Dieses Mal wollte ich mit ihm das Gebiet "Ballon d'Alsace" ausprobieren- das wohl flachste Gesamtgebiet in den Vogesen. Immerhin sind hier an 4 LIftanlagen grüne Pisten vorhanden, die eine "1 1/2-Skischaukel" bilden. Zusätzlich noch zwei steilere Pisten für den Papa für zwischendurch.
Also ab zum oberhalb Seewen gelegenen Gebiet. Die Anfahrt über 1:24 h ab Lörrach verlief problemlos, in der Oberrheinebene aber komplett im Nebel. Beim steilen Aufstieg hinter Seewen mit zahlreichen Haarnadelkurven erreichten wir dann aber irgendwann die Sonne - blauer Himmel, unten ein "Wattebett" und Fernsicht - so soll's sein!
Das Gebiet verfügt über 3 Einstiegspunkte mit Parkplätzen: Langenberg, Gentiane und La Chaumiére/Redoutes. Wir wählten ersteren, es war auch der erste aus unserer Richtung. Nur ca. 100 m vom Lift entfernt auf etwas gleicher Höhe ging das - von den Parkplätzen unten an der Straße wäre das schon etwas anstrengender geworden...aber es war sehr wenig los!
Karte Skigebiet (Quelle: mapy.cz -> Winterkarte):
Kurze Beschreibung:
Das Gebiet wirbt mit 10 Liften, effektiv sind es eigentlich 6, ein weiterer (Mannheimer) vorübergehend stillgelegt, der "Grand Langenberg" war und ist wohl regelmäßig nicht in Betrieb (vermutlich abgerutschte, unfahrbare Piste mangels Schnee), ein weiterer ist das Förderband als Rückbringer vom "Écureuil" und Nummer 10 der Seillift im Anfängerpark an der Gentiane. Es gibt 3 bediente "Gipfel", 5 Bergstationsbereiche und einem Höhenunterschied von maximal 323 m. Die KSSL sind im Schnitt um die 500 m lang, ebenso die Abfahrten. Es gibt 2 Restaurants und 2 Kioske mit Außensitzplätzen, 2 Skiverleihe und Kassen an der Gentiane und am Langenberg. Parken ist gratis und überall möglich - teils mit etwas Laufen. Achso: natürlich haben 2 der KSSL Kurven - sonst wäre es kein ECHTES KSSL-Gebiet
...weiter geht's:
Ab zur Kasse, rudimentär in einem Container, 42 Euro für uns beide für den Tagesskipass Gesamtgebiet - unschlagbar. Der Skipass kommt OBWOHL elektronisch erstellt - anders als erwartet - nicht auf eine Skidata-Karte, sondern auf eine Plastikkarte, die man mit Kabelbinder an einem Reißverschluss-Zipper links an der Jacke befestigt. Das ist fast wie in den frühen 90ern mit den Gummibändern
Demzufolge gibt es auch keine Kartenleser, Drehkreuze oder Ähnliches - der Liftboy ist das Lesegerät!
Schon zum Einstieg lockt das who-is-who der Berner Alpen:
Wir schnallen die Ski an und begeben uns zum KSSL "Petit Langenberg", der gar nicht so "petit" ist. Das Gebiet ist zwar nicht unbedingt für lange Liftanlagen und Pisten bekannt, aber dieser ist mit seinen gut 450 m einer der längeren:
Angekommen auf der Tête de Redoutes (1139m) - diese ist das Drehkreuz des Gebietes - man kann zu 3 Seiten abfahren. Der Kronplatz en petit sozusagen
Wir fahren als erstes die Piste "Petit Langenberg" wieder hinab, unten Nebelmeer, ganz hinten der Schwarzwald (Screenshot aus Video):
Anschließend geht's wieder raus und hinunter zur Front de neige an der Gentiane, DEM zentralen Punkt des Gebietes. Die Piste hier samt Lift ist vor gut 15 (17?) Jahren als Verbindung der Teilgebiet Gentiane und Langenberg entstanden - mitsamt Brücke für Piste und Lift über die Hauptstraße (Screenshot aus Video):
Dazugehöriger KSSL "Bruyère" (Screenshot aus Video):
Dann ging's wieder runter bis zum KSSL "Grand Gentiane" - nicht allzu "grand", aber etwas steiler. Zudem mit Fachwerk-Talstation wie auch die "Petit Gentiane"-Lifte nebenan:
Blaue Piste "Grande Gentiane", relativ eisige Sache:
Wieder oben, geht's nochmal zum KSSL "Bruyère" und anschließend schon zum Essen. Schön, dass es hier kleine Skihütten direkt an der Piste gibt:
Wunderbar, dieses Flair, das ich so in Frankreich noch nicht erlebt habe, mir aber sehr französisch vorkommt. Leute, die im Jogginganzug oder in Leggings Ski fahren. Dazu ein paar Fußgänger, die sich für sehr schön halten, Familien, Omas und Opas - und mittendrin die Betreiberfamilie, die mal in der Skihütte hilft und dann wieder auf der Piste ist. Dazu faire Preise. Nutella-Crêpe zu 3,50 Euro hab ich noch nirgendwo gesehen:
Auch die 1,50 Euro für den halben Liter Mineralwasser finde ich fair (im Schwarzwald zahlt man dafür gern gegen 5 Euro, andernorts in F allerdings auch):
Und nach dem "dry january" gibt's nun auch das erste gezapfte Bier - das zischt so richtig:
Wir wählen - da Hotdog ausverkauft - Panini mit Kartoffelscheiben, Münsterkäse und Kochschinken (in der Realität sind es eigentlich Baguettehälften, die im Kontaktgrill erwärmt wurden). Gar nicht mal so übel:
Dazu die geilsten Pommes diesseits des Äquators:
Interessant hier auch die WC-Anlage im Gartenhäuschen
Wieder auf den Ski, ging es wieder auf die Gentiane-Ebene. Hier bei den "Petite Gentiane"-Liften, zwei parallele KSSL mit ebenso Fachwerk-Stationen und fliegender Umlenkscheibe, die jeweils an einem eigenen Gittermast befestigt ist - Liftspezialitäten!
