Bundestagswahl 2005

... darf auch mal absolut nix mit dem Thema des Forums zu tun haben!
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Wen würdest du wählen?!

Umfrage endete am 18.09.2005 - 19:26

SPD
12
38%
CDU/CSU
13
41%
WSAG
1
3%
FDP
3
9%
B90/Grünen
3
9%
Sonstige
0
Keine Stimmen
werde wahrscheinlich gar nicht wählen
0
Keine Stimmen
bin mir immer noch nicht ganz im KLaren wen ich wählen soll
0
Keine Stimmen
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 32

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CV
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Beitrag von CV »

Trinc, in drei von vier wesentlichen Punkten stimme ich Dir zu:

1) Dass die Wahl überhaupt ausgerufen wurde, fand ich nicht gerechtfertigt
2) Äquivalent: Eine Wiederholung dieser Wahl sollte nur unternommen werden, wenn im Bundestag sämtliche durch die Verfassung geregelten Verfahren negativ enden.
3) Die Inkonsequenz in der Stimmungslage in der Bevölkerung ist frappierend. Die Konsequezen daraus male ich jetzt mal lieber nicht an die Wand... sie sprechen aber dafür, lieber nicht zu oft von der 4jährigen Regierungsamtszeit abzuweichen.

Anderer Meinung bin ich bei der Frage nach programmatischer Übereinstimmung der "Jamaika-Bande". Sicher, einige Kröten wären zu schlucken, aber wäre das bei einer großen Koalition nicht genauso? Schwierig ist's in der Türkei-Frage und beim Atomausstieg, aber hier ließen sich m.E. gemeinsame Wege finden, ohne dass sich einer "verkaufen" muss.
Der Hauptknackpunkt ist doch der von der Union (v.a. CDU) angestrebte Systemwechsel in den Sozialsystemen. Und sowohl SPD als auch Grüne wollten den bisher nicht, wobei mir die Grünen - v.a. nach den Äußerungen am Wahlabend - wesentlich beweglicher und weniger verbort vorkamen als die SPD.
Ich möchte nochmal betonen, dass ich gegenüber der SPD keinen Generalverdacht hege, aber die gestrigen Äußerungen der beiden Spitzenköpfe machen auf mich den Eindruck, dass ihnen vor lauter Machtspielen die missliches Situation nach dieser Wahl noch nicht vor Augen getreten ist.
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Beitrag von trincerone »

Ich gebe im übrigen zu, dass eine schwarz-grüne Koalition mir ideologisch gar nicht so fern liegt. Ich sehe übrigens die Schwierigkeiten eher zwischen der FDP und den Grünen. Ansonsten gut, lassen wir uns überraschen. Wenn Du recht behalten solltest, wäre es angesciht der aktuellen Lage sicher auch nicht das verkehrteste. Ich fürchte nur, dass wird schon personell schwierig. Aber wer weiß, was noch passiert.
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CV
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Beitrag von CV »

manchmal kann man's nicht glauben... wollte soeben auch schreiben: Ich oute mich hiermit als Schwarz-Grüner...
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Beitrag von trincerone »

Ist aber gar nicht so abwegig: es gibt da durchaus gewisse Ergänzungen, die sich nicht überschneiden bei beiden Parteien.
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McMaf
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Beitrag von McMaf »

trincerone hat geschrieben:Außerdem gehts eben auch nicht um die Frage, ob irgendwem das Ergebnis gefällt oder eben nicht! Es geht darum festzustellen, ob man mit diesem Ergebnis regieren kann oder nicht! Und wenn es nicht geht, was machen wir dann: Neuwahlen oder 4 Jahre warten auf besseres wetter ohne zu regieren? Das hat nichts mit Wünschen und dergleichen zu tun, sondern schlichtweg mit Pragmatismus.
Meine Rede, wenn man doch ehrlich ist, ist die Situation jetzt noch angespannter und unbeweglicher als vor der Wahl. Das ist ein Ausnahmezustand in der BRD. Sowas hat es hier noch nie gegeben. Um Probleme zu lösen bringt es jetzt nichts auf den Prinzipien rumzureiten à la "Die Parteien müssen sich jetzt irgendwie zusammenraufen ums regieren willen, auch wenn das 4 Jahre Stillstand bedeuten würde". Pragmatisch gesehen müssen in dieser schwierigen Lage für Deutschland klare Verhältnisse geschaffen werden. Die Politik muss berechenbar bleiben, sonst läuft doch hier alles aus dem Ruder. An alle Verfassungstreuen möchte ich nur los werden, dass immer das Wohle Deutschlands im Vordergrund stehen sollte und nicht auf Teufel komm raus das pochen auf Formalitäten oder Normen.

