Innovation im Seilbahnsektor - Erfolgsfaktor im Tourismus?
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Emilius3557
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Innovation im Seilbahnsektor - Erfolgsfaktor im Tourismus?
Ich hätte gerne von euch ein paar Aussagen zum Thema Seilbahnen und Skilifte als Innovationen im Tourismus:
- wie würdet ihr, wenn ihr nur die offizielle Seilbahnstatistik zur Verfügung habt, Innovativität einzelner Destinationen messen?
- Seid ihr der Meinung, dass Innovativität bzgl Aufstiegshilfen (definiert als: im-mer möglichst früh im Innovationszyklus eine Anlage dieses Typs gebaut) ein erklärender Faktor für touristischen Erfolg (gemessen an Ankünften, Über-nachtungen) darstellt?
- Oder ist Innovation gar nicht so bedeutend und andere Faktoren wie z.B. allgemeine Modernität des Anlagenparks ausschlaggebender (z.B. Sölden: wenig 6KSB, keine 8KSB, aber viele 4KSB und generell hohes Modernitätsniveau)
- Gibt es eurer Meinung nach in Österreich über die letzten 50 Jahre betrachtet besonders innovative Gemeinden/Destinationen? Sind diese besonders er-folgreich oder ergibt sich ihr möglicher Erfolg aus ihrer schieren Größe, die gleichzeitig auch die Innovationsimplementation ermöglicht hat?
- sind größere Destinationen (Def: mehr Lift-Kap in PHm gemessen) generell innovativer als kleine? Woran könnte das liegen?
- welche Rolle spielen persönliche Faktoren, wirtschaftliche Überlegungen (z.B. Rendite statt Investition) und die Rolle der Hersteller bei der Adaptionsentscheidung für eine Innovation?
- meint ihr, dass es Innovationszyklen dergestalt gibt, dass viele Destinationen gewisse Innovationen einfach übergehen, weil es nicht ins Investitionsprogramm passt und die erst neulich gebauten weniger modernen Anlagen abgeschrieben werden müssen? (Bsp. einige Destinationen haben viele 3SBs, bei anderen häufen sich 4KSB, 6KSB)
- Kleine, innovative Destinationen: würdet ihr kleine Destinationen, die zwar nur wenige Innovationen implementiert haben (z.B. recht früh eine DSB oder 3SB oder 6KSB oder 8EUB), weil sie eben nur wenige Anlagen überhaupt ersetzen können und die Investitionszyklen nicht das Aufspringen auf jeden Innovativitätszug erlaubt, ebenfalls als innovativ werten?
- Was sind aus eurer Sicht die skitouristischen Nachfragetrends seit etwa 1975? (nur auf die Liftanlagen abstellen) (mehr Komfort, mehr Geschwindigkeit, we-niger Wartezeit, mehr Sitzen, weniger Stehen bzw. sind diese Faktoren alle nur Umschreibungen für „Qualität/Komfort“ gegenüber Quantität?)
- Klimaerwärmung bzw. Trend zu Neuerschließungen und Trend zu immer hö-heren Bergstationen: was trifft eurer Meinung nach auf Österreich seit 1975 zu? Gab es seit 1999 besonders viele Neuerschließungen (Def.: auf dieser Trasse stand vorher kein Lift, diese Geländekammer war vorher nicht erschlossen)? Wurden besonders viele, hochgelegene Anlagen errichtet? Stößt der Trend nach oben nicht bereits seit längerem an die topographischen / politischen Grenzen (bsp. Nationalparke, Naturschutzgebiete)? (v.a. in Österreich außerhalb Tirols)
- Ersatzanlagen: meint ihr, dass spezielle Liftinnovationen wie 4SB, 6KSB oder 8EUB besonders markant einige ältere Lifttypen ablösen, oder gibt es da keine Auffälligkeiten (d.h. jeder Typ ersetzt gleichwertig alle anderen Anlagentypen)?
Müsst nicht alles beantworten: freue mich über jeden Beitrag oder Denkanstoß!
- wie würdet ihr, wenn ihr nur die offizielle Seilbahnstatistik zur Verfügung habt, Innovativität einzelner Destinationen messen?
- Seid ihr der Meinung, dass Innovativität bzgl Aufstiegshilfen (definiert als: im-mer möglichst früh im Innovationszyklus eine Anlage dieses Typs gebaut) ein erklärender Faktor für touristischen Erfolg (gemessen an Ankünften, Über-nachtungen) darstellt?
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- Gibt es eurer Meinung nach in Österreich über die letzten 50 Jahre betrachtet besonders innovative Gemeinden/Destinationen? Sind diese besonders er-folgreich oder ergibt sich ihr möglicher Erfolg aus ihrer schieren Größe, die gleichzeitig auch die Innovationsimplementation ermöglicht hat?
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- welche Rolle spielen persönliche Faktoren, wirtschaftliche Überlegungen (z.B. Rendite statt Investition) und die Rolle der Hersteller bei der Adaptionsentscheidung für eine Innovation?
- meint ihr, dass es Innovationszyklen dergestalt gibt, dass viele Destinationen gewisse Innovationen einfach übergehen, weil es nicht ins Investitionsprogramm passt und die erst neulich gebauten weniger modernen Anlagen abgeschrieben werden müssen? (Bsp. einige Destinationen haben viele 3SBs, bei anderen häufen sich 4KSB, 6KSB)
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Re: Innovation im Seilbahnsektor - Erfolgsfaktor im Tourismu
Deine Frageliste ist sehr umfangreich und tiefgehend, wobei einige/viele der Fragen kaum ad-hoc beantwortet werden können. Ein paar Punkte möchte ich trotzdem mal anbringen (später dann vielleicht mehr). Gleich mal eine GegenfrageMarius hat geschrieben:Ich hätte gerne von euch ein paar Aussagen zum Thema Seilbahnen und Skilifte als Innovationen im Tourismus:
Hm, schwierige Frage. Vorab sollte der Innovationsbegriff in diesem Zusammenhang geklärt werden, zunächst insbesondere wie weit man Innovation fassen will, also lediglich technische Innovationen (halte ich persönlich für viel zu eng) oder aber darüber hinaus auch organisatorische. Nächstes Kriterium wären dann "objektive" (z.B. gänzlich neue Innovation) versus "subjektive" Innovation (z.B. neu nur für das betreffende Skigebiet). Diese an sich einfache Unterteilung wird erschwert dadurch, dass die Grenzen oft recht fliessend sind. Wichtig wär mir eine Diskussion des Innovationsbegriffes im Dienstleistungssektor (ist im Moment auch in der Innovationsforschung ein gängiger Trend), da ja das Produkt "Skigebiet" eine typische Dienstleistung darstellt. Innovationen umfassen dann zum einen technische Aspekte (neue Entwicklungen der Seilbahnhersteller, die von "aussen" oder auch unter Mitwirkung/Anregung der Skigebietsbetreiber selbst entwickelt werden), organisatorische (z.B. vertikale/horizontale Diversifikaton der Skigebietsbetreiber), Anbieter-Kunden-Beziehungen (Skipasssysteme, Zutrittssysteme etc.), horizontale/vertikale Kooperationen (z.B. Liftpassverbundsysteme), neue Marketingkonzepte (zB. Best of Alps), Vertriebsformen, neue Angebote (z.B. Alpine Coaster). Auch diese organisatorischen Innovationen weisen dabei oft technologische Komponenten auf (z.B. braucht es neue Zutrittsysteme, neue Verrechnungssysteme etc.).- wie würdet ihr, wenn ihr nur die offizielle Seilbahnstatistik zur Verfügung habt, Innovativität einzelner Destinationen messen?
Leider geben die amtlichen Seilbahnstatistiken für diese umfassenden Innovationen kaum was her. Im Prinzip kann man mit ihnen wohl nur technologische Innovationen hinsichtlich der Aufstiegshilfen adäquat erfassen.
Ja ganz unbedingt. Wobei für den Erfolg einer Skistation natürlich noch eine Reihe anderer Determinanten, von denen gar nicht einmal alle von den Betreibern beeinflusst werden können, eine grosse Rolle spielen. Letztlich spielen auch Monopolrenten eine grosse Rolle - es gibt eben nur einen höchsten Berg der Alpen, oder auch nur ein Matterhorn etc.- Seid ihr der Meinung, dass Innovativität bzgl Aufstiegshilfen (definiert als: im-mer möglichst früh im Innovationszyklus eine Anlage dieses Typs gebaut) ein erklärender Faktor für touristischen Erfolg (gemessen an Ankünften, Über-nachtungen) darstellt?