Nachdem wir wieder zur Tête des Redoutes gewechselt sind, soll es nun mal eine blaue Piste sein - wir fahren "hinten runter" auf der "Tourtet" zum gleichnamigen KSSL. Relativ steil sogar hier - und extrem kurz. Lift und Piste haben so 200 bis 250 m Länge:
Wieder auf der Tête des Redoutes - Alpenblick à la perfection - gegenüber die Gentiane-Hochebene:
Bergstation KSSL "Bruyère":
Das Erstaunliche hier: man fährt zwischen Laubbäumen Ski. Ist für mich in den Vogesen eher unüblich. Und dass ausgerechnet auf dem wohl oft windigen Gipfel zwei Baumgruppen überleben - auch bemerkenswert:
Mein Sohn gönnt sich eine kleine Pause - ich mir die einzige offene rote Abfahrt zum KSSL "Ecureuil" ("Eichhörnchen"). Eigentlich sind es 2 Pisten, eine links, eine rechts des Lifts. Von Trassierung und Gefälle her sind sie praktisch identisch. Sie sind doch respektabel steil und im Falle der Piste "Ecureuil" sehr vereist/abgerutscht. Ich wechsle also quer über die Lifttrasse auf die parallele "Stade de slalom" - hier ist die Sonne hingekommen und so ist das Ganze wenigstens halbwegs fahrbar, die Steile kommt gar nicht so raus im Foto:
KSSL "Ecureuil", der hat es in sich. Noch in der Talstation gehts bereits in die Steigung - entsprechend gibt's den mega-Katapultstart mit Freiflug auf Flughöhe 20 cm:
Schnell wieder weg hier! Per Schiebestück und Seillift geht's zurück zum KSSL "Petit Langenberg". Wieder oben angekommen - das Panorama reicht hinüber zum Schwarzwald, ganz links dabei ist der (Schwarzwälder) Belchen zu erkennen:
Wir kehren nochmal auf einen Kaffee/eine Waffel ein - oben am Gipfel der Tête des Redoutes, der Kiosk hier heißt passenderweise "Vue des Alpes" (Alpenblick). Der Blick reicht bis zum Montblanc, auf dem Foto nicht zu erkennen. Auch hier Gelassenheit, man trinkt, redet, genießt - ganz anders als im eher sportlichen Le Markstein beispielsweise:
Dann gab's noch ein paar Wiederholungsfahrten an den grünen Pisten. Meinem Sohn hat's super gefallen, da es ihn nirgendwo überfordert hat und das eher sanfte Gelände mit den Bäumen drumherum kaum Angst macht. Tiefblicke gibt's zudem auch nicht wirklich.
Für wen eignet sich das Gebiet also?
- für Genießer
- für eher nicht so gute Fahrer
- für Familien
- für Angsthasen
- für Leute mit Höhenangst
Die schwarze Abfahrt im Gebiet war samt Lift übrigens gesperrt, auch der Bereich "Mannheimer" war zu - der Lift hatte auch nicht mal montierte Stangen in der Station. Das ist dann also mehr oder weniger LSAP?! Hätte man aber eh nur mit längerem Schieben erreicht.
Wir kommen vermutlich irgendwann mal wieder. Für mich ist es hier (außer auf der roten Piste) fast zu flach und zu kurz und zu unspektakulär. Dass aber JEDER Lift hier Katapultstarts garantiert (in Le Markstein sind sie dagegen fast immer super-sanft), dass mein Sohn hier Spaß hat, die Skihütten mit sehr zivilen Preise - das gleicht das Ganze aber wieder ein ganzes Stück aus! Hier ist eben mehr "savoir-vivre" als "faire du sport"