessant sein.
In der vergangenen Saison hatten die Anlagen rund eine Woche Betrieb. In der laufenden Saison sind es inzwischen immerhin drei Tage. Und der Andrang an diesem Samstag explodiert mit einem Mal. Und das ist positiv: Denn es füllt die Liftkasse und mit Lift Nr. 1 geht kurze Zeit darauf der Verstärker in Betrieb und die Schlange teilt sich.
Das kurze Warten gibt Gelegenheit für ein paar Seitenmotive.
Weiterhin ist es in der Lifttrasse zu dunkel für gescheite Fotos. Dann lieber ein Seitenblick auf die PHB-Kurzbügel des linken Lifts.
Der Kurzbügler links ist älter, ein originaler PHB mit Baujahr 1972. Die Anlage besitzt noch Rundrohrstützen. Die Nachfolgeanlagen, wie der rechte PWH-Lift von 1984, haben bereits Vierkantstützen.
Unterschiede sind auch an den Stationen sichtbar: Der Langbügler rechts hat eine deutlich breitere Seilspur und eine moderne Seilscheibe. Gefallen tun sie mir beide.
Die zwei Liftgenerationen nebeneinander
Im Hintergrund, auf der namensgebenden Hohen Acht (mit 747 Metern der höchste Berg der Eifel), thront der Kaiser-Wilhelm-Turm.
Nun probiere ich die blaue 1 auf der anderen Seite. Zunächst geht es durch eine Reihe Laubbäume.
Von dort kommt das Berghotel Hohe Acht mit Rodelhang in Sicht.
Und wieder die dominierende Hohe Acht.
Schade, dass dort drüben nicht noch ein Lift steht. Der stillgelegte PHB von der Nürburg hätte sich doch angeboten.
Winterromantik in der Eifel
Am Ende verläuft die Piste an Häusern und Gärten entlang zurück zu den Liften.
Wieder im PWH-Langbügler. Mittlerweile lässt sich die Sonne blicken.
Weil es von diesen Ausführungen nicht mehr allzu viele Lifte gibt, sind es diesmal ein paar mehr Anlagenfotos geworden.
Inzwischen verteilen sich die Skifahrer gut auf beide Lifte. Der linke, ältere hat manchmal kurze Störungen, hält aber sonst den ganzen Vormittag durch.
Das benachbarte Waldhotel ist offensichtlich nicht für Tagesgäste geöffnet. Und so wird kurzerhand in der Werkstatt ein kleines gastronomisches Angebot geschaffen. Noch sind die Mengenbrüher nicht auf Temperatur, also wird weiter Skigefahren.
Hier herrscht eine ganz besondere, angenehme Stimmung: Viele kennen sich und sprechen über gemeinsame Erlebnisse oder Bekannte. Aber auch die Auswärtigen fügen sich nahtlos ein. Alle freuen sich über den gemeinsamen Skitag und genießen die - für die Region - guten Bedingungen. In der Warteschlange der Lifte lässt man sich gegenseitig vor und es murrt auch niemand, als sich Kinder während des größten Andrangs rund 10 Bügel vordrängeln.
Unter den Anwohnern spürt man eine Leichtigkeit und positive Energie. Nach der furchtbaren Flut – deren Folgen bei vielen noch immer nachwirken – findet man beim Skifahren für einige Stunden endlich in eine zwanglose Normalität zurück.
Nach ein paar Fahrten ist das gastronomische Angebot in der Werkstatt bereit: Kaffee, Glühwein, Krümeltee und heiße Würstchen mit Brötchen an Stehtischen und Heizstrahlern. Mehr braucht es gar nicht, um diesem gelungenen Vormittag das Krönchen aufzusetzen.
Nach der Stärkung gehts nochmal einige Runden bergauf.
Die Anfängerquote ist hier übrigens auffällig gering. Und so gibt es keine Dramen auf den Pisten. Man merkt, dass hier weniger Flachlandtouristen und mehr die Einheimischen unterwegs sind, wie hier auf der roten 2. Der fehlende Skiverleih hält zudem Anfänger ohne eigene Ausrüstung fern.
Noch hielt sich das Licht in der Trasse. Es war dann aber bald so schnell wieder weg, wie es gekommen war.
Den Kurzbügler bin ich auch einige Male gefahren. Hier hatte sich die Sonne dann bereits schon wieder verabschiedet.
Gute Sicht herrschte dafür jetzt auf der blauen 1. Skifahren zwischen Laubbäumen: Da weiß man, dass man im Mittelgebirge ist.
Im Mittelteil ist die Piste eine Autobahn mit ansprechendem Gefälle.
Nach dem Mittag wird es nochmal voller und meine Punktekarte hat 20 Löcher. Was tun: Den Tag beenden, wenns am schönsten ist? Oder doch noch die 60 Minuten zum zweiten geöffneten Gebiet fahren? Dort würde ich jetzt kaum noch so gute Bedingungen wie am Morgen vorfinden. Andererseits, wenn man schon mal in der Gegend ist...
Abschied aus Jammelshofen. Die Betreiber dürften mit dem weiteren Verlauf noch zufrieden gewesen sein.
Das Interesse am Wintersportgebiet war nämlich sehr groß, alle Parkplätze besetzt.