Diese Frage steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Definition des Innovationsbegriffs. Ist Sölden nicht auch durch eine besonders hohe Innovationsbereitschaft/-intensität gekennzeichnet ? (Gletschertunnel, Systembildung des Skigebiets, Gletscherskischaukel, ...). Abseits von Innovationen im technischen Bereich war Sölden auch recht innovativ was das Marketing, Zielgruppenorientierung, aussersaisonale Angebote etc. betrifft (war Sölden nicht einer der ersten Orte in Österreich die grosse Events/Spektakel durchführten, z.B. Saison-Openings als Party-Events etc. ?).- Oder ist Innovation gar nicht so bedeutend und andere Faktoren wie z.B. allgemeine Modernität des Anlagenparks ausschlaggebender (z.B. Sölden: wenig 6KSB, keine 8KSB, aber viele 4KSB und generell hohes Modernitätsniveau)
Die Frage beschäftigt mich auch seit längerem. Eventuell sollte man die letzten 50 Jahren in Phasen/Zyklen gliedern. In der ersten Phase (50er Jahre ... Skisport als beginnender Massentourismus) waren m.E. andere Orte erfolgreich (im Prinzip noch jene Orte, die auch schon in der Früh-Ski-Phase der 20er Jahre aktiv waren) als in den späteren Phasen. Als eine mögliche Gliederung bietet sich die Phasengliederung des Skitourismus generell an: Innovationsphase (50er Jahre), Wachstumsphase (60er/70er Jahre), Reifephase (80er Jahre), Sättigungsphase (? 90er ---> ?).Gibt es eurer Meinung nach in Österreich über die letzten 50 Jahre betrachtet besonders innovative Gemeinden/Destinationen? Sind diese besonders er-folgreich oder ergibt sich ihr möglicher Erfolg aus ihrer schieren Größe, die gleichzeitig auch die Innovationsimplementation ermöglicht hat?
Die Erfolgsbedingungen und gleichzeitig die Bedeutung von Innovationen waren in den jeweiligen Phasen sicherlich etwas unterschiedlich, einige der frühen Innovationszentren haben relativ an Bedeutung verloren (z.B. einige Orte im Osten Österreichs), andere früher bedeutungslose Orte konnten (auch durch technische Innovationen, aber v.a. sicher durch organistorische ---> planhaftes Aufbauen der Lift- und Pistennetzes zu einem systemischen Ganzen) sogar "leap-froggen".
Hm, erste Reaktion wäre ja, v.a. was technische Innovationen betrifft. Wesentlicher Grund ist die Finanzierung.
- sind größere Destinationen (Def: mehr Lift-Kap in PHm gemessen) generell innovativer als kleine? Woran könnte das liegen?
Das würde ein weites Feld für Einzelfallanalysen bieten. In vielen Skistationen gab es sowas wie Pioniere der Skigebietsentwicklung, die oft auch gegen die mangelnde Innovationsbereitschaft vor Ort ankämpfen mussten. Einige dieser Pionierschicksale sind tragisch verlaufen, andere wurden zu regelrechten Ortskaiser. Auf alle Fälle waren diese Pioniere entrepreneurs im Schumpeterschen Sinn (was den Bogen zum Innovationsbegriff wieder spannt- welche Rolle spielen persönliche Faktoren, wirtschaftliche Überlegungen (z.B. Rendite statt Investition) und die Rolle der Hersteller bei der Adaptionsentscheidung für eine Innovation?
Ja, siehe dazu die Idee von den Phasen im "Produktlebenszyklus" des Skisports weiter oben.- meint ihr, dass es Innovationszyklen dergestalt gibt, dass viele Destinationen gewisse Innovationen einfach übergehen, weil es nicht ins Investitionsprogramm passt und die erst neulich gebauten weniger modernen Anlagen abgeschrieben werden müssen? (Bsp. einige Destinationen haben viele 3SBs, bei anderen häufen sich 4KSB, 6KSB)
Klar sind kleine, innovative Destinationen ebenfalls innovativ ...Kleine, innovative Destinationen: würdet ihr kleine Destinationen, die zwar nur wenige Innovationen implementiert haben (z.B. recht früh eine DSB oder 3SB oder 6KSB oder 8EUB), weil sie eben nur wenige Anlagen überhaupt ersetzen können und die Investitionszyklen nicht das Aufspringen auf jeden Innovativitätszug erlaubt, ebenfalls als innovativ werten?
Schwerz beiseite: Kleine Destinationen haben sicher einen generischen Nachteil was die finanzielle Ressourcenverfügbarkeit für Innovationen betrifft. Dagegen können sie sich u.U. flexibler auf Nischen, neue Marktverhältnisse etc. einstellen. Siehe dazu die ganze Diskussion bezüglich Unternehmensgrösse und Innovativität aus der Industrieökonomie (da lassen sich sicherlich viele Parallelen ziehen).
Alle diese Faktoren sind zutreffend. Wobei beides ja stark zugenommen hat, Qualität und Quantität. Also das Gegensatzpaar macht im Zusammenhang mit Liftanlagen so keinen Sinn (ausser du meinst, eine moderne Anlage anstatt zig alter Seillifte oder so ...).Was sind aus eurer Sicht die skitouristischen Nachfragetrends seit etwa 1975? (nur auf die Liftanlagen abstellen) (mehr Komfort, mehr Geschwindigkeit, we-niger Wartezeit, mehr Sitzen, weniger Stehen bzw. sind diese Faktoren alle nur Umschreibungen für „Qualität/Komfort“ gegenüber Quantität?)
Seit 1999: hm, kann das jetzt nicht quantitativ verifizieren. Rein nach Gefühl würde ich sagen, dass es die letzten Jahre tatsächlich auch wieder echte Neuerschliessungen gab (nachdem es eine Zeitlang fast nur noch Erneuerungen/Ersatz gab).Klimaerwärmung bzw. Trend zu Neuerschließungen und Trend zu immer hö-heren Bergstationen: was trifft eurer Meinung nach auf Österreich seit 1975 zu? Gab es seit 1999 besonders viele Neuerschließungen (Def.: auf dieser Trasse stand vorher kein Lift, diese Geländekammer war vorher nicht erschlossen)? Wurden besonders viele, hochgelegene Anlagen errichtet? Stößt der Trend nach oben nicht bereits seit längerem an die topographischen / politischen Grenzen (bsp. Nationalparke, Naturschutzgebiete)? (v.a. in Österreich außerhalb Tirols)
Zum Trend nach oben: Ich hab das mal vor Jahren für die Periode 1950-1990 zusammengestellt. In diesem Zeitraum lässt sich tatsächlich ein deutlicher Trend zur Höhe beobachten. Auch zwischen 1970 bis 1990 (und 1980 und 1990) gibt es den (noch). Z.B. Anteil der Bergstationen in Prozent: 1970 - 1980 - 1990:
2001 bis 2500m 17,7 - 20,5 - 22,7
2501 bis 3000m: 3,2 - 4,3 - 6,1
3001m und mehr: 0,5 - 1,1 - 1,8
Wär spannend diese Aufstellung für die Periode bis 2000ff zu ajourieren.
EUBs ersetzen tendenziell PBs, alte EUBs, SBs (ältere Zubringersysteme eben).Ersatzanlagen: meint ihr, dass spezielle Liftinnovationen wie 4SB, 6KSB oder 8EUB besonders markant einige ältere Lifttypen ablösen, oder gibt es da keine Auffälligkeiten (d.h. jeder Typ ersetzt gleichwertig alle anderen Anlagentypen)?
6KSBs ersetzen auch SLs
Ich freu mich schon auf eine hoffentlich interessante und vielleicht auch kontroversielle Diskussion. Spannendes Thema was du da anschneidest.[/quote]
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- Nuno
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Re: Innovation im Seilbahnsektor - Erfolgsfaktor im Tourismu
Ich glaube nicht an Statistik für Vermessung von Innovativität. Dafür sind Innovationen m.m.n. viel zu viel von lokalen Bedingungen abhängig.Marius hat geschrieben: - wie würdet ihr, wenn ihr nur die offizielle Seilbahnstatistik zur Verfügung habt, Innovativität einzelner Destinationen messen?
Nein! Erfolgreiche Implementation ist unbedingt notwendig! z.B. kann man der DLM aus technischer Hinsicht schon ein Innovation finden, aus betriebswirtschaftlichen Hinsicht doch nicht! Noch ein Beispiel ist die Trend um in Kleinstskigebiete in Österreich 6/8 EUB als Zubringer zu bauen; EUB sind gar nicht neu, aber diese neuer Trend oder Verwendung von einen Bahntype kann man klar als Innovation verzeichnen.- Seid ihr der Meinung, dass Innovativität bzgl Aufstiegshilfen (definiert als: im-mer möglichst früh im Innovationszyklus eine Anlage dieses Typs gebaut) ein erklärender Faktor für touristischen Erfolg (gemessen an Ankünften, Über-nachtungen) darstellt?
edit: Ich sehe gerade beim nachlesen dass das eigntlich keinen Antwort ist auf die Frage, naja
Ja, aberr das liegt auch wohl daran dass grossere Risikovollen Investitionen leichter machbar sind in grossen Skigebiete, Dazu haben grosse Gebieten auch ein grosseres Werbungspotential mit neuen Anlagen (vgl. 3S in Kitzbühel)- sind größere Destinationen (Def: mehr Lift-Kap in PHm gemessen) generell innovativer als kleine? Woran könnte das liegen?
Weiterhin fallen mir auf:
Grossskigebiete
- Wiedererfindung der Zweiseilbahnen (ZUB und Funitel) als Leistungfähiger Zubringer.
Mittelgrosse und kleine Skigebiete
- Erfolgreicher Verwendung von 6KSB's mit relativ niedrigen Kapazität anstatt 4KSB.
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Nochwas zu Indikatoren für Innovation (auch wenn Nuno nicht ganz zu unrecht Bedenken gegenüber der Messbarkeit von Innovation hat ...).
Ein recht brauchbarer Indikator, der gerne in der Innovationsforschung verwendet wird ist der "vintage" Faktor, der im Prinzip das Alter des Kapitalstocks angibt (und daher den Modernitätsgrad misst). Dank der Seilbahnstatistik kann man da ein wenig herumspielen, z.B. Berechnung des durchschnittliches Alter der Anlagen (gewichtet mit z.B. der Kapazität um die Bedeutung der jeweiligen Anlagen für das Skigebiet mit zu berücksichtigen) sowie der Standardabweichung/Varianz (um zu erkennen, ob z.B. alle Anlage alt sind, oder ob es eine Gleichzeitigkeit von sehr alten und sehr neuen Anlagen etc. gibt).
