Sehe ich auch so, 6KSB's hinklatschen auf der Wiese hat nix mit Innovation zu tun, und in dieser Hinsicht finde ich sowohl Wart-Schröcken als das Zillertal überhaupt nicht innovativ.Chasseral hat geschrieben:Was ist hier in der Diskussion eigentlich mit Innoivation gemeint. Eine 6KSB zum Beispiel ist sehr modern, aber keine Innovation mehr, sondern Standardtechnologie.
Innovation im Seilbahnsektor - Erfolgsfaktor im Tourismus?
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- Nuno
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^^
Sicher ist es nicht besonders außergewöhnlich, eine 6KSB zu bauen, die gibt's wie Sand am Meer.
Ich wollte sagen, dass ich Warth insofern innovativ finde, dass die innerhalb kürzester Zeit ihr System auf den neuesten Stand gebracht haben, was für zwei so kleine Betreiber nicht nur finanziell enorm ist. Ich denke, die Warther haben heute ein Liftsystem das genauso modern ist wie z. B. das in Ischgl. Nur halt logischerweise viel kleiner dimensioniert. Und damit sind sie in Österreich wohl ziemlich einzigartig und somit innovativ.
Sicher ist es nicht besonders außergewöhnlich, eine 6KSB zu bauen, die gibt's wie Sand am Meer.
Ich wollte sagen, dass ich Warth insofern innovativ finde, dass die innerhalb kürzester Zeit ihr System auf den neuesten Stand gebracht haben, was für zwei so kleine Betreiber nicht nur finanziell enorm ist. Ich denke, die Warther haben heute ein Liftsystem das genauso modern ist wie z. B. das in Ischgl. Nur halt logischerweise viel kleiner dimensioniert. Und damit sind sie in Österreich wohl ziemlich einzigartig und somit innovativ.
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Dem muss ich etwas widersprechen.Nuno hat geschrieben:.....sowohl Wart-Schröcken als das Zillertal überhaupt nicht innovativ.
Zu Wart Schröcken:
War ja früher schon die Destination im Bregenzerwald. Nach großen Umbau wurde sher wohl mit den neuen Bahnen geworben, schließlich setzte man noch eines drauf, und baute teilweise Sitzheizungen ein. Damit waren sie, mit Lech, wohlgemerkt, die ersten, die sowas hatten.
Das deute ich auf 2 Varianten:
1.) Man arbeitet auf den lifttechnischen Zusammenschluss im Lech hin, da man jetzt schon die Anlagenqualität von Lech hat.
2.) Oder man wollte nur eine gewisse Publicity aus der Sache schlagen, und 3 neue Bahnen, das ist schon ein relativ großer Werbeeffekt.
Und die Sitzheizung ist keine schlechte Sache und hat ihre Werbewirksamkein in Lech unter Beweis gestellt. Dürfte also in Wart Schröcken auch funktioniert haben.
Zillertal:
Die waren immer inovativ: Sage nur Penkenbahn, Tux 150, neue Ahornbahn, die Funitels in Hintertux, die erste 6er Sesselbahn in Österreich, etc.
MFG Dachstein
Skitage 2012/13: 62 Stubaier Gletscher 11.10.12 Kurzbesuch, Hintertuxer Gletscher - 8.11.12 - Nach getaner Arbeit..., KSH 15.11.12 - Überm Nebelmeer, Obertauern (S) / 26.11.2012 / (Noch) klein, aber fein, Loferer Alm 8.12.12 - 8er Schwarzeck, Flachauwinkl - Kleinarl 9.12.12 - eine unbekannte Seite...,Schiwelt 13.12.12 - ein kalter Skinachmittag, Verbindungsbahn Alpbachtal 14.12.12,Dachstein West - 24.12.12 Antiweihnachtsstressski, Zinken, 31.12.12 --Jahresendski--, Heutal, 9.1.13 - Spaß im Schnee in der Näh', Rauris 9.1.13, Gemischte Gefühle, Gaißau Hintersee - 16.1.13 *Nebelflucht* Zauchensee 23.1.13, Reitherkogel 24.1.13 - Nachtschi überm Inntal, SFL - Ersatz Stubaier Gletscher 25.1.13, Fanningberg 2.3.13, Silvretta - Arena 24. / 25. 4. 13 - Ischg(ei)l, Sölden 5.5.13 - und die wollen wirklich zusperren?!
