Hagenberglift | 13.01.2026 | Hatte ihn schon aufgegeben

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vovo
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Hagenberglift | 13.01.2026 | Hatte ihn schon aufgegeben

Beitrag von vovo »

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Etwa 15 Jahre lang wartete ich auf einen Ausflug zum Hagenberglift - einem knapp 1.200 m langen Kurvenschlepper in Vorarlberg nahe der Grenze zu Bayern. Vollkommen abgelegen irgendwo unterhalb von Sulzberg kommt der Lift aus einem tiefen Tal herauf, gerade einmal auf 600 Höhenmetern startend. Die Umlenkung unten in der Siedlung Thal liegt derart im Abseits, dass man an der Bergstation parkt, wenn man zum Lift will.
Sicher war die Höhenlage der Hauptgrund, warum es oft nicht geklappt hat. Die letzten Jahre aber schien der Lift gar nicht mehr in Betrieb gewesen zu sein und vor Ort wurde irgendwas von 2020 geredet, seit sich das letzte Mal die Bügel um die Kurve bewegt hätten. Ich hatte in den letzten Jahren schon den Mut verloren und befürchtet, diesen herrlichen Lift nicht mehr fahren zu können. Aber im Gegensatz zum steilen Schlepper in Dalaas oder dem langen SL Laas in Kötschach-Mauthen kam ich beim Hagenberglift dem LSAP-Virus zuvor.
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Dass der Hagenberglift doch noch nicht LSAP ist, stellte sich am Wochenende zuvor heraus, Ich sah auf der Homepage nach und fiel fast vom Stuhl, als sie Liftbetrieb angekündigten – wenn auch erst am Montag, den ich leider beruflich in München verbringen musste. Doch dann ergab sich für den Dienstag ein Zeitfenster. Leider hatte sich – wie so oft in den letzten Jahren – nach dem Schneefell SOFORT wieder Wärmeeinbruch mit schneefressenden Niederschlägen eingestellt. Ich rief beim Liftbetreiber an, aber der versicherte mir, während der regnerische Montag draußen schon wegdämmerte, dass trotzdem noch genügend Schnee läge. Am Dienstag sollte der Lift in Betrieb sein. Die befürchteten Glatteiswarnungen aufgrund des Regenwetters waren gering bzw. in Österreich nicht vorhanden und so entschied ich mich noch für eine Tour am Dienstag. Ich hektischer Vorfreude organisierte ich mir den Urlaubstag und packte meine Sachen.

Allerdings öffnete der Hagenberglift erst nachmittags und auch der Leiterkurzbügler in Simmerberg sollte am Vormittag noch nicht laufen. So beschloss ich, dem Luggi-Leitner-Lift in Scheidegg einen Zweitbesuch abzustatten, denn ihn warfen sie schon in der Früh an.

Es ging dann auch mit den Straßenverhältnissen trotz dem Regen vom Vortag. Richtung Westen hin herrschten bessere Wetterbedingungen als im Osten. Ich fuhr bis kurz vor Lindau und kurvte dann auf der Bundesstraße Scheidegg entgegen, den Parkplatz leer vorfindend. Ich lief extra vorher noch ein Stück Richtung Lift, um mich zu vergewissern, dass er wirklich in Betrieb war. Die Kurzbügel bewegten sich und die Dieselabgase stiegen in die frische Bergluft – also zurück über den zugefrorenen Boden zum Auto und rein in die Skischuhe. Am Grenzbach entlang lief ich dann zum Luggi-Leitner-Lift, der gerade noch so in Bayern verläuft.

