Am 10 August 2024 war es aber dann soweit, das Wetter war perfekt (heiss und keine Gewitter gemeldet).
Die KI meint rückblickend dazu:
Als Route planten wir wieder den Aufstieg über den (fast) durchgehenden Weg von der Lenk-Simmenfälle aus.Am 10. August 2024 herrschte in der Schweiz heisses, sonniges und trockenes Sommerwetter. Landesweit gab es kaum Wolken, mit Temperaturen, die vielerorts deutlich über 30 °C stiegen.
Temperaturen: Auf der Alpennordseite wurden Höchstwerte von über 30 °C erreicht, im Wallis und auf der Alpensüdseite teilweise noch höhere Werte, wie beispielsweise 31,6 °C in Sion.
Wetterlage: Es war ein sehr sonniger Tag, der Teil einer Hitzewelle war.
Niederschlag: Es blieb landesweit trocken.
Dieser Tag war Teil des zweitwärmsten Augusts in der Schweiz seit Messbeginn 1864, der durch grosse Hitze und Trockenheit gekennzeichnet war.
Da ich doch Respekt vor der freien Übernachtung auf 3244 hatte, wurde fleissig warme Kleidung, Schlafsack, Ersatzwäsche, dicke Matratze und viel zu trinken eingepackt. Ergänzt wurde dies noch mit Power Banks, Licht, eine Drohne etc.
Auf jeden Fall hatte ich am Schluss so viel Gewicht auf dem Rücken, dass ich bereits nach 15 Minuten nicht mehr an den Erfolg dieses Abenteuers glauben mochte. Ich musste also dringend Gewicht los werden. Und so fragte ich im Restaurant Siebenbrunnen (Rezlisbärgli) ob ich "überflüssiges" Material wie die Drohne deponieren dürfte. An den 2 Zelten (ab 50 will man ja Einzelzimmer) hielten wir aber fest.
Erleichtert machten wir uns dann auf den Weg die steile Fluh hoch zum nächsten Rastplatz, dem Flueseeli. Auf diesem kurzen Abschnitt werden kurz über 600 Höhenmeter gewonnen. Da es mittlerweile bereits 18:10 war, waren am See bereits erste Zelte aufgestellt.
Wir machten aber "nur" rund 15 Minute Pause, unser Ziel war ja noch rund 1200 Höhenmeter weiter oben
Rund 40 Meter weiter oben, beim Flueseehöri hat es noch einen kleinen weiteren See.
Aufgrund der hohen Temperaturen schmilzt das Eis der Plaine Morte in der 2. Tageshälfte besonders schnell. Entsprechend imposant ist am Abend daher auch der Trüebbach. Dies ist auch der Grund, warum der Wanderweg in Richtug Wildstrubelhütte am Nachmittag jeweils wegen Hochwassergefahr gesperrt ist.
18:42: Kurzer Blick auf das Flueseeli und rüber zum Metschstand
18:53: Ab hier verlassen wir den beschilderten Bergweg. Die Route direkt zum Wildstrubel ist an der dahinterliegenden Wand markiert.
Um 20 Uhr haben wir das Geröllfeld beim "Rottäli" überquert. Dieser Abschnitt ist nicht immer durchgehend als Weg erkennbar und so verzweigen sich die einzelnen Spuren und kommen später wieder zusammen.
Noch scheint aber die Sonne am Himmel und wir sehen nun auch das Rezligletscherseeli tief unter uns.
Um 20:10 erreichen wir die letzte gleichmässige Flanke des Wildstrubel Gipfels. Die Aussicht auf die Plaine Morte motiviert, doch fühle ich mich komplett leer. Wir beschliessen, dass mein Begleiter bereits zum Gipfel aufsteigt und sein Zelt aufstellen soll. Ich plane in gemächlicherem Tempo aufzusteigen, um das Ziel doch noch erreichen zu können.