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So würde ich das auch sehen. Innovativität geht immer einher mit etwas Neuem, etwas was es vorher so nicht gegeben hat. Also eine Weltneuheit, ein Beeinflussen technischer Standards.wikipedia hat geschrieben:Innovation heißt wörtlich „Neuerung“ oder „Erneuerung“. Das Wort ist von den lateinischen Begriffen novus „neu“ und innovatio „etwas neu Geschaffenes“ abgeleitet. Im Deutschen wird der Begriff heute im Sinne von neuen Ideen und Erfindungen sowie für deren wirtschaftliche Umsetzung verwendet.
Innovativ waren/sind also z.B.:
- der erste SL, die erste Sesselbahn, die erste KSB, die erste 3S, das erste Funitel...
auch:
- die 6KSB Eisjoch als 1. KSB auf Gletschereis
- die Galzigbahn wegen ihrem Einstiegsmechanismus
- die 8EUB Schwarze Schneid wegen der Stütze im Gletscher
- die erste Sesselbahn mit Sitzheizung (ob man das nun sinnvoll findet oder nicht)
- das erste Double Embarquement
- die erste "2in1-Bahn" (Bollin-Fresse)
- die erste Doppelstock-PB
usw... hab sicher noch das eine oder andere vergessen, aber es sollte klar sein was gemeint ist.
Ischgl z.B. ist ein gutes Gegenbeispiel: im Seilbahnsektor überhaupt keine Innovationen, alles von der Stange. Trotzdem sehr moderne Anlagen. (In anderen Sektoren sind sie - z.B. was Marketing oder die gar nicht alle so dummen Ideen des Herrn Aloys betrifft - dagegen wieder durchaus als innovativ zu bezeichnen!)
Im Zillertal ähnlich, hier könnte man vielleicht noch den GB3 als innovativ gelten lassen aufgrund der sehr speziellen Trassen- und Platzverhältnisse.
Dove vai senza sci?
Wege entstehen, indem man sie geht.
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Downhills Innovations-Definition hat sicher etwas für sich, es ist die objektive Sichtweise.
Ich bevorzuge für den Tourismus die sog. subjektive Innovationsdefinition nach RODGERS (1983, Neuauflage 2003):
"An innovation is a thing perceived as new by an individual"
D.h. es kommt eben nicht auf den absoluten Neuheitswert an, sondern den relativen, den z.B. der relativ eingeschränkte Tagesgästeradius einer kleinen Skidestination beurteilen kann. Die objektive Sichtweise ist sicher für "Experten" wie unseren User-Kreis zutreffend, für den gemeinen Skitouristen, der oftmals bei der Destinationswahl gar nicht über den regional-national-linguistischen Tellerrand blickt, sicherlich weniger. So kann z.B. eine 3-SB an der Grimmialp im Diemtigtal von den Stammgästen dort als wichtige Innovation/Verbesserung angesehen werden, während die 5. 6-KSB in Ischgl oder Tignes nicht mehr viele Leute bewegt. Oder das System war in dieser Region einfach nicht bekannt: Bspw. die Bubbles sind in F so selten, dass sie in Les Arcs die 6-KSB Plagnettes 2 danach benennen (Arcabulle). Das gabs in AT vor 10 Jahren (Bubble-Shuttle, Cabrio...). Ebenso sind Ahorn- und 150er-Bahn im Zillertal Highlights. In Alpe d' Huez und Courchevel fährt man seit 1989 respektive 198X mit 160er Kabinen. Gähn... Das selbe wiederum gilt für die Tuxer Funitels, die ja wg des unterschiedlichen Systems (DLM vs DMC) eine Neuentwicklung von DM für den österreichischen Markt waren etc.
Wenn man Innovation so etwas weiter definiert hat man auch Chancen, irgendeinen Impact versuchen zu messen. Denn absolute Erstlingsrekorde, wie die von Downhill aufgezählten, die klappert höchstens der enzyklopädisch veranlagte Forumler ab, aber nicht Otto Normalskifahrer, für den nach 2-3 Jahren eine Neuerung Standard geworden ist und sich wundert, warum nicht überall 6-KSB stehen oder Sitzheizungen den Hintern warmhalten.