Ein recht brauchbarer Indikator, der gerne in der Innovationsforschung verwendet wird ist der "vintage" Faktor, der im Prinzip das Alter des Kapitalstocks angibt (und daher den Modernitätsgrad misst). Dank der Seilbahnstatistik kann man da ein wenig herumspielen, z.B. Berechnung des durchschnittliches Alter der Anlagen (gewichtet mit z.B. der Kapazität um die Bedeutung der jeweiligen Anlagen für das Skigebiet mit zu berücksichtigen) sowie der Standardabweichung/Varianz (um zu erkennen, ob z.B. alle Anlage alt sind, oder ob es eine Gleichzeitigkeit von sehr alten und sehr neuen Anlagen etc. gibt).
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@Marius, mit deiner DA hast du dir ein interessantes und dankbares Thema gewählt. Immerhin erwähnt selbst Bätzing in seinem Alpen-Buch, dass es erstaunlicherweise recht wenig umfassende Aufbereitungen zur Thematik gibt (wobei er das zwar in Richtung alpenweiter Analysen meinte, aber im Prinzip passts auch für Österreich allein).
Ich arbeite an einem Institut, dass sich mit verschiedenen Aspekten von Innovation, technologischem Wandel und wirtschaftlicher Entwicklung beschäftigt. (Alpiner) Tourismus ist dabei eher mein persönliches Steckenpferd, da ich durch Zufall mal für ein paar Jahre "Tourismusgeographie und Raumplanung" im Rahmen eines Universitätslehrgangs unterrichtet habe. Immerhin fiel nebenbei ein kleines Schulbuch zum Thema Tourismus ab, von dessen Tantiemen ich meine Skiurlaube finanziere (naja Scherz, mehr wie eine Tageskarte ist daraus nicht mehr drin
).
Auf alle Fälle wäre ich sehr an deinen Arbeiten interessiert und kann dir gerne meine Unterstützung anbieten, auch wenn es um Zugang zu Daten/Material angeht (ich sitze hier in Wien ja teilweise näher an der Quelle zu diversen Informationsträgern ...).
Ich arbeite an einem Institut, dass sich mit verschiedenen Aspekten von Innovation, technologischem Wandel und wirtschaftlicher Entwicklung beschäftigt. (Alpiner) Tourismus ist dabei eher mein persönliches Steckenpferd, da ich durch Zufall mal für ein paar Jahre "Tourismusgeographie und Raumplanung" im Rahmen eines Universitätslehrgangs unterrichtet habe. Immerhin fiel nebenbei ein kleines Schulbuch zum Thema Tourismus ab, von dessen Tantiemen ich meine Skiurlaube finanziere (naja Scherz, mehr wie eine Tageskarte ist daraus nicht mehr drin
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Das stimmt. So sehr ich Bätzing und seine Arbeiten schätze, aber beim Thema Tourismus argumentiert er leider nicht ganz fair bzw. ziemlich voreingenommen.Immerhin erwähnt selbst Bätzing in seinem Alpen-Buch, dass es erstaunlicherweise recht wenig umfassende Aufbereitungen zur Thematik gibt (wobei er das zwar in Richtung alpenweiter Analysen meinte, aber im Prinzip passts auch für Österreich allein).
Seine "Neuerschließungsphase ab 1999" kann ich leider nicht bestätigen. Wenn er sie umbenennt in "Phase vermehrten Skigebietszusammenschlüsse" wäre das sicher richtiger.
Klingt sehr interessant, was du schreibst, melde mich bei Gelegenheit mal via PN.
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Re: Innovation im Seilbahnsektor - Erfolgsfaktor im Tourismu
Also ehrlich: 99,9% der Gäste interessiert das Thema in dieser Dezdiertheit überhaupt nicht.Marius hat geschrieben:- Seid ihr der Meinung, dass Innovativität bzgl Aufstiegshilfen (definiert als: immer möglichst früh im Innovationszyklus eine Anlage dieses Typs gebaut) ein erklärender Faktor für touristischen Erfolg (gemessen an Ankünften, Übernachtungen) darstellt?
Einen Wettbewerbsnachteil hat ein Skiort sicherlich dann, wenn sich bereits breit herumgesprochen hat, dass die Aufstiegshilfen überwiegend aus Schleppliften und/oder langsamen Lattenrost-Sesselliften bestehen. Umgekehrt ist es aber diesen 99,9% völlig egal, ob es sich um Gondelbahnen, Sessellifte gleich welcher Sitzplatzzahl, Funitels 3-S-Bahnen oder PBnen handelt.
Was die Leute teilweise stört:
- Zubringeranlagen mit Talfahrt als Sesselbahnen (anstatt Gondelbahnen)
- Seselbahnen als Sommerbahnen (nur Sommergäste)
- Gondeln mit augenscheinlichen Mängeln (Fenster kaputt, Beulen, etc.)
Besondere Wettbewerbsvorteile durch bestimmte Seilbahnsysteme gibt es nicht. Die Anlagen müssen nur - wie gesagt - einen gepflegten Eindruck machen.
Bei der Entscheidung für bestimmte Seilbahnsysteme und die Reinvestitionszyklen spielen m.E. in 98% der Fälle ausschliesslich betriebswirtschaftliche Faktoren eine Rolle; weiterhin die Tatsache, ob eine Bahngesellschaft kreditwürdig ist. Die betriebswirtschaftlichen Erwägungen können durchaus dazu führen, dass es zu einer grossen Zahl gleichartiger Seilbahnsysteme kommt. Die ähnlichen 2er-Sessel in Verbier sind ein typisches Beispiel dafür.
98% der Seilbahngesellschaften haben aufgrund ihrer finanziellen Situation überhaupt keine andere Wahl als ausschliesslich betriebswirtschaftlich zu entscheiden und nicht aufgrund einer speziellen "Strategie". Letzteres können sich nur Gesellschaften von Schlage Lech, Sölden, Ischgl oder Serfaus erlauben.
Wie gesagt: Den meisten Gästen ist das ziemlich Wurscht.
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p.s.: Wenn du die Frage unabhängig von der Reaktion der Gäste (Einnahmeseite) verstanden haben willst dann lautet die Antwort selbstverständlich: Die Wahl des Seilbahnsystems, die Reinvestitionszyklen und der Zeitpunkt, Innovationen zu übernehmen sind klassische unternehmerische Entscheidungen. Diese beeinflussen die Kostenseite und sind von daher elementar für den Unternehmenserfolg. Nur wirken sich diese Entscheidungen fast ausschliesslich auf die Kostenseite aus und weniger auf die Erlösseite (Erfolfg beim Kunden).
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EDIT: OFRANK hab ich noch nicht gelesen.
Also eine so fachlich fundierte Analyse wie GlF werd ich wohl nicht zustande bringen, wenn du lediglich an meiner Meinung interessiert bist, dann findest Du diese in den folgenden Zeilen.
a) die Innovation muss erfolgreich sein und in dieser Eigenschaft vom Klientel als Verbesserung wahrgenommen werden.
b) die Innovation muss den Bedürfnissen des Klientel entsprechen.
Zu a): eine windstabilere Anlage beispielsweise wird vermutlich nur dann als Verbesserung wahrgenommen, wenn die Ausfälle wegen Windes bei der Altanlage so groß waren, dass sie von einem repräsentativen Teil der Urlaubsgäste überhaupt wahgenommen wurde (10 Ausfalltage pro Saison, davon 9 in der Nebensaison November würden wohl nicht wahrgenommen). Der Ersatz einer als Nadelöhr bekannten Anlage wie auch der Ersatz einer als unkomfortabel bekannten Anlage (langer exponierter fixer Sessellift wie DSB Schermerspitz) wiederum dürften sehr stark als Innovation wahrgenommen werden.
zu b) das ganze funktioniert nur, wenn die Innovation dem Bedürfnis des Klientels entspricht. Anlagen mit höherer Kapazität, die aber Abschnallen und Treppensteigen in den ersten Stock erforden (sowie früher oft bei EUBs) würden vermutlich in einem von sportlichen Vielfahrern frequentierten Schigebiet dennoch nicht als Innovation wahrgenommen (oder nicht so stark). Ebenso würden im kleinen Familienschigebiet auffallend optische unatraktive Anlagen vermutlich nicht auf Akzeptanz stoßen (und damit mein ich jetzt nicht die UNI-G, aber denk mal an den Jandri und andere DMC). Desweiteren dürften generell neue Sessellifte in Gebieten, die viel Ausflugsverkehr ohne Schi haben, weniger stark als Innovation wahrgenommen werden. So z.B. in den kleinen italienischen Schigebieten mit hohem Anteil älterer Leute und Nichtschifahrern. Dafür gibts ja jetzt auch télémix u.ä.
