Ich bin beinahe jedes Jahr in Nepal zum Trekking. 2024 bin ich um den Kangchenjunga, den dritthöchsten Berg der Erde gelaufen. Das war durchaus einer meiner abenteuerlicheren Treks, wenn auch viele Unannehmlichkeiten dem Wetter geschuldet waren. Im Kontrast dazu, hab' ich es letztes Jahr ein wenig ruhiger angehen lassen und mir einen etwas gemächlicheren Trek ausgesucht: Zusammen mit vier Freunden aus der Heimat und zwei aus Nepal sollte es in's Tal von Nar und Phu gehen.
Nar und Phu sind zwei ziemlich kleine Dörfer auf halbem Weg zwischen dem Annapurna Himal und der Grenze zu China. Das besondere: Das Tal ist von Tibetern bewohnt und ist nur zu Fuß und auch nur über zwei Wege zugänglich: entweder durch eine enge Schlucht (an einigen Stellen quasi eine Klamm), oder über einen 5300 Meter hohen Gebirgspass. Ohnehin nicht sonderlich bequem kommt dazu, dass die Klamm im Sommer durch den Monsun oft komplett überflutet und die Wege dort regelmäßig weggeschwemmt werden (oder zumindest immer wieder wurden) und wiederum im Winter der Pass wegen Schnee oft nicht passierbar ist. Entsprechend wenig Kontakt gab es historisch daher mit dem Rest von Nepal. Für Touristen war der Zugang zum Tal bis 2003 schlicht komplett verboten. In den letzten 20 Jahren sind die Wege nach Nar und Phu aber konsequent ausgebaut worden und nun präsentiert es sich als ein wunderschönes, fast schon kitschiges Stück Tibet, außerhalb von China, das von jedem mit ausreichend Zeit und Fitness erwandert werden kann.
Wie so oft beste Bergsicht wärend des Landeanfluges
Diese Bild hier, sieht ebenso aus, als wäre es während des Landeanflugs aufgenommen worden, ist aber tatsächlich von der Dachterasse des Hotels in Kathmandu
In Kathmandu haben wir dann meinen Freund Sukra eingesammelt, der auf der Tour unser Guide sein sollte. Dieser Trek ist nämlich nur in Begleitung eines lizenzierten Guides erlaubt, da es sich um eine sog. Restricted Area handelt. Außerdem habe ich mir dieses Mal zum ersten Mal einen Porter angeheuert, der für die nächsten zwei Wochen das zweifelhafte Vergnügen hatte meinen Rucksack durch den Himalaya zu wuchten. Ferner wurden natürlich örtliche Brauerzeugnisse verkostet.
Bharasinghe ist sehr zu empfehlen!
Morgens beim Beladen des Jeeps
Die Abreise aus Kathmandu erfolgte dann pünktlich bei Sonnenaufgang. Die Fahrt ins Örtchen Koto sollte ganze 11 bis 12 Stunden dauern. Die ersten 2/3 der Strecke (und ca. 1/2 der Fahrzeit) fanden dabei auf überraschen guten, geteerten Straßen statt, das letzte Drittel war dafür umso schaukeliger.
Die Straße nach Besisahar war für nepalesische Verhältnisse geradezu himmlisch in Schuss.
Die Straße von Besisahar nach Koto dann allerdings nicht.
Wir kamen dann auch erst nach Sonnenuntergang in Koto an. Außer Abendessen und in's Bett gehen war dann nicht mehr viel geboten. Der Sonnenaufgang (auch wenn es uns im dunklen Tal nicht direkt betroffen hat) war dann allerdings vielversprechend.
Die Sonne scheint zuerst die knapp 8000m hohe Annapurna II an, wärend in Koto (2600m) noch alles finster ist.
Nicht nur die Berge, sondern auch das lokale Federvieh weist durchaus imposante Dimensionen auf. Und gute Nerven. Ich konnte mich dem Geier hier bis auf ca. 2 Meter nähern, bis er mich böse angeschaut hat.
Und so machten wir uns von Koto aus auf den Weg in die anfangs angesprochene Schlucht, an deren oberem Ende, 8 Stunden weiter nördlich, ein paar Gasthäuser in einem Weiler namens Meta auf uns warteten.