Eine schwarze Ampel würde ich, wie gesagt aber auch nicht unbedingt verteufeln. Bei Grundlagen der Steuer- oder Subventionspolitik gibt es sicherlich teils größere Schnittmengen als bei Rot-Grün (Man schaue sich die Positionen zu den Kohlesubventionen und generell der Subventionspolitik an). Das größer Problem dem beizustimmen, werden aber sicherlich die Grünen haben. Sie müssten sich dann wohl v.a. auch von der Basis den opportunismus vorwerfen lassen, den man der FDP lange nachgesagt hat. >> Was die FDP aber bei dieser Wahl klar wiederlegt hat. Ich glaube nicht, dass sie ihre Meinung zur herkömmlichen Ampel noch ändern werden. Falls doch, wäre das das letzte mal das ich FDP gewählt habe, aber das wird nicht eintreten. Nicht unter Westerwelle.
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Beitrag von trincerone »

An alle Verfassungstreuen möchte ich nur los werden, dass immer das Wohle Deutschlands im Vordergrund stehen sollte und nicht auf Teufel komm raus das pochen auf Formalitäten oder Normen.
Das ist erstens ein Widerspruch und zweitens gewissermaßen unklug, das Grundgesetz als Formalität zu bezeichnen. :!: Die Leute, die das GG geschrieben haben, hatten so einiges mehr auf dem Kasten als viele der Leute, die heut in unserem Parlament arbeiten.
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McMaf
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Beitrag von McMaf »

Das Grundgesetz wurde zum Wohle Deutschlands geschrieben und das GG zweifle ich ja auch überhaupt nicht an. Was ich sagen will ist, falls das GG verursachen sollte eine Koalition für 4 Jahre zu erzwingen die einfach nicht funktioniert, dann würde sich eben jenes genau zum Gegenteil entwickeln wofür es geschrieben ist. Also für Deutschland. Man müsste das Grundgesetz ja noch nichtmal aushebeln... Das war ja kein Angriff auf die Verfassung. Bestimmte Situationen erfordern bestimmte Aktionen. Und das kann kein Grundgesetz, auch wenn es von den klügsten Männern der Welt geschrieben ist, im vorhinein fest deffinieren.
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Beitrag von CV »

McMaf hat geschrieben: Pragmatisch gesehen müssen in dieser schwierigen Lage für Deutschland klare Verhältnisse geschaffen werden.
tja, und das ist genau das Problem... der Wahlausgang spiegelt schon irgendwo den Willen des Volkes wider. Und der ist ein entschiedenes "Ich weiß nicht" (das betrifft natürlich nicht den einzelnen Bürger sondern das über alle Wähler gemittelte Meinungsbild). Die gewünschten "klaren Verhältnisse" lassen sich m.E. nicht so einfach "schaffen".
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Beitrag von trincerone »

Bestimmte Situationen erfordern bestimmte Aktionen. Und das kann kein Grundgesetz, auch wenn es von den klügsten Männern der Welt geschrieben ist, im vorhinein fest deffinieren.
Tja, ich denke, damit muss man sich ein bisschen auseinandersetzen, um das zu verstehen. Fakt ist jedenfalls, dass eine Gesetzgebung genau dann funktioniert, wenn man sie einhält und nicht wenn man sie umgeht, wenn sie gerade mal weniger bequem ist. Desweiteren machst Du einen Gedankenfehler: wer sagt dir denn, dass gerade du die Situation richtig einschätzt, dass gerade jetzt eine Situation gegeben ist, wo man das Grundgesetz umgehen müsste? Wer sagt Dir denn, dass genau das nicht dazuführen würde, dass eine andere, noch unerträglichere Situation eintreten würde?? Das wäre dann nämlich wieder nicht zum Wohle Deutschlands und damit hätte sich die Katze eben in den Schwanz gebissen. Manchmal ist es eben sinnvoll, in einem System, dass nicht vorraussehen lässt, welche Eingangsvariablen welches Ergebnis am Ende erzielen, sich einfach generell an gewisse Regeln zu halten, die sich einfach bewährt haben.