Generell sollte man die Innovation als Zugpferd nicht überschätzen. Die große Mehrheit der Schifahrer sieht vermutlich Liftanlagen als praktische Einrichtungen und nicht mehr, solange sie nicht gewisse Extreme erreichen. Demgegenüber gibt es Schiorte mit ganz bestimmtem Klientel wie Val Thorens, deren Innovationsdrang sicher auch als förderliches Marketingmittel erfolgreich fungieren konnte.
a) es gibt externe Einflüsse. Bestes Beispiel: PGB. Bis vor kurzem hatten sie aus exteren Gründen keine Chance großartig innovativ zu sein: die alten Anlagen lassen sich aus technischen Gründen nicht verbessern (Gletscher) und neuen moderne Anlagen als Extension durften sie nicht bauen. Wobei man sagen muss, dass die alten Schlepper ja sogar ersetzt wurden, dass hat aber kein Schwein mitgekriegt. Soviel noch mal zum Thema Wahrnehmung der Innovation durch den Touristen.
b) Innovation muss sich lohnen, wenn ein Unternehmen nicht erwartet, seine Umsätze durch Investitionen zu steigern investiert es nicht (siehe Zermatt in den 90ern).
c) oft werden Modernisierungen in Schigebieten regional subventioniert, so verhalten sich derzeit in Italien viele Schigebiete relativ innovativ, obwohl es das Schigebiet aus eigener Kraft nicht hergeben würde. Ein vergleichbares Schigebiet an einer anderesn Stelle wäre kaum innovativ aus Mangel an Finanzkraft. Gutes Beispiel: Alagna. Bis 2000: 1 PB mit vielleicht 200 Pers / h pro Sektion, ein ESL und ein Korblift. Dann plötzlich: 1 8er EUB, 1 Funifor, 1 DSB und nur noch eine Sektion PB und der Korblift. Diese Entwicklung hat sprunghaft stattgefunden und ließ sich nicht aus den vorigen Daten ableiten.
Ich glaube, dass wenn überhaupt, das Verhältnis Kapazität / Anlagen eine Aussage treffen kann, wenn man zugrundelegt, dass die meisten modernen Anlagen automatisch hohe Kapazitäten haben. Am interessantesten wäre meines Erachtens das Durchschnittsalter der Anlagen. Aber selbst da wärst du bei den 3V der 90er, die zweifelsfrei sehr modern und innovativ waren, in SChwierigkeiten gekommen, weil sie parallel ganz viele alte Alternativanlagen stehen hatten, die diesen Durchschnitt gedrückt hätten. Ein kleines Gebiet ohne parallele Altanlagen käme bei einer solchen Auswertung also besser weg als ein faktisch innovatives Gebiet wie die 3V.
Wenn es in jüngster Vergangenheit noch Neuerschließungen gegeben hat, dann ist dieser Trend nach größeren Höhen aber sicher zu beobachten. Wobei dann eher die Höhe der Talstationen eine Rolle spielen dürfte oder zumindest die durchschnittliche Höhenlage der Anlage. Allerdings glaube ich - aufgrund der externen Begrenzung der Extensionen - dass der ganz große Teil des Aufwands in Richtung Beschneiung ging.
Meine Meinung.
Also eine so fachlich fundierte Analyse wie GlF werd ich wohl nicht zustande bringen, wenn du lediglich an meiner Meinung interessiert bist, dann findest Du diese in den folgenden Zeilen.
Ich teile die geäußerten Bedenken Innovativität statistisch zu messen.wie würdet ihr, wenn ihr nur die offizielle Seilbahnstatistik zur Verfügung habt, Innovativität einzelner Destinationen messen?
Das halte ich grundsätzlich nicht für ausgeschlossen, aber unter zwei Prämissen:Seid ihr der Meinung, dass Innovativität bzgl Aufstiegshilfen (definiert als: im-mer möglichst früh im Innovationszyklus eine Anlage dieses Typs gebaut) ein erklärender Faktor für touristischen Erfolg (gemessen an Ankünften, Über-nachtungen) darstellt?
a) die Innovation muss erfolgreich sein und in dieser Eigenschaft vom Klientel als Verbesserung wahrgenommen werden.
b) die Innovation muss den Bedürfnissen des Klientel entsprechen.
Zu a): eine windstabilere Anlage beispielsweise wird vermutlich nur dann als Verbesserung wahrgenommen, wenn die Ausfälle wegen Windes bei der Altanlage so groß waren, dass sie von einem repräsentativen Teil der Urlaubsgäste überhaupt wahgenommen wurde (10 Ausfalltage pro Saison, davon 9 in der Nebensaison November würden wohl nicht wahrgenommen). Der Ersatz einer als Nadelöhr bekannten Anlage wie auch der Ersatz einer als unkomfortabel bekannten Anlage (langer exponierter fixer Sessellift wie DSB Schermerspitz) wiederum dürften sehr stark als Innovation wahrgenommen werden.
zu b) das ganze funktioniert nur, wenn die Innovation dem Bedürfnis des Klientels entspricht. Anlagen mit höherer Kapazität, die aber Abschnallen und Treppensteigen in den ersten Stock erforden (sowie früher oft bei EUBs) würden vermutlich in einem von sportlichen Vielfahrern frequentierten Schigebiet dennoch nicht als Innovation wahrgenommen (oder nicht so stark). Ebenso würden im kleinen Familienschigebiet auffallend optische unatraktive Anlagen vermutlich nicht auf Akzeptanz stoßen (und damit mein ich jetzt nicht die UNI-G, aber denk mal an den Jandri und andere DMC). Desweiteren dürften generell neue Sessellifte in Gebieten, die viel Ausflugsverkehr ohne Schi haben, weniger stark als Innovation wahrgenommen werden. So z.B. in den kleinen italienischen Schigebieten mit hohem Anteil älterer Leute und Nichtschifahrern. Dafür gibts ja jetzt auch télémix u.ä.
Generell sollte man die Innovation als Zugpferd nicht überschätzen. Die große Mehrheit der Schifahrer sieht vermutlich Liftanlagen als praktische Einrichtungen und nicht mehr, solange sie nicht gewisse Extreme erreichen. Demgegenüber gibt es Schiorte mit ganz bestimmtem Klientel wie Val Thorens, deren Innovationsdrang sicher auch als förderliches Marketingmittel erfolgreich fungieren konnte.
Die einzelne Innovation ist vermutlich in der Tat weniger relevant als der Gesamteindruck des Anlagenparks. Sieht wird vermutlich bei vielen Schifahrern sogar nur begrenzt wahrgenommen. Selbst der gesamte Anlagenpark dürfte keine so überragende Rolle spielen, solange die Grundversorgung gewährleistet ist in Sachen Komfort und Kapazität. Solange alle Anlagen keine Schlangen haben und etwa gleich komfortabel sind, dürfte es die große Mehrheit der Schifahrer kaum interessieren, ob es sich um 4er oder 8er KSBs handelt oder EUBs. Desweiteren wird sicher niemand außer den hier vertretenen feststellen, dass eine Stützenüberfahrt bei DM viel sanfter istals bei anderen KSBs. O.K. es sei denn man erwischt einen Agudioniederhalter...- Oder ist Innovation gar nicht so bedeutend und andere Faktoren wie z.B. allgemeine Modernität des Anlagenparks ausschlaggebender (z.B. Sölden: wenig 6KSB, keine 8KSB, aber viele 4KSB und generell hohes Modernitätsniveau)
Die Frage finde ich formell etwas schwierig: mehr Phm kann ja heißen, dass die Destination schon mehr Anlagen modernisiert hat und folglich schon sehr innovativ gewesen ist und es nicht mehr zu sein braucht. Es kann aber genauso heißen, dass es eine große Anzahl kapazitätsschwacher uralter Anlagen mit großen HU gibt. Mir ist folglich nicht ganz klar, wie man aus Größe in PHm entsprechende Ableitungen ziehen will. Richtig ist sicherlich, dass ein finanzstärkeres Liftunternehmen auch mehr investieren kann als ein kleines Unternehmen. Ein "größeres" Gebiet in der Form, dass es mehr Schipässe umsetzt, kann deshalb grundsätzlich auch mehr Kapital in Innovationen umsetzen. Dabei sind aber viele Faktoren zu bedenken:sind größere Destinationen (Def: mehr Lift-Kap in PHm gemessen) generell innovativer als kleine? Woran könnte das liegen?
a) es gibt externe Einflüsse. Bestes Beispiel: PGB. Bis vor kurzem hatten sie aus exteren Gründen keine Chance großartig innovativ zu sein: die alten Anlagen lassen sich aus technischen Gründen nicht verbessern (Gletscher) und neuen moderne Anlagen als Extension durften sie nicht bauen. Wobei man sagen muss, dass die alten Schlepper ja sogar ersetzt wurden, dass hat aber kein Schwein mitgekriegt. Soviel noch mal zum Thema Wahrnehmung der Innovation durch den Touristen.
b) Innovation muss sich lohnen, wenn ein Unternehmen nicht erwartet, seine Umsätze durch Investitionen zu steigern investiert es nicht (siehe Zermatt in den 90ern).
c) oft werden Modernisierungen in Schigebieten regional subventioniert, so verhalten sich derzeit in Italien viele Schigebiete relativ innovativ, obwohl es das Schigebiet aus eigener Kraft nicht hergeben würde. Ein vergleichbares Schigebiet an einer anderesn Stelle wäre kaum innovativ aus Mangel an Finanzkraft. Gutes Beispiel: Alagna. Bis 2000: 1 PB mit vielleicht 200 Pers / h pro Sektion, ein ESL und ein Korblift. Dann plötzlich: 1 8er EUB, 1 Funifor, 1 DSB und nur noch eine Sektion PB und der Korblift. Diese Entwicklung hat sprunghaft stattgefunden und ließ sich nicht aus den vorigen Daten ableiten.
