Bergprofis sind nach Evolène-Urteil verunsichert

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TPD
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Bergprofis sind nach Evolène-Urteil verunsichert

Beitrag von TPD »

Bergprofis sind nach Evolène-Urteil verunsichert

Martigny. SDA/baz. Die Urteile im Zusammenhang mit dem Lawinenniedergang von 1999 in Evolène VS verunsichern die Branche. Die Bergprofis fühlen sich unter Druck, wie am Freitag an einer Versammlung in Martigny klar wurde.
Gegen hundert Patrouilleure, Bergführer, Helikopterpiloten, Ärzte und Bergbahnverantwortliche trafen sich im Wallis, um die Folgen des Evolène-Urteils zu beraten. Am 23. Februar waren der ehemalige Gemeindepräsident sowie der damaligen Sicherheitschef - ein Bergführer - wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden.

Das Bezirksgericht sprach bedingte Gefängnisstrafen von drei bzw. zwei Monaten aus. Die Urteilsbegründung steht noch aus. Beim Lawinenunglück vom 21. Februar 1999 waren 12 Menschen in den Tod gerissen worden. Die Anklage hatte den beiden Verantwortlichen vorgeworfen, zu wenig zum Schutz der Bevölkerung unternommen zu haben.

Null-Risiko nicht garantiert

Die Branche zeigte sich in der Folge vom Urteil schockiert. Eine solche Katastrophe wie in Evolène sei nicht voraussehbar gewesen, hiess es an der Versammlung vom Freitag. Ein Null-Risiko könne nicht garantiert werden, sagte Daniele De Giorgi von der Westschweizer und Tessiner Vereinigung der Sicherheitschefs und Patrouilleure.

Laut dem Risikospezialisten Robert Bolognesi ist es auch mit langer Erfahrung unmöglich, den Verlauf einer Lawine exakt zu berechnen. «Wie kann man Einheimische, die das Drama nicht verhindern konnten, verurteilen, wenn kein Wissenschaftler dies voraussehen kann?»

Die Sicherheitsprofis verwiesen zudem auf den wirtschaftlichen Druck, der auf ihren Entscheidungen lastet. Die Evakuation eines Dorfs oder einer Eisenbahnlinie habe finanzielle Auswirkungen auf die touristischen Regionen, sagte der Zermatter Sicherheitschef Bruno Jelk.

Urteilsbegründung abwarten

Aus Sicht der Branche muss die Frage der Verantwortung dringend geklärt werden. Sonst bestehe das Risiko, dass niemand mehr die entsprechenden Berufe ergreifen wolle. Risiko und Verantwortlichkeiten müssten überprüft werden, forderte Pierre Mathey, Vizepräsident der Schweizer Bergführer.

Enttäuscht ist die Branche vom «Schweigen» des Kantons Wallis in der Affäre. Die Behörden wollen aber zunächst die Urteilsbegründung abwarten, bevor allfällige Massnahmen ergriffen würde, wie Charly Wuilloud, Verantwortlicher der Dienststelle für Naturgefahren, der Nachrichtenagentur sda erklärte.

Die beiden Verurteilten warten ebenfalls die Urteilsbegründung ab, bevor sie über einen allfälligen Weiterzug ans Kantonsgericht entscheiden. Zugunsten des Bergführers haben bereits 900 Personen einen Unterstützungsbrief unterzeichnet. Zur Unterstützung des ex- Gemeindepräsidenten will der Verband der Walliser Gemeinden im April eine Resolution verabschieden.
Quelle BaZ 11.03.05 16:01
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Theo
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Beitrag von Theo »

Ich kann nicht beurteilen ob die zwei schuldig sind oder nicht, ick kenne halt nicht alle Kakten.

Sollte es jedoch so sein, das die zwei Herren in diesem Gebiet selbst jemals zuvor eine Lawine gesehen, von älteren Dorfbewohnern von einer Lawine gehört oder Bilder von einer Lawine gesehen haben sind sie für mich auf jeden fall schuldig.

Es sind nicht immer die Jahrhundertlawinen welche Schäden anrichten und Menschen töten, denn viele Lawinen gab es früher schon nur werden diese wenn sie über einen Zeitraum von 30 Jahren nicht mehr gekommen sind von der Geldgier der Menschen aus dem Gedächtnis verdrängt bis es dann eines Tages wieder mal richtig kracht.

Wenn dan wieder mal eine Lawine richtig kommt und alles was in einem Gebiet steht, wo früher kein Einheimischer auch nur im Traum daran gedacht hätte eine Scheune zu bauen, mitsich reisst wird dann wieder gross gejammert und wie immer will keiner schuld sein.

Solange sich in den Köpfen der menschen nichts ändert und aus Angst vor einen finaziellen Schaden nicht evakuiert wird, wird es immer wieder solche Katastrofen geben.
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trincerone
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Beitrag von trincerone »

Meines Erachtens ein glattes Fehlurteil, wobei ich natürlich auch nicht alle Fakten kenne.
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