Auf der Suche nach einer längeren Wanderung mit mehr Auf- als Abstieg bin ich 2023 beim SwissTopo surfen auf die Verbindung von Gondo nach Saas Almagell gestossen. Das mir noch unbekannte Zwischbergen Tal sah verlockend und der anschliessende Zwischbergen Pass abenteuerlich aus. Aufgrund der Kombination mit frühstmöglicher Startzeit in Gondo um 08:30 (Ab Brig mit Postauto) und einer reiner Wanderzeit von 11 Stunden (gemäss Swisstopo), sah das ganze recht realistisch aus.
Und so machte ich mich am Freitag, 18. August auf den langen Weg.
Übersicht der Strecke von Gondo via Zwischbergenpass nach Saas Almagell
Teil 1: Gondo - Stausee Sera
Das Postauto hält direkt beim Stockalperturm in Gondo. Ich muss im lokalen Tankstellenshop noch kurz was zum Essen kaufen und vergesse dabei meine Wanderstöcke im Postauto. Als ich dies bemerke und wieder zur Haltestelle zurückeile, ist mein gelbes Gefährt leider bereits wieder weg. Nicht ideal, würde ich die Stöcke vor allem auf dem Passabschnitt gut gebrauchen können.
Um 08:35 konsultiere ich kurz den Wegweiser. Oha. Saas Almagell ist gar nicht aufgelistet aber die Zwischenstationen Gmeinalp, Zwischbergenpass und Almagellerhütte weisen den Weg und geben ein Gefühl für die Länge der Abschnitte. Aufgrund der letztmöglichen Rückfahrt ab Almagell mit ÖV, stehen mir gut 12 Stunden Zeit zur Verfügung.
Nach der Überquerung des Flusses Doveria steigt der Weg und die Strasse in Zwischbergen-Tal rasch rund 200 Höhenmeter an. Hier dominieren schattige Wälder und alte Steinhäuser
Um schnell Kilometer zurücklegen zu können, beschliesse ich im Zwischbergen Tal, die Strasse zu benützen. Verkehr hat es kaum, dennoch begegne ich nach nach kurzer Zeit ein vertrautes "Gefährt".
Nach rund einer Stunde Marschzeit, erreiche ich um 09:32 den Sera Stausee. Das Wasser kommt von Simplon Dorf, dem Laggintal und natürlich aus dem Zwischbergental und wird unterhalb Gondo, direkt vor der Grenze, turbiniert.
Teil 2: Stausee Sera - Kraftwerk Tannualp
Kurz nach dem Stausee Sera wird das Tal ein bisschen weiter und die Morgensonne erreicht den Talboden. Die Strasse folgt nun stetig dem Fluss "Grossu Wasser".
Um 10 Uhr kreuze ich das komplett erneuerte Kraftwerk Tannualp. Bei der Renovation wurden auch einige Infotafeln montiert.
Teil 3: Kraftwerk Tannualp - Stausee Fah
Nach dem Kraftwerk verlasse ich die Strasse, da mir der Säumerweg auf dem kommende Abschnitt zum Stausee Fa(h) ein bisschen kürzer vorkommt
Und endlich sehe ich bei der Abzweizung Punkt 1421 zum ersten Mal mein Ziel Saas Almagell auf dem Wegweiser
Der Weg führt nun auf der schattigen Seite den Hang hoch.
Nach rund einer halben Stunde, vereinen sich die Strasse und der Säumerweg beim Punkt 1687 wieder. Ich bin nicht ganz unglücklich, weil ich somit auch wieder auf die Sonnenseite komme.
Wieder auf der Strasse, blicke ich zurück in Richtung Gondo. Der Berg in der Mitte ist der Sendestandort Seehorn.
Auf 1758 Meter über Meer liegt der kleine Stausee Fah. Hier zweigt auch der Weg über den Passi die Pontimia ab. Wär vielleicht mal eine Variante von Domodossola aus (?)
Teil 4: Stausee Fah - Alp Galki
Nun beginnt mit der Gmeinalpa, einer schönsten Abschnitte im hintersten Zwischbergental. Der Talgrund ist recht flach und breit. Kein Wunder lautet einer der Flurnamen Schönboden.
Bei Punkt 1854 liegt eine ganze Gruppe von verlassenen Stallungen. Diese sind aber auch nicht mehr mit einem Fahrweg erschlossen.
Blick zurück über die Gmeinalpe
Ab hier wird steigt der Weg nun Steil an. Der Einschnitt des Zwischbergenpasses ist nun zum ersten Mal im Sichtfeld.
Früher führte der Weg dem Wasser entlang bis zu den Moränen unterhalb der Zwischbergenpasses. Seit ein paar Jahren, verläuft der Weg nun nördlich über die Alp Galki.
Blick vom Galki zu den Passübergängen in Richtung Domodossola
Das (vermutlich) Schäferhaus auf 2160 Meter über Meer
Teil 5: Galki - Zwischbergenpass
Es ist nun Mittag und der Weg schlängelt sich in der Sonne die Alpweiden hoch. Immer wieder blicke ich in das Zwischbergental und zu den Grenzgipfeln.