Ich bevorzuge für den Tourismus die sog. subjektive Innovationsdefinition nach RODGERS (1983, Neuauflage 2003):
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D.h. es kommt eben nicht auf den absoluten Neuheitswert an, sondern den relativen, den z.B. der relativ eingeschränkte Tagesgästeradius einer kleinen Skidestination beurteilen kann. Die objektive Sichtweise ist sicher für "Experten" wie unseren User-Kreis zutreffend, für den gemeinen Skitouristen, der oftmals bei der Destinationswahl gar nicht über den regional-national-linguistischen Tellerrand blickt, sicherlich weniger. So kann z.B. eine 3-SB an der Grimmialp im Diemtigtal von den Stammgästen dort als wichtige Innovation/Verbesserung angesehen werden, während die 5. 6-KSB in Ischgl oder Tignes nicht mehr viele Leute bewegt. Oder das System war in dieser Region einfach nicht bekannt: Bspw. die Bubbles sind in F so selten, dass sie in Les Arcs die 6-KSB Plagnettes 2 danach benennen (Arcabulle). Das gabs in AT vor 10 Jahren (Bubble-Shuttle, Cabrio...). Ebenso sind Ahorn- und 150er-Bahn im Zillertal Highlights. In Alpe d' Huez und Courchevel fährt man seit 1989 respektive 198X mit 160er Kabinen. Gähn... Das selbe wiederum gilt für die Tuxer Funitels, die ja wg des unterschiedlichen Systems (DLM vs DMC) eine Neuentwicklung von DM für den österreichischen Markt waren etc.
Wenn man Innovation so etwas weiter definiert hat man auch Chancen, irgendeinen Impact versuchen zu messen. Denn absolute Erstlingsrekorde, wie die von Downhill aufgezählten, die klappert höchstens der enzyklopädisch veranlagte Forumler ab, aber nicht Otto Normalskifahrer, für den nach 2-3 Jahren eine Neuerung Standard geworden ist und sich wundert, warum nicht überall 6-KSB stehen oder Sitzheizungen den Hintern warmhalten.
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Interessante Diskussion! Hilfreich in dieser Diskussion koennte das Innovationskonzept der OECD (OSLO Manual) sein (http://www.oecd.org/dataoecd/35/61/2367580.pdf)
Dort werden Innovationen in "Products new to the market" (z.B erster kuppelbarer Sessellift weltweit oder in einem Land) und "products new to the firm" (erster neuer kuppelbarer sessellift im Skigebiet sein) unterschieden. Letzterer Indikator misst die Diffusion neuer Technologien, während Marktneuheiten "products new to the market" radikale Innovationen messen.
Legt man die internationalen Seilbahnstatistiken zugrunde so scheint die Diffusion von "fast lifts"/""high-speed lifts" (z.B. CLD, EUB, funitel) in AT weiter vorangeschritten zu sein als in CH.
gruss martin
Dort werden Innovationen in "Products new to the market" (z.B erster kuppelbarer Sessellift weltweit oder in einem Land) und "products new to the firm" (erster neuer kuppelbarer sessellift im Skigebiet sein) unterschieden. Letzterer Indikator misst die Diffusion neuer Technologien, während Marktneuheiten "products new to the market" radikale Innovationen messen.
Legt man die internationalen Seilbahnstatistiken zugrunde so scheint die Diffusion von "fast lifts"/""high-speed lifts" (z.B. CLD, EUB, funitel) in AT weiter vorangeschritten zu sein als in CH.
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Hmmm, dann ist der wesentliche Unterschied zwischen Marius' und meiner Definition also der "beschränktere" Horizont. Es läuft also auf eine Abgrenzung bzw. Abschottung hinaus, z.B. geographisch. Global gesehen sind das dann vielleicht bestenfalls Halbinnovationen, aber durch die Wahrnehmung des Gastes werden sie zu echten.
