Quelle: Engadiner PostEvakuation aus der Corvatschbahn
Wenn die Luftseilbahn still steht, müssen die Kabinenpassagiere manchmal evakuiert werden. Damit das im Notfall klappt, muss vorher geübt werden. Eindrücke von einer Einsatzübung von Heli Bernina und SAC-Rettung am Corvatsch.
Am Zentralhaken des Helikoptertaus befestigt, wird eine Passagiergruppe
Am Zentralhaken des Helikoptertaus befestigt, wird eine Passagiergruppe
Orkanartige Windböen, blockierte Seilreiter, ein Stromausfall oder Motorschaden. Es gibt mancherlei Gründe, weshalb eine Luftseilbahn plötzlich still steht oder durch den Kabinenbegleiter angehalten werden muss. Wesentlich ist dabei die Frage, ob in nützlicher Frist der Betrieb wieder aufgenommen werden kann oder nicht. Wenn nicht, kommt es zur Evakuation der Kabineninsassen. Dass dies nicht improvisiert werden kann, sondern geübt werden muss, liegt auf der Hand. Am Mittwochnachmittag probte die Belegschaft der Corvatschbahn zusammen mit der Heli Bernina und der SAC-Bergrettung den Ernstfall. Um die Passagiere in Sicherheit zu bringen, kamen dabei drei Varianten zur Anwendung: das Abseilen aus der Kabine mittels Passagiersäcken und die konventionelle Luftrettung per Helikopter. Wie Übungskoordinator Marco Salis, Rettungschef der Sektion Bernina des SAC, erläuterte, sei dies speziell eine Herausforderung für den Helipiloten sowie die Flughelfer, die in diesem Fall auch Rettungsspezialisten Helikopter (RSH) sind. Keine unwesentliche Rolle spielt dabei der Kabinenbegleiter, der die Passagiere über die anstehende Evakuation informiert, per Nothahn die Kabinentür öffnet und die Dachluke aufsperrt. Wichtig bei der ganzen Übung ist, wie Salis betont, die Koordination des Ganzen. Jeder muss wissen, was er zu tun hat. Und mittels einer klaren Verständigung per Funk kann die Evakuation denn auch zügig vorangehen.
Sportliche Luftbrücke oder…
Lange müssen die Versuchspassagiere, rund 40 Personen aus der Belegschaft der Corvatschbahn, nicht auf ihre Evakuation warten. Schon bald kündet der Lärm der Rotoren die nahende Rettung an. Ein Rumpeln auf dem Kabinendach verrät die Landung der RSH-Leute, die über die Leiter in die Kabine gelangen und alsbald einen Teil der Passagiere mit Helmen und speziellen Rettungsgurten versehen. Der Raum vor der Kabinentür wird zur Sicherheit der Passagiere mit einem Seil abgesperrt, die Tür geöffnet. Während ein RSH-Helfer auf dem Kabinendach den Helikopter «einweist» und das Fixtau mit dem Enterhaken etwas an die Kabine heranzieht, ist der zweite damit beschäftigt, seine Passagiere nahe am Ausgang am Zentralhaken des Fixtaus einzuhängen. Die Gruppe ist bereit für den Flug. Der Heli steigt leicht an, das Fixtau strafft sich, das Grüppchen macht zusammen einen Schritt ins Leere und entschwebt alsbald Richtung Mittelstation, wo der Heli es absetzt. Nach diesem Schema erfolgt die Evakuation weiterer Passagiere.
…Komfortevakuation
Die andere Hälfte der «Versuchskaninchen» braucht für ihre Rettung keinen Helm aufzusetzen und sich in kein «Gstältli» zu zwängen. Evakuiert wird sie, ebenfalls in Gruppen von drei bis fünf Personen, mittels einer speziellen Kabine, der feuerrot gestrichenen «Jules Verne». Dieses geschlossene metallene Behältnis mit zwei Luken und einer Tür ist etwas über zwei Meter hoch und erinnert von der Form her an die Spitze einer Weltraumrakete. Kaum ist die Rettungskabine angedockt und die Eingangstür geöffnet, können die Passagiere einer nach dem andern einsteigen und sich an der zentralen Stange festhalten, wie bei einer Tramfahrt zu Stosszeiten. Die Überführung bei «Karussellfeeling» und Ausblick auf die Oberengadiner Berg- und Seenlandschaft ist angenehm, einzig das Aufsetzen der Jules Verne auf sicherem Boden fällt ein wenig ruppig aus. Kaum hat die «Jules Verne» sich ihrer Ladung entledigt, entschwebt sie wieder. Nach etwa einer Stunde sind alle Passagiere ohne Zwischenfall evakuiert. Bei der abschliessenden Manöverkritik geht Salis mit dem Piloten, den Flughelfern und den zusätzlichen RSH-Leuten das Geübte nochmals durch. «Wichtig ist es, dass die Helfer auch an ihre eigene Sicherheit denken», ruft er in Erinnerung. Und es soll sich niemand von anderen rettungsteamfremden Leuten dreinreden lassen. Statt auf Besserwisser zu achten, sei es angebrachter, aufzupassen, dass ja kein Rettungsgurt oder Seil irgendwo einhänge.
Salis ist sich bewusst, dass diese Rettungsübung bei idealen Bedingungen erfolgen konnte. Im Ernstfall, wenn bis zu 125 Leute, mit Skier und Stöcken bewehrt die Kabine ausfüllten, werde alles etwas schwieriger. Aber Panik sei nie unter den Gästen ausgebrochen, meint der Bergführer und Rettungschef, der diese Art Ernstfall jedes Jahr üben lässt und bisher bei acht «echten» Evakuationen im Einsatz war.
Quelle: Engadiner Post Autor: Marie-Claire Jur
Ort: 7500 St. Moritz
Datum: 05.11.2005
Rubriken: Diverses, Tourismus
Evakuation aus der Corvatschbahn
- vhaemmerli
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Evakuation aus der Corvatschbahn
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