Viele sind gegen Massentourismus auf dem Vogelberg

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tmueller
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Viele sind gegen Massentourismus auf dem Vogelberg

Beitrag von tmueller »

Basler Zeitung vom 1. April 2005:

Viele sind gegen Massentourismus auf dem Vogelberg

Das Erweiterungsprojekt der Wasserfallenbahn spaltet Reigoldswil – an einem Podium gingen die Emotionen hoch

MARC SCHAFFNER

Eine Podiumsdiskussion verdeutlichte, wie stark in Reigoldswil die Emotionen zum geplanten Ausbau der Wasserfallenbahn hochgehen. Die Gegner des Ausbaus der Wasserfallenbahn bis zum Vogelberg werfen der Stiftung vor, eine Friss-oder-stirb-Politik zu betreiben.
Leserbriefe und Zeitungsinserate mit ellenlangen Unterschriftenlisten waren bis jetzt das Medium, in dem die Debatte um die Sanierung der Wasserfallenbahn geführt wurde. Eine Podiumsdiskussion, organisiert von den Ortssektionen der FDP, SVP und SP, bezog erstmals eine breitere Öffentlichkeit mit ein: Der Gemeindesaal in Reigoldswil war so voll, dass die Leute in der hintersten Reihe zweieinhalb Stundenlang stehen mussten. Schon zu Beginn war zu spüren, dass der Saal mit Emotionen geladen war –nicht nur mit negativen, denn es wurde auch viel gelacht. Gegen die Sanierung der Luftseilbahn, deren Betriebsbewilligungbald ausläuft, ist nämlich kaum jemand.Was aber die Gegner auf den Plan ruft, ist die Absicht, die Bahn von der jetzigen Bergstation bis auf den Vogelberg weiterzuführen. Vor allem die Umweltschützer befürchten, dass die Landschaft darunter leiden könnte: «Mir stehen die Haare zu Berg, wie einem der Honig ums Maul geschmiert wird», entrüstete sich ein Votant über die «Propaganda-Veranstaltung». Ein gewisses Mass an Tourismus sei verträglich, aber was darüber sei, zerstöre die Natur. Ausserdem lasse sich heute ein ruhiger Tourismus besser verkaufen als ein grosser Rummel.

NEUN ODER ZWÖLF.
Das Hauptargument für die Erweiterung auf den Vogelberg ist die Wirtschaftlichkeit: Eine Frequenzsteigerung von 20 Prozent sei nötig, um die Betriebs- und späteren Revisionskosten zu decken, erklärte Podiumsteilnehmer Johannes Sutter, Projektleiter des zuständigen Ingenieurbüros. Um das zu erreichen, genüge die Strecke Reigoldswil– Wasserfallen nicht. Würde der Neubau des bisherigen Abschnitts neun Millionen Franken kosten, so wäre die Erweiterung auf den Vogelberg nur drei Millionen teurer, ergänzte Wasserfallen- Stiftungsratspräsidentin Heidi Tschopp. «Wenn wir neun Millionen haben, kommen wir auch auf zwölf», versuchte sie dem Publikum verständlich zu machen. Ausser dem Versprechen des Kantons Baselland, ein Drittel der Kosten zu übernehmen, seien aber noch keine nennenswerten Beträge zugesichert worden, räumte Tschopp auf eine Frage des Podiumsleiters und baz-Redaktors Raphael Weber ein.

CHANCEN SEHEN.
Oliver von Allmen, Leiter von Baselland Tourismus, zeigte sich überzeugt, dass ein Nachfragepotenzial für die Wasserfallenbahn in der ganzen Region bis nach Mitteldeutschland vorhanden ist. Der Reigoldswiler Gemeindepräsident Werner Schweizer rief die Gegner auf, ihre Anliegen in der Begleitkommission einzubringen. «Jetzt, wo sich die Opposition formiert hat, ist es wichtig, dass die Ängste, Sorgen und Nöte auf den Tisch kommen.» Auch die Landräte Hannes Schweizer (SP) und Hansruedi Wirz (SVP) waren mit dem Ziel gekommen, Ängste abzubauen. Kurt Grieder, Gemeindepräsident von Waldenburg, hob ebenfalls die Chancen dieses Projekts heraus, forderte die Reigoldswiler aber auf, schon jetzt von den Verantwortlichen zu verlangen, dass die Folgeschäden so gering wie möglich ausfielen. Genau diesen Punkt hielt Urs Chrétien, Geschäftsführer von Pro Natura, für fraglich. Zwar hatte zuvor Johannes Sutter ein «eindeutiges Bekenntnis» abgeliefert, dass auf dem Vogelberg keine zusätzliche Infrastruktur wie Schneekanonen, Mountainbikestrecken oder Schlittelbahnen installiert werde, sondern ein «sanfter Tourismus» betrieben werden solle. «Wenn die Bahn steht, werden die Ideen sprühen, was man auch noch machen könnte», befürchtete hingegen Urs Chrétien. Er wisse immer noch nicht genau, was denn die Leute sonst dort oben tun sollten. Diejenigen, die nur die Natur geniessen wollten, täten das schon heute, auch ohne Bahn.

KEIN PLAN B.
Als weitere «Nichtbefürworter» der Vogelbergstrecke sprachen die Reigoldswiler René Plattner und Walter Schwab. Sie bezweifelten, dass das heutige Projekt von der Umgebung getragen werde. Befürworter und Gegner schienen unter den rund 300 Zuhörerinnen und Zuhörer gleichmässig vertreten zu sein. Offen blieb am Schluss die Frage von Gesprächsleiter Raphael Weber, ob denn ein «Plan B» existiere. Sprich: Ob die Wasserfallenbahn
saniert oder geschlossen würde, falls sich die Ausbaupläne zerschlagen. Heidi Tschopp musste ihn enttäuschen: Der Stiftungsrat habe die anderen Varianten bisher nicht weiter verfolgt. Dies bezeichnete Urs Chrétien als eine Art Friss oder- stirb-Politik. Der Bevölkerung würden keine Alternativen zum Ausbau geboten.


Link mit weiteren Informationen, Skizzen und Bilder:
http://www.wasserfallenbahn.ch/neu/start06.htm
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