Von Mautern bis zum Alpl (31.07.2026)

Austria, Autriche, Austria
Forumsregeln
Antworten
Benutzeravatar
vovo
Alpspitze (2628m)
Beiträge: 2799
Registriert: 04.10.2006 - 20:22
Skitage 25/26: 14
Ski: ja
Snowboard: nein
Ort: München
Hat sich bedankt: 451 Mal
Danksagung erhalten: 923 Mal

Von Mautern bis zum Alpl (31.07.2026)

Beitrag von vovo »

1.JPG
2.JPG
3.JPG
4.JPG
5.JPG
Wir wollten wieder einmal das Lost-Place-Eldorado Alpl bei Krieglach besuchen. Für manche aus der Gruppe sollte es bereits der dritte Besuch dort in den Tiefen der Steiermark sein, wo wir leider ein ziemlich geiles Skigebiet verpasst haben, das um 2014 stillgelegt worden ist. Zwar stehen die Lifte noch, aber wie zu sehen sein wird braucht man sich auf einer Wiederinbetriebnahme keine Hoffnungen machen. Eher wird das Kolosseum wieder eröffnet als jene fertigen Ruinen.

Wir hatten uns für Sonntag, den 2. August verabredet – ich reiste schon am Freitag in die Steiermark, um entlang der Strecke noch ein paar Besichtigungen zu unternehmen. Diesmal wollte ich endlich einmal in Mautern die alte DSB fahren, was sich vor vier Jahren wegen dem Wetter und einem längeren Mittagsschlaf auf einem Parkplatz im Ennstal nicht mehr ausgegangen war.

Diesmal startete ich früh genug, hielt meinen Pausenschlaf vor Wels und kam bei Sonnenschein und wenig Betrieb am „Wilden Berg“ an. Ich fand sogar noch einen Schattenparkplatz – an jenem sehr heißen 31.07.2026 ein sehr willkommenes Geschenk.

6.JPG
Eine noch recht junge Frau wachte am Einstieg. Endlich schwebte ich in der alten DSB hinauf - eine Gebrauchtanlage aus dem Zillertal. Ursprünglich 1984 als Rastkogelbahn II erbaut und 2002 hier her verpflanzt. Ein SL-ESL-Kombilift auf gleicher Trasse wurde dabei ersetzt. Das hatte ich vor Jahren alles schon einmal auf dem Schirm – zwischenzeitlich aber geriet das wieder völlig in Vergessenheit. Erst ein paar Wochen nach der Tour kam ich wieder drauf:

https://www.seilbahntechnik.net/de/lifts/433/datas.htm


Zottel hat 2012 bei seinem Besuch hier noch die Talstation der Vorgängeranlage geknipst:
https://www.seilbahntechnik.net/de/lift ... /datas.htm

Bei Austrianmaps lässt sich aber vergleichen, dass der alte Lift nicht ganz so weit hinauf reichte, wie die jetzige DSB. Weiter oben passt das Gelände nicht so recht zu einer SL-Trasse – unterhalb davon aber eindeutig schon. An der DSB hat es früher wohl auch noch Winterbetrieb gegeben – oben rechts sieht man noch die nun mehr einwachsende Abfahrt.

7.JPG
Im Wald – ein erster Rodler sollte dann auch schon runter fahren...
8.JPG
9.JPG
10.JPG
Zu den Attraktionen weiter oben – irgendein Hüttendorf, Tiergehege usw. fährt auf der benachbarten Straße auch noch ein Bus.
11.JPG
Der Zwischenausstieg bzw -zustieg für die Rodelbahn. Ich fuhr naturgemäß ganz hinauf – leider war mir das bei der Tafamuntbahn letzten Montag jedoch nicht vergönnt.
12.JPG
13.JPG
Idyllisch wirkt das hier nicht, aber dank der sonstigen Attraktionen hat die DSB wenigstens überlebt. Denn nur wegen der Bahn würde hier niemand – außer den Liftefreaks – hinauf wollen.
14.JPG
15.JPG
Die Metro liefert auch am Berg oben. Leider hatte ich das Teleobjektiv nicht dran stecken, sodass man das nicht näher erzoomen konnte.
16.JPG
Für die Kinder sicher schön hier oben – da habe ich schon trostlosere Vergnügungsareale erblicken müssen. Etwa am Alpsee in Immenstadt, wo ich es an der Bergstation der DSB total furchtbar fand.

