Ballermann im Außerfern: Biberwier droht Invasion

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Jens
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Ballermann im Außerfern: Biberwier droht Invasion

Beitrag von Jens »

Ballermann im Außerfern: Biberwier droht Invasion

Noch ist es verhältnismäßig ruhig in der kleinen 600-Seelen-Gemeinde Biberwier im Bezirk Reutte. Im Winter zieht der idyllische Ort mit seiner Hand voll Liften vorwiegend "vorsichtige Eltern mit kleinen Kindern oder ältere Genussfahrer" an, wie auf der Homepage zu lesen ist.

Geht es nach den Touristikern, soll sich dies aber bald ändern. Denn neben einer Mega-Ferienanlage am Fuße des Weißensees mit gleich viel Betten, wie Biberwier Einwohner hat, soll nun auch ein Hotel der internationalen Gruppe "Cube" in der Außerferner Gemeinde Einzug finden. Und Schwung in die verschlafene Region bringen, schwärmt Ortschef Helmut Schreyer der NEUEN vor. Denn für ihn hat der "sanfte Tourismus" schon längst ausgedient.

"Das ist alles Lug und Trug", zeigt er sich empört, "denn sonst müsste ja im Nationalpark Hohe Tauern auch die Hölle los sein." Biberwier brauche dringend neues Leben eingeimpft. Den Privatzimmervermietern mangle es an Auslastung, von der fehlenden Infrastruktur im Ort ganz zu schweigen. Für ihn ist klar: Die rund 1,5 Hektar große "Cube"-Hotel-Anlage (geplant seien 250 Betten) samt riesiger Disko nahe des Skilifts kommt. Auch wenn noch nicht einmal ein Widmungsverfahren beim Land eingeleitet worden ist - und sich in der Bevölkerung bereits jetzt heftiger Widerstand gegen das Projekt breit macht.

Die Biberwierer fühlen sich von Schreyer und Projektleiter Alexander Melchior, Geschäftsführer der Bergbahnen Langes, überrannt. Zudem wird befürchtet, dass die vorwiegend jungen, partyhungrigen Gäste die Idylle stören würden. "Der Ramba-Zamba wird sich nur im Hotel abspielen", versucht der Bürgermeister abzuwiegeln. Die Einwohner über die Bettenburg zu informieren will Schreyer daher nicht. "Wenn ich damit anfange, derbandel ich gar nichts mehr."

Gottfried Hosp, kaufmännischer Leiter der Bergbahnen Langes, bestätigt ebenfalls die Pläne. Über genauere Details hüllte er sich aber in Schweigen. Genauso wie der Wiener Cube-Betreiber Rudolf Tucek. Solange die Vorarbeiten noch nicht abgeschlossen seien, gebe es auch keine Infos.
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Turm
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Beitrag von Turm »

Party im Außerfern. Das Träum ich doch wohl nur. In diesen Orten ist gar nicht aber auch wirklich gar nichts los. Man hat ja shcon probleme um 20:30 noch etwas zum Abendessen zu bekommen.

Schadet wirklich nicht hier mal ein wenig Leben reinzubringen.
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Beitrag von Steinlimi »

Das ist eine Frechheit, was die Touristiker hier darbieten. :evil:
Wie wenig Verstand mag wohl in solch einem Menschen sein, "sanften Tourismus" als Lug und Trug zu bezeichnen! :!:
Ist ihrer Meinung nach ist die Natur wohl nur ein störendes Objekt, welches so gut wie möglich zu zerstören gilt?
Unglaublich sind auch die Aussagen des Bürgermeisters, welcher vielleicht durch diese Touristiker ein kleiner Zustupf verdient. Die Bevölkerung sollte demnach möglichst nicht informiert werden, da sie sich wehren könnten, in ihrer Ruhe und ihrem Eigenen Eigentum geschädigt zu werden.
Dies ist doch schlecht für das Geschäft!!!
Es gibt schon genug solch` schreckliche Orte, wo einem die ganze Nachtruhe durch einen solchen akustischen Abfall verdorben wird, wo die Tiere gestört werden und weitere Unannehmlichkeiten geschehen.
Wann werden gewisse Menschen wohl begreifen, dass auf andere Menschen Rücksicht genommen werden soll und dass das Profitstreben nicht an erster Stelle stehen soll?
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Turm
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Beitrag von Turm »

@obwalden: Jemals einen Urlaub im Außerfern verbracht..?