Ansonsten stellt sich die Frage hier jagar nicht, weil - wie ich oben schon bemerkte - diese extrem klugen Männer, die das Grundgesetz geschrieben haben, natürlich auch diesen Fall bedacht haben. Erstens gibt es im Falle, dass keine regierungsfähie Mehrheit im Parlament zustandekommt, eben sehr wohl die Möglichkeit zu Neuwahlen und zweitens kann jede Regierung, die sich nicht in der Lage sieht zu regieren, zurücktreten, was dasselbe Ergebnis hat. Nur ist der Weg etwas steiniger, damit er nicht zu sehr als machpolitisches Kalkül infrage kommt. Eine sehr gelungene, weitsichtige und elegante Lösung wie ich finde.

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Beitrag von McMaf »

trincerone hat geschrieben:Wer sagt Dir denn, dass genau das nicht dazuführen würde, dass eine andere, noch unerträglichere Situation eintreten würde?? Das wäre dann nämlich wieder nicht zum Wohle Deutschlands und damit hätte sich die Katze eben in den Schwanz gebissen.
Warum argumentierst du denn jetzt dagegen? Bei dem Zitat oben sagts du doch selber auch nichts anderes. Daher sagts u.a. auch du mir dass es so nicht weitergehen kann. Du musst doch jetzt nicht so tun als würde ich das Grundgesetz abschaffen wollen... ( :? )

denn du sagts genau wie ich es ja auch beschrieben habe...
trincerone hat geschrieben:Ansonsten stellt sich die Frage hier jagar nicht, weil - wie ich oben schon bemerkte - diese extrem klugen Männer, die das Grundgesetz geschrieben haben, natürlich auch diesen Fall bedacht haben. Erstens gibt es im Falle, dass keine regierungsfähie Mehrheit im Parlament zustandekommt, eben sehr wohl die Möglichkeit zu Neuwahlen und zweitens kann jede Regierung, die sich nicht in der Lage sieht zu regieren, zurücktreten, was dasselbe Ergebnis hat. Nur ist der Weg etwas steiniger, damit er nicht zu sehr als machpolitisches Kalkül infrage kommt. Eine sehr gelungene, weitsichtige und elegante Lösung wie ich finde.
... dass man das Grundgesetz für Neuwahlen garnicht umgehen muss, da sowas ja festgelegt ist. Die eigentliche Intention meiner Aussage kommt de facto eigentlich nur auf deine These welche ich oben zitiert habe heraus. Da kann ich dir doch nur Recht geben. Also wo ist hier der Dissenz?
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Beitrag von trincerone »

Was ich sagen will ist, falls das GG verursachen sollte eine Koalition für 4 Jahre zu erzwingen die einfach nicht funktioniert, dann würde sich eben jenes genau zum Gegenteil entwickeln wofür es geschrieben ist. [...]Bestimmte Situationen erfordern bestimmte Aktionen. Und das kann kein Grundgesetz, auch wenn es von den klügsten Männern der Welt geschrieben ist, im vorhinein fest deffinieren.
Das ist der Dissenz! natürlich kommen wir im Ergebnis zum selben Standpunkt, ich aber weil ich sage, lass es uns genauso machen wie es im GG steht und nicht ständig dranrumdeuteln und du, weil du sagst, man sollte das Grundgesetz nicht so stur sehen, wenn das Ergebnis der Befolgung der im GG Procedere mal nicht zu passen scheint. Auch wenn Du richtig erkennst, dass sich diese Frage im vorliegenden Fall nicht stelkt, eben weil das Grundgesetz auch für diesen eine sinnige Regelung bereit hält, ist unser Ausgangspunkt völlig unterschiedlich. Du schreibst "man müsste das Grundgesetz ja nicht einmal aushebeln" und sage von grenzwertigen Auslegungen geschweige denn Umgehungen des Grundgesetzes sollte man generell tunlichst die Finger lassen und mit sowas wie "man müste es gar nicht aushelbeln" gar nicht erst anfangen, weil der Gedanke der dahinter steht (was ist denn wenn man es aushebeln müsste?) nicht passt. Mir gings dabei auch um die Wahl von gestern, die wie bereits dargelegt in meinen Augen auf diesem Wege zumindest nicht o.k. war. Das wollte ich damit unterstreichen. Das wir bezüglich einer weiteren Neuwahl als Notfalllösung zum selben Ergebnis kommen, hat ja mit den dahinterstehenden Prinzipien nichts zu tun.
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Beitrag von McMaf »

