Wegen der außergewöhnlichen Schneefälle in Norddeutschland in der zweiten Januarwoche 2026 erlaube ich mir, hier ein Schneesituationstopic "Norddeutsche Tiefebene 2025/26" zu eröffnen.
Von der weißen Pracht mit 30 cm Schneehöhe hätte ich als Wahlbadener nichts mitbekommen, wenn ich mich nicht in genau der Woche bei meinem Vater in Hannover aufgehalten hätte. Vermutlich hat das Schneetief "Elli" der norddeutschen Tiefebene die ergiebigsten Schneefälle seit der Schneekatastrophe im Winter 1978/79 spendiert, seinerzeit war es allerdings ein halber Meter und mehr, der außerdem noch stärker verweht wurde. Damals bauten wir als Kinder Schneehöhlen in den Verwehungen, die selbst im Stadtbereich zwei Meter Höhe erreichten. Dafür reicht es diesmal nicht ... erfreulicherweise, denn dafür ist das norddeutsche Flachland nicht gerüstet.
Aber es ist für die lokalen Verhältnisse sehr viel Schnee. Und der wird selbstverständlich auch in der norddeutschen Tiefebene für wintersportliches Vergnügen genutzt. Liegt schon mal so viel Schnee, ist die Bevölkerung aus dem Häuschen, entstaubt Rodelschlitten und ähnliches Gerät und macht sich auf die Suche nach einem Hang. Und hier entsteht die Herausforderung, denn die norddeutsche Tiefebene heißt nicht umsonst so. Wem in Hannover ein Bahndamm oder ein Hügelchen im Park nicht reicht, der fährt bei Schnee zum Kronsberg im Südosten des Stadtbereichs. Während Hannover auf der bescheidenen Meereshöhe von 50 m liegt, erreicht der Kronsberg die gigantische Höhe von original 104 m ü.M., und zur Expo 2000 wurde auf dem kühnen Höhenzug gar ein Aussichtspunkt aufgeschüttet, so dass es nun 118 m u.M. sind. Der Hannoveraner erstarrt vor Ehrfurcht.
Im Ernst: Wohl kaum in der Nähe existiert ein solches Angebot an langen, kurzen, steilen und flachen Rodelhängen, zumal für den künstlichen Expo-2000-Hügel an dessen Fuß eine Aushubgrube entstand. Vom künstlichen Hügel lassen sich bis zu geschätzt 50 Höhenmeter hinunterrodeln, fahren oder-was-auch-immer. Der Hannoveraner weiß es zu schätzen. Und so vermochte ich an diesem Besuchsnachmittag vor Ort zunächst nicht einmal einen Parkplatz zu ergattern. Der Hochnebel war mittags unangekündigt Sonnenschein gewichen, und bei -4°C erfreuten sich rund um den Hügel geschätzt 1000 Besucher der weißen Pracht. Mit Ortskenntnis bekam ich einen Parkplatz im benachbarten Wohngebiet, und los ging der Spaß.
Auf dem Kronsberg erfreuen sich bei Schnee Alt und Jung, Familien, Rentner, Einheimische, "Zugereiste" etc ... die Sprachenvielfalt ist erstaunlich. Alle haben Spaß miteinander, Schnee verbindet. Der supermarktkassenschlangengewohnte Großstädter stellt sich auf der Kuppe brav in die Warteschlange für die besten Rodelstrecken, man staunt. Aber der Hügel auf dem Kronsberg hat viel Platz für Alle und bedient gleichzeitig geschätzt 15 nebeneinander gelegene Rodelstrecken. Ein paar Freaks trugen Kanus (!) zum Zweck des Herunterrutschens auf den Hügel, und ein, zwei Personen hatten gar Skier dabei. Letztere werden eher wenig Freude daran gehabt haben, um die vielen Rodler herumzufahren.
Mir hat der Besuch hier oben viel Spaß bereitet und ich habe mich sehr gefreut, dass es so was noch gibt und dass so viele Menschen das erleben durften. Leider wird die weiße Pracht schon sehr kurzfristig wieder Tauwetter weichen.