Ötztaler Seilbahnpionier feiert Hans Falkner feiert 90er

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snowflat
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Ötztaler Seilbahnpionier feiert Hans Falkner feiert 90er

Beitrag von snowflat »

Sind ein paar interessante Äußerungen im Interview zu lesen:
Ötztaler Seilbahnpionier feiert Hans Falkner feiert 90er

Hans Falkner ist der Architekt des Ötztaler Tourismus. Heute stört ihn der Bürokratismus am meisten.

Bild
^^ Buggels: 'Heute muss man aufpassen, dass es nicht abwärts geht – die Bürokratie ist das Schlimmste'.

TT: Herzliche Gratulation zum heutigen 90. Geburtstag.

Falkner: Mir wäre lieber, es hätte ein anderer Geburtstag. Ich mag nicht so im Mittelpunkt stehen.

TT: Wenn Sie jetzt zurückblicken: Worauf sind Sie am meisten stolz?

Falkner: Am wichtigsten ist, dass man versucht, die Sachen zu erreichen, die man erreichen kann. Ich habe sehr viel erreicht - mehr habe ich gar nie gewollt. Heute aber muss man aufpassen, dass es nicht abwärts geht.

TT: Sie haben den Betrieb bereits vor zehn Jahren übergeben. Sind Sie zufrieden? Mischen Sie sich noch ein?

Falkner: Ich bin mit den Kindern sehr zufrieden. Ab und zu frage ich schon nach, wie es finanziell ausschaut. Das ist ja das Wichtigste.

TT: Wenn Sie Sölden damals und heute vergleichen - haben Sie sich diesen Erfolg vorstellen können?

Falkner: Also meine Vorstellungen sind komplett übertroffen worden. Wir haben weder die Möglichkeit der Landwirtschaft noch sonst etwas - wir haben nur den Tourismus.

TT: Und heute?

Falkner: Es ist vielleicht zu schnell gewachsen. Den jungen Leuten gehts zu gut.

TT: Fehlt ihnen der Biss?

Falkner: Früher hat ein Skilehrer nach der Saison die Schaufel in die Hand genommen und sein Haus gebaut. Heute fährt er sofort in den Urlaub.

TT: Wie war das damals, Tirol und Sölden nach dem Krieg?

Falkner: Wir haben schon in den 30er Jahren die Hotels gehabt. 1946/47 gab's eine erste Skiliftgesellschaft. Die 99 Teilhaber habe ich dann 1955 abgelöst.

TT: Wenn Sie noch einmal von vorne anfangen müssten?

Falkner: Ich beneide meinen Nachfolger nicht, es wird immer schwieriger und die Konkurrenz ist groß. Heute ist es auch mehr der Behördenapparat - das ist das Schlimmste. Es gibt zu viele Beamte. Als ich den Rettenbachferner ausgebaut habe, da bin ich zum Walli gefahren. Und der hat gesagt, das mit den Beamten wird er schon regeln. Handschlagqualität gibts heute nicht mehr. Wenn es heute an etwas krankt, dann an zu viel Bürokratie.

TT: Wie war Ihr Verhältnis zu den Politikern?

Falkner: Einer meiner Grundsätze war und ist: immer ein gutes Verhältnis zu Banken und Politikern - aber niemals Abhängigkeit.

TT: Mit LH Wallnöfer haben Sie gut gekonnt?

Falkner: Ja, der war einem fast böse, wenn man ihm nicht widersprochen hat. Dem hab ich einmal beim Kartenspielen im Stiegl in Politik einen Einser und in Wirtschaft einen Vierer gegeben.

TT: Was sagen Sie zu Wallnöfers Erben?

Falkner: Der van Staa wirkt meiner Meinung nach manchmal zu intelligent - wir brauchen da eher etwas Gröberes. Der Durnwalder kommt dem Walli am nächsten. Mit ihm spiele ich auch Karten.

TT: Wie sehen Sie die Landeseinheit?

Falkner: Mit der hab ich nicht so viel am Hut. Ich hab mit Südtirol aber immer gute Geschäfte gemacht.

TT: Wenn man die großen Seilbahner-Dynastien wie die Falkners, die Denggs, Scheibers oder Kliers ansieht. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Falkner: Es ist überall dort gut gegangen, wo die Spitze klein ist. Je mehr mitreden, desto schwieriger ist es. Ich hab mir mir alles angehört, dann entschieden.

TT: Was sagen Sie zur Entscheidung bei der Pitztaler Talabfahrt?