trincerone hat geschrieben:Mir gings dabei auch um die Wahl von gestern, die wie bereits dargelegt in meinen Augen auf diesem Wege zumindest nicht o.k. war. Das wollte ich damit unterstreichen. Das wir bezüglich einer weiteren Neuwahl als Notfalllösung zum selben Ergebnis kommen, hat ja mit den dahinterstehenden Prinzipien nichts zu tun.
Doch und da wiedersprichst genau du dir wieder... :? Denn so wie du argumentierst dürftest du die Neuwahlentscheidung garnicht in Frage stellen, da sie vom Verfassungsgericht auf Basis des Grundgesetzes (welches ja nach dir unanzweifelbar ist), bestätigt worden ist. Aber das sagtest du ja bereits selber. Aber wenn du nach deinen Prinzipien, die du als Argumentation gegen meine These verwendet hast, leben würdest, dann würde sich die Diskussion doch wieder ganz anders zuziehen.

Im Endeffekt (um auf den kleinsten gemeinsammen Nenner zu kommen ;)) muss man sagen, dass wir beide nicht vollkommen wiederspruchslos argumentieren. Da muss ich dir, auch im Bezug auf mich ein wenig Recht geben.
Und ich finde das solltest du als Friedensangebot und Schlusspunkt einer sicherlich interessanten Diskussion verstehen. Eine Diskussion die in seiner breite und komplexität bestimmt nicht von uns komplett ausgefochten werden kann.

Ich wünsche zumindest noch einen ehrlich gemeinten schönen Abend! :)
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Beitrag von trincerone »

Also mir geht sicher weder um Krieg noch um Frieden allenfalls um richtig oder falsch. Unabhängig davon, ob Du Dir widersprichst, ich habe das in diesem Fall nicht getan, und zwar aus folgendem Grund: Wie du richtig erkennst, ist die Neuwahlentscheidung (in dieser Situation auf diesem Weg) keine direkte Konsequenz des Grundgesetzes, sondern eine strittige Rechtsfrage, die das BVerfG für den Augenblick zu gunsten einer Position entschieden hat. Das ist aber keinesfalls eine unanfechtbare (unanfechtbar im nicht-juristischen Sinne) Entscheidung und auch nicht für die Ewigkeit (mal schauen wie eine solche Frage das nächste Mal entschieden wird) und ich halte sie von meinem derzeitigen Standpunkt aus auch nicht für richtig. Dabei gehts aber um die Auslegung des Bundesverfassungsgerichts und nicht um das Grundgesetz selber. Das sind völlig verschiedene Dinge!
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Beitrag von Chasseral »

