Pendellift Hainfelder Kirchenberg

Lost Places im Schnee: Historische Seilbahnen, geschlossene Skigebiete (LSAP) und die Geschichte alter Liftanlagen in den Alpen.
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Bibo
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Pendellift Hainfelder Kirchenberg

Beitrag von Bibo »

Liebe Mitforianer,

Tippelt/Baumgartner schreiben in ihrem Buch "Schifahren in Niederösterreich" in der ersten Auflage 1979 über den Hainfelder Kirchenberg (922m): Ausgezeichnete kurze Wanderung mit sehr schönen mittelschweren Abfahrten (fast 500 m HU), kurzer Pendellift am Gipfelhang, Schutzhütte des ÖTK (Wochenendbewirtschaftung), herrliche Aussicht.

Ich hatte bereits dieses Forum nach einer Dokumentation dieses Liftes abgesucht, aber ohne Erfolg. Angesichts der Nähe zu Wien und St. Pölten wundert mich das etwas. Aber immerhin war meine Neugierde geweckt, was man denn hier noch würde finden können. So ein Pendellift ist ja schnell auf- und abgebaut, der verschwindet gerne spurlos...

Wir stiegen also entlang der winterlichen Aufstiegsspur vom Umspannwerk in Hainfeld in Richtung Kirchenberg auf. Sehr interessant ist die damals gerne befahrene Abfahrtsschneise mit ordentlichem Gefälle. Die sieht tatsächlich wie eine angelegte Schipiste aus, auch wenn dort wohl eine solche nicht trassiert wurde.

Hier blicken wir die Abfahrtsschneise hinauf, bei winterlichen Bedingungen sicher nett gewesen:
P1070580.JPG
Beschrieben wird sie folgendermaßen:
Sehr lohnende Naturabfahrt mit zügiger Schlußstrecke (ich halte mich an das Originaldokument, welches vor der letzten großen Rechtschreibreform verfasst wurde :wink: ) für sichere Fahrer.

Weitere Impressionen dieser Schneise:
P1070581.JPG
P1070582.JPG
P1070583.JPG
P1070584.JPG
P1070585.JPG
P1070586.JPG
Sportliches Gefälle:
P1070587.JPG


Die Abfahrt startet an der Schutzhütte beim Gipfel und weist in der Beschreibung ein sehr interessantes Detail auf: "Über die ostseitige, ziemlich schneesichere obere und untere Hüttenwiese mäßig steil hinab zum "Böndl", an der Liftstation vorbei l. zum Buchenwaldschlag, einer .... usw. usf".

Nun waren wir gespannt, die letztem Meter führten dann wieder auf einer Forststraße bis zum unteren Ende des Gipfelhangs. Ein Blick nach rechts oben ließ mich meinen Augen nicht trauen:
P1070588.JPG
P1070589.JPG
Hier haben wir doch tatsächlich eindeutig eine ehemalige Lifttrasse! In der Gesamtansicht mit der zugehörigen Piste sieht man das nochmals deutlicher:
P1070590.JPG
P1070591.JPG
P1070592.JPG
Hier in etwa muss die Talstation gestanden haben:
P1070593.JPG
Auf der Trasse führt mittlerweile ein Wanderweg direkt bis zur Hütte. Ehrensache, dass dieser begangen wurde:
P1070594.JPG
Blick von der Bergstation die Trasse hinab zur Talstation:
P1070599.JPG
Hier mit der (von oben betrachtet) rechts davon in einem leichten Bogen verlaufenden Piste:
P1070596.JPG
P1070598.JPG
Talstationsbereich:
P1070601.JPG
Es sieht tatsächlich so aus, als hätte man damals Trassierungsarbeiten vorgenommen. Auch auf google earth sieht das so aus. Dass man diesen Aufwand für einen kurzen Pendellift irgendwo am Berg getrieben hat, kann ich mir so gar nicht vorstellen. Aber es deutet Einiges darauf hin.

Der Lift war also irgendwo oben am Berg, ohne Zubringeranlage und nur mit einer Tourenabfahrt zurück ins Tal. Großartig, genau nach meinem Geschmack. Vielleicht gab es ja sogar einen Zubringerdienst über die Forststraße. Falls nicht, standen gut 400 hm Aufstieg zwischen Auto und Lift...

Vom Gipfel aus sieht man den Unterberg von der Nordseite samt der Bergstation des Doppel-Stemag Gipfelliftes:
P1070608.JPG
Man bekommt auch einen guten Eindruck, warum die Nordabfahrten allesamt nur für Spezialisten geeignet sind bzw. waren.
Anschließend marschierten wir weiter auf historischem Wintersportgelände in Richtung Gaisberglift. Im dortigen Höhengelände bot sich Gelegenheit zum Langlaufen, zeitweise gespurt, ca. 8 km in über 700 m.

Die Bilder vom dortigen ehemaligen Schigelände finden sich im entsprechenden Thread.

Auf dem Weg zum Gaisberglift sieht man auch noch das Hocheck mit der Meyringer Warte am Gipfel:
P1070619.JPG
P1070620.JPG
Auf der Rückseite befand sich das Schigebiet mit seinen beiden Schleppliften. Dieses ist auch schon Jahrzehnte LSAP. Der Unterberg ist es noch nicht, angesichts mehrerer Winter ohne einen einzigen Betriebstag in den letzten Jahren ist es aber wohl nur eine Frage der Zeit, bis dieses durchaus interessante Gebiet auch schließen wird müssen.