"Mittelgebirgspanorama" (so ein Mittwanderer) auf 2800m
Man wandert teilweise hinter Wasserfällen hindurch
Meta auf 3600m
Durchaus fertig nach 1400m Anstieg erreichen wir dann zum Sonnenuntergang Meta. Einigen von uns war da durch die Höhe und die Anstrengung tatsächlich etwas schwummerig. Die nächsten beiden Tage waren aber in der Planung schon als wesentlich kürzer und einfacher vorgesehen. Zum einen um uns etwas zu erholen. Zum anderen um nicht viel weiter aufzusteigen, ohne Zeit zu haben sich an die Höhe anzupassen.
Tag 2 führt uns von Meta durch einen wesentlich breiteren und wesentlich weniger grünen Abschnitt des Tals bis Kyang.
Das ehemalige Mittelgebirgspanorama "schaut jetzt aus wie irgendwo in Kroatien" (so bereits erwähnter Mittwanderer)
Und ja, es hat tatsächlich etwas mediterranes.
Abgesehen von den Gletschern im Hintergrund
Blick zurück zur Annapurna II
Chakyu, eine größtenteils verlassene Khampa-Siedlung; Khampas waren tibetische Freiheitskämpfer, die teilweise nach Nepal ins Exil mussten und sich in Tälern wie diesem angesiedelt haben
Abermals ein Blick zurück; ganz im Hintergrund immer noch die Annapurna II, davor der Pisang Peak
Kyang, Zielort von Etappe 2
Verfallene Kampa-Häuser in Kyang
Etappe 3 war dann wieder eine relativ einfache. Von Kyang ging es in einem guten halben Tag bis ins 4050m hoch gelegene Phu. Dem ersten großen Highlight der Tour.
Blauschafe; leider gezoomt und daher matschig
Der Weg nach Phu; oben in der Bildmitte das Eingangstor des Dorfs
Eine ehemalige Burg in der Nähe des Dorfs in einer Engstelle im Tal.
Blick zurück: der Weg von der Burg (rechts im Bild) in Richtung des Dorfs
Chorten (buddhistische Schreine) am Weg
Phu ("Fu") ist in Terassen um den Hügel herum und dann weiter links danaben (nicht mehr im Bild) in Amphitheater-Form in den Hang gebaut; auf der Spitze des Hügels steht die Gompa.
"Ortskern" von Phu
Tibetische Dorfromantik
Phu von oben
Buddha frisch gestrichen
Wir bleiben zwei Nächte in Phu. Das nennt sich Ruhetag. Ausruhen tut man sich am Ruhetag allerdings nicht, sondern man steigt möglichst hoch auf, um damit die Akklimatisierung zu unterstützen... und dann wieder ab. Air haben uns als Akklimatisierungsausflug an Tag 4 den Gurusangbo Aussichtspunkt ausgesucht.
Die Pferde und Yaks an den Hängen um das Dorf sind nicht wild, dürfen sich aber frei bewegen.
Der Aufstieg war atemberaubend.
Endlich oben!
Blick hinunter aufs Dorf
Blick nach Osten zum Himlung Himal. Links ein Gletscher.
Etappe 5 bringt uns dann von Phu aus wieder einen ganzen Tagesmarsch das Tal hinunter. Davon gibt es keine Bilder, denn es ist der gleiche Weg wieder zurück. Übernachtet wird in einem Gästehaus, das zu einem Tibetischen Kloster gehört.
Das Kloster von Nar Phedi
Speisesaal der Klosterherberge
Vom Koster Nar Phedi aus steht und an Tag 6 ein kurzer, aber sehr steiler Auftieg zum Dorf Nar bevor.
Aufstieg nach Nar, im Hintergrund der Pisang Peak
Jene Yaks halten ihre BEgeisterung ob der Landschaft vornehm zurück.
Yaks, Gebetsfahnen und Berge... Kitsch.
Ein großer Chorten. Oder eine kleine Stupa?
Eine Mani-Mauer. Auf den Steintafeln sind Gebete aufgemalt und eingremeißelt.
Kann das nicht sicher verifizieren, aber könnte gut sein.
Unsere Lodge in Nar. Für die Höhe wirklich sehr komfortabel!
Speisesaal der Lodge
Ein Gästezimmer der Lodge
Das zweite große Highlight: Das Dorf Nar
Auch wenn es von außen den Anschein hat, dass es hier nur graubraune Steinhaufen gibt: Zwischen den Häusern spielt sich einiges ab. Es gibt sind sogar kleine Gemüsegärten zu finden...