trincerone hat geschrieben:... Und es ist meines Erachtens weit weniger schlimm, eine Wahl zu wiederholen, als mitten in einer laufenden Legislaturperiode Neuwahlen anzuberaumen. ...
Das sehe ich genau andersherum. Wenn mitten in der Legislaturperiode was schiefgeht, dann sehe ich das notfalls ein (sollte aber keineswegs die Regel sein). Aber eine Wahl wiederholen? Da fehlt für mich jede demokratische Legitimation! Gewählt ist erst mal gewählt.
... Jedenfalls sehe ich nicht, wie Grüne, FDP und CDU eine Regierung zusammen bilden sollten, ohne dass sich die beiden kleinen Parteien völlig verkaufen. Das kann ja wohl irgendwo auch nicht der Sinn sein.
Doch! M.E. muss genau das geschehen! Die Parteien müssen sich "verkaufen", müssen die Ideologie sowei wie möglich zurückdrängen und sich den Sachfragen widmen. Und in denen gibt es m.E. gar keine so gravierenden Unterschiede, dass sie nicht lösbar wären. In einem Unternehmen können sich die Manager die mitstreitenden Führungskräfte auch nur bedingt aussuchen. Trotzdem kann man an einem Strick ziehen. Und dort funktioniert es meistens. Jedenfalls weitaus besser als bei der Politik mit ihren unsäglichen ideologischen Lagern.

Um mich nicht falsch zu verstehen: Vor der Wahl müssen die Parteien sehr wohl auf ihre Schwerpunkte aufmerksam machen. Ansonsten bräuchte es ja nur eine Einheitspartei. Aber nach der Wahl muss alles möglich sein. Meines Erachtens ist es töricht und nicht akzeptabel wenn Parteien von vornherein gewisse Koalitionspartner ausschliessen.
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Beitrag von trincerone »

Eine solche "Annäherung" führt aber im allgemeinen dazu, dass sich die Leute von ihren gewählten Parteien nicht mehr vertreten fühlen und zu den extremen Rändern hin ausweichen. Das konnte man schon bei dieser Wahl sehen, bei dem Wahlergebnis der PDS. Eine solche Verschiebung für dann am Ende wieder nicht zu einer Regierungsfähigen Mehrheit im Parlament. Auch das hatten wir schon in Weimar.
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Chasseral
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Beitrag von Chasseral »

^^ Habe noch was ergänzt.
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Beitrag von trincerone »

Ok. Aber das würde dazu führen, dass Parteien, die vor der Wahl konträre Positionen beziehen, ich Wahlversprechen brechen müssten, und das hätte wieder denselben von mir im letzten Post beschriebenen Effekt fürchte ich.

Emilius3557
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Beitrag von Emilius3557 »

Ist diesmal echt spannend ausgegangen, bin aber auch alles andere als zufrieden. Dass es für Schwarz-gelb nicht reicht war abzusehen, aber dass die Union derart schlecht abschneidet, sowohl in Bayern aber auch in den zahlreichen Bundesländern wo sie z.T. mit absoluter oder zumindest großer Mehrheit regiert (Hessen, Saarland, Thüringen, Sachsen, S-Anhalt, NRW, Niedersachsen, Hamburg, S-H) hat mich doch überrascht.
Ich verstehe die Wähler nicht, die einerseits durch die 44% für Rüttgers die Neuwahl erst herbeiführen, dann aber nicht einmal 4 Monate später der CDU dort exakt 10% weniger geben.
Das traurige ist, dass zwar die meisten Wähler immer über die verlogene Politik schimpfen, selbst aber belogen werden wollen. Wenn die Union einen reinen Floskel-Wahlkampf, vielleicht unter einem nichtssagenden Motto à la "Wohlstand für alle - wir packen´s an" ("Innovation und Gerechtigkeit" ist immer noch ungeschlagen, was die Wolkigkeit angeht) geführt hätte und sich jeder konkreten Vorschläge enthalten hätte, hätten sie ihren großen Umfragevorsprung vielleicht über die Zeit gerettet.
Stattdessen hat die große Stunde unseres zugegebenermaßen guten Staatsschauspielers geschlagen, der zwar keine eigenen Konzepte vorzuweisen hatte, aber der Bevölkerung genügend Angst vor den Ideen der Anderen machen konnte.
Seinen Auftritt gestern fand ich indiskutabel und peinlich. Hat viel Kredit bei mir und vielen anderen verspielt. Die Moderatoren hatten sowieso einen schweren Stand, weil von den Gästen sowieso keiner auf die Fragen eingeht sondern irgendetwas erzählt.
Bedenklich finde ich, dass bundesweit fast 9% eine Partei gewählt haben, die gar keine Regierungsverantwortung übernehmen will sondern bar jeglicher ökonomischer Vernunft das Blaue vom Himmel verspricht.
Was mir auch nicht gefällt ist, dass jetzt alle Parteien erstmal ewig Machtspielchen ausfechten müssen, anstatt dass sich die Volksparteien rasch zu einer Großen Koalition mit den besten Köpfen ihrer Mannschaften zusammenfinden und eine Art "Regierung der nationalen Einheit" bilden. Allein so eine Formulierung ist aber bei uns ja aus bekannten Gründen unmöglich, inhaltlich denke ich, brauchen wir aber exakt eine solche Regierung, die endlich nicht nach dem nächsten Wahltag schielt, sondern die ernsten Probleme endlich anpackt.
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Beitrag von trincerone »

