Quelle: WeltSkitouren und Standardtänze
Von der Piste aufs Tanzparkett
Skitouren und Schwofen: Après-Ski geht auch anders. In Schweizer Skiregionen bitten Bergführer nach der Abfahrt zum Tanz.
Von Bernard van Dierendonck
So luftig und frisch kann Schnee sein. Beim Aufstieg zum sanft geformten Strätscherhorn gleiten die Spitzen unserer Tourenski federleicht durch das pulvrige Weiß. Und bei der Abfahrt reiht jeder mühelos einen Schwung an den nächsten. Erst einige hundert Höhenmeter tiefer, nicht mehr weit vom Talboden des Safientales entfernt, werden die harmonischen Spurenbilder auch mal von einem Stolperer unterbrochen. Der frische Schnee liegt noch ohne Unterlage. Bei besonders engagierten Schwüngen treffen die Skier schon mal auf einen Felsbrocken.
"Das war wie Cha Cha Cha zu Hardrock-Musik", sagt Bergführer Kari Kobler bei der nächsten Verschnaufpause. Und hat damit die Lacher auf seiner Seite. Noch ein paar Schwünge, und dann erwartet die Skitourengruppe zum Après-Ski der Tanzboden.
Kari Kobler ist bekannt als Organisator extremer Himalaja-Expeditionen. Seit neun Jahren veranstaltet er, quasi in seiner Zwischensaison, zusammen mit dem Tanzlehrer Nick Aerni die "Skitouren und Tanzen"-Wochen. Eine Kombination zweier Sportarten, die auf den ersten Blick in etwa so gut zusammen gehören wie klobige Skistiefel und feine Tanzschuhe. Doch das Klischee des introvertierten Bergsteigers hat längst ausgedient. Bergsteigen ist massentauglich geworden. Gerade Skitouren, das Erklimmen abgelegener Berge mit Klebefellen unter den Brettern, ist so beliebt wie noch nie. "Es gibt heute mehr kulturell interessierte Bergsteigende", sagt Kobler, und ergänzt mit einem Schmunzeln: "Wo soll die gepflegte Alpinistin den gepflegten Alpinisten sonst kennen lernen?" Für ihn hätten sich die beiden Sportarten nie ausgeschlossen, sagt der Bergführer. "Lange bevor ich Berge bestieg, tanzte ich leidenschaftlich gern." Dass beides bestens harmoniere, zeige der Erfolg dieser Kombinationswochen. Außerdem seien die Tage im Hochwinter kurz. Früh sei man deshalb von der Tour wieder zurück. "Soll man dann jeden Tag schon um fünf Uhr vor dem ersten 'Kafi fertig' sitzen?", fragt Kobler.
Disco Fox stimmt auf den Abend ein
Nach drei Stunden Aufstieg auf das Strätscherhorn und den Traumschwüngen im frischen Pulver bittet Tanzlehrer Nick Aerni aufs Parkett. Ein Ballsaal mit Orchester erwartet die Alpinisten allerdings nicht. Das "Tanzstübli" im Hotel Rathaus verströmt wenig Charme. Für die Musik sind ein Laptop und zwei Boxen zuständig. Doch tanzbegeisterte Bergsteiger stört das kaum. Ist der Besuch eines Tanzkurses in einem so abgelegenen Skitourengebiet nicht Privileg genug? Zur Einstimmung spielt der CD-Spieler zum Disco Fox auf. Der relativ simple Tanz geht bei allen ohne größere Patzer über die Bühne. Nick Aerni ist zufrieden. Der Mann, der eine zehnjährige, internationale Karriere als Turniertänzer hinter sich hat, legt nach der Aufwärmrunde einen Zacken zu: "Eins, zwei, Rückplatz", ruft er in den Raum, "eins, zwei, natural turn, reverse turn..." Nicht alle wirbeln locker durch den Raum.
Viele kommen ordentlich ins Schwitzen. "Ihr sollt nicht das Aufhören üben", scherzt Aerni und fordert einen seiner Schützlinge, dem die Resignation ins Gesicht geschrieben steht, zum Tanz auf. Der Mittdreißiger gehört zu den Tanzmuffeln. Kari Kobler sah jedoch einen Männermangel voraus und überredete seinen Stammkunden zum Kursus. Und nun merkt der Mann, dass anders als bei seiner Paradedisziplin, dem Skifahren, er beim Tanzen nicht nur auf die eigenen Füße schauen muss.
"Lang, lang, kurz, kurz", kommt vom Lehrer die Anweisung zum Grundschritt. Nicht können ist hier kein Problem. Im "Tanzstübli" befinden sich nur Gleichgesinnte. Und der gemeinsam erklommene Berg und die Tiefschneefreuden verhelfen zu einer unverkrampften Atmosphäre. Da bedeutet auch ein ungewollter Zehenkontakt kein Drama. Während die beiden üben, wirbeln andere Bergtänzer um das Paar herum. Fortgeschrittene, denen Aebi zuvor den Natural Spin Turn - eine überdrehte Rechtsdrehung - gezeigt hatte. "Am besten, du wiederholst den Ablauf der Bewegung hundert Mal", sagt er seinem Schüler, bevor er ihn wieder seiner Tanzpartnerin übergibt.
Das Konzept für diese Tanz-und-Touren-Wochen ist locker. Sie finden in Berggebieten statt, die mit leichten, nicht allzu langen Touren genügend Zeit und Energie für den abendlichen Tanzkurs lassen. Auf dem Programm stehen Standard- und Latein-Gesellschaftstänze, mit denen Aerni problemlos Niveau-Unterschiede ausgleichen kann: "Ich beschränke mich nicht auf einen Stil, bei mir steht Spaß und der schnelle Erfolg im Vordergrund." Damit unterscheidet sich sein Konzept von Markus Wickys "Tourundtanz"-Wochen, die sich jeweils auf einen Tanzstil konzentrieren. Im zentralschweizerischen Hospental wird beispielsweise zum Salsa geladen, in Kandersteg im Berner Oberland übt man den Tango, und in Andeer im Graubünden beschwingt der Lindy Hop. Das spezialisierte Angebot hat sich in den vergangenen Jahren etabliert. Nicht selten zählt Wicky zwischen 20 und 30 Teilnehmer.
Kobler und Aerni nehmen auf ihre Tour hingegen nur halb so viele mit - um den familiären Charakter zu bewahren. Die meisten Teilnehmer sind passionierte Skitouristen und machen auf den schmalen Brettern zunächst einen besseren Eindruck als auf dem Tanzparkett. Doch nur ein Einziger bestätigt letztlich das Klischee, wonach Bergsteigen und Tanzen nicht viel gemeinsam haben: Tanzlehrer Nick Aerni fehlt auf jeder Skitour.
Artikel erschienen am 25.11.2006
Après-Ski mal anders: Erst die Skitour, dann das Tanzparkett
- snowflat
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Après-Ski mal anders: Erst die Skitour, dann das Tanzparkett
Na, richtiger Après-Ski würde mir mehr liegen ... so richtig tanzen ist eh nicht mein Ding.
Zuletzt geändert von snowflat am 29.11.2006 - 20:22, insgesamt 1-mal geändert.
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!
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