Insgesamt würde ich den Stellenwert von Innovationen bei der Skigebietswahl nicht zu hoch einschätzen. Sie sind das i-Tüpfelchen, aber mehr nicht. Entscheidend ist - auch bei "Kennern" - immer noch das Gesamtpaket. Ansonsten fährt man vielleicht ein Mal hin - aber dann nie wieder
Insgesamt würde ich den Stellenwert von Innovationen bei der Skigebietswahl nicht zu hoch einschätzen. Sie sind das i-Tüpfelchen, aber mehr nicht. Entscheidend ist - auch bei "Kennern" - immer noch das Gesamtpaket. Ansonsten fährt man vielleicht ein Mal hin - aber dann nie wieder
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*lest sein eigen Post noch mal ganz*Dachstein hat geschrieben:Dem muss ich etwas widersprechen.Nuno hat geschrieben:.....sowohl Wart-Schröcken als das Zillertal überhaupt nicht innovativ.
...
Ich habe ganz klar gemeint dass das hinklatschen von 6KSB's und ersetzen von SB's durch KSB's an sich nicht innovativ ist, und somit an sich kein Hinweis auf Innovativität ist. Die Konzepte die man um (diese) technischen Neuerungen vermarktet, können schon innovativ sein
edit:
Rogers Definition finde ich sehr gut. Auch Hägarstrands "Spatial Diffusion as an Innovation Process" (1967) könnte lesenswert sein für interessierten. Es handelt über die Räumliche Diffusion von Innovations(prozesse)Ich bevorzuge für den Tourismus die sog. subjektive Innovationsdefinition nach RODGERS (1983, Neuauflage 2003):
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Emilius3557
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Hägerstrand ist ein Klassiker, ja. Zu schade, dass er bereits 2004 verstorben ist, hätte ihn gerne noch kennengelernt.
Räumliche Gründe kann das haben, aber die Diffusion wird nicht nur durch Informationsbarrieren gebremst, sondern gerade im Seilbahnsektor massiv durch regulierende Staatseingriffe. Wir hatten ja oft schon das Thema, dass gewisse technische Sachverhalte nur in einigen Ländern zugelassen sind. Außeralpine Länder sind wohl generell generöser mit der Zulassung neuer Lifttechnologie, wenn man z.B. nur das Problem der Mehrfachsessellifte nimmt. DM wollte wohl gleich nach dem 2er zum 4er Übergehen: nicht genehmigt, 3er als Zwischenstufe notwendig.
Jein. Es liegt an der begrenzten Informationsaufnahme- u. -verarbeitungskapazität des Menschen, um mit Hägerstrand zu sprechen: "capability constraints", dass man eben gar nicht alle Neuerungen kennen kann. Dann sieht man eine solche, auch wenn sie objektiv gesehen gar nicht mehr neu ist, und denkt sich "jöh, des is was neis, des is guad". Und Informationsstand eines Individuums korreliert heute eben nicht mehr in jedem Fall stark mit der Distanz zum Innovationszentrum, gerade das Internet und die elektronischen Medien/Kommunikationsmittel haben da extrem viel verschoben.dann ist der wesentliche Unterschied zwischen Marius' und meiner Definition also der "beschränktere" Horizont. Es läuft also auf eine Abgrenzung bzw. Abschottung hinaus, z.B. geographisch
Räumliche Gründe kann das haben, aber die Diffusion wird nicht nur durch Informationsbarrieren gebremst, sondern gerade im Seilbahnsektor massiv durch regulierende Staatseingriffe. Wir hatten ja oft schon das Thema, dass gewisse technische Sachverhalte nur in einigen Ländern zugelassen sind. Außeralpine Länder sind wohl generell generöser mit der Zulassung neuer Lifttechnologie, wenn man z.B. nur das Problem der Mehrfachsessellifte nimmt. DM wollte wohl gleich nach dem 2er zum 4er Übergehen: nicht genehmigt, 3er als Zwischenstufe notwendig.
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@Marius: Insgesamt ist das völlig einleuchtend und überzeugend was du sagst - mit einer kleinen Einschränkung:
Aber grundsätzlich ist mir klar, was du aussagen willst und es ist ja auch so: Manchmal muss man überzeichnen, damit man richtig klar macht, worauf man hinaus will. Ich verbuchs mal unter dieser Kategorie.