Teilst du denn die Einschätzung, dass Merkels Kandidatur für das ungewohnte niedrige Wahlergebnis der CSU ein Bayern eine Hauptursache gewesen sein dürfte?
Emilius3557
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Beitrag von Emilius3557 »

Teilst du denn die Einschätzung, dass Merkels Kandidatur für das ungewohnte niedrige Wahlergebnis der CSU ein Bayern eine Hauptursache gewesen sein dürfte?
Gute Frage. Ich versuch mal die Stimmungslage ein wenig zu erhellen. Im Bezirk Niederbayern, dem schwärzesten der Republik hat die CSU 12,5% verloren, die SPD dagegen sogar ein klein wenig gewonnen! Wenn man bedenkt, wie sehr rot-grün in diesen Gegenden auf Ablehnung stößt und beinahe 70% Zweitstimmen 2002 erreicht wurden, dann ist das schon überraschend.

Zitat Großvater eines Freundes aus Niederbayern: "Bevor i des Weib da ausm Osten wei, nachad wei i fui lieba an Schröder"
Das ist natürlich nicht repräsentativ, aber es gibt sicherlich ein paar Leute, die so denken (und wählen oder eben nicht wählen gehen).

Die Wahlkampftruppe der JU (der ich nicht angehöre, aber ich kenne ein paar Kollegen) waren diesmal auch anscheinend nicht übermäßig motiviert, keine Rundfahrten im Propagandamobil mit Stoiber-Konterfei, kein Brezn-Verteilen an der S-Bahn und am Wahltag etc.
Viele waren einfach nicht von ihrer Kandidatin überzeugt.

Was auch interessant wäre, ob die teilweise rigorose aber insgesamt positive Sparpolitik der Landesregierung einige Leute vom Wählen der "Unsernen Partei" abgehalten hat.

Als bayer. Wähler wusste man diesmal auch nicht, ob man Stoiber mit einem guten Ergebnis jetzt los ist oder nicht und die Konsequenzen der Wahl wüsste man in solchen Dingen ja schon gern.
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Beitrag von trincerone »

Interessante Einschätzung. Das mti einer ostdeutschen Protestantin keine Wahl zu gewinnen, hat ja schon mal ein Politiker prognostiziert und zumindest was meine Verbindung in den Südwesten des Landes angeht, hatte ich auch nicht den Eindruck, dass diese Einschätzung völlig aus der Luft gegriffen ist.

Die Frage, welche Rolle Stoiber zukünftig auf bundes- oder landesebene spielen wird, hat mich übrigens vor der Wahl auch interessiert und ich bin bis jetzt auch zu keinem Ergebnis gekommen, welche der beiden Optionen ich nun für besser halten würde.
Emilius3557
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Beitrag von Emilius3557 »

Naja, nach den bescheurten Äußerungen über Ostdeutschland, die dort sicher auch ein paar % gekostet haben wird er wohl kaum eine wichtige Rolle mehr spielen, zumal das bayerische Ergebnis ihm ja nicht gerade den Rücken stärkt.
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Beitrag von trincerone »

Ja gut, jetzt würde es auch wenig Sinn machen, ich hätte schreiben sollen "für besser gehalten hätte", zu dem Zeitpunkt der Überlegung war ich noch von schwarz-gelb ausgegangen.