Die Zufahrtstraße ebenso.
Skigebiet Wolfsschlucht, Prüm
Natürlich bin ich dann noch weiter nach Prüm gefahren. Eine Stunde Fahrt (ohne Verkehr) für 65 Kilometer ist man als Großstädter nicht gewohnt. Außer, die A40 ist mal wieder dicht.
Die Anfahrt führt vorbei am Nürburgring und quer durch die verschneite Eifel.
Der Skilift Mäuseberg in Daun war leider geschlossen, der hätte noch auf dem Weg gelegen. Wie es dort aussieht, und was es an Skiliften noch in der Eifel gibt und gab, hab ich mir im April 2021 angesehen: viewtopic.php?f=49&t=65555
Kurz vor dem Parkplatz Wolfsschlucht ist mein Vordermann fast in einen Wildunfall verwickelt. Das erste Reh ist noch vor ihm über die Straße geflitzt, das zweite hat es sich zum Glück kurzfristig anders überlegt und den Tag dadurch überlebt. Nach der Reifendruckwarnung der zweite kurze Schockmoment des Tages. Was man alles für das moderne Story-Telling über sich ergehen lassen muss...
Auch hier ist sehr viel los. Aber die ersten Skifahrer machen sich auf die Heimreise und ich finde schnell einen Parkplatz. Es sind aus der Eifel, dem Rheinland und dem Ruhrgebiet sowie Belgien viele Kennzeichen vertreten – und somit hört man auch unterschiedliche Dialekte und Akzente unter den Gästen. Das war ganz amüsant.
Lift und Piste liegen etwas im Wald versteckt. Der Fußmarsch ist ein gutes Aufwärmprogramm.
Die Kasse ist an der Talstation und so kann man erst einmal die Piste testen.
Die ist im unteren Teil in keinem guten Zustand mehr. Klar, der letzte Schneefall ist einige Tag her und hier tummeln sich bereits seit 4 Stunden viele Skifahrer. Das benachbarte Skigebiet Schwarzer Mann ist geschlossen und auch auf belgischer Seite ist nicht alles geöffnet. Daher fehlen die Alternativen und alles tummelt sich hier.
Die Anfängerquote ist hier hoch und somit eine zusätzliche Belastung für die Piste.
Und auch die Wartezeiten sind zunächst nicht ohne. Das liegt aber daran, dass diejenigen, die noch ihre Punktekarte kaufen, den anderen mit Karte den Zugang zum Einstieg versperren. Da könnte man den Durchgang vor der Hütte etwas verbreitern.
Unten sind Lift und Piste recht steil, oben dann flach. Für Anfänger ist das hier nicht geeignet, denn es gibt nur die rote Direttissima.
Ersichtlich auch auf diesem schönen Pistenplan von McMaf. Die gestrichtelte blaue 2 hat man offensichtlich aufgelassen.
Fun Fact: Das ist für mich die erste DM-Anlage, die ich in der Region gefahren bin - nach Hasenclever (DSB Altenahr), Leitner (SL Weißer Stein, Hellenthal), Stemag und PHB (SLs Schwarzer Mann 1 & 2, Prüm sowie Hohe Acht 1, Jammelshofen), PWH (Hohe
Acht 2, Jammelshofen) sowie Seba (Rodellift Daun). Ein kurioser Hersteller-Mix, den es so wohl kein zweites Mal gibt.
Mittendrin liegt die Skihütte. Da ich von der Bockwurst noch gut gesättigt war, hab ich die mal ausgelassen.
Bei der ersten Auffahrt zufällig mit einem inaktiven Alpinforumler geliftelt. Gruß an dieser Stelle.
Lang bin ich dann nicht mehr geblieben, dafür war mir mein Material zu schade. Ein paar Motive habe ich noch eingefangen.
Sieht gemütlich aus. Die Theke an der Piste gefällt mir - steht nur die falsche Biermarke drauf.
Der obere Pistenteil hui.
Der untere pfui.
Bei der eigentlich letzten Bergfahrt bekam ich vom Liftler eine Anfängerin mit auf den Bügel. Nach wackligem Einstieg ging es eigentlich ganz gut voran, bis sie dann plötzlich hier an Stütze 2 ins Straucheln kam. Tja, was soll ich sagen: Ich bin dann (mit ihr) nach vielen Jahren mal wieder aus dem Lift gefallen.
Sowas gibts auch nur im Mittelgebirge...
Letzter Blick auf den Hang, danach gings für mich heim. Die beiden Schneekanonen, die man hier hat, haben da leider nicht für gute Verhältnisse ausgereicht.
Gleich rechts der letzten Stütze gibt es eine Abkürzung zum Parkplatz (das ist der oberste Teil der blau-gestrichelten Piste auf McMafs Pistenplan).
Mit leichtem Anstieg erspart man sich hier den etwas längeren Fußmarsch über den Wanderweg.
Zurück am Parkplatz. Die Wolfsschlucht war nicht der krönende Abschluss, einen tollen Skitag in der Eifel hatte ich trotzdem. Die Heimfahrt gestaltete sich dank WDR2-Bundesligakonferenz kurzweilig - während sich die Autofahrer im Rückreiseverkehr im Sauerland gestapelt haben.