Falkner: Dazu möchte ich nichts sagen.

TT: Dem Ötztal geht es aber besser als dem Pitztal oder dem Kaunertal?

Falkner: Wir waren vielleicht schneller. Die Pitztaler haben immer gewartet, bis etwas geschieht - und wir haben es selber gemacht.

TT: Sie waren aber nicht immer im Tourismus.

Falkner: Wir hatten eine eigene Bäckerei und den Viehhandel. Dann bin ich mit dem Vater herumgefahren - das war halt so in der Familie. Und als Vorstand des österreichischen Viehhandels, was ich fünf Jahre lang war, bin ich auch viel herumgekommen. Das Wichtigste: Ich bin nie dümmer ins Ötztal zurückgefahren als ich hinausgefahren bin. Für den Kreisky habe ich Stiere nach Libyen zum Gaddafi gebracht. Allein im ersten Jahr waren es 20.000 Stück.

TT: Woher kommt eigentlich der Name Buggels Hans?

Falkner: Das kommt von meinem Großvater - der hat einen Buckel gehabt.

TT: Sie sind nun 90 Jahre alt und rauchen immer noch. Was ist Ihr Rezept?

Falkner: Ich rauche, seit ich 15 Jahre alt war. Heute immer noch eine Schachtel. Einen leichten Südtiroler Rotwein habe ich auch immer gern getrunken. Natürlich fehlt einem immer etwas. Es wird nicht besser.

TT: Was wünscht sich der Buggels Hans zu seinem 90er? Statt Geschenke zu machen sollen die Festgäste ja an die Ötztaler Lebenshilfe spenden.

Falkner: Ein bissl Gesundheit ist das Wichtigste.

Das Gespräch führten Frank Staud und Alexander Paschinger
Quelle: TT
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!

Emilius3557
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Beitrag von Emilius3557 »

Hochinteressant, besten Dank!
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Beitrag von miki »

Heute ist es auch mehr der Behördenapparat - das ist das Schlimmste. Es gibt zu viele Beamte. Als ich den Rettenbachferner ausgebaut habe, da bin ich zum Walli gefahren. Und der hat gesagt, das mit den Beamten wird er schon regeln. Handschlagqualität gibts heute nicht mehr. Wenn es heute an etwas krankt, dann an zu viel Bürokratie.
Warum nur wurde mir der alte Herr auf einmal seeehr sympatisch? :zustimm: :respekt:
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starli
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Beitrag von starli »

Im TV wurde er hinsichtlich seiner Meinung zu Erneuerungen / Erweiterungen im Skigebiet gefragt. Glaub, da hatte er was in der Richtung gesagt, daß 10 Anlagen schon noch drin wären ;-)
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snowflat
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Beitrag von snowflat »

Auch Oberland-Online berichtet von seinem Geburtstag:
„Früher hat ein Handschlag noch gegolten”

Der Sölder Seilbahn-Pionier Hans Falkner wird 90, blickt zurück und voraus

Hans Falkner vulgo Buggels Hans feiert morgen, Donnerstag seinen 90. Geburtstag. Im RUNDSCHAU-Interview blickt der wohl bekannteste Tiroler Seilbahn-Pionier auf ein bewegtes Leben zurück. Und erinnert sich an Zeiten, als die ersten Lifte gebaut wurden. Hans Falkner: „Neid muss man sich erarbeiten, Erfolg muss man sich selbst verdienen.”

Hans Falkner: „Neid muss man sich erarbeiten, Erfolg muss man sich selbst verdienen.”

Das Schönste in seinem Leben waren die Erfolge. Konkret meint er damit die Entwicklung von Sölden zu einem internationalen Wintersportort. Und dass er dies heute noch bei bester Gesundheit erleben darf. Denn Schilifte und Tourismus gibt’s dort erst, seit Hans Falkner die Zeichen der damaligen Zeit erkannte. Das war Mitte der 1940er-Jahre. Der gelernte Bäckermeister, Viehhändler und älteste Sohn von insgesamt zehn Kindern kam aus dem Krieg zurück und hat gesehen: „Ohne Tourismus können wir im Ötztal nicht leben. Er ist unsere einzige Chance.” Der erste Lift, der 1946/47 in Sölden gebaut wurde, war ein Sessellift. „In einer abgeänderten Form fährt dieser heute noch”, sagt Falkner und nimmt einen Zug von seiner Zigarette. Marke Milde Sorte. Der Name „Buggls” kommt übrigens vom buckligen Großvater.