Was die Äußerungen zu Ostdeutschland angeht, würde ich die gerne mal im O-Ton hören / lesen. Was ich davon im Original gehört habe, war eher harmlos und auch nicht zwangsweise unzutreffend. Laut und holprig wurde es erst, nach dem das ganze den Medienfilter passiert hatten, wobei ich da bisher keine Originalzitate kenne.
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cm
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Beitrag von cm »

welt.de:
Wenn ich mir die Umfragen anschaue, stelle ich fest, daß diejenigen, die eigentlich die größten Versager sind, nämlich Lafontaine (...) und Gysi (...), diese Leute, die Ihnen Versprechungen machen, und die die Frustrierten und Protestwähler von links und rechts einsammeln wollen, daß diese Leute in den neuen Ländern zwischen 34 und 35 Prozent und damit die stärkste Gruppierung sind, ist etwas, das ich nicht ganz nachvollziehen kann. Und ich sag das, genauso wie am Montag in Eisenach: Wir freuen uns über die Entwicklungen in den neuen Ländern. Wir wissen, daß das schwierig ist. Und ich weiß, daß natürlich auch Bayern, Baden-Württemberg gerade auch für die neuen Länder enorm in den Finanzausgleich finanzieren. Aber ich akzeptiere es nicht, daß letzten Endes erneut der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird, meine sehr verehrten Damen und Herren. Das wird nicht mehr sein. Wir leisten jedes Jahr, wir leisten jedes Jahr etwa 120 bis 130 Milliarden Euro Finanzausgleich zur Aufbausituation der neuen Länder. Aber es darf nicht sein, und das ist der Appell auch an alle Vernünftigen - es darf nicht sein, daß letztlich die Frustrierten über das Schicksal Deutschlands bestimmen."


Tonbandmitschnitt des Stoiber-Auftritts vom 4. August

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Beitrag von trincerone »

Sowas dacht ich mir. Eine meines Erachtens völlig zulässige und akzeptable Aussage.

In den Medien wurde daraus gemacht, Stoiber hätte alle Ostdeutschen als Frustierte bezeichnet und ihnen die Intelligenz zum wählen abgesprochen, was völliger Blödsinn ist.

Richtig ist, das aus diesem Zitat hervorgeht, dass es inakzeptabel ist, dass die Leute, die aus Frustration zu Extremwählern werden, das Schicksal aller dadurch beeinflussen, dass sie extreme Parteien wählen. Diese machen dann Versprechungen, die wiederum nur durch Leistungen derjenigen gedeckt werden können, die eben genau nicht dieser extremen politischen Richtung angehören.

Eine meines Erachtens durchaus zutreffende Aussage, an der mal wieder Medial viel zu viel hreumgedeutelt wurde. An dem Zitat, so wie es oben steht ist wenig auszustetzen, bis auf die Zeile "daß letzten Endes erneut der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird", was natürlich etwas unglücklich formuliert wird, weil natürlich irgendwo jeder in Deutschland das Recht hat, zu bestimmen, welche Partei den Kanzler stellen soll.

Missinterpretiert wurde vor allem diese Zeile:

"es darf nicht sein, daß letztlich die Frustrierten über das Schicksal Deutschlands bestimmen."

Damit ist doch nicht gemeint, die Bewohner, der neuen Bundesländer hätten gefälligst keine Stimme bei der Wahl zu haben, weil diese Frustrierten kein Recht haben sollen, über Deutschlands Schicksal zu bestimmen. Nichts dergleichen steht in dieser Zeile, anders als es mdeial teilweise dargestellt wurde.

Stattdesse wird hier - unabhängig von Ost und West - auf die Extremwähler abgestellt, die es in allen Bundesländern gibt. Schon gar nicht sind damit alle Ostdeutschen als Kollegtiv gemeint. Hervorgehoben wird eine Warnung vor den randwertigen und extremen Parteien, die bei relativer Ausgeglichenheit der Stärke der großen Parteien, zum Zünglein an der Waage werden können. Wenn das geschieht, werden diese Parteien plötzlich realtiv zu ihrer Wählerschaft überproportional stark, und dann haben plötzlich die Frustrierten unter den Politikern, die selber keine realistischen Vorschläge bieten können, Einfluss auf das Schicksal aller anderen.

Nicht mehr und nicht weniger steht da drin!

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