Ich glaube, dass wenn überhaupt, das Verhältnis Kapazität / Anlagen eine Aussage treffen kann, wenn man zugrundelegt, dass die meisten modernen Anlagen automatisch hohe Kapazitäten haben. Am interessantesten wäre meines Erachtens das Durchschnittsalter der Anlagen. Aber selbst da wärst du bei den 3V der 90er, die zweifelsfrei sehr modern und innovativ waren, in SChwierigkeiten gekommen, weil sie parallel ganz viele alte Alternativanlagen stehen hatten, die diesen Durchschnitt gedrückt hätten. Ein kleines Gebiet ohne parallele Altanlagen käme bei einer solchen Auswertung also besser weg als ein faktisch innovatives Gebiet wie die 3V.
Gute Frage. Kommt wohl sehr drauf an. Grundsätzlich denkt jedes Unternehmen natürlich wirtschaftlich. Die Frage ist nach welcher Philosophie: es gibt auch in anderen Wirtschaftssektoren immer innovativere und weniger innovative Unternehmen, je nachdem ob die Ansicht vertreten wird, dass Innovation dem Unternehmen wirtschaftlich dienlich ist. Persönliche Erwägungen sind vermutlich untergeordnet (anders vielleicht als noch in 50ern und 60ern). Demgegenüber ist es kein Geheimnis, dass der Leitner in Österreich so seine Probleme hat Fuß zu fassen, egal wie günstig er anbietet.- welche Rolle spielen persönliche Faktoren, wirtschaftliche Überlegungen (z.B. Rendite statt Investition) und die Rolle der Hersteller bei der Adaptionsentscheidung für eine Innovation?
Nun, sicher gibt es sinnvolle Laufzeiten für Liftanlagen. Abschreibung mag ein Punkt sein, Betriebskosten ein anderer, geänderte Anforderungen (insb. Kapazität) ein dritter. I.A. wird ein Unternehmen wie gesagt dann investieren, wenn es das für wirtschaftlich sinnvoll erachtet, sich also zumindest mittelbar einen Umsatzsteigerung erzielen (oder ein Umsatzeinbruch verhindern) lässt. In der Tat kann man beobachten, dass bestimmte Gebiete zu bestimmten Zeitpunkten im großen Rahmen modernisiert haben und das eben teilweise an dem generellen Trend vorbei gegangen ist. So findet man beispielsweise tatsächlich Gebiete, deren große Modernisierung schon Mitte der 80er stattfand statt in den 90ern und die dann tatsächlich statt KSB parallele fixe 4er Sesselbahnen gebaut haben, die dann tatsächlich auch 20 Jahre in Betrieb waren und erst spät durch KSB ersetzt wurden. Hier sei auch noch auf externe Finanzmittel hingewiesen: wenn beispielsweise staatlicherseits Fördergelder angeboten werden, die nur befristet abgerufen werden können, dann wird investiert, egal wie nötig oder sinnvoll das ist. Und die Anlagen stehen dann da und bleiben auch erstmal.- meint ihr, dass es Innovationszyklen dergestalt gibt, dass viele Destinationen gewisse Innovationen einfach übergehen, weil es nicht ins Investitionsprogramm passt und die erst neulich gebauten weniger modernen Anlagen abgeschrieben werden müssen? (Bsp. einige Destinationen haben viele 3SBs, bei anderen häufen sich 4KSB, 6KSB)
Tja das ist doch genau die Frage, nach dem Inhalt und der quantitativen Erfassbarkeit der Innovativität. Ich denke, dass das Durchschnittalter der tatsächlich erforderlichen Anlagen (also parallele Altanlagen ausgeschlossen) die beste Aussage darstellt. Da käme ein kleines Gebiet entsprechend ebenfalls gut weg.Kleine, innovative Destinationen: würdet ihr kleine Destinationen, die zwar nur wenige Innovationen implementiert haben (z.B. recht früh eine DSB oder 3SB oder 6KSB oder 8EUB), weil sie eben nur wenige Anlagen überhaupt ersetzen können und die Investitionszyklen nicht das Aufspringen auf jeden Innovativitätszug erlaubt, ebenfalls als innovativ werten?
Also im großen und ganzen sehe ich da ich keinen Gegensatz und dass alles gilt. Der einzig variable Punkt ist, dass Kapazität nicht mehr um jeden Preis priorisiert wird, wie das sicher in der ersten Boomphase in den 70ern und frühen 80ern der Fall war. Eine 12er Stehgondel, die eine überlastete 4er Gondel ersetzt würde per se heute nicht mehr so positiv bewertet werden wie noch vor 20 Jahren (wo es noch hieß Hauptsache nicht mehr am Lift warten). Eine 8er EUB mit Sitzplätzen oder KSB mit Haube müsste schon drin sein. Da geben die Schigebiete auch heute mehr Geld für aus. Diese Zeit der Massenausrüstung mit billigen 3er SBs ist vorbei. Komfort hat sich also neben der Kapazität etabliert, Anbieter von Billiganlagen mit weniger Komfort (Graffer / GMM etc) haben schlechtere Karten als vor 20 Jahren.- Was sind aus eurer Sicht die skitouristischen Nachfragetrends seit etwa 1975? (nur auf die Liftanlagen abstellen) (mehr Komfort, mehr Geschwindigkeit, we-niger Wartezeit, mehr Sitzen, weniger Stehen bzw. sind diese Faktoren alle nur Umschreibungen für „Qualität/Komfort“ gegenüber Quantität?)
Ich glaube, dass dieser Trend möglicherweise nicht so ausgeprägt ist, wie man statistisch vermuten könnte. Ich denke, dass in den 90ern nur sehr wenig neu erschlossen wurde, das war in Österreich die Zeit der Modernisierung. In der Zeit davor würd ich nach meinem Gefühl nicht sagen, dass außer den extra für den Sommerschilauf erschlossenen Gebieten, besonders viel in großen Höhen erschlossen wurde. Insbesondere deshalb, weil das Problem ja damals überhaupt noch nicht salonfähig war. Das erste Mal ernstgenommen wurde die Klimaerwärmung in diesem Zusammenhang ja erst nach den drei Katasstrophenwintern Ende der 80er. Wenn damals schon bewusst höher erschlossen wurde, dann eher um die Saison zu verlängern.- Klimaerwärmung bzw. Trend zu Neuerschließungen und Trend zu immer hö-heren Bergstationen: was trifft eurer Meinung nach auf Österreich seit 1975 zu? Gab es seit 1999 besonders viele Neuerschließungen (Def.: auf dieser Trasse stand vorher kein Lift, diese Geländekammer war vorher nicht erschlossen)? Wurden besonders viele, hochgelegene Anlagen errichtet? Stößt der Trend nach oben nicht bereits seit längerem an die topographischen / politischen Grenzen (bsp. Nationalparke, Naturschutzgebiete)? (v.a. in Österreich außerhalb Tirols)
Wenn es in jüngster Vergangenheit noch Neuerschließungen gegeben hat, dann ist dieser Trend nach größeren Höhen aber sicher zu beobachten. Wobei dann eher die Höhe der Talstationen eine Rolle spielen dürfte oder zumindest die durchschnittliche Höhenlage der Anlage. Allerdings glaube ich - aufgrund der externen Begrenzung der Extensionen - dass der ganz große Teil des Aufwands in Richtung Beschneiung ging.
Kommt drauf an, wann und wo. Generell ja. Im deutschprachigen Alpenraum, gabs und gibts einen krassen Trend seit Ende der 80er beinahe jeden Anlagentyp durch KSB zu ersetzen, erst 4er dann 6er (8er wohl nicht so). In Italien und Frankreich kam dieser Trend nicht so ausgeprägt und teilweise verzögert würd ich sagen. Dafür gabs dort die Erneuerung in den 80ern mit fixen SBs. Ansonsten gibts den Trend PBs durch 2S Bahnen und Funifors zu ersetzen. Ansonsten sehe ich eher zeitbedingte Trends, wie DMC in den 80ern und Stollenbahnen Anfang der 80er. Dass ein Sessellift durch eine EUB ersetzt wird ist aber die große Ausnahme. Das dürfte daran liegen, dass Sesselb. meist Beschäftigungsanlagen sind, für die sich EUB nicht eignen.- Ersatzanlagen: meint ihr, dass spezielle Liftinnovationen wie 4SB, 6KSB oder 8EUB besonders markant einige ältere Lifttypen ablösen, oder gibt es da keine Auffälligkeiten (d.h. jeder Typ ersetzt gleichwertig alle anderen Anlagentypen)?
Meine Meinung.
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Na ja, in Österreich gabs/gibts schon einen deutlichen Trend, ESL durch 8EUB zu ersetzen. Ist ja auch logisch: Die ESL waren die klassischen Zunringeranlagen der 60er, die 8EUB ist die typische Zubringeranlage von heute.
Ich bewerte Skigebiete übrigens ausschliesslich nach den verfügbaren Abfahrten und Abfahrtsmöglichkeiten. Obwohl ich ein einigermassen seilbahninteressierter Mensch bin, sagen die für mich nichts über den Reiz eines Skigebietes aus, da sie vergänglich sind. Das Gelände jedoch bleibt wie es ist - wenns nicht all zu krass von Menschenhand verändert wird. Und letzteres seh ich gar nicht gerne.
Im übrigen finde ich meine Auffassungen aus dem letzten Post in trincerones Beitrag wieder, wenn auch in deutlich ausführlicherer Form - zumindest habe ich beim Querlesen diesen Eindruck.
Schön dass das auch andere so sehen.