Um 20:50 geht die Sonne unter. ES sind nur noch 400 Höhenmeter und der Gipfel gefühlt zum greifen nah. Unter normalen Umständen (ohne das immer noch umfangreiche Gepäck) wäre ich in 30 Minuten auf dem Gipfel. Aber so klebe ich wie eine tote Fliege an dieser letzten Flanke und setze mich alle 5 Minuten hin, um wieder Kräfte zu tanken. Trotz den Strapazen, geniesse ich immer wieder den Blick auf die Plaine Morte.
Eine weitere Viertelstunde später sieht die Aussicht beinahe identisch aus. Ich kämpfe mich Meter für Meter den Gipfel hoch, im Willen diesen noch zu erklimmen.
21:15: Langsam wird es dunkel und ich schnalle mir die Stirnlampe an. Nicht nur um den Weg zu beleuchten, sondern auch, um meinen Standort meiner Begleitung zu signalisieren. Dieses Bild zeigt aber auch gut, dass die Flanke doch recht ordentlich geneigt ist.
Nun bin ich auf über 3000 Meter über Meer. Einen Moment lang spiele ich mit dem Gedanken, auf diesem kleinen Zwischenplateau mein Lager aufzuschlagen und am Morgen früh zum Gipfel aufzusteigen.
Aber nein, dies würde einer Niederlage gleichkommen und ich würde mich gewaltig ärgern. Das Ziel ist AUF dem Gipfel und nicht BEIM Gipfel. Also schleppe ich langsam weiter den Pfad hoch.
Um 21:31 und 21:42 sende ich die Screenshots meines Standortes meinem Begleiter. Man sieht gut, wie ich mich langsam, aber doch stetig den Berg hochkämpfe....
Mein Begleiter hat in der Zwischenzeit sein Zelt bereits aufgestellt und kommt mir entgegen. Und so erreichen wir um 21:52 nochmals gemeinsam den Gipfel.
Ich esse kurz etwas und stelle in der mittlerweile herrschenden Dunkelheit mein Zelt auf. Der Blick ins nächtliche Wallis und die Sterne geben wieder Kraft und ohne das Gepäck bin ich bald wieder fit.
Natürlich wird unser Nachtlager auch ausgiebig mit dem Smartphone festgehalten. Wer weiss, wann ich ich dies wiederholen werde.
Gegen 23 Uhr gehe ich dann doch zu "Bett", esse Kekse und höre noch ein bisschen ein Hörbuch. Die ganze Nacht zieht auf dem exponierten Gipfel ein leichter Wind, aber da die Temperatur nicht unter 7 Grad fällt, muss ich mich im Laufe der Nacht meiner viel zu warmen Kleidung entledigen.
Nach einer OK Nacht stehe ich um 05:15 zum ersten Mal auf. Den Sonnenaufgang will ich keinesfalls verpassen. Nach 15 Minuten realisiere ich, dass es doch noch ein bisschen dauern könnte und ich ziehe mich nochmals in den warmen Schlafsack zurück.
06:05: Nun ist es bereits deutlich heller und ich bereite mich auf den Sonnenaufgang vor. Dazu gehört natürlich auch ein Frühstück dazu.
Um 06:28 werden die ersten Gipfel von den Sonnenstrahlen berührt. Lange kann es nicht mehr dauern....
Und endlich. um 06:31 erscheint die wärmende Sonne. Der Rundblick zeigt gut, wie campingfreundlich der Wildstrubel ist (so lange das Wetter stabil mitspielt).
Nun erkennt man auch gut den Lämmerenboden und den Gemmipass. Ein erstes Bergsteigerpaar, welches in der Lämmerenhütte zeitig gestartet ist, trifft bei uns auf dem Gipfel ein.
Alle Strapazen sind vergessen und dieser Moment ist einfach magisch.
Ein letztes Mal verewigen wir um 7 Uhr unser Camp und beginnen langsam mit dem zusammenräumen.
Länger als gedacht verweilen wir noch auf dem Gipfel und machen uns dann um 08:50 auf den langen Retourweg. Bereits kommen uns die ersten Tagestouristen entgegen. Überraschend: Etwa jede 4. Person hat einen Gleitschirm dabei.