Abrechnung bei Tarifgemeinschaften mehrerer Liftbetreiber

Technik im Skigebiet: Diskussionen über Seilbahnen, Pistenraupen & Beschneiung.
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gerrit
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Abrechnung bei Tarifgemeinschaften mehrerer Liftbetreiber

Beitrag von gerrit »

Ich möchte da mal eine Frage aufwerfen, die mich eigentlich schon seit den 70-er Jahren beschäftigt, auf die ich aber noch nie eine Antwort bekommen habe (allerdings hab ich wahrscheinlich auch nie wirklich jemanden danach gefragt... :wink: )
Wennn sich mehrere Gesellschaften zu einer Tarifgemeinschaft zusammentun (wie das in den 70-er Jahren gerade mal zaghaft begonnen hat und heute ja die Regel ist), wie erfolgen dann die Abrechnungen zwischen den einzelnen Betreibern. (Skipass im Ort A gekauft und bei Anlagen im Ort B benützt).
Es gibt da verschiedene Varianten mit Problemen und Lösungsmöglichkeiten:
1. In der Urzeit gab es noch keine Kartenlesegeräte sondern mehr oder weniger nette Liftwarte, die mit einer Zwickzange wie ein SChaffner ausgerüstet waren. Wie kann damals die Abrechnung erfolgt sein? Erinnern kann ich mich allerdings, daß an manchen Anlagen Drehkreuze mit mechanischem Zählwerk installiert waren, vielleicht wurde damit irgendwie hochgerechnet.
2. Mittlerweile sind Kartenlesegeräte zwar der Standard, aber nicht in allen Skigebieten an jedem Lift die Regel.
2a. Kartenlesegerät und / oder Drehkreuz an jedem Lift: erfolgt die Abrechnung wirklich genau nach den gezählten Fahrten?
2b. Kartenlesegerät und / oder Drehkreuz nur an Talstationen und / oder bestimmten Bahnen, z.B. wenn man ins Gebiet eines anderen Betreibers kommt. Werden dann die übrigen Fahrten einfach geschätzt oder gibt es andere Modalitäten zur Abrechnung.

Gibt es vielleicht jemanden, der diese Fragen beantworten kann oder ev. ein Insider ist?
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McMaf
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Beitrag von McMaf »

Das ist ne wirklich gute Frage, zu der ich aber leider auch keine genaue Antwort weiß. Ich kann zu dem Thema nur meine Meinung abgeben:

Als Unternehmer, als der ich also nun vor Verhandlungen für eine Tarifgemeinschaft mit einem anderen Skigebiet stehe, würde ich zu aller erst um die Sicherheiten bemüht sein. Das heißt, man würde einfach gesamt abrechnen ohne besonderen Augenmerk auf die genauen Liftfahrten zu legen. Ich würde vorher einen Tarif/ ein Verhältniss ausandeln nach dem ich später aus dem gesamten Abrechnungstopf ausgezahlt werde. Dazu schaue ich mir vor dem Zusammenschluss die durchschnittlichen Besucherzahlen an, und versuche damit bei den Verhandlungen das bestmögliche Auszahlungsverhältniss zu erreichen. Wenn mein zukünftiger Tarifpartner also nur 1/3 meiner Besucherzahlen vorweisen kann, würde ich versuchen das Verhältniss von vornerherein zu meinen Gunsten zu beeinflußen.
Ich würde das deshalb so machen, weil man ja nie weiß, ob die Gäste durch einen Zusammenschluss (Oft ja dann auch ein pistentechnischer Zusammenschluss) animiert wären in das andere Skigebiet zu fahren. Das würde sich im Falle einer genauen Abrechnung mit Liftfahrten zu ungunsten eines Tarifpartners entwickeln. Da Unternehmen ja generell an sicheren Verhältnissen gelegen ist würde ich sowas für Sinnvoll erachten. Dann gäbe es z.B. ein fixes Verhältniss: Skigebiet A bekommt 60% des Kuchens und Skigebiet B bekommt 40%. Auf etwas anderes würde ich mich als Betreiber, aus oben genannten Gründen nicht einlassen.

Wie das in der Realität aussieht weiß ich nicht. Vielleicht habe ich mit meinen Vermutungen total Unrecht. Das ist nur das was mir als erstes dazu einfallen würde.
MarkusW
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Beitrag von MarkusW »

Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, (glaube das hier auch irgendwo schonmal gelesen zu haben), dass nach Fahrten abgerechnet wird - wobei die Fahrten wahrscheinlich auch unterschiedlich gewichtet werden, d.h. ne brandneue 3km lange Gondelbahn dürfte mehr zählen als ein 100m langer Tellerlift :D. Bei Variante 2b - also Drehkreuze beim Reinfahren in ein neues Gebiet - wird wohl nach der Zeit, die man sich in diesem Skigebiet aufhält, abgerechnet.
Wäre meiner Meinung nach auch das einzig logische... aber beschwören, dass es tatsächlich überall so gemacht wird, möcht ichs net ;)
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Beitrag von Yeti01 »

Meines Wissens nach wird nach Erstbuchungen abgerechnet, d.h. der Betrieb, in dem der Gast als erstes seine Karte steckt, bekommt für diesen Gast und diesen Tag den Zuschlag.
Wenn ein Gast dann (rechnerisch) an 100 Tagen (100% seiner "Schisaison") schifährt, und 12 mal in Gebiet A fährt, 25 mal in Gebiet B, 1 mal in Gebiet C, und 62 mal in Gebiet D, dann wird wie folgt aufgeteilt:
A: 12%
B: 25%
C: 1%
D: 62%
= 100%

Sollte der Gast an einem Tag das Schigebiet wechseln, hat der Zweite Betrieb das Nachsehen, und befördert den Gast sozusagen kostenlos!