Ich bewerte Skigebiete übrigens ausschliesslich nach den verfügbaren Abfahrten und Abfahrtsmöglichkeiten. Obwohl ich ein einigermassen seilbahninteressierter Mensch bin, sagen die für mich nichts über den Reiz eines Skigebietes aus, da sie vergänglich sind. Das Gelände jedoch bleibt wie es ist - wenns nicht all zu krass von Menschenhand verändert wird. Und letzteres seh ich gar nicht gerne.
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Ja, den Eindruck hatte ich auch.
Nach meiner Erfahrung spielen in der Tat Pistenangebot, Landschaft, Ortsbild und Preis die wichtigste Rolle bei nicht alpinforumlern. Danach kommt dann vielleicht Beschneiung, genereller Eindruck des Liftsystems und kulturelle Dinge wie Essen , Hütten etc.
Was Lifte angeht, habe ich es so gut wie noch nie erlebt, dass Leute bewusst bestimmte Vorzüge wahrnehmen. Lediglich augenscheinliche Nachteile werden abwertend wahrgenommen:
- besonders klapprige Anlagen und Nadelöhre
- besonders langsame oder unkomfortable Anlagen (Lattenrost und windexponiert)
- teilweise besonders auffallend hässliche Anlagen
Dann kenn ich in der älteren Generation (meine Eltern) fast ausschließlich Leute, die massentourimus mäßige Anlagen nicht mögen. ALso große PBs,Funitels, DMCs, bzw. große Sesselbahnen. Die mögen die Menschenmassen und Schlangen nicht. Und die sportlichen Vielfahrer mögen meist KSBs lieber als EUB, wo man abschnallen und rauflaufen muss, das hab ich auch schon öfter gehört. Danach hört es dann auf.
Ich glaube allerdings, dass unterbewusst gewisse Dinge eine Rolle spielen. Zumindest bei den ungewöhnlichen Orten. Mit ner KSB auf die Punta Indren fahren wär wohl doch was anders als mit der alten klapprigen KSB. Und dass in jedem Alagnabericht (in Magazinen) IMMER der Balmalift abgebildet war, ist sicher auch kein Zufall. Irgendwie gehörts halt zum Style dazu. Aber das gilt nur für solche Orte. Ich glaube nicht, dass es irgendwen in Amadé interessiert ob die KSB von Girak oder Garaventa ist...
Nach meiner Erfahrung spielen in der Tat Pistenangebot, Landschaft, Ortsbild und Preis die wichtigste Rolle bei nicht alpinforumlern. Danach kommt dann vielleicht Beschneiung, genereller Eindruck des Liftsystems und kulturelle Dinge wie Essen , Hütten etc.
Was Lifte angeht, habe ich es so gut wie noch nie erlebt, dass Leute bewusst bestimmte Vorzüge wahrnehmen. Lediglich augenscheinliche Nachteile werden abwertend wahrgenommen:
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- besonders langsame oder unkomfortable Anlagen (Lattenrost und windexponiert)
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Dann kenn ich in der älteren Generation (meine Eltern) fast ausschließlich Leute, die massentourimus mäßige Anlagen nicht mögen. ALso große PBs,Funitels, DMCs, bzw. große Sesselbahnen. Die mögen die Menschenmassen und Schlangen nicht. Und die sportlichen Vielfahrer mögen meist KSBs lieber als EUB, wo man abschnallen und rauflaufen muss, das hab ich auch schon öfter gehört. Danach hört es dann auf.
Ich glaube allerdings, dass unterbewusst gewisse Dinge eine Rolle spielen. Zumindest bei den ungewöhnlichen Orten. Mit ner KSB auf die Punta Indren fahren wär wohl doch was anders als mit der alten klapprigen KSB. Und dass in jedem Alagnabericht (in Magazinen) IMMER der Balmalift abgebildet war, ist sicher auch kein Zufall. Irgendwie gehörts halt zum Style dazu. Aber das gilt nur für solche Orte. Ich glaube nicht, dass es irgendwen in Amadé interessiert ob die KSB von Girak oder Garaventa ist...
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Sollte das 2. "KSB" "PB" heissen? Und ist/war die wirklich klapprig? Oder steht das 2. KSB für "Korb-Seilbahn" oder sowas und meite den Balma-Lift? Oder sonst eine Bedeutung?trincerone hat geschrieben:Mit ner KSB auf die Punta Indren fahren wär wohl doch was anders als mit der alten klapprigen KSB.
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Die komplette Tabelle (1950-1990, mehrere Höhenstufen) ist in einem Band zum Thema Alpentourismus in Österreich in einer allerdings sehr peripheren Reihe publiziert. Wenn du die Tabelle haben willst, schick mir eine PN mit deiner e-mail-Adresse, ich schick dir dann die excel-Tabelle.Bogner hat geschrieben:@Gletscherfloh: Sind die Ergebnisse zur Veränderung der Höhenverteilung von Liften irgendwo publiziert?
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Wenn ich so die Reaktionen des "normalen" Publikums (bzw. meiner Bekannten) rekapituliere, fällt mir auf, dass eigentlich nur die Rotair als technische Innovation wahrgenommen wurde.
andere technische Innovationen wie Funitel, 3-S-Bahn, DMC oder Bubble-Sessel wurden "nur" als Erneuerung mit Beseitigung von Kapazitätsenpässen und Komfortverbesserung wahrgenommen. Die Gründe:
- Bei Funitel, 3-S und DMC sieht der Benutzer die relativ grossen Kabinen mit Umlaufbetrieb. Dass dabei seilbahntechnisches Neuland beschritten wurde, sieht er nicht, da er nicht auf Seile, Klemmen und ähnliches achtet.
- Die Bubble-Sessel sind gleichzeitig so verbreitet aufgetreten, dass keine Alleinstellung eines Gebietes zu erkennen war. Innovationen zeichnen sich dadurch aus, dass die ersten Jahre eine gewisse Exklusivität gewahrt wird.
ei der Rotair waren alle Bedingung erfüllt:
- Exklusiv
- Für den Kunden "spürbarer" neuer Effekt
- Massive Bewerbung
- Dass damit keine Kapazitätsverbesserung verbunden war, ist da zweitrangig.
Im Spätsommer werde ich - wenns klappt - folgendes testen:
ich fahre mal zur Stuckli-Rondo und versuche Stimmen von Passanten einzufangen. Dabei frage ich, ob dei Bahn als Innovation gesehen wird, ob die Leute wegen der neuen Bahn gekommen sind, ob sie in der Drehbarkeit einen Nutzen sehen und ob das Wander-/Skigebiet dadurch attraktiver geworden ist.
Die Aussagen werden allerdings stark von den Werbemassnahmen der Seilbahngesellschaft vor Ort beeinflusst sein.
andere technische Innovationen wie Funitel, 3-S-Bahn, DMC oder Bubble-Sessel wurden "nur" als Erneuerung mit Beseitigung von Kapazitätsenpässen und Komfortverbesserung wahrgenommen. Die Gründe:
- Bei Funitel, 3-S und DMC sieht der Benutzer die relativ grossen Kabinen mit Umlaufbetrieb. Dass dabei seilbahntechnisches Neuland beschritten wurde, sieht er nicht, da er nicht auf Seile, Klemmen und ähnliches achtet.
- Die Bubble-Sessel sind gleichzeitig so verbreitet aufgetreten, dass keine Alleinstellung eines Gebietes zu erkennen war. Innovationen zeichnen sich dadurch aus, dass die ersten Jahre eine gewisse Exklusivität gewahrt wird.
ei der Rotair waren alle Bedingung erfüllt:
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- Dass damit keine Kapazitätsverbesserung verbunden war, ist da zweitrangig.
Im Spätsommer werde ich - wenns klappt - folgendes testen:
ich fahre mal zur Stuckli-Rondo und versuche Stimmen von Passanten einzufangen. Dabei frage ich, ob dei Bahn als Innovation gesehen wird, ob die Leute wegen der neuen Bahn gekommen sind, ob sie in der Drehbarkeit einen Nutzen sehen und ob das Wander-/Skigebiet dadurch attraktiver geworden ist.
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@ofrank:
das zweite KSB war in der Tat als PB gemeint. Ist die wirklich so klapprig? Na ja, kommt drauf an, wie mans nimmt. Eigentlich nicht, da sie technisch soweit ich das beurteilen kann, einen soliden Eindruck macht (bis auf das Zugseil was extremst schlägt bei der EInfahrt in die Bergstation, aber auch das ist ja kein Problem, fahren sie halt da immer etwas langsamer). Sie wirkt aber klapprig, weil ersten noch sehr viel technik einsehbar freiliegt (das ist das gleich Phänomen wie bei Autos, wo heute auch der ganze Motor verkleidet ist und daher eleganter wirkt). Gleichzeitig ist die Farbe an den Umlenkscheiben eben nicht mehr die neueste, das Glas der Scheiben ist, alles Rohbeton, dem man sein Alter auch ansieht, auch einige Rostspuren am Beton und sowas halt. Sieht halt so aus wie die Punta Rocca, etwas abgewrackter noch. Dadurch denkt der normale Tourist, boah was ein klappriges altes Ding. Fahren tut die dann ziemlich ruhig und verdammt fix. Von mir aus könntest die noch 20 Jahre so stehen sollen.
das zweite KSB war in der Tat als PB gemeint. Ist die wirklich so klapprig? Na ja, kommt drauf an, wie mans nimmt. Eigentlich nicht, da sie technisch soweit ich das beurteilen kann, einen soliden Eindruck macht (bis auf das Zugseil was extremst schlägt bei der EInfahrt in die Bergstation, aber auch das ist ja kein Problem, fahren sie halt da immer etwas langsamer). Sie wirkt aber klapprig, weil ersten noch sehr viel technik einsehbar freiliegt (das ist das gleich Phänomen wie bei Autos, wo heute auch der ganze Motor verkleidet ist und daher eleganter wirkt). Gleichzeitig ist die Farbe an den Umlenkscheiben eben nicht mehr die neueste, das Glas der Scheiben ist, alles Rohbeton, dem man sein Alter auch ansieht, auch einige Rostspuren am Beton und sowas halt. Sieht halt so aus wie die Punta Rocca, etwas abgewrackter noch. Dadurch denkt der normale Tourist, boah was ein klappriges altes Ding. Fahren tut die dann ziemlich ruhig und verdammt fix. Von mir aus könntest die noch 20 Jahre so stehen sollen.