Auf dieser Höhe muss m.E. auch der alte SL-ESL-Kombilift geendet haben.

17.JPG
Doch die DSB schwebt noch ein wenig weiter hinauf...
18.JPG
Oben angekommen... hier war es noch angenehm von den Temperaturen her. Bald kamen die ersten Familien und ich räumte meinen Platz an den Holzbänken, um wieder ins Tal zu schweben.
19.JPG
Ich musste dann eine ganze Weile warten, da ein Liftler damit beschäftigt war, den Rasen zu trimmen und der andere mir den Rücken zudrehte. Rufen nutzte nichts wegen dem Lärm. Aber irgendwann drehte sich der Mann um und bemerkte mich.
20.JPG
Über die Tiere hinweg ging es wieder ins Tal.
21.JPG
Lt. Austrianmaps gab es an den umliegenden Berghängen hier keine Lifte. Das nächste Skigebiet ist Wald am Schoberpass, wo man den Alpenhauptkamm durchstößt. Ich hatte die betreffende Stelle in dieser Gegend immer beim Gleinalmtunnel vermutet.
22.JPG
23.JPG
24.JPG
Mautern mit der A9 davor, die sich wegen des Ferienbeginns in Bayern und Baden-Württemberg bald füllen sollte. Deswegen war ich an jenem Tag bereits um 4:40 Uhr aufgestanden, um rechtzeitig weit genug im Süden bzw. dann auf der Semmering-Schnellstrasse zu sein.
25.JPG
Hinter der jetzigen Talstation ist noch jene des ESL-SL-Kombilifts. Aber das hatte ich vor Ort wieder vergessen gehabt und erst jetzt wieder recherchiert. Deswegen leider kein weiteres Foto.
26.JPG
Lt. Liftworld wurde der Antrieb wohl erst 2025 erneuert.

27.JPG
Ich fuhr nach St. Michael in der Steiermark, wo mir bei Austrianmaps ein Lift aufgefallen war, der lt. Googleearth sogar als Ruine noch stehen sollte. Wie schon zuhause bei der nächtlichen Planung befürchtet, verfuhr ich mich an dem verdammten Autobahnkreuz. War ja wieder klar... danach mal kein endloses Gezockel hinter einem Schleicher, sondern wegen einer Straßenbelagserneuerung. Wegen dem Rollsplitt durfte man ewig nur 30 Fahren. Wenigstens fand ich dann schnell die Feldweg-Abzweigung von der Landstraße, die ich vorab bei den Luftbildern schon ausgespäht hatte.

Ich bildete mir ein, einfach zum Lift fahren zu können, doch bei diesem Bauernhof ging es wegen eines Gatters nicht weiter. Ich drehte wieder um und stellte den Wagen am Wegesrand im Schatten ab. Ich versuchte es dann einfach so und wollte notfalls nachfragen, ob eine Passage erlaubt sei. In sengender Hitze und mit der neuen Nikon um den Hals stapfte ich los.
28.JPG
Na wenigstens kein Verbot! Der Anwohner hantierte unterdessen mit einer Kreissäge in seiner Werkstatt und schien mich entweder nicht zu bemerken oder nichts gegen passierende Wanderer zu haben.
29.JPG
So erreichte ich schließlich die Ruine – sie stand noch, was ich von unterwegs aus den Augenwinkeln auch gesehen hatte.
30.JPG
31.JPG
32.JPG
Ich freute mich, die Ruine noch angetroffen zu haben – immer wieder schön, wenn man sich nicht mit einer leeren Wiese begnügen muss und nur noch Luftbildvermutungen anstellen kann.
33.JPG
Scheint schon länger LSAP zu sein und passte ganz gut zur Alpltour, denn auch dort sehen die Ruinen mittlerweile so aus. Mehr als stillgelegt...
34.JPG
Über einen Waldweg erreichte ich die Bergstation...
35.JPG
36.JPG
Schon lange nicht mehr getrunken...
37.JPG
Hochzufrieden genoss ich noch die Kühle des Waldes und wanderte wieder zurück. Diesmal war niemand am Bauernhof draußen und ich schlich mich zu meinem Fahrzeug. Ich hatte dann Glück, wenn kurz bevor ich eine kleine, enge und unübersichtliche Unterführung passierte, kam mir eine Frau entgegen. Das hätte knapp werden können, denn sie fuhr doch recht flott da durch.