FRÜHER. 1955 trat er als Gesellschafter in die Ötztaler Gletscherbahnen ein. Dazwischen liegen Jahre, in denen er als Viehhändler viel unterwegs war. „Nach dem Krieg startete ich als erster Privater den Vieh-Export nach Italien. Später habe ich mich aber dann ausschließlich auf die Lifte konzentriert”, erinnert sich das Geburtstagskind. Fünf Jahre lang war er der Vorstand der österreichischen Viehhändler.

UNTERSCHIED. Besonders gut in Erinnerung ist ihm die Eröffnung des Gletscher- Liftes im Jahr 1975. „Das war schon ein Großereignis. Der neue Lift war eine wesentliche Verbesserung des Schigebietes.” Der markante Unterschied zu früher sei im Tourismus heute die Abhängigkeit vom Herkunftsmarkt Deutschland. „Heute müssen wir schauen, dass wir auch Gäste aus anderen Ländern wie Russland oder Polen erreichen. Die schlechte Wirtschaftslage bei den deutschen Nachbarn spüren wir in Tirol und auch im Ötztal viel zu gut.” Auch mit dem neuen Tourismusverband sowie der Entwicklung des Aqua Dome ist Falkner zufrieden. „Ich glaube, der Talverband funktioniert ganz gut. Vom Kleindenken müssen wir wegkommen.”

FLEISS, WEITSICHT, DIPLOMATIE. Nie habe er damit gerechnet, einmal so alt zu werden. Ein solides Leben sei sicher der Grund dafür. Was heißt solid? „Nicht immer überall auf den Strang hauen”, meint Buggls Hans nach einer kurzen Nachdenkpause. Im hinteren Ötztal hat er das allerdings schon getan. Denn heute zählt Sölden zu Österreichs Winter-Sport-Orten Nummer eins. 34 moderne Liftanlagen befördern heute an die 68.000 Personen stündlich in die Ötztaler Berge. Falkners Tugenden für Erfolg sind rasch erklärt: Fleiß, Weitsicht und Diplomatie. „Ich war niemals mit einem Bauern am Gericht. Und ich hatte in meinem Leben mit vielen Landwirten und Grundbesitzern zu tun. Damals hat ein Handschlag halt noch gegolten”, blickt er zurück. Die Ötztaler seien immer ein wenig schneller als die Konkurrenz gewesen. Das gute Verhältnis zu Alt-Landeshauptmann Eduard Wallnöfer betont er besonders.

DIE JUNGEN. Vor zehn Jahren hat Hans Falkner die Geschäftsführung zurückgelegt. Jetzt werkeln die Jungen. Tochter Angelika im Hotel Central, Tochter Elisabeth im Bergland, Sohn Jakob bei den Gletscherbahnen und Michael beim Fleischhof. Ein Urteil will er keines abgeben. „Das müssen andere tun.” Jeden Sonntag kommen die Kinder auf Besuch. „Das ist wichtig, weil die Familie gestärkt wird”, erzählt der Vater und Opa von fünf Enkeln. Manchmal plaudert man natürlich über das Geschäft. Verwöhnt hat Hans Falkner seine Kinder aber nie, wie er betont. „Wär’ auch nicht gegangen. Der Wohlstand von damals ist niemals mit dem heutigen vergleichbar.” Verwöhnte Kinder hätten es nämlich später einmal schwer.

AUSGLEICH. Der Ehrenpräsident des Tiroler Wattervereines blickt auch auf eine erfolgreiche Watter-Karriere zurück. In oft nächtelangen Partien hat er so manchen prominenten Gegner bezwungen. Einer von ihnen war Fußball-Legende Ernst Happel. „Freilich hat’s oft länger gedauert. Aber das Kartenspielen war immer Abwechslung und Ausgleich zum stressigen Alltag”, erzählt Falkner. Entspannung fand er auch immer beim Kuren. Einmal im Jahr. „An der Ostsee war ich genau 29 Mal”, erinnert sich Falkner. Heute schläft er lange, geht meist nach den Hauptnachrichten im Fernsehen ins Bett, liest viel Zeitung, geht ein wenig spazieren und trifft ab und zu Freunde.

WÜNSCHE. Zum Schluss die Frage, was er anders machen würde in seinem Leben, wenn er noch einmal von vorne anfangen könnte. Hans Falkner nimmt einen Schluck Kaffee, überlegt kurz und meint: „Da fällt mir jetzt gar nichts ein.” Zum 90er hat er nur einen Wunsch: „G’sundheit, sinsch nix.”
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
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