In Summe eine schöne Tour mit der (vermutlich) ersten Dokumentation des Liftes am Hainfelder Kirchenberg in diesem Forum. Hat vielleicht jemand noch Infos zu den Betriebszeiten und -modalitäten?

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gReXi
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Re: Pendellift Hainfelder Kirchenberg

Beitrag von gReXi »

Sehr interessante Beobachtung. Ich lief dort in der Vergangenheit mehrmals beim Hainfelder Kirchenberglauf mit. Dementsprechend gut kann ich nachfühlen, was es bedeutet, wenn man zu Fuß zur Talstation des damaligen Pendellifts geht.

Den Lauf selbst habe ich als knackigen Bergsprint in Erinnerung, in der Form gibt es ihn heute meines Wissens nach nicht mehr. Du läufst bis zum Liasenböndl auf der Forststraße und dann den Steig hoch, welcher sich ziemlich zieht. Allerdings kreuzt man dabei mehrmals diese scheinbare Piste.

Mir stellte sich immer wieder die Frage, wo der Lift dazu gewesen sei. Diese "Piste" ist ja nicht ganz zufällig da, vor allem bei dem Gefälle. Für mich sah das immer nach Skiabfahrt aus, allerdings gab es sonst keine Spuren.

Der Unterberg ist zum Greifen nahe, aber doch noch so weit zu fahren. Egal, ob man von Wien oder St.Pölten hinfährt. Fakt ist, dass ich ewig froh bin, dort noch alles schön gefilmt zu haben, als ich im Februar 2022 bei einem Traumtag dort war. Klar wäre statt der Busaufahrt ein ESL oder so schöner gewesen, aber bei den 4 SL oben kann man das in Kauf nehmen. :wink:
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Cruzader
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Re: Pendellift Hainfelder Kirchenberg

Beitrag von Cruzader »

Ich habe keine Beweise dafür, aber ich war immer im Glauben, dass es ein richtiges Schigebiet am Kirchenberg gab mit zwei Schleppliften.
Also irgendwo habe ich das mal gelesen oder gehört, oder beides.
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Re: Pendellift Hainfelder Kirchenberg

Beitrag von gerrit »

Meines Wissens gab es da nur den Pendelschlepper oben ohne Zufahrt. Ich war in den 80-er und 90-er Jahren zweimal mit Tourenski oben, da war von dem Lift aber nichts mehr zu sehen. Die nordseitige Abfahrt durch die steile Schneise macht aber durchaus Spaß, damals wurde der Berg an Wochenenden noch ordentlich von Tourenfahrern frequentiert und der Hang rasch als Piste eingefahren.
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Re: Pendellift Hainfelder Kirchenberg

Beitrag von Bibo »

Mir ist das alles nicht so ganz geheuer dort. Zum Einen wurden am Gipfelhang meiner Ansicht nach eindeutig Geländekorrekturen vorgenommen. Würde man das machen, um dann einen Pendellift zu errichten, zu dem man 400 hm aufsteigen muss? Zum Anderen frage ich mich, wie diese Schneise ins Tal dorthin gekommen ist. Das ist ja nicht einfach ein Schlag, da fehlen alle Wurzelstöcke, eben wie bei einer Piste. Und sie beginnt exakt am unteren Ende des Gipfelhangs an der ehemaligen Talstation des Pendelliftes. Gesetzt den Fall, da wurde tatsächlich eine Piste angelegt: Nur für die gute Handvoll Pendelliftfahrer, damit die komfortabel wieder ins Tal kommen? In der aktuellen Hitzewelle fantasiere ich hier von einem geplanten Schigebiet ähnlich dem nahen Muckenkogel oder dem Gamsstein bei Hollenstein. In guter österreichischer Tradition wurde mal eben der Pistenbau durchgezogen, beim Liftbau kam es dann aber zu Verwerfungen und man stoppte das Ganze wieder. Der findige Hüttenwirt stellte dann einen Pendellift hin und erfreute sich an den geschaffenen Rahmenbedingungen...

Wird so sicher nicht gewesen sein, aber interessant wäre es schon, zur Historie mehr zu erfahren.
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Re: Pendellift Hainfelder Kirchenberg

Beitrag von vovo »

Interessant - auch wenn ich mich in der Ecke gar nicht auskenne. Jedenfalls wie immer schön zu lesen, dass man nicht der einzige "Spinner" :wink: ist, der sich mit abgebauten Liften oder evtl. noch bestehenden irgendwo in den Bergen beschäftigt.
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Re: Pendellift Hainfelder Kirchenberg

Beitrag von gerrit »

Zu der Zeit, als der Pendellift vermutlich errichtet wurde, war es nicht unüblich, im Bereich von Hütten kurze Lifte aufzubauen, die - zumindestens im Winter - nicht auf dem Straßenwege erreicht werden konnten. Der erste Lift am Unterberg war ohne Winterzufahrt, ebenso der Lift bei der Leobner Hütte hinter dem Polster, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der Lift bei der Oberst-Klinke-Hütte in der Kaiserau bei Admont. Das "normale" Schifahren war damals durchaus auch noch mit Aufstieg per pedes verbunden, die Schneise der Talabfahrt am Kirchberg wurde vermutlich durch "Vegetationskorrekturen" attraktiver gestaltet, wobei dort nur die Könner runtergefahren sind, die einfache Abfahrt ging über den westlich gelegenen Aufstiegsweg über flache Wiesen. Der Lift bei der Hütte war dann nur ein zusätzliches Goodie für die Mittagspause. Ich glaube, lediglich die Lifte am Hohenberger Gschwendt waren von Anfang an auch im Winter über eine Zufahrtsstraße erreichbar.
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