Zahnradbahn Lausanne wird abgebaut und nach Grenoble verlegt

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tmueller
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Zahnradbahn Lausanne wird abgebaut und nach Grenoble verlegt

Beitrag von tmueller »

Quelle: Basler Zeitung

DIE LEGENDÄRE ZAHNRADBAHN FUHR GESTERN ZUM LETZTEN MAL NACH OUCHY - 2008 GEHT DIE NEUE METRO M2 IN BETRIEB, DEREN BAU RUND 600 MILLIONEN FRANKEN KOSTET

DENISELACHATPFISTER, Lausanne

Am Sonntag verkehrte die legendäre «Ficelle» ein letztes Mal zwischen dem Lausanner Stadtzentrum und Ouchy am See. Die Zahnradbahn macht einer modernen Metro Platz.

Beim Gedanken an den Abschied von der «Ficelle» bekommt manch eine Lausannerin, manch ein Lausanner feuchte Augen: Mit den weiss-blauen Wagen der Zahnradbahn verschwindet eine Institution aus dem Leben der Stadt. Sie ist Zeugnis einer Pioniertat von weitsichtigen Ingenieuren, die Mitte des 19. Jahrhunderts den Grundstein legten für die zentrale Erschliessung des Waadtländer Hauptortes durch den öffentlichen Verkehr.
Da mag die kürzeste Metro der Welt noch so rumpeln und holpern - wer am SBB-Bahnhof aussteigt oder erst recht am See unten in Ouchy steht, wird sie nicht missen wollen. Rasch überwindet das effiziente Transportmittel nicht nur 1,5 Streckenkilometer, sondern vor allem rund 120 Höhenmeter in der steil gelegenen Stadt. Nicht ohne Grund feierten die Lausanner im Frühling 2002 das 125-jährige Bestehen der Metro auch mit Eselreiten für die Kinder. Sie erinnerten damit an die Zeit, als Schiffsreisende die Strecke vom Hafen in Ouchy ins Zentrum noch zu Fuss zurücklegten, während ihr Gepäck auf Eselsrücken transportiert wurde.

U-Bahn wie in Paris. Zu ihrem Namen kam die Bahn, weil die Wagen von einem turbinengetriebenen Seil (ficelle) schnurgerade den Hügel hinaufgezogen wurde, gespeist von den Wassern des Lac de Brêt. 1877 wurde sie als die erste Standseilbahn Europas eingeweiht. Die Lausanner nennen sie auch heute noch liebevoll «Ficelle», obwohl die Strecke 1958 elektrifiziert und die Standseilbahn von einer Zahnradbahn abgelöst wurde.

Dass diese Zahnradbahn jetzt, 129 Jahre später, ihre letzte Fahrt durch Lausanne antrat, ist den Lausannern auch Grund zur Freude. Seit eineinhalb Jahren wird am Trassee für eine neue, moderne Schnellbahn gebaut, die ab 2008 Lausannes östliche Agglomeration mit dem Zentrum und dem See verbinden soll. Auf einer Strecke von sechs Kilometern wird eine hauptsächlich unterirdisch geführte Bahn leise auf Pneus durch die Stadt bis nach Epalinges flitzen und dabei fast 400 Höhenmeter überwinden. Dank 14 Haltestellen kann mit der neuen Metro M2 im Kanton jede achte Arbeitsstelle an den öffentlichen Verkehr angeschlossen werden; verbunden werden das Universitätsspital, zwei Gymnasien und die Verwaltung. Die 1991 eröffnete M1 verbindet bereits die Universität im Westen.
Mit einer Jahreskapazität von 25 Millionen Passagieren soll die M2 zum meistgenutzten Transportmittel der Waadt werden. Trotz schwieriger Finanzlage erwiesen sich die Waadtländer Landgemeinden im Unterschied zu den Bernischen (Tram West) solidarisch mit der Hauptstadt und stimmten dem zukunftsträchtigten Bau zu, der rund 600 Millionen Franken kostet. Der Bund will sich mit 70 Millionen Franken beteiligen. Verkehrsminister Moritz Leuenberger lobte die Waadtländer Initiative bei der Grundsteinlegung als Vorbild für die Schweiz.

Nach Grenoble. Bis es so weit ist, übernehmen Busse die Verbindung an Stelle der «Ficelle». Die weiss-blauen Wagen werden übrigens nicht verschrottet: Der französische Ferienort Villard-de-Lans nahe Grenoble will mit der Lausanner Zahnradbahn sein Skigebiet erschliessen.

Michael Meier
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Beitrag von Michael Meier »

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Beitrag von GMD »

Wenn der Schreiberling behauptet, die Bahn sei die erste Standseilbahn Europas gewesen, so irrt er sich. Die stand nämlich in Lyon. Die Lausanner Ficelle war aber die erste SSB der Schweiz.
Probably waking up
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