Hier übertreibst du meines Erachtens ein wenig. Als Verbesserung wird die 3-SB Grimmialp wahrgenommen, keine Frage. Aber als Innovation wird eine 3-SB wohl auch im hintersten Winkel des Berner Oberlandes nicht mehr angesehen. Dazu ist jeder Mitteleuropäer viel zu sehr globalsiert. Vielmehr wird man lokal urteilen: "Schön, dass wir die Grimmialp durch Verbesserungen am Leben erhalten können, auch wenn dies aufgrund der bescheidenen Möglichkeiten nur mit eigentlich veralteten Technologien möglich ist." So realistisch wird man im Kreise der Bevölkerung und der Stammkunden sein.Marius hat geschrieben:... So kann z.B. eine 3-SB an der Grimmialp im Diemtigtal von den Stammgästen dort als wichtige Innovation/Verbesserung angesehen werden, während die 5. 6-KSB in Ischgl oder Tignes nicht mehr viele Leute bewegt.
Aber grundsätzlich ist mir klar, was du aussagen willst und es ist ja auch so: Manchmal muss man überzeichnen, damit man richtig klar macht, worauf man hinaus will. Ich verbuchs mal unter dieser Kategorie.
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@Chasseral: alles richtig.
muss man sich Gegenargumenten stellen.
In meinem Innovativitätsranking würde die Grimmialp eben deshalb sehr schlecht abschneiden, weil sie mit Jahrzehnten-Verspätung eben einen Lifttyp adaptiert.
Aber, da es der erste Sessellift des Skigebietes ist kann man die dortige Erstadaption mit gewissem Recht eben schon als Innovation ansehen - auch wenn sie mit extremen time lag der Hauptwelle hinterhersegelt. Und wenn man sich die Frequenzen des ersten Winters dort ansieht, erkennt man, dass solche egtl unbedeutenden Innovationen oft relativ grössere Auswirkungen zeitigen als teurere und für sich betrachtet bedeutendere Anlagen in grösseren Skigebieten.
Sicherlich ist das so. Sobald man sich eben auch Fallbeispielebene "herablässt""Schön, dass wir die Grimmialp durch Verbesserungen am Leben erhalten können, auch wenn dies aufgrund der bescheidenen Möglichkeiten nur mit eigentlich veralteten Technologien möglich ist." So realistisch wird man im Kreise der Bevölkerung und der Stammkunden sein
In meinem Innovativitätsranking würde die Grimmialp eben deshalb sehr schlecht abschneiden, weil sie mit Jahrzehnten-Verspätung eben einen Lifttyp adaptiert.
Aber, da es der erste Sessellift des Skigebietes ist kann man die dortige Erstadaption mit gewissem Recht eben schon als Innovation ansehen - auch wenn sie mit extremen time lag der Hauptwelle hinterhersegelt. Und wenn man sich die Frequenzen des ersten Winters dort ansieht, erkennt man, dass solche egtl unbedeutenden Innovationen oft relativ grössere Auswirkungen zeitigen als teurere und für sich betrachtet bedeutendere Anlagen in grösseren Skigebieten.
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Ein skurriles Beispiel für Innovationen und Modernität bei den Liftanlagen ist La Clusaz.
La Clusaz verfügte 1980 bereits über drei KSBen. Damit dürfte das Gebiet damals alpenweit zu den Spitzenreitern gehört haben, was die Ausstattung mit KSBen betrifft. Kurios ist aber: Seitdem wurde in diesem Gebiet mit inzwischen etwa 50 Liftanlagen keine einzige KSB mehr gebaut! So wird dieses einst höchst fortschrittlich Gebiet von einigen Leuten als völlig rückständig bezeichnet.
In der Zwischenzeit wurden 9 neue Sesselbahnen gebaut - bis zu 1700 Meter lang; aber alle sind fixgeklemmt. Die nächste kuppelbare Bahn mit Sesseln wird derzeit gebaut - eine Kombibahn als Ersatz für eine Pendelbahn; sie geht zur Wintersaison 2007/2008 in Betrieb. Dann sind sage und schreibe 28 Jahre seit der Fertigstellung der letzten KSB vergangen.
Es wäre jedoch nicht zutreffend, La Clusaz als völlig innovationsresistent zu bezeichnen. Immerhin wurden in dieser Zwischenzeit vier grosse EUBen gebaut, und zwar als 16-EUB, 12-EUB, 10-EUB und 8-EUB. Gerade die 12er und die 16er dürften sogar zu den ersten ihrer Art gezählt haben.