...und gut gepflegte Sakralbauten...
...und die örtliche Fauna.
Nach einem super Nachmittag im kitschigen Nar, geht es am nächsten Tag schon vor Sonnenaufgang los. Es wartet des dritte große Highlight: Der Kang La Pass! Wie eingangs erwähnt die zweite Verbindung zur Außenwelt und über 5300 Meter hoch.
Vor Sonnenaufgang ist es auf 4400 Metern verdammt kalt.
Sobald die Sonne rauskommt wirds besser.
Blick zurück: Die ersten paar Stunden des Aufstiegs sind noch sehr flach. Ab dieser kleinen Pause wurde es dann wesentlich steiler.
In der Bildmitte Kang Guru, rechts daneben der 8000er Manaslu und Fast-8000er Himal Chuli.
Man geht ein paar Schritte, ist völlig fertig, erholt sich dann, geht wieder ein paar Schritte und ist wieder völlig fertig.
Dieses Kar liegt ca. 150 Höhenmeter unterhalb der Passhöhe.
Die dunkle Linie im Schnee ist der Weg. Etwas rechts der Bildmitte kann man mit etwas Fantasie die Gebetsfahnen der Passhöhe erahnen.
Oben!
Passhöhe
Blick von der Passhöhe aus nach Süden auf die knapp 8000m hohe Annapurna II - gut erkennbar an ihrem Gesicht (Bildmitte)
Die Südrampe des Kang La mit dem kompletten Annapurna Himal auf der anderen Seite des Marsyandi Tals. Foto von ca. 5000m, Talboden auf ca. 3300m, Annapurna I rechts gute 8000m
Wer weiß wo man suchen muss, findet sogar die trapezförmige Spitze des 8000ers Dhaulaghiri (rechts der Bildmitte ganz im Hintergrund)
Das Berühmte Annapurna II-Gesicht mit Schnurrbart
Ankunft im schönen, bunten Dorf Ngawal nach 1400m Aufstieg und 1700m Abstieg
Im Marsyangdi Tal liegt der (ehemalige) Annapurna Circuit. Die Lodges dort sind daher erstklassig!
Ebenso die Nahrungsmittelversorgung
Mit der Überschreitung des Kang La, dem dritten großen Highlight der Tour, hatten wir das Nar Phu Tal hinter uns gelassen. Wir waren aber nicht nicht ganz fertig, sondern haben noch zwei Bonus Etappen eingeplant. Von Khangsar im Marsyangdi Tal aus, wollten wir zum 5000m hohen Tilicho Lake - dem höchsten See der Welt seiner Größe - aufsteigen. Der Trek ist allerdings aufgrund seiner kürze, guten Erreichbarkeit und weil man dazu keinen Guide braucht, extrem beliebt.
Start des Tilicho Lake Trek in Khangsar - Menschenmassen im Vergleich zum Nar Phu Trek
Der Weg zum Tilicho Base Camp...
...führt teilweise durch mehrere Erdrutschgebiete.
Die großen und modernen Lodges im Tilicho Base Camp
Zum See ging es dann wieder vor Sonnenaufgang los. Es war natürlich wieder empfindlich kalt. Die beiden rechten Berge ganz hinten sind abermals Manaslu und Himal Chuli. Der eine über, der andere knapp unter 8000m.
Der Tilicho Lake auf rund 5000 Metern Höhe. Links im Bild die Gletscher der Grand Barriere, direkt in den See brechen.
"Außerirdische" Landschaft in der Nähe des Sees...
...und noch ein letztes Bild vom Abstieg.
Und damit waren wir dann auch durch. Wir sind an einem Tag zum See hoch und dann von Dort wieder komplett runter und zurück nach Khangsar. Ein letzter Kraftakt und dann waren wir mit der Tour auch durch.
Und falls ihr das ganze gerne in bewegten Bildern sehen würdet: Ich habe zu unserem Trek ein paar Videos geschnitten und auf Youtube hochgeladen. Die Videos sind zwar auf Englisch, haben aber handgeschriebene Deutsche Untertitel.
Also wer mag, schaut gerne hier:
Und wer zu diesem Trek, oder zu jedem anderen Trek in Nepal noch fragen hat: ich kenne mich mittlerweile ganz gut aus und geb sehr gerne Auskunft!