Befürworter und Gegner diskutierten in sachlicher Atmosphäre
Reit im Winkl. Das brisante Thema »Busse oder Gondelseilbahn auf die Winklmoosalm?« diskutierten mehr als ein Dutzend Interessenvertreter beider Seiten im Festsaal in Reit im Winkl. Organisiert und geleitet wurde die Veranstaltung von Hermann Eschenbeck, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz Traun-stein (BN), dem es gelang, dass beide Seiten sachlich und fair ihre Argumente austauschten und sich die vielen Zuhörer so ein ausgewogenes Bild beider Standpunkte machen konnten.
Einleitende Referate führten in das Thema ein, das bereits seit über 20 Jahren ein oft diskutiertes Problem in Reit im Winkl ist. Neben Vertretern der Naturschutzverbände und des Regionalverkehrs Oberbayern (RVO) legte Reit im Winkls Bürgermeister Fritz Schmuck unter dem Motto »Was will der Gast?« das Konzept der Gemeinde Reit im Winkl vor und Andreas Brandner von der »Steinplatte Aufschließungs-GmbH und Co. KG« erläuterte das Erschließungskonzept seiner Gesellschaft für die Steinplatte. Hermann Eschenbeck stellte den Standpunkt des Bund Naturschutz klar, der sich für die »touristische Erschließung der Winklmoos im Winter wie im Sommer mit Vorrang für Naturverträglichkeit« einsetzt. »Unter bestimmten Bedingungen könnte sich der BN auf die Kabinenseilbahn einlassen«, erklärte Eschenbeck, aber nur � als die wichtigste Bedingung überhaupt � »wenn die Verbindung vom Heutal zur Winklmoos ein für allemal von Aufstiegshilfen verschont bleibt«. Dr. Roland Kals, stellvertretender Vorsitzender der Aktiongemeinschaft zum Schutz der Saalforste und Naturschutzreferent des Österreichischen Alpenvereins, Sektion Salzburg, hatte zuvor in seinem Referat dargelegt, dass die Gemeinde Unken auf österreichischer Seite nur auf die Gondelbahn warte, um damit endlich einen Einstieg zu haben, um die lang ersehnte Verbindung beider Skigebiete, Heutal und Winklmoos, zu erreichen und die Skischaukel endlich bauen zu können.
Entscheidend bei der Frage, ob eine Gondelseilbahn auf die Winklmoosalm gebaut wird, ist die Frage, ob und wie weit dann die bestehende Straße auf die Winklmoosalm für den Verkehr gesperrt würde. Die Naturschutzverbände wie der BN wehren sich vehement gegen eine »Doppelerschließung«, die dann weitere Zerstörungen der Natur, beispielsweise durch zusätzliche Parkplätze auf der Steinplatte, notwendig machen würde. Inzwischen hat die Gemeinde ein Rechtsgutachten beim Innenministerium in Auftrag gegeben, das prüfen soll, inwieweit die Straße noch benutzt werden darf, wenn die Gondel gebaut wird.
Höhepunkt und Abschluss der Veranstaltung war eine Podiumsdiskussion unter Leitung von Christian Schneider, der auch Leute aus dem Publikum befragte. Gezielt stellte Schneider Fragen an die Teilnehmer und ließ nicht locker, ehe seine Fragen beantwortet waren. So wollte er zum Beispiel wissen, ob auch der Parkplatz an der Talstation erweitert werden müsse, wenn die Gondel gebaut würde. Bürgermeister Schmuck verneinte das klar, und Andreas Brandner erläuterte, dass schon jetzt die Straße geschlossen werde, wenn der Parkplatz voll ist, etwa an 20 Tagen im Jahr. Wenn etwa 7000 Menschen auf der Winklmoos seien, sei das Skigebiet einfach ausgereizt, auch wenn die Leute das oft nicht begreifen könnten. Noch diskutiert werden müsse, in welchen Monaten und zu welchen Zeiten die Bahn im Sommer und im Winter in Betrieb sein solle. Sinnvoll sei es aus seiner Sicht von Juni bis Oktober zu fahren, jeweils etwa von 9 bis 18 Uhr. Wenn die Bahn nicht in Betrieb sei, könnte die Straße als Mautstraße geöffnet sein. Wolf Guglhör von der Aktionsgemeinschaft zum Schutz der Saalforste stellte klar, dass seine Gruppierung diese Art Doppelerschließung auf keinen Fall akzeptieren würde: entweder Gondelbahn oder Autoverkehr. Von Seiten der Aufschließungsgesellschaft müsse es deshalb Angebote geben, um den gesamten Verkehr durch die Seilbahn abzudecken.