Das ist zwar in Ausnahmefällen etwas unfair, aber einfach abzurechnen, und für alle zu gleichen Bedingungen.
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gerrit
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Beitrag von gerrit »

Allerdings gibt´s immer noch Skigebiete, bei denen einzelne Lifte, die aufgrund ihrer Lage niemals die "erste Karte " des Tages bekommen können, verschiedenen Besitzern gehören. Da muß das dann irgendwie anders sein. Auch verschieben sich durch neue Talbahnen manchmal die Ströme der Skifahrer, so etwa wird die neue Waldbahn in SFL sicher einiges am Park- und damit Startverhalten der Touristen ändern.
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Beitrag von McMaf »

Genau diese Argumente Gerrits würde ich wie gesagt auch als Problem sehen. Zumindest aus Betreibersicht.
Das Problem besteht sowohl bei Yetis Erstbuchungen, (Neue atraktive Bahn fängt Besucher ab) als auch bei Markus Fahrtenabrechnung (Skigebiet B hat interessantere Hänge, die die früheren Besucher des Skigebietes A zu sich ziehen). Als Unternehmer würde ich mir unter solchen Voraussetzungen wirklich zweimal überlegen ob ich so eine Tarifpartnerschaft eingehe.
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snowflat
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Beitrag von snowflat »

Ich bin der Meinung, dass an den Kartenlesegeräten bei den Talstationen registriert wird, wo der Skipass käuflich erworben wurde und dann zentral gespeichet wird wie viele "Skipässe" die in A gekauft in B registriert wurden oder andersherum.
Am Beispiel von SFL läßt sich das daran erklären, dass an allen Bahnen der Skipass benötigt wird, mit denen man zwischen Serfaus und FissLadis wechseln kann: Sattelbahn, Rastbahn, Puinzbahn, Planseggbahn, Alpkopfsesselbahn, Gampenbahn (als Schnittstellen im Skigebiet) sowie die gesamten Talstationen in Serfaus, Fiss und Ladis. Dem gegenüber gibt es an den meisten anderen Liften keine elektrischen Skipasskontrollen, da ein Wechsel von A nach B oder andersherum bereits vorher registriert wurde.
Daher gibt es auf der Fisser Nordseite sowie in Serfaus ab Lazid keine Kontrollen mehr.
Und am Saisonende wird dann abgerechnet.
So würde ich mir die ganze Sache erklären. :les:
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Beitrag von GMD »

Ein interessantes Topic, denn diese Verteilschlüssel sind vielerorts ein Quell ständiger Streitereien.
Probably waking up
Michael Meier
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Beitrag von Michael Meier »

Bei uns werden alle fahrten und zusammen gezählt das ist 100% dann die fahrten an den einzelnen Anlagen. Dadurch werden dann die Einnahmen an den einzelne Lifte verteilt je nach Frequenz. Das ist auch der Grund wieso man dann unatraktive und schwach Frequentierte Lifte wie Valtgeva Drun oder Tegia Gronda schliesst. Je länger die Schlange an den anderen Liften desto grösser das Stück vom Kuchen. :?

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gerrit
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Beitrag von gerrit »

Und nach welchem Schlüssel werden die einzelnen Anlagen gewichtet? Eine Fahrt mit einer großen PB muß ja mehr zählen als ein Kleinschlepper. Wird das einmal einfach so ausgemacht oder gibts da irgend einen mathematischen Schlüssel?
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Beitrag von Michael Meier »

Gar nicht Gewichtet. Mit dem Skilift fahren automatisch weniger Leute. Reisst man den Skilift ab fahren all die Leute an den Grossen Anlagen = Verteilschlüssel besser. :(
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mini
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Beitrag von mini »

Michael Meier hat geschrieben:Gar nicht Gewichtet. Mit dem Skilift fahren automatisch weniger Leute. Reisst man den Skilift ab fahren all die Leute an den Grossen Anlagen = Verteilschlüssel besser. :(
Bestes Beispiel: Kronplatz... :P
jony
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Beitrag von jony »

@ snowflat
Wie du es beschrieben hast wurde es bisher gemacht in SFL, habe ich von meinem Wirt gehört.
Wenn z.B. ein Serfauserskipass über den Sunliner hoch kommt und zur Rastbahn abfährt, zählt ab der Rastbahn die Zeit für das Fisserskigebiet. Umgekehrt, wenn ein Fisserskipass mit der Puinzbahn fuhr und dann runter nach Serfaus und mit der Komperdellbahn hoch fuhr, gab es die Zeitverrechnung für Serfaus.
Jetzt ist die Puinzbahn und Waldbahn eine neue Gesellschaft geworden. Wenn mit diesen Liften gefahren wird, müssen die beiden anderen Gesellschaften von ihren Liftpasseinnahmen an diese Gesellschaft etwas abgeben.
So kann jede der 3 Gesellschaften genau sagen, in welchem Skigebiet sich der gekaufte Skipass wie lange aufgehalten hat. Die Verrechnung erfolgt dann wohl zum Ende der Saison. :roll:
Nicht viele Menschen leisten sich den größten Luxus, den es auf Erden gibt - eine eigene Meinung
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