Was im Zusammenhang mit dem Bau der vielen fixgeklemmten Sesselbahnen noch wichtig zu wissen ist: Das Skigebiet von La Clusaz hat sich seit 1980 stark weiterentwickelt. Es ist wohl eines der Skigebiete, die in diesem Zeitraum noch am meisten gewachsen sind - flächenmässig betrachtet. Die neu gebauten (fixgeklemmten) Sesselbahnen waren keine Ersatzanlagen, sondern Erweiterungsanlagen. Bei vielen dieser Bahnen handelte es sich darüberhinaus nicht um Parallelanlagen, sondern es wurden neue Geländekammern oder sogar "neue Berge" erschlossen. Und jetzt komme ich zu einer Theorie, die rein meiner subjektiven Einschätzung entspricht: Eine innovative und damit teure Anlage ist als Ersatzanlage eher zu finanzieren als bei einer Neuerschliessung. Dies hat folgenden Grund. Bei einer Neuanlage ist kein Kapital aus den Einnahmen der Vorgängeranlage vorhanden, man startet sozusagen "bei Null" und die Investition ist mit einem starken Risiko behaftet. Bei einer Ersatzanlage hingegen sollte Kapital vorhanden sein, das aus dem Betrieb der Vorgängeranlage erwirtschaftet worden ist. Damit kann man sich im Regelfall eine teurere Anlage leisten.
Mich würde einmal interessieren, wie hoch der Anteil teurer Anlagen bei Ersatzanlagen ist und wie hoch dieser Anteil bei Neuanlagen ist. Wäre aber sicherlich schwierig, dies zu untersuchen.
Ein weiterer Grund für den konsequenten Bau fixgeklemmter 4SB in La Clusaz könnte folgender sein. Das Gebiet ist eines der von Genf aus am schnellsten zu erreichenden Skigebieten. Damit erfährt dieses Gebiet einen riesigen Ansturm am Wochenende. Unter der Woche sind die Anlagen bei weitem nicht ausgelastet. Daraus ergeben sich folgende Anforderungen an den Anlagenpark:
1. Hohe Beförderungskapazität für die Spitzenbelastung am Wochenende.
2. Geringe Investitions- und Betriebskosten, was der Tatsache geschuldet ist, dass die erforderliche hohe Auslastung an 70% der Skitage nicht erreicht wird.
Diesen Anforderungen entspricht wohl kein Anlagentyp besser als die 4KSB.
Und noch ein weiteres Merkmal könnte es geben: La Clusaz hat sich mit einigen Teilgebieten (insgesamt sind es 5 untereinander verbundene Skigebiete) als Zentrum für Freeriding, Routen und schwarzen Pisten etabliert. Das Gebiet gilt als das sportlichste Hochsavoyens. Damit hat sich das Gebiet womöglich ein Stück weit dem harten Konkurrenzkampf entzogen und ein Publikum aufgebaut, das wegen den Pisten kommt und für das die Qualität der Aufstieghilfen eine weniger hohe Bedeutung hat. Dieser letzte Satz trifft zumindest auf mich persönlich zu. Unter anderem aus diesem Grund werde ich La Clusaz im kommenden Winter besuchen.
La Clusaz verfügte 1980 bereits über drei KSBen. Damit dürfte das Gebiet damals alpenweit zu den Spitzenreitern gehört haben, was die Ausstattung mit KSBen betrifft. Kurios ist aber: Seitdem wurde in diesem Gebiet mit inzwischen etwa 50 Liftanlagen keine einzige KSB mehr gebaut! So wird dieses einst höchst fortschrittlich Gebiet von einigen Leuten als völlig rückständig bezeichnet.
In der Zwischenzeit wurden 9 neue Sesselbahnen gebaut - bis zu 1700 Meter lang; aber alle sind fixgeklemmt. Die nächste kuppelbare Bahn mit Sesseln wird derzeit gebaut - eine Kombibahn als Ersatz für eine Pendelbahn; sie geht zur Wintersaison 2007/2008 in Betrieb. Dann sind sage und schreibe 28 Jahre seit der Fertigstellung der letzten KSB vergangen.
