Köln - Maßarbeit vom Luft-Schlosser

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Rheinseilbahn
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Köln - Maßarbeit vom Luft-Schlosser

Beitrag von Rheinseilbahn »

Maßarbeit vom Luft-Schlosser


Wenn er die Ausbildung, die er vor 50 Jahren begann, heute anfangen würde, wäre ihm „eher mulmig“ zumute, sagt der ehemalige Maschinenschlosser Helmut Schümmer.

Hand aufs Herz: Beschleicht uns wider alle Ratio nicht doch ein leicht zwiespältiges Gefühl, wenn wir uns in eine Rheinseilbahnkabine setzen? Erst recht, wenn die Gondel mal ruckelt oder stockt? Völlig unbegründet, wie jemand meint, der es wissen muss. Denn wer - so wie er - den Bau hautnah miterleben durfte, der kann nur die Schlussfolgerung ziehen: „Was Sichereres gibt es nicht!“ Ein halbes Jahrhundert ist es her, auf den Tag genau am 1. April, als Helmut Schümmer bei der ehemaligen Firma J. Pohlig in Zollstock seine Ausbildung als Maschinenschlosser begann. Am Freitag treffen sich rund 15 frühere Lehrlinge wieder, um mit ihrem damaligen Lehrlingsausbilder in der Gaststätte Jan von Werth zu feiern.

17 Jahre alt war Schümmer damals, und außer den alten Messegebäuden war am Deutzer Rheinufer nicht viel zu sehen. Von einem Seil und einer Bahn jedenfalls noch keine Spur. An seinem ersten Ausbildungstag bekam er einen Schraubstock in die Hand gedrückt, so wie die übrigen 35 Lehrlinge auch, „und dann ging's dran, das Feilen zu lernen“. Er bekam von seinem Lehrmeister Wilhelm Houboi einen Eisenklotz und bearbeitete den so lange, bis die Flächen glatt und die Winkel würfelgerade waren. „Wir wurden ganz schön getriezt, aber das war auch gut so“, erinnert sich Schümmer, der jeden Morgen bei Wind und Wetter auf sein Fahrrad stieg und von der Ruhrorter Straße in Niehl nach Zollstock fuhr, wo er pünktlich um sieben anfangen musste. Auch samstags, denn es gab die 48-Stunden-Woche.

Während seines zweiten Lehrjahrs begann die Firma mit dem Bau der Seilbahn. „Damals war gerade eine neue Schweißtechnik für die Pylone entwickelt worden“, erzählt Schümmer und schwärmt von der hervorragenden Ausbildung, die das Unternehmen ermöglichte. „Zukunftssorgen oder Existenzängste kannten wir seinerzeit nicht“, unterstreicht der 67-Jährige. „Ich will nicht behaupten, dass die Zeit besser war, aber wenn ich heute in demselben Bereich anfangen müsste, wäre mir schon mulmig.“

Er habe allerdings auch den Eindruck, dass die Schulabgänger heute nicht mehr das Niveau von früher hätten, und frage sich, ob das heutige Ausbildungssystem richtig sei. Er könne verstehen, dass sein Sohn, der eine Schreinerei betreibe, keine Lehrlinge mehr im Betrieb haben wolle. Die seien im ersten Ausbildungsjahr wegen ihrer schulischen Verpflichtungen „doch so gut wie nie da“. Kann er sich noch erinnern, wie hoch das Lehrlingsgeld damals war? „Wenn ich mich recht entsinne, waren das 25 Mark im Monat.“

Quelle: www.ksta.de

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