Ab einer Höhe von 2500 beginnt die lange Traverse in Richtung Westen zu den Resten des Zwischbergegletschers. Von hier sind es etwa noch 3.5 Kilometer Luftlinie bis zur Passhöhe.
Blick gegen Süden. Hier führt der Passo d'Andolla runter in das Valle d'Antrona
Eine kurze Kletterstelle bei der Zibelenflue sorgt für Abwechslung (nicht dass es wirklich langweilig wäre)
Auf 2600 Meter folge ich der weiss-blau-weissen Autobahn in Richtung Pass. An einem der zahlreichen Querbäche fülle ich meinen Wasservorrat auf.
Um 13:25 erreiche ich den Schutt- / Moränebereich des Gletschers. Hier kam der alte Weg direkt vom Tal hoch.
Reste des Zwischbergengletschers und der Pizzo d'Andolla
Mittlerweile ist es 14 Uhr und ich komme nicht mehr so gut voran. Das Stein- und Eisgemisch ist eher mühsames Territorium. Vielleicht spüre ich auf 2900 Meter auch langsam die Höhe und auch die zurückgelegten Kilometer.
Eine weitere Stunde später erahne ich die nahende Passhöhe. Hier ist der "Weg" nun definitiv eine Geröllhalde und nur noch mässig lässig.
15:10 YES! Der Zwischbergenpass ist erreicht.
Teil 6: Zwischbergenpass - Almagellerhütte - Saas Almagell
Von hier führt eine der Hauptrouten zum Weissmies (4011) hoch. Ich bin aber leider kein Alpinist.
Nun habe ich auch den freien Blick nach Westen
Nach einer halbstündigen Pause, schaue ich 15:45 nochmals in Zwischbergental und mache mich auf den Abstieg (ich hasse es, runter zu laufen).
In der Ferne grüsst das Allalinhorn und die Hütte scheint zum greifen nahe. Mal schauen....
Nach nur einer halben Stunde und 400 Höhenmeter werde ich schwach und ergebe mich einem Rivella und Früchtekuchen in der Almagellerhütte. Das Publikum scheint mehrheitlich aus Alpinisten mit Ziel Weismies zu bestehen. Ich fühle mich wie ein Tourist (bin ja auch).
Nach dieser erneuten Pause, raffe ich mich zum weiteren Abstieg auf. Schliesslich ist nun doch bereits 17 Uhr und ich habe meinen "Vorsprung" verloren.
"Sonnigpass" klingt gut. Leider ist der Übergang auf italienischer Seite eine hohe Felswand.
17:56 Somit habe ich in einer Stunde weitere 700 Höhenmeter vernichtet. Ich bin müde, kann aber der Almagelleralp wiederstehen.
Der Weg führt nun dem Leebach entlang durch das schöne Almagellertal. Interessantes Detail. Die Stromleitung hier ist fliegend mit Querseilen gespannt.
Um 18:23 sehe ich das Ziel, Saas Almagell. Es sind nochmals weitere 350 Höhenmeter zu bewältigen und ich beginne mögliche Verbindungen in der SBB App zu suchen.
Blick nach Saas Fee
19 Uhr: Ich habe knapp den Bus verpasst und mich dafür im örtlichen Laden eingedeckt. Um 19:27 fährt zum Glück bereits der nächste Bus mit Anschluss in Visp
...und dies spielte auch keine Rolle mehr
Von Gondo nach Saas Almagell - zwischen den Bergen (2023)
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Re: Von Gondo nach Saas Almagell - zwischen den Bergen (2023)
Respekt vor der Leistung. Als normalen Touristen kann man Dich aber bei der Strecke und Höhenmeter auch nicht mehr bezeichnen.
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Re: Von Gondo nach Saas Almagell - zwischen den Bergen (2023)
Molto bello. Die peripheren "Randtäler" abseits jeglicher "interessanten" Zielorte finde ich besonders interessant. Und entspannend.
Umsomehr wundert es mich hier zu lesen, von jemand der das Tal begangen hat, im weiten so wie ich 2018. Allerdings damals mit der Variante, ab der Gmeinalpe über den Passo Andolla auf die Italienische Seite zu wechseln, im gleichnamigen Rifugio zu nächtigen, und am folgenden Tag über die vielen Stau- und Seen der Antrona Täler am Talende wieder in die CH zu wechseln, und entlang des Mattmarksees bis zur Almagelleralp, mit unendlich schweren Beinen angekommen...
Weiter ging es dann nach Visperterminnen, und wieder retour zum Simplon.
Das ewige Granitgeröll ist mir auch als etwas mühsam in Erinnerung..
Umsomehr wundert es mich hier zu lesen, von jemand der das Tal begangen hat, im weiten so wie ich 2018. Allerdings damals mit der Variante, ab der Gmeinalpe über den Passo Andolla auf die Italienische Seite zu wechseln, im gleichnamigen Rifugio zu nächtigen, und am folgenden Tag über die vielen Stau- und Seen der Antrona Täler am Talende wieder in die CH zu wechseln, und entlang des Mattmarksees bis zur Almagelleralp, mit unendlich schweren Beinen angekommen...
Weiter ging es dann nach Visperterminnen, und wieder retour zum Simplon.
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>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<