Die Region hat enorme strukturelle Probleme. Die Übernachtungszahlen sinken von Jahr zu Jahr. Touristische Einrichtungen müssen bezuschusst werden, um sie nicht aufgeben zu müssen etc.
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Beitrag von trincerone »

Ja, aber wer ein Projekt, das er bewerben will, derart lächerlich darstellt, wird dies wohl kaum praxisgerecht realisieren können. Entweder wird nichts draus, oder sie bauns, wundern sich, dass sich kaum was ändert oder die Wirkung nach wenigen Jahren verpufft. Haben wir seit 1960 schon eintausendmal erlebt. Ich empfehle Urlaub in Oltre il Colle, St. Grée oder Val Pelouse.
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Jens
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Beitrag von Jens »

Langes-Sohn baut riesiges Feriendorf im Außerfern

Alexander Melchior will 2007 ein Feriendorf für 556 Gäste eröffnen. Der Sohn von Gernot Langes-Swarovski über Tourismus und den Familienclan.

TT: Herr Melchior, Sie planen ein Hoteldorf mit 556 Betten - das sind gleich viele, wie das Dorf, in dem es steht, Einwohner hat. Macht das keine Probleme?

Melchior: Nein, ganz im Gegenteil. Biberwier ist ein Tourismusort, der in den letzten zwölf Jahren zwei Drittel seiner Nächtigungen verloren hat. Die Relation ist nicht außergewöhnlich: Der Nachbarort Lermoos hat 1200 Einwohner und 4000 Betten.

TT: Sie kooperieren mit dem deutschen Ferienriesen TUI. Heißt das, Sie setzen auf die Billig-Schiene?

Melchior: Nein, es wird ein ordentliches Vier-Sterne-Haus werden. TUI ist ein fantastischer Zubringer und Bettenfüller. Man muss sich nur überlegen, dass TUI drei Mal jährlich einen Katalog mit einer Auflage von einer Million Exemplaren druckt. Und Biberwier ist dort künftig drinnen.

TT: Wie groß schätzen Sie den öffentlichen Druck ein, als "Langes" oder "Swarovski" etwas machen zu müssen?

Melchior: Wenn du in Tirol eigene Mittel hast und etwas machen willst, sind alle skeptisch, man lässt dich aber meist machen. Klappt's nicht, heißt's "eh klar, konnte ja nicht gehen". Funktioniert's, sind die Leute neidig. Ein typisches Tirol-Syndrom.

TT: Und der Druck?

Melchior: Wir sehen es als eine Art Verbundenheit dem Ort gegenüber. Mein Opa baute einst in Biberwier den ersten Lift. Wir sehen es als unsere Pflicht, dem Dorf neue Impulse zu geben.

TT: Neben Ihrem Hotelprojekt leiten Sie auch noch die Geschäfte der Langes-Bergbahnen in Biberwier und Lermoos. Hat Sie die Familie gebeten, den Job zu übernehmen?

Melchior: Ich lebte zuvor 14 Jahre lang in Australien, kaufte dort ein Hotel und war am Aufbau von Ferienressorts beteiligt. Meinem Vater ging es dann gesundheitlich eine Zeit lang nicht besonders gut. Er bat mich, den Betrieb zu übernehmen. Daher kehrte ich nach Tirol zurück. Meine Frau - eine Gerloserin, die ich in Australien kennen lernte - managt unsere Gastronomiebetriebe.

TT: In der Öffentlichkeit sieht man Sie selten - ganz im Gegenteil zu anderen Mitgliedern der Familie Swarovski.

Melchior: Das stimmt und ist mir auch recht so. Ich bin froh, wenn mich gar nicht so viele kennen.

TT: Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Vater Gernot Langes-Swarovski?

Melchior: Wie jedes gute Vater-Sohn-Verhältnis. Wie es in einer intakten Familie üblich ist.

TT: Holten Sie sich Rat bei ihm, als Sie die Idee mit dem Dorfhotel aufgriffen?

Melchior: (lacht) Ja freilich! Ihm liegt wie mir viel an der Zukunft von Biberwier und Lermoos.

TT: Wie stehen sie zu Markus Langes-Swarovski, Sprecher des Gesamtkonzerns?

Melchior: Er macht einen super Job und hat unsere volle Unterstützung. Ich kümmere mich jedoch um meine touristischen Projekte und die Bergbahnen.

TT: Wo sehen Sie Tirol touristisch im internationalen Vergleich?

Melchior: Tirol ist eine starke Marke. Im Sommer- tourismus wird jedoch viel schlecht geredet. Dabei hängt vieles von den Hoteliers ab. Bei einem guten Hotel ist es wurscht, wo es steht. Ich denke etwa an das Kinderhotel Alpenrose in Lermoos. Es könnte überall stehen und wäre überall ausgebucht.

Das Gespräch führten Frank Staud und Manuel Fasser
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