Quelle: www.newsclick.deSchneesturm: Brocken evakuiert
Sieben Meter hohe Verwehungen
Von Thomas Parr
SCHIERKE. Nur Wetterbeobachter Michael Hübler vom Deutschen Wetterdienst harrte gestern auf dem von Orkanböen und Schneetreiben umtosten Brocken aus. Alle anderen Menschen hatten den 1142 Meter hohen Harzgipfel verlassen müssen.
Der Schierker Brockenwirt Hans Steinhoff brachte Hotelgäste und -personal in Sicherheit, die Nationalparkverwaltung und die Telekom riefen ihre Mitarbeiter zurück ins Tal – zu unsicher war die Wetterlage geworden. "Windstärke 11, minus fünf Grad, dichtes Schneetreiben – ich kann keine 20 Meter weit sehen –, Eisnebel, 140 Zentimeter Schneehöhe und enorme Verwehungen, so sieht es hier oben aus", sagte Hübler auf Anfrage unserer Zeitung. Der Wetterbeobachter hoffte, dass seine Ablösung durchkommen wird. "Sonst übernachte ich hier. "
Dafür, dass Wetterbeobachter Gottfried Glenk seinen Kollegen Hübler ablösen kann, versuchte Steinhoff mit seinen Mitarbeitern sowie zwei Schneefräsen, einem Schneepflug und einem Radlader zu sorgen. "Die Verwehungen sind bis zu sieben Meter hoch", sagte Steinhoff. "Ich hoffe, dass wir es schaffen." Die größte Sorge bereitete Steinhoff der Katastrophen-Tourismus: "Es ist zu gefährlich, jetzt auf den Brocken zu wollen", warnte er. Eine Einsicht, die auch die Harzer Schmalspurbahnen hatten. Die Brockenbahn fährt nicht. Täglich wird eine Lok mit Schneepflug und -fräse eingesetzt, um Serpentinen und Bahnhof vom Schnee zu befreien.
"Mittwoch beruhigt sich das Wetter, Donnerstag gibt es im Oberharz wieder Schnee", sagte Wetterbeobachter Hübler voraus.
Jetzt aber:
Quelle: Mitteldeutsche ZeitungSchneekampf auf dem Brocken
Eisige Stürme machen Gastwirt und Gästen schwer zu schaffen
VON Ernst Krziwanie und Jan Wätzold, 20.01.04, 21:34h, aktualisiert 21.01.04, 12:35h
Schierke/MZ. "Es ist geschafft". Hans Steinhoff ist erleichtert, als er die Nachricht verbreiten kann: "Brockenstraße geräumt, Gaststätte und Brockenhotel können wieder Gäste empfangen". Nach den schweren Schneestürmen der letzten Tage hat sich die Wetterlage etwas beruhigt, die Straße von Schierke herauf ist seit Dienstag wieder passierbar. Nur die Brockenbahn kann immer noch nicht zum Gipfel dampfen.
Etwa sechs Wochen schon präsentiert sich der Harzberg jenen, die auf ihm arbeiten, und Touristen von seiner unwirtlichsten Seite. "Wir sind ja einiges gewöhnt hier oben. Aber so lang anhaltende Stürme mit pausenlosem Schneefall hatten wir in den vergangenen Jahren nicht", erinnert sich Brockenwirt Steinhoff, der seit 1990 die Gaststätten auf dem Plateau betreibt und sich seitdem zugleich um den Winterdienst kümmert.
Am größten sei das Chaos am Montag gewesen. "Brocken versinkt im Schnee" hieß es da auf dem 1 142 Meter hohen Berg, als die Natur ihre frostige weiße Seite zeigte. Sieben Meter hoch türmte ein Orkan, der mit Stärke elf über das Brockenplateau fegte, die Schneewehen. "Nicht mal das Dach vom Brockenbahnhof war mehr zu sehen, die Brockenstraße nur noch zu erahnen", schildert Steinhoff die Situation. Während Gäste des Brockenhotels aus Sicherheitsgründen vorübergehend in Schierke untergebracht wurden, tauchten aus Schneesturm und Nebel heraus aber immer wieder Katastrophentouristen auf. "Uns ist ja jeder Gast willkommen", meint der Brockenwirt dazu. "Aber bei solchem Wetter riskieren diese ahnungslosen Neugierigen Kopf und Kragen". Abgesehen davon, werde auch der Winterdienst behindert.
Ab 4.30 Uhr bis abends 19 Uhr versuchten Steinhoff und seine Mitarbeiter am Montag, die Schneemassen von der Straße zu räumen. Am Dienstagmorgen ging es weiter. Mit Schneefräse, Radlader und zwei Schneepflügen gelang es schließlich, dass der Weg zum Brocken Dienstagmittag wieder frei war.
Anders als zu Fuß, auf Skiern oder per schwerem Räumgerät lässt sich der höchste Harzgipfel allerdings vorerst nicht erreichen. Für die Brockenbahn, die bei schönem Winterwetter pro Monat zwischen 10000 und 100000 Wanderer und Touristen auf den Berg der Deutschen transportiert, ist bereits seit Donnerstag in Schierke Endstation. Wann die Züge von dort aus
wieder bis zum Gipfel-Bahnhof dampfen können, ist nach Angaben von Kerstin Hahne noch völlig unklar. "So schlimm war es seit 14 Jahren nicht mehr", so die Mitarbeiterin der Harzer Schmalspurbahnen GmbH. Der Schneepflug sei aber jeden Morgen im Einsatz, die Situation könne sich bereits am Mittwoch wieder entspannen. So bald kein Risiko mehr für die Fahrgäste bestehe, gehe der Betrieb weiter.
Glücklich über die Rückkehr der ersten Touristen und Gastronomiemitarbeiter ist besonders Gottfried Glenk. Der Meteorologe hatte während des Schneesturms als einziger auf dem Gipfel ausgeharrt.
Habe gestern und vorgestern Berichte vom Brocken im Fernsehen gesehen... die Häuser waren wirklich nicht mehr zu erkennen. Trotzdem auf den ersten Blick erstaunlich, da viel Schnee (aktuelle Schneehöhe 180 cm) und starker Wind dort oben ja nun wirklich nix Neues sind.