www.salzburg.com
Web salzburg.com
Chronik
Leise rieselt esaus tausend Schneekanonen
12. Dezember 2006
Der Winter hatte Erbarmen. Erstmals seit Anfang November kann wieder beschneit werden. Weiße Weihnachten sind wahrscheinlich.
anton kaindlSalzburg (SN). In den Skigebieten herrscht Erleichterung. Nach dem wärmsten Herbst seit Beginn der Wetteraufzeichnung, ist endlich der Winter da.
"Wir haben am Freitagabend mit der künstlichen Beschneiung begonnen", sagt Sepp Mitterer, Pistenchef auf dem Zwölferkogel in Hinterglemm. Seither sind die Schneekanonen auf den Bergen im Dauerbetrieb. Auf dem Zwölferkogel erreichte die Temperatur am Montag nicht mehr als minus sechs Grad. Eine effektive Beschneiung ist ab minus drei Grad möglich. In der Nacht konnte bis ins Tal geschneit werden. Seit Sonntag ist der Skibetrieb bis zur Mittelstation geöffnet. Mitterer hofft, dass er heute, Dienstag, die Talabfahrt freigegeben kann.
Der Aufwand bei der Beschneiung ist groß. "Zwei Mann sind allein am Zwölferkogel die ganze Nacht mit Skidoos unterwegs, um alles zu kontrollieren", sagt Mitterer. Zusätzlich gibt es eine Videoüberwachung "Wir schauen, ob kein Schlauch geplatzt ist und ob die Schneequalität passt", erklärt der Pistenchef. Derzeit wird vor allem feuchter Schnee erzeugt, um eine Unterlage zu schaffen. Feuchter Schnee hält warmen Temperaturen besser stand. In der Saison erzeugt man trockenen Schnee, der besser zum Skifahren ist. Die Feuchtigkeit des Schnees kann an den Schneekanonen mittels der verwendeten Wassermenge geregelt werden.
Auch in Zell am See sind seit Sonntag die ersten Lifte in Betrieb. "Wir konzentrieren uns bei der Beschneiung auf die oberen Bereiche", sagt Hans Wallner, Technik-Vorstand der Schmittenhöhebahn. "Wenn wir überall gleichzeitig beschneien, sinkt wegen der begrenzten Wasserkapazität die Leistung."
Auf der Schmittenhöhe können 160 Hektar Pisten künstlich beschneit werden. Das sind 90 Prozent. "1973 haben wir die erste Schneekanone mit dem Unimog aus München geholt", erinnert sich Wallner. "Das Wasser kam per Feuerwehrschlauch aus dem Schmittenbach."
Heute sind im Zeller Skigebiet 332 Beschneiungsgeräte im Einsatz. Der Stückpreis liegt zwischen 7000 und 40.000 Euro. Zwei Speicherteiche mit je 60.000 Kubikmetern Inhalt liefern das Wasser. Bei voller Beschneiung reicht das für etwa fünf Tage. Dann muss Nachschub aus der Salzach und dem Zeller See auf den Berg gepumpt werden. Im Jahr erzeugen die Zeller etwa 750.000 Kubikmeter Schnee. Das ergibt einen Schneeblock mit 100 mal 100 Metern Grundfläche und 75 Metern Höhe. Die Kosten pro Kubikmeter Schnee betragen bis zu 5 Euro.
Meteorologen tippen auf weiße Weihnachten In den kommenden Tagen ist es mit der künstlichen Beschneiung vorerst vorbei. Heute, Dienstag, steigt die Frostgrenze auf 1500 Meter Seehöhe, am Donnerstag auf 3000 Meter. "Bis Mittwoch kann auf 2000 Meter und im Tal, wo sich Kaltluftseen bilden, beschneit werden", sagt Josef Haslhofer von der Wetterdienststelle Salzburg. "Am Donnerstag ist es vorbei. Da bekommen wir auf 2000 Metern bis zu acht Grad. Dazu ist es strahlend schön." Schon am Sonntag soll sich der Winter aber zurückmelden. Mit einer Nordwestströmung kommen kalte Luft und Schneefall ins Land. "Aus heutiger Sicht gehe ich eher von weißen als von grünen Weihnachten in einem Großteil des Landes aus", sagt Haslhofer.
www.kleine.atWetter: Keine Spur von weißen Weihnachten
Die Meteorologen sind sich einig: Schnee bleibt Mangelware. Vor allem, weil ab Mittwoch auch die Schneekanonen gegen die hohen Temperaturen am Berg chancenlos sein werden.
Seltsame Blüten der Natur im Dezember: Rosen am Grazer Schloßberg Foto: Leser-Reporter Wolfgang Königswieser
Meteorologisch gesehen ist längst Winter - seit 1. Dezember. Aber das Wetter weiß das offenbar nicht. Denn von Winter kann - selbst nach dem kürzlichen Schneesegen im Norden der Steiermark - in den nächsten Tagen nicht die Rede sein. Im Gegenteil: In den Bergen wird es immer wärmer, am Donnerstag "kann man wahrscheinlich sogar die Jacke daheim lassen", wie Meteorologe Herbert Troger vom Wetterdienst "meteo experts" es ausdrückt.
Schneesituation. "Wie im Frühherbst" wird es in den nächsten Tagen in den Höhen, "für die Schneesituation schaut es gar nicht gut aus". Ab Mittwochnachmittag, so Trogers pessimistische Prognose, "sind Schneekanonen kein Thema mehr - es ist viel zu warm." Im Tal gibt es zwar derzeit noch relativ tiefe Temperaturen, aber auch das soll so nicht bleiben. Trotzdem: Im Aichfeld werden Temperaturen um neun Grad erwartet, in den Bergen ist es wärmer. Gegen Wochenende wird es tendenziell wärmer, erst zu Wochenbeginn kann es wieder kühler werden. "Es gibt da zwar einen Kälteeinbruch durch ein Italien-Tief, aber das dürfte rasch wieder abziehen."
Temperatursturz. Friedrich Wölfelmaier von der Regionalstelle Graz der Zentralanstalt erwartet zu Wochenbeginn zwar einen Temperatursturz in 2000 Metern auf minus 10 Grad, "aber der Süden des Landes wird nicht viel davon mitbekommen." Am Dienstag könnte es auch in der Obersteiermark schneien. Dort sind weiße Weihnachten möglich, aber für den Süden schaut es eher nicht danach aus. Bis Anfang nächster Woche wird es jedenfalls keinen Schnee geben. Herbert Troger kann für den Süden auch keinen Schnee anbieten: "Ich lehne mich da jetzt zwar weit hinaus. Aber ich rechne eher mit grünen Weihnachten im Süden."
Häufung. Ist die Klimaerwärmung schuld? Troger ist skeptisch: "Das spielt vielleicht auch eine gewisse Rolle. Aber ich glaube eher, dass es sich um eine zufällige Häufung von bestimmten Windlagen handelt." Denn es dominierten zuletzt immer Süd- und Südwest- anstatt Nord- und Nordwestlagen, und die bringen wärmere Luftmassen mit.
NORBERT SWOBODA