Ich hatte nun die Qual der Wahl – am Vorabend waren mir dutzende Einzellifte bis hinauf nach Mürzzuschlag aufgefallen. Um Mautern nix und ab St. Michael war richtig viel geboten und bis auf den Annerlbauerlift alles anscheinend schon LSAP.

So fuhr ich nach Bruck an der Mur und sollte dort viel Zeit lassen. Es begann damit, dass mir sowohl Googlemaps wie auch das dumme Navi meines alten Passats eine Zufahrtsstraße vorgaukelten, wo keine war. Ich wollte auf den Heuberg hinauf, wo es bis 2000 einen längeren Einzellift gegeben hatte. Aber keine Chance, da hinauf zu gelangen!

Erst ging es nicht mehr weiter – die Straße endete in einem zuwachsenden Wanderweg. Also wieder zurück und eine Abzweigung. Es folgte eine enge Forstrasse, absolut einbahnig und nur für einzelne Anwohner am Berg oben gedacht. Nicht für Münchner Passats – aber wenigstens juckte das niemanden. Die Abzweigung, die mir angezeigt wurde, existierte nicht. Natürlich musste ich dann im Hof eines Hauses wenden, hoffend, an keinen Anzeigenheini zu geraten.

Ich fuhr wieder zurück zur Abzweigung und überlegte. Natürlich wollte dann genau das Postauto vorbei und ich musste Platz machen. Ich wollte aber nicht so einfach aufgeben und dachte, dass die angezeigte Straße vielleicht beim Bau der Semmering-Schnellstraßen-Umgehung aufgelassen wurde. Die Schnellstraße führte unmittelbar neben mir in einen Tunnel hinein. So fuhr ich wieder die schmale Forstrasse und fand im Wald einen Platz zum Parken – wenn auch nicht im Schatten.

Exakt an der Stelle, wo Googlemaps die Abzweigung anzeigte, arbeitete ich mich im Wald hinauf. Doch da war nirgendwo etwas von einem Weg zu sehen. In Südtirol hatte ich mal so einen längst vergessenen Pfad entdeckt und zur LSAP-Stütze der Pendelbahn von Meran nach Hafling gefunden. Diesmal aber fand ich dann erst weiter oben einen querenden Feldweg vor. Der führte aber nur um den Berg herum und endete im Nichts. Darüber steiler Bergwald, wo man nicht weiter kam.

Also wanderte ich in die andere Richtung, wo ich auf einen Imker stieß, der sich mit seinen Bienen beschäftigte und recht zurückhaltend wirkte. Ich fragte nach dem Weg und er zeigte ihn mir – ein Waldpfad, der im Sommer nicht zu benützen ist, weil er total überwuchert war.

„Da kommen die Anwohner im Winter manchmal runter. Aber jetzt fängst da nur Zecken ein und kommst nicht weiter!“, meinte er.

Aber er beschrieb wir, wie ich einfach weiterlaufen und so zu einer Forstrasse kommen würde, über die man den Heuberg oben erreichen kann. Er sprach auch was von einem Gasthaus, das ich aber später leider nicht fand und das er offenbar für mein Ziel hielt.

„Zum Wandern hab ich gar keine Zeit“, meinte er noch, ehe ich mich dankend verabschiedete.

Ich kehrte nicht mehr direkt zum Auto zurück – da hätte ich ja wieder durch den Wald müssen. Ich hatte auch keine Lust, mit dem Passat die später vorgefundene schmale Forstrasse hinauf zu fahren. Als marschierte ich los und stellte erfreut fest, genau den Weg entdeckt zu haben, den ich eigentlich gesucht hatte. So würde ich unweigerlich an der früheren Talstation vorbeikommen, die man auf alten Luftbildern nach dem Abbau des Lifts noch erkennen konnte. In aktuellen Ansichten war da alles zugewachsen.

