Wintersport auf dem Gletscher
Innsbruck/München,21-10-05
Nichts ist für immer - auch nicht das "ewige Eis". Laut Wissenschaftern wird es in 50 Jahren in den Alpen kaum noch Gletscher geben. Im Winter fällt zu wenig Schnee, um den Schwund an Eis im Sommer auszugleichen. Aber noch können Wintersportler auf alpinen Gletschern fast das ganze Jahr über Spaß haben.
Zwar bringen Skifahrer das Eis nicht schneller zum Schmelzen, wie die Glaziologin Andrea Fischer von der Universität Innsbruck betont. "Das Abschmelzen hat seine Ursache alleine im wärmeren Klima", sagt die Gletscherforscherin. Wolfgang Rack, Glaziologe am Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, schließt sich dem an. "Allerdings sind Gletscher wichtige Trinkwasser-Reservoirs." Und jeder Mensch, der sich auf einen Gletscher begibt, trage "Chemie" dort hin - Skiwachs zum Beispiel.
"Uns machen zum Beispiel die Maschinen für die Pistenpräparierung Sorgen", sagt Stefan Witty von der Abteilung Natur- und Umweltschutz beim Deutschen Alpenverein. Diese Maschinen könnten Diesel oder Hydrauliköl verlieren. "Man sagt, dass ein Liter Öl eine Million Liter Wasser verunreinigt."
Darauf hätten die Pistenbetreiber reagiert, sagt Nicola Mader. Sie leitet in Innsbruck das Projekt "5 Tiroler Gletscher", die sich als gemeinsames Skigebiet präsentieren. "Die Bergbahnen werden mit Strom und nicht mit Diesel betrieben." Und die Pistenfahrzeuge verwendeten Biodiesel. Außerdem herrsche auf den Gletschern Mülltrennung.
Peter Hasslacher vom Österreichischen Alpenverein in Innsbruck sieht die Sache anders: "Die als Skigebiet ausgewiesenen Gletscher werden behandelt wie Industriegebiete." Öle, Wachse und Cremes gelangten ins Eis.
Umweltexperten wünschen sich deshalb keinen weiteren Ausbau von Skigebieten auf Gletschern. Den Urlaubern wollen sie deshalb kein schlechtes Gewissen einreden. "Sie sollten aber keinen Abfall oben liegen lassen", fordert Witty. Jede Tube Sonnencreme verunreinige das Eis und komme irgendwann wieder ans Tageslicht.
Derzeit seien in Österreich acht Gletscher als Skigebiete ausgewiesen, sagt Hasslacher. "Und da sollen die Leute auch ruhig hinfahren." Er bittet die Urlauber jedoch, nicht aufzubegehren, wenn sie am Lift mal warten müssen. Er fürchtet sonst weitere Vorstöße der Seilbahn-Betreiber in noch unberührte Gebiete.
Ebenfalls sinnvoll wäre laut Hasslacher eine zeitliche Entzerrung. Stefan Witty zufolge können auch hier die Touristen selbst ihren Teil beitragen - und dabei Spaß haben: Die meisten Wintersportler hätten schon im Februar keine Lust mehr aufs Skifahren. "Dabei herrschen erst im Spätwinter, also im März, die besten Schneeverhältnisse."
(apa)
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Insofern interessanter Artikel, als dass man sieht, dass viele namenhafte Umwelt-Lobbyisten gar keine "Skifahrerfresser" sind. Auch wenn ich manchen Gedankengang nicht nachvollziehen kann, v.a. der letzte Punkt mit der Entzerrung liegt mir auch am Herzen.
Besinnung auf die Kernkompetenzen - altbewährte Dummschwätzerei...