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Beim Kauf der Liftkarte erst einmal ein freundlicher Ratsch – so was finde ich auch immer sehr nett. War ja außer mir und dem älteren Herrn keiner da. Erst oben an der Bergstation sollte ich den anderen Skifahrer dieses 1:2-Gebiets antreffen (1 Lift – 2 Skifahrer müssen ihn sich teilen ;) ).
Der Mann von der Kasse rief mir noch nach, ich könne die Bügel bestimmt selbst fangen. So startete der Tag schon mal sehr gelassen.
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Die Piste ist flach, dafür die Aussicht weit und die Bügel kurz. Dazu alles menschenleer. Zumal der andere Skifahrer nach einer Stunde wieder aufhörte und ich die weitere Stunde in Scheidegg der einzige Gast war.
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2021 hatte ich hier im Dezember meinen ersten Skitag nach Corona verbracht. Damals freute ich mich erst recht über diesen netten, 900 Meter langen Kurzbügler.
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Einmal stieg ich bis zum obersten Punkt des Höhenzugs, denn der Lift endet ein paar Meter unterhalb davon. Von oben aus sieht man ins südlich angrenzende Nachbartal hinab – hier die Siedlung Thal, von der aus der Kurvenschlepper Hagenberg startet.
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Die Talstation konnte man nicht einsehen, wohl aber die Kurve und oben das Häusl, in dem sich der Antrieb befindet und wo ich später dann auch mit dem Auto parken sollte. Gott sei Dank habe ich nicht die Anfahrt nach Thal gewählt, denn bei Streetview kann man sehen, dass es sich um eine schmale Bergstraße handelt, der vermutlich nach dem Regen hölleglatt war.
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Hier sieht man das Vorarlberger Sulzberg – unterhalb der Kirche verläuft noch ein kurzer Tellerlift, den ich aber eher mal ansteuere, wenn ich mit meinem Sohn fahre. Auf der Südseite von Sulzberg (hier das ist die Nordseite) hat es mitten am prallen Sonnenhang in den 70ern sogar auch mal einen Schlepplift gegeben...

https://pid.volare.vorarlberg.at/o:18101

Kein Wunder, dass der wohl schon Ende der 70er LSAP war – genau wie der Südhanglift zwischen Mandling und Gleiming im Ennstal.
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Zoom nach Oberschwaben – ist das nicht die Waldburg? Ich musste an den Bauernjörg denken, der einst von dieser Gegend aus seine Metzeltouren gegen aufsässige Bauern in Süddeutschland unternahm.

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Zoom nach Wangen – im Vordergrund sieht man noch die Ausläufer der Alpenvorlandhügel, im Hintergrund türmt sich der Beton.
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Eine Stunde hatte ich ihn für mich allein – das hat mich sehr gefreut. Aber ich freute mich dann noch mehr auf den Hagenberglift.
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Noch ein paar Aufnahmen von der Talstation – vermutlich beobachtet vom freundlichen Kassierer. Ein nettes Kleinod da hinten, oben bei Scheidegg.
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Links der Talstation beginnt schon Österreich...
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Es war ein schöner Zweitbesuch!