38.JPG
Es hatte sich gelohnt! Sie stand noch da! Ich war froh, doch noch den Weg gefunden zu haben – dem Imker sei Dank! Leider hörte man oberhalb auf der Wiese einen Traktor fahren – war ja wieder klar ;)
39.JPG
40.JPG
41.JPG
Lost Place oberhalb von Bruck an der Mur...
42.JPG
Ich freute mich mal wieder wie ein Kind zu Weihnachten – zumal oberhalb auf der Wiese nun keine Traktorengeräusche mehr zu hören waren und auch sonst niemand störte. Ab und an rollten Autos auf der Forstrasse vorbei, aber da standen genug Bäume.
43.JPG
44.JPG
Wie schon im verlinkten Zeitungsartikel beschrieben, wurde der Liftbetrieb hier vor 26 Jahren eingestellt. War doch erst ;)
45.JPG
Da führte der Lift einst hinauf – nach der Kuppe ging es noch über eine Wiese weiter.
46.JPG
Die Talstation – ich respektierte natürlich die Absperrung und fotografierte nur von außen. Das Graffiti RECHTS habe ich mal lieber mit Photoshop übertüncht, um keine Schwierigkeiten heraufzubeschwören. Immerhin ermittelt die Staatsanwaltschaft auch schon, wenn man in Panik eine Hornisse platt schlägt... wobei das Übertünchen dieses Zeichens dann wiederum von einigen Anderen als Frevel angesehen werden könnte. Aber ich reise die nächste Zeit ja nicht in Sachsen-Anhalt ein...
47.JPG
Wenn da auf einmal ein Gesicht erschienen wäre – schreiend hätte ich mich vom Acker gemacht ;)
48.JPG
So sieht das Ganze vom Einstieg mittlerweile aus. Der Baum und seine Äste leisteten mir dann aber gute Dienste, denn der Bauer oben kam zurück auf die Wiese. Das Tuckern näherte sich immer mehr und ich versteckte mich hinterm Baumstamm.
49.JPG
Zuvor hatte ich noch durchs Gitter der Absperrung in die Talstation hinein gezoomt.
50.JPG
52.JPG
51.JPG
Zoom vom Baumstammversteck auf. Wenigstens wendete der Traktor ein paar Meter vor mir und entfernte sich wieder nach oben. Ich atmete durch und Erinnerungen an die 80er und frühen 90er kamen auf, als wir Kinder uns ständig auf Baustellen oder sonst wo herumschlichen.

Leider blieb der Landwirt mitten auf der Wiese stehen und arbeitete dort mit der Sense weite. Ich überlegte schon, ob ich am Boden robben sollte, doch das wäre von oben einsehbar gewesen. Also blieb ich hinterm Baumstamm.

Als der Landwirt am Waldrand ein wenig von den Bäumen verdeckt war, huschte ich zurück zum Forstweg und setzte meinen Weg nach oben fort. Ich wollte noch zur ehemaligen Bergstation!


FORTSETZUNG FOLGT...
Kürzlich reaktivierte Berichte:
Kühtai 2011

Benutzeravatar
gReXi
Vogelsberg (520m)
Beiträge: 873
Registriert: 08.07.2009 - 15:02
Skitage 25/26: 0
Ski: ja
Snowboard: nein
Hat sich bedankt: 151 Mal
Danksagung erhalten: 167 Mal

Re: Von Mautern bis zum Alpl (31.07.2026)

Beitrag von gReXi »

Wieder mal ein klasse Bericht, wo man gedanklich super mitgehen kann. Besonders freut mich für dich der Fund der SL-Ruine nach der Warntaffel wegen des freilaufenden Bullen. Die Aufnahme dort von der Bergstation, im Wald stehend, mit Blick richtung Tal, ist mein Lieblingsfoto in dem ganzen Bericht. Bin schon gespannt, was da noch an Bildern kommt. :D
LG, gReXi
Antworten

Zurück zu „Österreich“