zisch.ch hat geschrieben:
Sportbahnen setzen wieder aufs Vlies
ANDERMATT - Der Gurschengletscher erhält zum zweiten Mal ein Sommerkleid. Das Vlies hat sich bewährt. Bis mindestens 2009 will man sich mit der Abdeckung behelfen.
«Dieses Projekt ist kein Marketing-Gag», sagt Peter Heinzer, Direktor der Andermatt Gotthard Sportbahnen (AGS). «Wir wollen einzig und allein das Skigebiet am Gemsstock und somit über hundert Arbeitsplätze erhalten.» Zum zweiten Mal wurde gestern ein Teil des Gurschengletschers am Gemsstock mit einem speziellen Vlies zugedeckt. Damit soll verhindert werden, dass der Gletscher im Sommer weiter abschmilzt. Für das Andermatter Skigebiet wäre ein Rückgang des Gletscherfirns fatal. «Mit der abgedeckten Gletscherpartie retten wir die Zufahrtsrampe zu den Pisten», sagt Heinzer. «Hätten wir im letzten Sommer den Gletscher nicht abgedeckt, wäre Skifahren nicht möglich gewesen.» Am vergangenen Montag war Saisonschluss am Urner Skiberg. Bereits gestern begannen die Arbeiten für die Montage des Gletscher-Vlieses. Bis September bleibt der Gletscher abgedeckt.
Nun ist die Bewilligung definitiv
Eine provisorische Bewilligung für das Vlies auf dem Gurschengletscher hat im letzten Frühling hohe Wellen geworfen. Allen voran der Verein Pro Natura Schweiz setzte sich für eine Bewilligungspflicht ein. Im März 2006 ersuchte die AGS um eine solche Bewilligung beim Kantonalen Amt für Raumplanung. Mitte April wurde diese erteilt. «Die Bewilligung erlaubt uns, das Vlies bis 2009 anzubringen», sagt Heinzer. Heuer läuft demzufolge alles auf völlig legalem Weg ab. Weniger als 30'000 Franken wird für das Projekt aufgewendet. Dank vorhandenem Material und der Erfahrung der Arbeiter sind die Kosten tiefer als im Vorjahr.
Ergebnis besser als erwartet
Die Fläche der Abdeckung soll mit insgesamt 3500 Quadratmetern in einem ähnlichen Rahmen bleiben wie im vergangenen Jahr. Damals waren es 3000 Quadratmeter. Der Glaziologe, Professor Andreas Bauder von der ETH Zürich, wird das Projekt wieder wissenschaftlich begleiten. Sein Bericht machte deutlich, wie wichtig die Gletscheraktion ist. Über 80 Prozent der Eismassen blieben 2005 erhalten. Gerechnet hatte man mit nur 50 Prozent. Konkret sind das 2 Meter Unterschied zwischen bedeckter und unbedeckter Eisfläche. Kritik gegenüber dem Eingriff in die Natur ist mittlerweile kaum mehr zu hören. Das Urner Amt für Umweltschutz hat die positive Wirkung des Vlieses bestätigt, und selbst von Seiten des Vereins Pro Natura Schweiz kamen keine Einwände mehr. «Wir wollen einen guten Kontakt zu den verschiedenen Umweltschutzorganisationen pflegen», sagt Heinzer. «Ich verstehe ihre Anliegen, hoffe aber auch auf Verständnis für unsere Lage.»
Harry Tresch / Neue Urner Zeitung

Der Gletscher wird eingepackt.
Bild: Patrick Pauli