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DanielNö
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Gibt es eurer Meinung nach in Österreich über die letzten 50 Jahre betrachtet besonders innovative Gemeinden/Destinationen? Sind diese besonders er-folgreich oder ergibt sich ihr möglicher Erfolg aus ihrer schieren Größe, die gleichzeitig auch die Innovationsimplementation ermöglicht hat?
Ich würde sagen, daß zB. in Salzburg das Gasteinertal in den Mitte 40er bis Anfang der 60er recht innovativ war. Mit der Erschließung des Graukogels in den 40ern und dem Stubnerkogel und der Schlossalm Anfang der 50er war man seiner Zeit voraus.
Leider wurde dann extrem viel geschlafen (siehe Stubnerkogel) und heute ist das Gebiet in Bad Gastein und Bad Hofgastein zwar noch recht attraktiv, aber nicht mehr an der Spitze der Salzburger Gebiete.
Als innovative Gemeinde könnte man allerdings Flachau bezeichnen, die seit 1994 einen 6er Bubble nach dem anderen gebaut haben und deren Marketingstrategien auch recht gut laufen. Hermann Maier und die Weltcuprennen haben der Gemeinde sehr geholfen. Auch die (für mich eher unpassende) Kategorisierung der Lift in Space Jet und Star Jet gibt dem Gebiet eine eigene Note.
Die beste Strategie hat für mich aber immer noch Saalbach Hinterglemm:
1. Hier wurde von Haus aus extrem viel erschlossen im Vergleich zu vielen anderen Skigebieten. Auf fast jedem Berg gibts an Lift.
2. Die erneuerten Bahnen sind alle in einer kurzen Zeitspanne (keine 10 Jahre) gebaut worden (oder werden es auch noch) und ähneln sich sehr. Somit wirkt das Gebiet in sich stimmig.
3. Die Werbestrategie ist recht gut bzw. man hat auch einen renommierten Namen.
4. Größe, Pistenkilometer, Modernisierung und Angebot geben Saalbach eine Sonderstellung in Salzburg.
Dies ist mein persönlicher Eindruck und sollte keineswegs das Amen im Gebet darstellen, vielleicht hilft es aber dem Ein oder Anderen ein bisschen.
MFG Daniel
Ich suche immer Fotos der alten Stubnerkogellifte, speziell von der Plexi-ZUB.
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Emilius3557
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Für die letzten 10 Jahre würde ich hier bestimmt das Zillertal nennen. Hier wurden 3 große Skischaukeln wie Zillertal3000, Zillertal Arena und The Best Connection Hochzillertal/Hochfügen realisiert. So wurde beständig in neue kuppelbare Anlagen investiert. Als herausragende Anlage ist hier der Gletscherbus zu nennen, aber auch die Tux 150 zu nennen oder vielleicht auch noch die Zweiselumlaufbahn, die aus Mayrhofen zum Penken führt . Diese Anlagen werden auch von dem normalen Besucher wahrgenommen. Aber auch solche Innovationen, dass man alle fixgeklemmten Sesselbahnen durch kuppelbare Sesselbahnen ersetzt hat. Hier fällt den meistens nicht auf, dass diese kuppelbar sind, sondern vielmehr die höhere Geschwindigkeit.DanielNö hat geschrieben:Gibt es eurer Meinung nach in Österreich über die letzten 50 Jahre betrachtet besonders innovative Gemeinden/Destinationen? Sind diese besonders er-folgreich oder ergibt sich ihr möglicher Erfolg aus ihrer schieren Größe, die gleichzeitig auch die Innovationsimplementation ermöglicht hat?
Bei meinem ersten Besuch war das Zillertal noch nicht so bekannt, gerade bei mir in Norddeutschland. Hier wurden als die Skigebiete immer St. Moritz, Kitz, Arlberg, Dolomiten genannt. Aber in letzter Zeit kann auch fast jeder mit dem Begriff Zillertal etwas anfangen.
Zuletzt geändert von broki am 29.10.2006 - 21:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Sehr interessante Diskussion, die ich leider erst jetzt gelesen habe (die läuft ja schon seit 2005!
). Ich bin bestimmt nicht so ein Experte wie Marius, Gletscherfloh oder Trincerone (die sonst Vergessenen mögen es mir verzeihen!), aber ich möchte hier noch einige eigene Gedanken und Thesen (die auch gerne zu diskutieren sind!) zu dieser Thematik loswerden, weil ich die Entwicklung gerade in Österreich in den letzten Jahrzehnten (im Grunde genommen, seit ich das erste Mal primär nach Frankreich fuhr) beobachtete. Ich habe keine Statistiken oder Übersichten zur Verfügung, ich gebe hier nur einfach meine Gedanken wieder, die nicht unbedingt nur Bezug auf die oben genannten Fragen haben.
Österreich war für mich in den späten 70ern und 80ern in meinen Augen nie besonders innovativ - Frankreich dagegen schon eher. Wo groß in Österreich begeistert "DSB" stand und man darauf stolz war, liefen in France schon 3er und 4er-SB und anstatt 4er EUB dann sogar 6er und 12er EUB und DMCs. Die SL-Portalstützen gehörten für mich zu Österreich wie die Sonne in die Sahara.
Die PB-Größe in Austria war auch hier immer hintendran. Ich erinnere an die 3 Vallées, die in wenigen Jahren gleich zwei Riesen-PB in Betrieb nahmen (Saulire und Caron).
Zwischenzeitlich war ich immer mal wieder ergänzend in Österreich und war immer wieder enttäuscht von dem Angebot - lange Wartezeiten, relative Schneeunsicherheit durch niedrigere Ortshöhenlage und veraltete Anlagen, und das in den sogenannten Top-Skigebieten wie Arlberg oder Ötztal. Die lebten zu diesem Zeitpunkt, so finde ich, von ihrem Ruf. Das, was Österreich in diesen Jahren bis Anfang der 90er war, ist jetzt, so finde ich, teilweise in der Schweiz zu erkennen. Selten habe ich in letzter Zeit so alte Liftanlagen gesehen wie in der Schweiz (was für mich als Alpinforumler natürlich auch seinen Reiz hat
). Sorry, aber das ist meine persönliche Erfahrung (trotzdem geht es diese Saison in die Schweiz, aus verschiedenen Gründen). Diese Entwicklung in der Schweiz liegt natürlich an vielen Faktoren.
Österreich hat dann so langsam seine Ski-Klientel wegbrechen sehen, der Markt wurde härter, weil die jüngere Generation auch mal andere Länder ansteuerte (wie z.B. France, z.B. Boarderweek in Val Thorens etc.). Aber auch jahrzehntealte Liftanlagen, die nicht mehr dem aktuellen Gesetz entsprachen oder einfach unrentabel waren durch dauerhafte Reparaturarbeiten, mußten ohnehin ersetzt werden, und somit ist eine - so würde ich es schon bezeichnen - Innovationswelle über Austria hereingebrochen, die zu modernen Skigebieten (was insbesondere Liftanlagen angeht) geführt hat, gepaart mit Skigebietszusammenschlüssen oder Neuerschließungen, tlw. auch in höhere Lagen.
Natürlich hat man meiner Meinung nach dadurch Gäste im Land halten können, die sonst auch woanders hingefahren wären. Was nützt der schönste Hüttentourismus mit Gemütlichkeit à la Tirolienne, wenn das Drumherum, für das man ja, als Skiurlaub deklariert, in den Urlaub fährt? Das haben mittlerweile die meisten Gebiete wohl erkannt. Eine gute Kombination macht es eben aus. Und die machen damit auch viel Werbung.
Das war auch der Grund, warum ich mir jetzt schon zweimal SFL angeschaut habe und durchaus erstaunt war, wie modern das Skigebiet ausgestattet ist und mit welch marketingtechnischen Tricks (erfolgreich) gearbeitet wird. Man sieht es doch an Mayrhofen, Ischgl, St. Anton, Paradiski, Feldberg - mit neuen, natürlich auch durchaus innovativen Liftanlagen und damit verbundenen Verbesserungen (wie auch immer -> Zusammenschlüsse, höhere Beförderungskapazität, Ersatz eines SL) möchte man in aller Munde bleiben und so vielleicht auch für den Sommertourismus vorsorgen, was ich in den letzten Jahren sehr auffällig finde. Das Sommerangebot wird aggressiver umworben. Dazu gehört ebenfalls das Anbieten von modernen Liften auch im Sommer, die so vielleicht das gesamte Jahr über in Betrieb sind und so Touris (eher Sportschuhtouris) anlocken sollen.