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Nun fuhr ich nach Scheidegg zurück und nahm jene Route, die mir Googlemaps vorgeschlagen hatte. Das dumme, blöde, bornierte VW-Navi wollte mich natürlich wieder auf eine schmale Seitenstrasse schicken. Der Weg zog sich, doch nun schien die Sonne und die Straßen waren frei befahrbar, wenn auch von hohen Schneehaufen umgeben.
Ich hatte gedacht, hier ginge es zum Lift, doch die Bergstation mit dem Parkplatz liegt noch einiges weiter unterhalb von Sulzberg. Das hat im Zoom von Gegenüber viel näher ausgeschaut.
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Hinterm rechten Bildrand sah ich dann den Hagenberglift – die Bügel bewegten sich und so eilte ich zu meinem Wagen zurück und fuhr noch eine Kehre weiter runter.
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Es war noch kaum was los. In der Bergstation befindet sich eine Gaststätte, die noch aussieht, als ob wir 1986 hätten. Da hätte eine Einkehr gelockt, doch ich hatte nur 2 Stunden zur Verfügung, da ich um 16:30 Uhr wieder in München sein musste. Von der freundlichen Wirtin erfuhr, ich dass ich die Liftkarten unten im Tal kaufen müsse. So schritt ich in euphorischer Vorfreude auf den Lift zum Auto, zog mir die Skischuhe an und ging mit den Brettern in der Hand zur Piste.
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Gleich mal die Bergstation geknipst. Der Liftler schaute nur kurz – dann war es ihm schon wieder wurscht. So ist mir das immer sehr recht. In Turnau wurde ich letzte Woche wieder mal angesprochen – aber eher aus Neugierde und recht freundlich. Ich muss da immer an den Tölpel vom Kurvenlift am Spitzingsee denken, der die ganze Zeit eine Warnhupe betätigte, nur weil ich das alte Radio am stillstehenden Osthanglift (der lief an jenem Tag nicht) fotografierte und auch den Lift natürlich. (Was mochst du da, hä? Was fotografierst du an Lift? sprachs.....)
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Nicht nur der Kurvenlift selbst ist interessant – auch die Lage ist idyllisch.
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Zoom ins Tal hinunter
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Etwas weiter hinten – oberhalb von Thal – fällt dieser Kirchturm auf. Es handelt sich um das Dorf Scheffau, das aber noch auf bayerischer Seite der Grenze liegt.
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Naturgemäß legte ich einen Halt neben der Kurvenstation ein – zumal man hier direkt an sie herankommt. Dabei ein kurzes Gedenken an den Kronenlift zu Nesselwang, der auch eine solche Kurve besaß und nun leider stillgelegt wurde. 2019 habe ich wenigstens einen Besuch hinbekommen, denn der war oft außer Betrieb.
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Zoom in die obere Lifttrasse – hinter der Geländekuppe geht es noch ein ganzes Stück weiter.
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Der letzte Abschnitt der Piste, wo es steil auf Thal hintergeht. Am Vortag hatte es hier geregnet und über Nacht war alles gefroren. Ich bin nur einmal im rechten Bereich gefahren. Links ging es noch einigermaßen. Man braucht dann aber Schwung, um das Flachstück zum Einstieg zu überwinden.
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Da hinten hielten sich die Wolken und unten in Thal kam an jenem Tag wohl nur wenig Sonne an.
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Am Anfang gab es Probleme mit dem Liftticket. Die Mädchen vor mir kamen mit ihrem nicht durch – ich mit meinem (wie erwartet) dann auch nicht. Bei der zweiten Liftfahrt ging das Ticket wieder nicht. Ich bekam dann wenigstens ein neues, das dann zuverlässig funktionierte. Aber das war nichts gegen die Freude, endlich diesen tollen Lift noch erwischt zu haben!
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Trasse bis zur Kurve oben – eine Waldschneise gibt es hier nicht ;)
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Im Lift nach der Kurve
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Blick nach Gegenüber, von wo auch ich am Vormittag aus zum Hagenberglift gezoomt hatte. Die Umlenkung des Luggi-Leitner-Lifts (in der Bildmitte, wo links die Fichten aufhören) ist nicht zu sehen, da sie unterhalb der Hügelkuppe steht.
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Ungezoomt – man hätte sich nicht mit den Skiern nach Thal kämpfen können, um dann mit dem Bus oder per pedes zurückzugelangen. Das wäre vermutlich eine dumme Idee gewesen.
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Feiner Naturschneehang im mittleren Drittel. Es gibt da zwei Varianten, die unten wieder zusammentreffen.
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Kurvenzoom
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Schöne Heizstrecke, wenn gerade niemand unterwegs war.
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Wieder an der Kurvenstation
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Der Eishang von Thal... aber insgesamt eine super Abfahrt. Hier kann man es locker einen halben Tag aushalten.
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Nun kam ein wenig die Sonne durch...
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Hagenberglift mit Scheffau im Hintergrund – aber nix mit Skiwelt hier ;)
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Weiter oben hätte es noch einen Seillift. Aber ohne Anbindung an den Dorflift in Sulzberg oben...
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Skifahren am Hagenberglift...
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Die andere Variante...
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Und immer wieder idyllische Seitenblicke – deswegen mag ich so Kleingebiete auch recht gern.

Zurück am Auto wurde ich noch von zwei Frauen angesprochen, die ihre Kinder zum Lift gebracht hatten – dies wegen meines Münchner Kennzeichens. Sie wunderten sich, dass ich extra wegen dem einen Lift zu ihnen nach Sulzberg gefahren sei. Es entwickelte sich dann noch ein recht nettes Gespräch – ich hoffe, die halten mich jetzt nicht für bekloppt, weil ich einzelne Lifte anfahre, was man ja nicht macht ;)
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