Es wäre jedoch nicht zutreffend, La Clusaz als völlig innovationsresistent zu bezeichnen. Immerhin wurden in dieser Zwischenzeit vier grosse EUBen gebaut, und zwar als 16-EUB, 12-EUB, 10-EUB und 8-EUB. Gerade die 12er und die 16er dürften sogar zu den ersten ihrer Art gezählt haben.
Was im Zusammenhang mit dem Bau der vielen fixgeklemmten Sesselbahnen noch wichtig zu wissen ist: Das Skigebiet von La Clusaz hat sich seit 1980 stark weiterentwickelt. Es ist wohl eines der Skigebiete, die in diesem Zeitraum noch am meisten gewachsen sind - flächenmässig betrachtet. Die neu gebauten (fixgeklemmten) Sesselbahnen waren keine Ersatzanlagen, sondern Erweiterungsanlagen. Bei vielen dieser Bahnen handelte es sich darüberhinaus nicht um Parallelanlagen, sondern es wurden neue Geländekammern oder sogar "neue Berge" erschlossen. Und jetzt komme ich zu einer Theorie, die rein meiner subjektiven Einschätzung entspricht: Eine innovative und damit teure Anlage ist als Ersatzanlage eher zu finanzieren als bei einer Neuerschliessung. Dies hat folgenden Grund. Bei einer Neuanlage ist kein Kapital aus den Einnahmen der Vorgängeranlage vorhanden, man startet sozusagen "bei Null" und die Investition ist mit einem starken Risiko behaftet. Bei einer Ersatzanlage hingegen sollte Kapital vorhanden sein, das aus dem Betrieb der Vorgängeranlage erwirtschaftet worden ist. Damit kann man sich im Regelfall eine teurere Anlage leisten.
Mich würde einmal interessieren, wie hoch der Anteil teurer Anlagen bei Ersatzanlagen ist und wie hoch dieser Anteil bei Neuanlagen ist. Wäre aber sicherlich schwierig, dies zu untersuchen.
Ein weiterer Grund für den konsequenten Bau fixgeklemmter 4SB in La Clusaz könnte folgender sein. Das Gebiet ist eines der von Genf aus am schnellsten zu erreichenden Skigebieten. Damit erfährt dieses Gebiet einen riesigen Ansturm am Wochenende. Unter der Woche sind die Anlagen bei weitem nicht ausgelastet. Daraus ergeben sich folgende Anforderungen an den Anlagenpark:
1. Hohe Beförderungskapazität für die Spitzenbelastung am Wochenende.
2. Geringe Investitions- und Betriebskosten, was der Tatsache geschuldet ist, dass die erforderliche hohe Auslastung an 70% der Skitage nicht erreicht wird.
Diesen Anforderungen entspricht wohl kein Anlagentyp besser als die 4KSB.
Und noch ein weiteres Merkmal könnte es geben: La Clusaz hat sich mit einigen Teilgebieten (insgesamt sind es 5 untereinander verbundene Skigebiete) als Zentrum für Freeriding, Routen und schwarzen Pisten etabliert. Das Gebiet gilt als das sportlichste Hochsavoyens. Damit hat sich das Gebiet womöglich ein Stück weit dem harten Konkurrenzkampf entzogen und ein Publikum aufgebaut, das wegen den Pisten kommt und für das die Qualität der Aufstieghilfen eine weniger hohe Bedeutung hat. Dieser letzte Satz trifft zumindest auf mich persönlich zu. Unter anderem aus diesem Grund werde ich La Clusaz im kommenden Winter besuchen.
Zuletzt geändert von Chasseral am 19.11.2006 - 21:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Vielen Dank für diesen hochinteressanten Beitrag, dessen Thesen allemal eine Überprüfung wert wären.
Zumindest die Frage, welche Anlagen-Typen wann für Neuerschließungen herangezogen werden konnten kann ich für Österreich beantworten sobald ich wieder ein Statistik-Paket zugänglich habe.
Zumindest die Frage, welche Anlagen-Typen wann für Neuerschließungen herangezogen werden konnten kann ich für Österreich beantworten sobald ich wieder ein Statistik-Paket zugänglich habe.
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