Österreich war für mich in den späten 70ern und 80ern in meinen Augen nie besonders innovativ - Frankreich dagegen schon eher. Wo groß in Österreich begeistert "DSB" stand und man darauf stolz war, liefen in France schon 3er und 4er-SB und anstatt 4er EUB dann sogar 6er und 12er EUB und DMCs. Die SL-Portalstützen gehörten für mich zu Österreich wie die Sonne in die Sahara.
Die PB-Größe in Austria war auch hier immer hintendran. Ich erinnere an die 3 Vallées, die in wenigen Jahren gleich zwei Riesen-PB in Betrieb nahmen (Saulire und Caron).
Zwischenzeitlich war ich immer mal wieder ergänzend in Österreich und war immer wieder enttäuscht von dem Angebot - lange Wartezeiten, relative Schneeunsicherheit durch niedrigere Ortshöhenlage und veraltete Anlagen, und das in den sogenannten Top-Skigebieten wie Arlberg oder Ötztal. Die lebten zu diesem Zeitpunkt, so finde ich, von ihrem Ruf. Das, was Österreich in diesen Jahren bis Anfang der 90er war, ist jetzt, so finde ich, teilweise in der Schweiz zu erkennen. Selten habe ich in letzter Zeit so alte Liftanlagen gesehen wie in der Schweiz (was für mich als Alpinforumler natürlich auch seinen Reiz hat
Österreich hat dann so langsam seine Ski-Klientel wegbrechen sehen, der Markt wurde härter, weil die jüngere Generation auch mal andere Länder ansteuerte (wie z.B. France, z.B. Boarderweek in Val Thorens etc.). Aber auch jahrzehntealte Liftanlagen, die nicht mehr dem aktuellen Gesetz entsprachen oder einfach unrentabel waren durch dauerhafte Reparaturarbeiten, mußten ohnehin ersetzt werden, und somit ist eine - so würde ich es schon bezeichnen - Innovationswelle über Austria hereingebrochen, die zu modernen Skigebieten (was insbesondere Liftanlagen angeht) geführt hat, gepaart mit Skigebietszusammenschlüssen oder Neuerschließungen, tlw. auch in höhere Lagen.
Natürlich hat man meiner Meinung nach dadurch Gäste im Land halten können, die sonst auch woanders hingefahren wären. Was nützt der schönste Hüttentourismus mit Gemütlichkeit à la Tirolienne, wenn das Drumherum, für das man ja, als Skiurlaub deklariert, in den Urlaub fährt? Das haben mittlerweile die meisten Gebiete wohl erkannt. Eine gute Kombination macht es eben aus. Und die machen damit auch viel Werbung.
Das war auch der Grund, warum ich mir jetzt schon zweimal SFL angeschaut habe und durchaus erstaunt war, wie modern das Skigebiet ausgestattet ist und mit welch marketingtechnischen Tricks (erfolgreich) gearbeitet wird. Man sieht es doch an Mayrhofen, Ischgl, St. Anton, Paradiski, Feldberg - mit neuen, natürlich auch durchaus innovativen Liftanlagen und damit verbundenen Verbesserungen (wie auch immer -> Zusammenschlüsse, höhere Beförderungskapazität, Ersatz eines SL) möchte man in aller Munde bleiben und so vielleicht auch für den Sommertourismus vorsorgen, was ich in den letzten Jahren sehr auffällig finde. Das Sommerangebot wird aggressiver umworben. Dazu gehört ebenfalls das Anbieten von modernen Liften auch im Sommer, die so vielleicht das gesamte Jahr über in Betrieb sind und so Touris (eher Sportschuhtouris) anlocken sollen.
Ski en France = parfait!
- thun
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Ein kleineres sehr innovatives Skigebiet ist sicher Warth-Schröcken: Innerhalb eines Jahres 5 neue KSBs, damit alle Lifte (ich glaube bis auf zwei SL nur für Skischulen) als Sesselbahnen (und da auch nur eine oder zwei (?) nicht kuppelbar). Kurz darauf haben sie als erste einige Anlagen mit Sitzheizung ausgerüstet. Dass die Beschneiungsanlage für österreichische Verhältnisse eher unterdimensioniert ist ist dank der Lage eigentlich egal.
Lustigerweise wurden die Pisten aber nicht wie anderso plattgemacht, sondern verlaufen so, wie sie vom Terrain vorgegeben werden (also mit vielen Wellen, etc.).
Ich denke, was die Gäste schätzen ist, dass sie es geschafft haben ein sehr modernes Skigebiet ohne den Apres-Ski-Zirkus aufzuziehen, sondern ihre ruhigen Dörfer erhalten haben.
Ich denke, die Masse der Skifahrer sind lifttechnische Innovationen ziemlich egal. Denen fällt eher auf, wenn sie lange Wartezeiten haben oder auf alten Klappergerüsten transportiert werden. Ob da eine moderne 4SB oder 8KSB steht ist prinzipiell egal. Wichtiger sind wahrscheinlich Preis, Anfahrt, Gastronomie und Unterkunft.
Lustigerweise wurden die Pisten aber nicht wie anderso plattgemacht, sondern verlaufen so, wie sie vom Terrain vorgegeben werden (also mit vielen Wellen, etc.).
Ich denke, was die Gäste schätzen ist, dass sie es geschafft haben ein sehr modernes Skigebiet ohne den Apres-Ski-Zirkus aufzuziehen, sondern ihre ruhigen Dörfer erhalten haben.
Ich denke, die Masse der Skifahrer sind lifttechnische Innovationen ziemlich egal. Denen fällt eher auf, wenn sie lange Wartezeiten haben oder auf alten Klappergerüsten transportiert werden. Ob da eine moderne 4SB oder 8KSB steht ist prinzipiell egal. Wichtiger sind wahrscheinlich Preis, Anfahrt, Gastronomie und Unterkunft.
- Chasseral
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Was ist hier in der Diskussion eigentlich mit Innoivation gemeint. Eine 6KSB zum Beispiel ist sehr modern, aber keine Innovation mehr, sondern Standardtechnologie.
Ist ein Skigebiet, das ausschliesslich 6KSBen bietet im Sinne dieses Threads innovativ, weil es durchweg moderne Technik bietet oder nicht innovativ, weil es nur Standardtechnologien besitzt?
Ist Sattel-Hochstuckli innovativ, weil es Drehgondeln besitzt (die es sonst nirgends gibt) oder ist es nicht innovativ, weil es zu 80% aus alten Schleppliften besteht?
Wie ist das zu verstehen?
Ist ein Skigebiet, das ausschliesslich 6KSBen bietet im Sinne dieses Threads innovativ, weil es durchweg moderne Technik bietet oder nicht innovativ, weil es nur Standardtechnologien besitzt?
Ist Sattel-Hochstuckli innovativ, weil es Drehgondeln besitzt (die es sonst nirgends gibt) oder ist es nicht innovativ, weil es zu 80% aus alten Schleppliften besteht?
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Ich denke es geht um Innovation im Sinne von Neuentwicklungen, wie sie vor allem in der Zeit zwischen ca. 1975 (erste moderne KSBs) und dem Beginn der 90er-Jahre (Funitel, 3S) eingeführt wurden, und darum welche Rolle die Verbreitung dieser Anlagen als Erfolgsfaktor im Tourismus spielen oder gespielt haben.
Zuletzt geändert von k2k am 29.10.2006 - 22:08, insgesamt 1-mal geändert.
"Seilbahnen sind komplexe technische Systeme. Sie sind Werke innovativen vielschichtigen Schaffens und bilden ein spannungsvolles Zusammenspiel technischer und wirtschaftlicher, politischer, sozio-kultureller und landschaftlicher Faktoren." (Schweizerisches Bundesamt für Kultur)
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Emilius3557
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Heute, ja. Man muss bei der ganzen Innovativitäts-Diskussion immer die Zeitdimension betrachten, sonst wird es schnell sinnlos. Früger (1994- ca. 1998) war eine 6-KSB durchaus noch eine Besonderheit und in gewissem Sinne innovativ.Eine 6KSB zum Beispiel ist sehr modern, aber keine Innovation mehr, sondern Standardtechnologie.
Dann ist es ein modernes Skigebiet. Wegen der Sitzheizung sind sie dann auch mal innovativ gewesen.Innerhalb eines Jahres 5 neue KSBs, damit alle Lifte (ich glaube bis auf zwei SL nur für Skischulen) als Sesselbahnen
Dem würde ich so zustimmen. Aber da innovative Liftanlagen meistens auch kapazitätsstark und komfortabel sind (zumindest relativ gesehen, d.h. mehr Kap und Komfort als die jeweilige Vorgängeranlage, insofern ist ja bereits eine 3-SB eine Verbesserung ggü DSB weil Wartezeiten tendenziell geringer werden sollten), ist kontinuierliche Innovativität (= immer den modernsten Lifttypus bauen) eine Gewähr für kontinuierliche Modernität des Liftsystems, die dann wiederum negative Erfahrungen den Gäste verhindern hilft (lnage Wartezeiten, "Gefrierlifte"...).die Masse der Skifahrer sind lifttechnische Innovationen ziemlich egal. Denen fällt eher auf, wenn sie lange Wartezeiten haben oder auf alten Klappergerüsten transportiert werden. Ob da eine moderne 4SB oder 8KSB steht ist prinzipiell egal. Wichtiger sind wahrscheinlich Preis, Anfahrt, Gastronomie und Unterkunft
Besinnung auf die Kernkompetenzen - altbewährte Dummschwätzerei...