Eine Frage war, ob der so genannte Bergwaldbeschluss von 1984 hier greifen würde, denn danach soll keine Rodung des Bergwalds für touristische Erschließungen mehr genehmigt werden. Paul Höglmüller, bis vor kurzem bei der Staatsforstverwaltung, jetzt Betriebsleiter des Forstbetriebs Ruhpolding, sagte, dass seine Behörde seit der Umorganisierung nicht mehr für den Bergwaldbeschluss zuständig sei. Das sei jetzt weitgehend eine Sache der Regierung. Für sicher hielt er es, dass der Busverkehr beim Bau einer Gondel eingestellt werden und der Individualverkehr weitgehend reduziert werden müsse. Anton Kern, Landtagsabgeordneter der CSU, bestätigte auf Nachfrage, dass sich der Landtag direkt mit dieser Frage befassen müsse.
Andreas Brandner erklärte, dass seine Gesellschaft die Bahn nicht bauen würde, wenn es weiterhin parallel dazu den Mautverkehr gebe, »das haben wir immer gesagt«. Natürlich müsse man dafür sorgen, dass die Gondelseilbahn wirtschaftlich betrieben werden könne. Auf die Frage des Diskussionsleiters, ob die Aufschließungsgesellschaft eine Skischaukel Heutal-Winklmoos plane, antwortete Brandner, dass dies »derzeit kein Thema« sei. Zwar wäre das schon lange ein Wunsch von Unken und die Vertreter seien schon vor Jahren an ihn herangetreten, aber »in den nächsten Jahren passiert sicher nichts«, denn für seine kleine Firma sei der Bau der Gondelseilbahn von Reit im Winkl zur Winklmoos »schon ein riesiger Brocken« . Auch Forstdirektor Hans Sleik, Betriebsleiter des Forstbetriebs St. Martin und zuständig für die Bayerischen Saalforste, erklärte, dass in nächster Zeit »keine Gefahr besteht, dass hier etwas passiert«.
Angesprochen wurden auch die Nachteile für den RVO, die durch eine Gondelbahn entstehen würden. Geschäftsführer Veit Bodenschatz bestätigte, dass bei der RVO mindestens 15 Arbeitsplätze wegfielen, wenn die Seilbahn gebaut würde. Davon wären überwiegend Reit im Winkler betroffen. Man habe in den vergangenen Jahren »extrem in kundenfreundliche Fahrzeuge investiert«, so dass die Gemeinde bei der Energie- und Umweltbilanz mit dem Busverkehr auf die Dauer sicher besser fahre. Busse hielt Bodenschatz auch deshalb für besser, weil eine Gondelbahn nicht das ganze Jahr über betrieben werden könne. In Spitzenzeiten lägen die Beförderungskapazitäten mit Bussen bei 2500 Personen pro Stunde. Man könne die verkehrstechnische Verbindung zu den Nachbargemeinden wie Ruhpolding, Inzell und zum Achental auf jeden Fall noch optimieren. Dafür müsse nur jemand die Initiative ergreifen. Ohne dass der Bürgermeister oder der RVO-Geschäftsführer genaue Zahlen nannten, konnte der Diskussionsleiter beiden entlocken, dass der RVO »mehr als 200 000 Euro pro Jahr« an die Gemeinde für die Straße zahlt. Fritz Schmuck erklärte, dass dabei kein Gewinn für die Gemeinde herausschaue, weil das Geld für den Straßenunterhalt verwendet werde.
Eine nicht ganz einfache Stellung hat der DAV, Sektion Reit im Winkl-Kössen, weil er einerseits seine Hütte auf der Winklmoos wirtschaftlich betreiben muss, andererseits an der größtmöglichen Unversehrtheit der Natur interessiert ist. Eine Seilbahn werde einen erheblichen Teil an Emissionen verhindern, sagte Alf Amberger, Vorsitzender der DAV-Sektion Traunstein. Wenn die Seilbahn in Betrieb sei, müsse auf jeden Fall die Straße gesperrt werden. Amberger legte Wert auf die Feststellung, dass die Wanderer im Sommer nicht durch zu hohe Preise vergrault werden dürften. Nachweislich nehme die Zahl der Wanderer auf den Almen erheblich zu. Josef Speicher von der Weidegenossenschaft Reit im Winkl meinte dagegen, dass die Straße auf keinen Fall ganz gesperrt werden könne. Man müsse Gondel und Straße kombinieren. »Es bleibt spannend« stellte Christian Schneider abschließend fest. Auf jeden Fall sei es viel versprechend, wenn Befürworter und Gegner einer Gondelseilbahn noch in so »leidenschaftsloser, harmonischer Weise« miteinander reden könnten.